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Manjaro 0.8.8 - jung, aber kompetent

11.06.2014 | 11:31 Uhr |

Die noch relativ junge Distribution Manjaro verwandelt Arch Linux mit grafischen Installationshilfen und sorgfältig vorkonfiguriertem XFCE-Desktop in ein einsteigerfreundliches Desktop-System.

Eine Null als Hauptversionsnummer markiert üblicherweise Betaware und Vorabversionen, die höchstens für Experimentierfreudige interessant sind. Manjaro ist trotzdem bereits seit mehreren Ausgaben fit für den Desktop-Einsatz. Dabei ist Manjaro schlank, flink und hat extrem kurze Startzeiten. Das liegt nicht nur an der Wahl des leichtgewichtigen Desktop, sondern auch an einer reduzierten Standardausstattung, die es dem Anwender überlässt, alle benötigten Programme aus einem enormen Paketfundus nach zu installieren.

Arch Linux im Hintergrund

Manjaro ist keine komplett eigenständige Distribution, sondern übernimmt den grundlegenden Aufbau, Kernkomponenten und viele Programmpakete von Arch Linux, kurz „Arch“. In den letzten Jahren ist Arch zu einer populären Linux-Distribution aufgestiegen. Das ist ein überraschender Erfolg, da Arch so ganz gegen den Trend leicht zu installierender Linux-Systeme läuft. Arch hat viele Freunde unter Linux-Anwendern gefunden, die ihr System bis ins letzte Detail selbst konfigurieren, damit ja kein Paket zu viel installiert ist und kein unnötiger Dienst läuft. Die Anforderungen von Arch Linux sind hoch, da schon die Einrichtung weitgehend manuell in einer Shell erfolgt. Nicht nur Einsteiger, sondern alle Nutzer, die eine grafische Bedienung brauchen, kommen da schnell an ihre Grenzen. Manjaro überspringt die Arch-typischen Detaileinstellungen und bringt fertige Komponenten mit, um Anwendern möglichst flott ein installiertes System zu präsentieren.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 3/2014

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Mint lässt grüßen: Die Systemanmeldung übernimmt der Mint Display Manager (MDM), eine Weiterentwicklung des alten GDM2.
Vergrößern Mint lässt grüßen: Die Systemanmeldung übernimmt der Mint Display Manager (MDM), eine Weiterentwicklung des alten GDM2.

Installation von Manjaro

Im Internet liegt Manjaro 0.8.8 in der 64-Bit-Version als installierbares Live-System mit dem Desktop XFCE. Das in deutscher Sprache startende Live-System liefert neben einem textbasierten Installer das neue Installationsprogramm „Thus“. Dies hat Manjaro vom Arch-Mitstreiter Antergos übernommen, und es ist weiterhin im Stil von Linux Mint gehalten, ohne allerdings dessen Optionen zu bieten. Der Installer ist einfach und fragt lediglich Sprache, Standort, Partitionsschema und Benutzerdaten ab. Der erste eingerichtete Benutzer ist gleich für die Verwendung von sudo vorkonfiguriert.

Im Partitionierer des Installers steht die Option „SSD“ zur Auswahl. Falls diese gesetzt ist, bekommen die Partitionen des Laufwerks den zusätzlichen Mount-Parameter „discard“ für optimierende Trim-Befehle in der Konfigurationsdatei „/etc/fstab“ zugewiesen. Bei der ersten Anmeldung zeigen sich auch gleich die nächsten Anleihen bei Linux Mint: Beim Anmeldemanager (Display-Manager) handelt es sich um MDM, eine Weiterentwicklung des alten GDM2 des Mint-Teams.

Fünf aktuelle Linux-Distributionen im Vergleich

Installationsoption im Partitionierer: Die Option „SSD“ richtet automatisch Trim-Optimierung über die „/etc/fstab“ ein.
Vergrößern Installationsoption im Partitionierer: Die Option „SSD“ richtet automatisch Trim-Optimierung über die „/etc/fstab“ ein.

Das Paketsystem von Arch

Mit seinem grafischen Installer und teils eigenen Paketquellen ist Manjaro kein pures Arch mehr. Zu Arch verhält es sich etwa so wie Ubuntu/ Mint zu Debian. Manjaro ist aber wie Arch als „Rolling Release“ konzipiert. Es kann also, einmal installiert, dauerhaft über den Paketmanager auf dem neuesten Stand gehalten werden. Paketsystem und Paketmanager auf der Kommandozeile sind von Arch übernommen. Das Paketformat von Arch ist auf das Nötigste reduziert und hat mit RPM und DEB wenig gemein. Eher noch ist es mit jenem von Slackware zu vergleichen, denn es handelt sich bei Paketen um gepackte tar.xz-Dateien, die höchstens noch ein Bash-Script enthalten. Um die Auflösung von Abhängigkeiten kümmert sich der Paketmanager. Das einfache Format ermöglicht es, Arch-Pakete mit geringem Aufwand aus Quellcode-Tarballs zu bauen, daher gibt es frische Programmversionen meist schneller als bei anderen Distributionen. Allerdings ist die Aktualisierungsfrequenz nicht so hoch wie bei Arch selbst. Libre Office liegt in Version 4.1.4 in den Paketquellen, zudem gibt es Firefox 27 und Thunderbird 24. Der Linux-Kernel ist noch bei Version 3.10. Viele Codecs, der Player VLC und proprietäre Grafiktreiber von Nvidia und ATI/AMD werden vorinstalliert. Zudem liefern „Arch User Repositories“ (kurz AUR) viele inoffizielle Pakete im Quelltext, die bei der Installation kurzerhand kompiliert werden.

Als Paketmanager arbeitet wie bei Arch das Kommandozeilen-Tool pacman, das auch Distributions-Upgrades erledigt. Manjaro bietet aber zusätzlich das grafische Frontend Pamac. Für die Verwendung von AUR gibt es in der Kommandozeile den separaten Paketmanager yaourt.

Fazit: Vielversprechendes Arch

Arch Linux ist im Trend, bekommt viel Lob und Publicity, ist aber aufgrund seiner steilen Lernkurve für Gelegenheitsanwender schwer verdaulich. Deshalb sind um Arch in den vergangenen zwei Jahren gleich mehrere Distributionen entstanden, die sich einen leichteren Einstieg in die Welt von Arch zum Ziel gesetzt haben. Neben Manjaro sind noch Antergos und Chakra zu nennen. Manjaro erscheint als der vielversprechendste Ansatz: Es wirkt ausgereifter als Antergos und bewahrt im Gegensatz zu Chakra deutlich mehr Arch-Feeling.

Das Team um Manjaro ist mit rund einem Dutzend Entwicklern, die in Deutschland und Österreich sitzen, eher klein. Gelingt es diesem Team, weiterhin konstante Qualität zu liefern, kann Manjaro bis zur Version 1.0 zum überragenden Arch-Abkömmling werden. Die Distribution ist schon jetzt eine Empfehlung für Anwender, die eine Prise Arch möchten, aber den Aufwand des Originals scheuen.

Website: http://manjaro.org
Dokumentation: http://wiki.manjaro.org

Manjaro und Varianten: Das installierbare Live-System von Manjaro 0.8.8 gibt es unter anderem auch mit dem KDE-Plasma-Desktop 4.11.3.
Vergrößern Manjaro und Varianten: Das installierbare Live-System von Manjaro 0.8.8 gibt es unter anderem auch mit dem KDE-Plasma-Desktop 4.11.3.

Installationsmedien Alle Varianten im Überblick

Die XFCE-Variante von Manjaro 0.8.8 ist nur eine von vier Versionen, die jeweils in 32 Bit und 64 Bit unter http://manjaro.org/get-manjaro zum Download zur Verfügung stehen. Manjaro mit Openbox (rund 600 MB) ist besonders schlank, die KDE-Variante (1,6 GB) liefert ein komplettes KDE SC 4.11.3. Ganz ohne grafische Oberfläche wird die Manjaro Minimal Net Edition (418 MB) ausgeliefert, die mit einem textbasierten Installer auskommt und nur ein minimales System einrichtet. Weitere Desktop-Umgebungen wie Gnome Cinnamon, Mate und Enlightenment E17 liegen in den Paketquellen.

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