1937028

Mageia 4 - Das bietet die neue Linux-Variante

10.06.2014 | 12:09 Uhr |

Die vierte Version des Mandriva-Ablegers gibt sich mit grafischen Konfigurations-Tools wieder einsteigerfreundlich und im Großen und Ganzen ausgereift. Im Detail zeigt sich dann aber noch so manches Problem.

Nach acht Monaten Entwicklungszeit hat die Mageia-Community im Februar eine neue Version der Distribution vorgestellt, die 2010 als Abspaltung des französischen Mandriva Linux entstandenen ist. Das Ziel von Mageia ist die Weiterentwicklung der freien Variante des kommerziell angehauchten Mandriva unter Beibehaltung jener Tools, die sich schon unter Mandriva und dem Vorläufer Mandrake Linux bewährt haben.

Programme, Desktop und typische Tools

Mageia ist wie Open Suse und Fedora eine Distribution mit der Paketform RPM. Ihre Besonderheit ist eine Sammlung an grafischen Werkzeugen im Stil von Yast. Die funktionieren ganz gut –solange man sich dabei auf ausgetretenen Pfaden bewegt und keine aufwendige oder zu exotische Systemkonfiguration versucht. Für die unkomplizierte Administration liefert Mageia als Schaltzentrale eine Weiterentwicklung des bekannten Mandriva Control Center (MCC) mit, das die wichtigsten Systemeinstellungen über Menüs bereitstellt. Als Paketmanager dient das grafische schon von Mandriva bekannte Rpmdrake, Updates werden mit Mageia Update eingespielt. Beides sind grafische Front-Ends für den Paketmanager urpmi, der auch in der Shell zur Verfügung steht, aber im Vergleich zu apt von Debian/Ubuntu und yum von Fedora nicht sehr komfortabel ist. Dies dürfte die wenigsten Anwender stören, da Einsteiger im Idealfall kein einziges Mal auf die Kommandozeile wechseln müssen, um Software zu installieren oder das System einzurichten.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 3/2014

So klappt der Umstieg von XP zu Linux, Videoüberwachung mit Raspberry Pi einrichten, das beste Linux für jeden PC - das und mehr finden Sie in der neuen LinuxWelt 3/2014 .

Programme, Codecs und Player: Mageias neuer Willkommen-Bildschirm präsentiert unter „Anwendungen“ Abkürzungen zu populären Programmpaketen zur bequemen Installation.
Vergrößern Programme, Codecs und Player: Mageias neuer Willkommen-Bildschirm präsentiert unter „Anwendungen“ Abkürzungen zu populären Programmpaketen zur bequemen Installation.

Ein Neuzugang ist der Willkommensbildschirm im Stil von Linux Mint. Hier gibt es nicht nur Infos zu Dokumentation und Hilfeforum, sondern über „Anwendungen“ auch eine Übersicht populärer Programmpakete. Audio-Codecs, Player und proprietäre Programme wie Skype und Steam-Client sind so ohne lange Suche per Mausklick installiert. Die zentralen Arbeitsumgebungen von Mageia 4 sind KDE SC 4.11.4 und Gnome 3.10. Ins Auge fällt vor allem der aufgeräumte KDE-Plasma-Desktop: Mit einem schlanken Anwendungsmenü im klassischen KDE-Stil und dem Verzicht auf vorbereitete Verknüpfungen auf der Arbeitsfläche wirkt sogar KDE entspannt. Diese Desktop-Auswahl ist aber längst nicht alles.

Mageia bietet über den Paketmanager eine Menge weiterer Arbeitsumgebungen (siehe Kasten: „Große Auswahl an Desktops“). Bei der Software-Inventur fällt auf, dass es den Mageia-Entwicklern in dieser Ausgabe nicht um neueste Versionen geht, sondern um Bewährtes: Der Standard-Webbrowser ist Firefox 24 ESR (Extended Support Release), und auch mit dem kurz zuvor veröffentlichten Libre Office 4.2 wollte man keine Experimente wagen, sondern blieb stattdessen bei 4.1.3. Der Linux-Kernel ist mit 3.12.9 dagegen recht frisch.

Mageia 4 installieren: Besser mit DVD-Version

Wer Mageia 4 installieren möchte, sollte dafür die vollständigen DVD-Versionen nutzen, die je nach Version mit Gnome oder KDE einen Umfang von 1,3 bis 1,4 GB haben. Die Downloads der ISO-Dateien stehen unter www.mageia.org/de/downloads zur Verfügung. Die Live-DVDs sind multilingual ausgelegt und bieten schon nach dem Boot die Auswahl der gewünschten Sprache an. Der Installationsassistent richtet sich an Anwender mit etwas Erfahrung und erlaubt auch die Neupartitionierung der Festplatte inklusive einer Verkleinerung von Windows-Partitionen. Grub1 kommt als Bootloader noch standardmäßig noch zum Einsatz, Grub2 ist optional.

Achtung: Die im Partitionierer angebotene Verschlüsselung von Partitionen funktionierte bei mehreren Tests nicht.

Fünf aktuelle Linux-Distributionen im Vergleich

Die Schaltzentrale von Mageia: Das Control Center hat Mageia von Mandriva übernommen. Für die wichtigsten Aufgaben von Konfiguration und Administration gibt es hier grafische Menüs.
Vergrößern Die Schaltzentrale von Mageia: Das Control Center hat Mageia von Mandriva übernommen. Für die wichtigsten Aufgaben von Konfiguration und Administration gibt es hier grafische Menüs.

Fazit: Sonnig bis wechselhaft

Mageia ist eine noch nicht rundum gereifte Distribution, die aber keine größeren Probleme macht, wenn man sie von DVD-Medien installiert und nicht von einer der minimal ausgestatteten Live-CD. Denn diese minimalen Mageia-Systeme bereiten zu viele Probleme bei der Anpassung. Die grafischen Konfigurationshilfen sind gerade für Einsteiger ausreichend, das System für den Desktop-Betrieb einzurichten. Es bleiben einige Ecken und Kanten, die irritieren: Im Panel finden Sie Benachrichtigungen zu Updates, die sich von dort aber nicht installieren lassen, da der zuständige Paketmanager „Apper“ hängen bleibt. Updates kann man aber mit dem Programm MageiaUpdate einspielen. Einige Programme fragen beim Start über einen grafischen Dialog nach einem Kennwort zur Authentifizierung, und hier ist oft nicht klar, ob das root-Passwort oder das Benutzerpasswort verlangt wird, denn es gibt beide Varianten. Dass nicht wie bei Open Suse und Fedora neben dem root auch gleich sudo automatisch eingerichtet wird, erscheint anachronistisch. Es empfiehlt sich, während der Installation die Fehlerkorrekturen in der Dokumentation unter url link https://wiki.mageia.org/en/Mageia_4_Errata https://wiki.mageia.org/en/Mageia_4_Errata _blank zu lesen, da hier schon einige bekannte Bugs dokumentiert sind.

Website: www.mageia.org/de
Dokumentation: www.mageia.org/de/doc

Breites Angebot: Anders als das minimalistische Live-System bringt die Installations-DVD von Mageia 4 neben Gnome und KDE diverse zusätzliche Desktops mit.
Vergrößern Breites Angebot: Anders als das minimalistische Live-System bringt die Installations-DVD von Mageia 4 neben Gnome und KDE diverse zusätzliche Desktops mit.

Große Auswahl an Desktops

Mageia 4 hat die Zahl der verfügbaren Desktops tüchtig ausgebaut. Bei der 3,7 GB-Installation , und über den Paketmanager gibt es mit Gnome und KDE nicht nur Mainstream, sondern auch XFCE 4.10, Mate 1.6 und Cinnamon 2.0. Sogar Enlightenment E17 und Razor-QT stehen bereit. Mageia 4 eignet sich damit gut zum Ausprobieren verschiedener Umgebungen, von denen man übrigens auch mehrere nebeneinander installieren kann.

0 Kommentare zu diesem Artikel
1937028