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Neues WAP-Billing: So funktioniert der Schutz vor Abo-Fallen

02.03.2011 | 10:40 Uhr |

Die Mobilfunk-Provider reagieren auf die Probleme mit Abzock-Apps und entwickeln ein neues WAP-Billing-Verfahren, das Smartphone-Besitzer vor betrügerischen Abo-Fallen schützen soll. Wie stellen das neue WAP-Billing-Verfahren ausführlich in einer Screenshot-Galerie Schritt für Schritt vor.

Seit einiger Zeit machen Meldungen die Runde, nach denen unseriöse Unternehmen Smartphone-Apps für Abzockversuche entdeckt haben. Ohne dass der Smartphone-Besitzer es mitbekommt, schließt er ein Abo ab, wenn er versehentlich auf die in einer App eingeblendete Werbung klickt. Das dicke Ende kommt dann mit der allmonatlichen Handy-Rechnung vom Mobilfunk-Provider – der an der Abzocke auch noch mitverdient. So können auch Android-Nutzer betrogen werden, die im Android Market überhaupt keine Bezahldaten, sprich: Ihre Kreditkartendaten, hinterlegt haben.

So funktioniert bisher die Abzocke mit Abo-Fallen

Der Besitzer eines Smartphones – nach bisherigen Informationen betreffen die Abo-Fallen iOS/iPhone und Android - installiert eine Gratis-App, die sich über Werbeeinblendungen finanziert. Auf die konkrete Werbung, die in diesen Werbeflächen erscheint, haben die Entwickler der Apps meist keinen Einfluss, weil sie diese Werbefläche an Werbevermarkter verkaufen, die selbst entscheiden, was für Werbung sie dann einblenden. Bei Android-Apps ist beispielsweise die Google-Tochter Admob ein wichtiger Vermarkter für In-App-Werbung, wie man diese Art von Werbeflächen nennt.
 
Diese Werbevermarkter platzieren Werbebanner, die unter anderem Abonnements für bestimmten Content an den Mann und an die Frau bringen wollen. Tippt der Smartphone-Besitzer auf eines dieser Werbebanner, dann öffnet sich im Falle der App-Abzocke eine WAP-Seite. WAP ist ein mobiler Webstandard aus den frühen Jahren des Internets. Um das Jahr 2000 setzten viele Entwickler auf WAP ihre Hoffnungen, die sich aber nie erfüllt haben.
 
Diese WAP-Seite hat es aber in sich. Sie übermittelt nämlich die MSISDN (Mobile Subscriber ISDN Number) der im Smartphone eingesetzten SIM-Karte. Anhand der MSISDN können die Werbecontent-Anbieter den Mobilfunk-Provider ermitteln. Dieser wiederum kann seinen Kunden identifizieren. Und die Kosten für das unwissentlich per Fingertipp abgeschlossene Abo auf die monatliche Mobilfunk-Rechnung aufschlagen.

Dazu übermittelt der Werbecontent-Anbieter die MSISDN des Smartphone-Besitzers an den Mobilfunkprovider. Dieser ermittelt den Kunden und schickt dem Werbecontent-Anbieter dessen Mobilfunknummer zurück. Daraufhin schickt der Werbecontent-Anbieter seine Zahlungsforderung wegen des abgeschlossenen Abos an den Provider.

Und der Smartphone-Besitzer? Er sieht von alledem zunächst nur die WAP-Seite (ohne zu wissen, dass es eine mit WAP erstellte Seite ist). Die Konditionen des Angebotes, das ihm die Werbung unterbreitet, sieht der Kunde entweder nicht oder sie sind nur sehr versteckt untergebracht, so dass er sie gar nicht bemerkt. An dieser Stelle stellt sich nun die Frage, ob der Smartphone-Besitzer noch einmal explizit das Abo bestätigen muss oder ob das Abo automatisch und ohne sein Zutun abgeschlossen wird. Mitunter scheinen beim Smartphone-Besitzer Kurznachrichten einzugehen, die eine Flatrate für irgendwelche Inhalte wie Videos versprechen. Von einem Widerrufsrecht und der Einholung einer irgendwie gearteten Zustimmung zu einem Abo ist aber nie die Rede. Das ist jedoch entscheidend, damit ein rechtskräftiger Vertrag zustande kommt.

Das dicke Ende kommt dann mit der nächsten Abrechnung des Mobilfunk-Providers. Auf der Rechnung von Telekom, Vodafone, O2 oder E-Plus taucht dann ein Posten wie Klingenton-Abo oder ein Videoportal auf. Dieses Bezahl-Prozedere nennt sich WAP-Billing. Es wurde eingeführt, damit Drittanbieter wie eben die Werbecontent-Anbieter Kleinbeträge bequem abrechnen können.

An dem Abo verdienen eine ganze Reihe von Unternehmen: Der eigentliche Werbe-Content-Anbieter, der Vermittler (wie Admob), der App-Programmierer und natürlich auch der Mobilfunk-Provider. Letzteres erklärt die Langsamkeit, mit der Telekom, Vodafone, O2 und E-Plus auf das Problem reagierten. Die ohnehin schon recht eingeschränkte Transparenz dieser Vorgehensweise wird noch dadurch erschwert, dass manche kleinere Content-Abo-Anbieter nicht direkt mit den Mobilfunk-Providern zusammenarbeiten, sondern ihrerseits ein Mobile-Payment-Unternehmen beauftragen, das sich um die Eintreibung der ausstehenden Summen kümmert. Ein derartiges Mobil-Payment-Unternehmen ist Ericsson IPX AB mit Sitz in Stockholm, die mit ihren dubiosen Forderungen bereits einen einschlägig schlechten Ruf in diversen Internetforen genießt .

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