Der entscheidende Grund für eine Umstellung auf Linux liegt in den erhofften Kostenvorteilen. Daran hat sich seit der ersten Erhebung des IT-Dienstleisters kaum etwas geändert. Häufig hänge das Kostenargument eng mit dem Wunsch nach mehr Herstellerunabhängigkeit zusammen, kommentieren die Berater. Den Durchbruch in Sachen Kosten und Rechnerleistung brachte nach ihrer Einschätzung die x86-64-Architektur, die inzwischen sowohl AMD als auch Intel mit etlichen Prozessormodellen anbieten. Vor diesem Hintergrund lasse sich auch erklären, warum Power- oder Itanium-basierende Rechner im SAP-Migrationsmarkt keine besondere Rolle spielten.
Multi-Core- und Multi-Threading-Technologien haben die CPU-Leistung um ein Vielfaches gesteigert, erläutert Spöcker. Einfache Zwei- oder Vier-Prozessor-Server übertreffen häufig ohne Probleme viel größere Systeme mit dem gleichen Betriebssystem, auch wenn diese nur ein oder zwei Jahre älter sind. Installationen, die zuvor Acht- oder 16-Wege-Server benötigten, ließen sich heute auf Zwei- oder Vier-Wege-Servern implementieren. Der Aufstieg von x64-basierenden Servern in den Midrange-Bereich stelle für Unix ein Problem dar: Vier- und Acht-Wege-Server mit x64-Chips erreichten heutzutage leicht Benchmark-Bereiche, die zuvor Acht-Wege-Systemen unter Unix vorbehalten waren.
RoI nach neun Monaten
In einem Whitepaper stellt Realtech ein Modell vor, das es erlaubt, SAP-bezogene Server-Kosten zu berechnen und zu vergleichen. Damit soll sich der finanzielle Aufwand einer SAP-Installation auf Linux im Vergleich zu Unix analysieren lassen. Die Migrationskosten fallen je nach Kunde unterschiedlich aus, so Spöcker. Sie hängen zusammen mit der Unternehmensgröße, aber auch mit dem Umfang der zu migrierenden SAP-Systeme und den Anforderungen bezüglich Verfügbarkeit und Ausfallzeit. Nach einer Umstellung von Unix auf Linux hätten Kunden einen Return on Investment (RoI) in einem Zeitraum zwischen neun Monaten und zweieinhalb Jahren erreicht.
Zu den Referenzkunden des Beraters gehört Enso, ein IT-Dienstleister für Energieanbieter im Osten Deutschlands. Die Verantwortlichen verglichen die Kosten mehrerer Betriebssystem- und Datenbankszenarien für den SAP-Betrieb. Als günstigste Plattform erwies sich eine Konfiguration aus Suse Linux Enterprise Server und der Datenbank MaxDB auf x64-Servern mit AMDs Opteron-Prozessoren. Durch die Migration habe Enso im Plattformbereich erhebliche Einsparungen erzielt, berichtet Spöcker, ohne allerdings eine genaue Summe zu nennen.
Virtualisierung als Treiber für Linux
Das Hype-Thema Virtualisierung spielt in einschlägigen Umstellungskosten derzeit noch kaum eine Rolle. Das aber werde sich schnell ändern, glaubt der Berater. Unternehmen könnten damit im SAP-Umfeld die Gesamtkosten für Hardware und Administration noch einmal senken: "Linux-basierende Virtualisierung wird in SAP-Produktivumgebungen an Bedeutung gewinnen. Der Trend zum Umstieg von Unix auf Linux wird sich noch weiter verstärken."
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