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Hardware- und Systeminfos unter Linux ermitteln

05.01.2014 | 09:31 Uhr |

Wer von Windows kommt, sucht unter den meisten Linux-Distributionen vergeblich einen Gerätemanager oder ein „Systeminfo“. Trotzdem ist es kein Problem, sich über die Hardware-Komponenten eines PCs zu informieren.

Wie viel Speicher steckt im Rechner? Sind noch Bänke frei? Wird die CPU zu heiß? Unterstützt der Prozessor Hardware-Virtualisierung? Solche Fragen beantworten unter Linux typischerweise spezielle Kommandozeilen-Tools. Daneben gibt es auch grafische Alternativen an Bord oder weitere, die Sie manuell nachladen können.

Info-Zentralen: Eingebaut und nachinstallierbar

Die Ausstattung an Info-Software unterscheidet sich bei den aktuell populären Distributionen deutlich:

Auf Distributionen mit KDE-Desktop ist in der Regel das „KDE Info Center“ vorinstalliert. Dieses bietet auf der Seite der grafischen Tools den benutzerfreundlichsten Einblick in die Rechnerausstattung. Das Modul „Device Information“ zeigt alle angeschlossenen Peripheriegeräte, Schnittstellen und Ressourcen, unter „Memory“ erscheint die stets aktualisierte Speicherauslastung. Das kinfocenter lässt sich auch unter anderen Desktop-Umgebungen wie Gnome oder Unity mit

sudo apt-get install kinfocenter

nachrüsten, zieht dabei aber circa 150 MB KDE-Bibliotheken mit sich.

Open Suse bietet unter dem Punkt „Systemeinstellungen > Yast > Administrator Settings“ ein umfangreiches grafisches Kontrollzentrum, das unter anderem auch den Punkt „Hardware-Informationen“ enthält. Die dort nach kurzer Überprüfung angezeigten Details sind ausführlich, allerdings nicht auf das Wesentliche zu filtern. Einen schnellen Überblick können diese „Hardware-Informationen“ also nicht leisten, und neben unnötigen Detailangaben fehlen andererseits wesentliche Informationen.

Linux Mint hat das grafische Tool hardinfo („System Profiler und Benchmark“) an Bord. Es ist im Menü unter den „Systemtools“ zu finden. Das Tool hat links eine Kategorienspalte, zeigt im rechten Fenster die zugehörigen Werte und generiert auf Wunsch auch einen HTML-Export. Hardinfo ist übersichtlich, klickfreundlich und zeigt wesentliche Infos. Aber auch hier fehlen wichtige Angaben, während andererseits etwa die unsortierten Detailinfos über diverse „Memory“-Spezifika die wenigsten Nutzer ernsthaft interessieren dürften.

Ubuntu gibt standardmäßig sehr wenig über Hardware und System preis: Was hier unter „Systemeinstellungen > Informationen“ angezeigt wird, kommt über Gesamtspeicher, CPU und die Angabe der Ubuntu-Version nicht hinaus. Wer ein grafisches Übersichtsprogramm vermisst, kann mit

sudo apt-get install hardinfo

das bereits genannte Tool hardinfo nachinstallieren.

Ganz auf Hardware spezialisiert: i-nex ist das übersichtlichste und präziseste grafische Werkzeug zur Hardware-seitigen Rechner-Inventur.
Vergrößern Ganz auf Hardware spezialisiert: i-nex ist das übersichtlichste und präziseste grafische Werkzeug zur Hardware-seitigen Rechner-Inventur.

Ein empfehlenswertes grafisches Tool ist ferner i-nex 0.5.2, das Sie unter I-Nex als DEB-Paket erhalten und mit Doppelklick unter Ubuntu installieren und danach verwenden können. Das Programm ähnelt CPU-Z für Windows, ist deutlich übersichtlicher und präziser als hardinfo, beschränkt sich aber ausschließlich auf die Hardware-Komponenten Ihres Rechners.

Die Kommandozeilen-Tools

Die meisten grafischen Tools gießen nur die Ausgabe von Konsolen-Kommandos in eine hübschere grafische Form. Daher suchen und filtern Sie die gewünschten Daten letztlich übersichtlicher und zielsicherer, wenn Sie sich gleich mit Konsolenwerkzeugen wie dmidecode, lspci, lsusb, lshw, hwinfo und sensors anfreunden können und häufiger benötigte Infos als Script oder als Alias-Abkürzungen für das Terminal ablegen.

Sämtliche PCI-Ports und USB-Geräte zeigen die spezialisierten Tools lspci und lsusb, wobei Sie Gesprächigkeit der Ausgabe durch die Parameter „-v“ und „-vv“ noch erhöhen können. Einen relativ knappen allgemeinen Überblick verschaffen Sie sich mit dem Befehl hwinfo oder:

hwinfo –short

Sie erhalten die wichtigsten Infos zu CPU, Grafikkarte, Festplatte(n), Netzwerkadapter und Festplatten-Controller. Deutlich präziser als bei hwininfo wird es mit dem Hardware-Lister lshw, der auf den meisten Distributionen vorinstalliert ist. Nach

sudo lshw –short

sehen Sie unter anderem für die Klasse „memory“ die belegten und die nicht belegten RAM-Slots sowie die Kapazität der einzelnen Speichermodule. Eine ganz detaillierte Aufstellung der Speicherbestückung liefert dmidecode mit dem dafür vorgesehenen Schalter „-t 17“:

sudo dmidecode -t 17

Hier erhalten Sie für jedes „Memory Device“ eine exakte Info über Größe, Typ und Geschwindigkeit. Die zahlreichen Schalter und Typenschlüssel von dmidecode können Sie mit man dmidecode abfragen.

Inxi: Dieses Kommandozeilen-Tool ist eine Info-Perle für alle, die keinen Text-Output im Terminal scheuen. Sie erhalten das Deb-Installationspaket für Ubuntu mit

wget ftp://cathbard.com/binary/inxi*.deb

und können es dann per Doppelklick installieren. Die Terminal-Eingabe

inxi –v7 –c12

wirft dann alle wesentlichen Hardware-Infos aus. „v7“ steht für den höchsten Verbose-Level, also für möglichst umfangreiche Ausgabe, „-c12“ ist nur eine Farb-Codierung zur besseren Lesbarkeit. Selbstverständlich kann inxi auch gezielt Einzelinfos abrufen, etwa inxi –S zur detaillierten Anzeige des Betriebssystems oder inxi –s zur Abfrage der Temperatursensoren. man inxi zeigt die ganze nicht ganz triviale Schalterpalette des Tools. Zur Abfrage der Temperatur nutzt inxi das Tool lm-sensors, das daher ergänzend installiert werden sollte.

Ausgabe des Kommandos sensors: Das Tool nennt auch gleich kritische Vergleichswerte, so dass Sie die aktuellen Werte beurteilen können.
Vergrößern Ausgabe des Kommandos sensors: Das Tool nennt auch gleich kritische Vergleichswerte, so dass Sie die aktuellen Werte beurteilen können.

Sensors kann die Temperatur von Prozessor und Hauptplatine anzeigen. Es benötigt allerdings die vorherige Installation von lm-sensors (Linux-Monitoring Sensors). Unter Ubuntu richten Sie es mit diesem Befehl ein:

sudo apt-get install lm_sensors

Danach konfigurieren Sie das Tool mit

sudo sensors-detect

ein, wobei Sie alle Fragen bejahen. Nach dem Scan nach vorhandenen Sensoren erhalten Sie dann durch die Eingabe sensors oder mit dem Programm inxi die aktuellen Temperatur-Infos.

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