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Linux: Grub-2-Troubleshooting

16.12.2013 | 11:18 Uhr |

Der Boot-Loader ist das erste Programm auf Festplatte, das startet, wenn ein PC eingeschaltet wird. Er lädt den Linux-Kernel oder ein anderes System – meist erfolgreich. Daher sind viele Anwender bei Boot-Loader-Problemen überfordert. LinuxWelt erklärt, wie Sie dann vorgehen können.

Der Grand Unified Bootloader Grub 2 steht üblicherweise im Master Boot Record (MBR) der ersten Festplatte. Von dort startet der Boot-Loader das eigentliche Betriebssystem. Probleme treten nur selten auf. Aber wenn es dazu kommt, dann lässt die Dürre der Fehlermeldungen verzweifeln. Grub 2 meint dann recht trocken „error: no such disk“ oder noch trockener „GRUB _“ oder startet eine Kommandozeile mit dem Prompt „grub> _“. In solchen Fällen gibt es eine ganze Reihe einschlägiger Reparaturmethoden:

A. Sie starten das System aus der Grub-Kommmandozeile und schreiben die Konfigurationsdatei neu.

B. Sie starten den Rettungsmodus und installieren Grub 2 neu.

C. Sie vertrauen auf die Fähigkeiten des Spezialsystems Rescatux, das Boot-Probleme erkennt und weitgehend automatisch repariert.

D. Der klassische Weg: Sie reparieren Grub 2 mit Hilfe einer Ubuntu-Live-CD auf dem betroffenen Datenträger. Unser Beitrag erläutert die Vorgehensweise dieser Reparaturmethode.

Hilfe bei Error-Codes 11, 15 oder 17

In Grub 2 sollten kryptische Fehler-Codes wie „Error 11“, „Error 15“ oder „Error 17“ nicht mehr auftreten. Kommen sie dennoch vor, befindet sich im MBR noch eine ältere Boot-Loader-Version Grub Legacy. Abhilfe schaffen Sie, indem Sie mittels einer aktuellen Linux-Live-CD Grub 2 neu in den MBR installieren.

Schritt 1: System analysieren

Schritt 1 – Informationen sammeln: Der Befehl sudo bootinfoscript schreibt umfassende Infos über Festplatten und Grub-2-Konfiguration in die Datei „RESULTS.txt“.
Vergrößern Schritt 1 – Informationen sammeln: Der Befehl sudo bootinfoscript schreibt umfassende Infos über Festplatten und Grub-2-Konfiguration in die Datei „RESULTS.txt“.

Umfassende Kommandozeilenkenntnisse sind zur Analyse nicht erforderlich: In Ubuntu, das Sie im Notfall als Zweitsystem von CD/DVD starten, gibt es ein Script, das die nötigen Informationen liefert: Installieren Sie das boot-info-script mit dem Befehl
sudo apt-get install boot-info-script

Starten Sie es anschließend mit
sudo bootinfoscript

Die Auswertung finden Sie in der Datei „RESULTS.txt“ im Home-Verzeichnis. Darin stehen die Inhalte der Grub-Konfigurationsdatei, die Datei „/etc/fstab“ sowie Infos über die Dateisysteme und die UUIDs der genutzten Festplatten. Mit diesen Resultaten gehen Sie dann zum nächsten Schritt.

Schritt 2: Grub neu einrichten Booten Sie ein Ubuntu-Live-System. Ein Ubuntu sollte es deswegen sein, weil die nachfolgenden Befehle auf Debian/Ubuntu-Systeme abgestimmt sind. Wo das Booten per CD/DVD – etwa bei Netbooks – nicht möglich ist, erzeugen Sie vorher mit Hilfe des Startmedienersteller-Programms ein entsprechendes System auf einem USB-Stick und booten von diesem. Nach dem Start des Live-Systems öffnen Sie ein Terminal und lokalisieren die bootfähige Festplatte. Diese hängen Sie per mount-Befehl ein, etwa so:
sudo mount /dev/sdXY /mnt

X und Y stehen für die Festplatte (X) und die Partition (Y) – etwa „sdc1“. Eine separate Boot-Partition muss ebenfalls vorab eingehängt werden; der Befehl dazu lautet:
sudo mount /dev/sdXY /mnt/boot

Achtung: Auf Rechnern mit „(U)EFI“-Boot-Verfahren heißt die zweite Pfadangabe „/mnt/boot/efi“.

Das weitere Vorgehen hängt von der Art der notwendigen Reparatur ab. Müssen Sie die Konfigurationsdatei von Grub 2 neu erzeugen - etwa weil die Systemfestplatte nicht erkannt wird, verwenden Sie die sogenannte chroot-Methode (2a); das gilt auch für Dual-Boot- und Raid-Spezialsysteme oder Luks- sowie LV-Partitionen.

Ist die Grub-Konfigurationsdatei hingegen in Ordnung (etwa nach einer Windows-Installation), dann installieren Sie lediglich Grub 2 erneut in den MBR – und zwar mittels der sogenannten Root-Directory-Methode (2b).

Schritt 2a: chroot-Methode
Nach dem Einhängen der Boot-Partition bereiten Sie mit folgenden Kommandos den Wechsel in die chroot-Umgebung vor:
sudo mount -o bind /dev /mnt/dev sudo mount -o bind /sys /mnt/sys sudo mount -t proc /proc /mnt/proc sudo cp /proc/mounts /mnt/etc/mtab sudo chroot /mnt /bin/bash

Anschließend installieren Sie die Grub-2-Dateien in das Verzeichnis „/boot/grub“ und schreiben Grub 2 in den MBR:
grub-install /dev/sdX

Auch hier müssen Sie anstelle des „X“ den korrekten Laufwerksbuchstaben angeben. Bei Fehlermeldungen prüfen Sie die Installation noch einmal mit dem Parameter „--recheck“:
grub-install --recheck /dev/sdX

Abschließend erzeugen Sie mit update-grub die Konfigurationsdatei neu und verlassen mit „Strg-D“ die chroot-Umgebung.

Hinweis: Wenn Sie ein Raid-System verwenden, müssen Sie eventuell vor dem Wechsel in die chroot-Umgebung die mdadm-Tools installieren. Danach hängen Sie die Systempartition ein und prüfen die mdadm-Konfigurationsdatei mit sudo mdadm --examine –scan . Die restliche Vorgehensweise ist identisch.

Schritt 2b: Root-Directory-Methode
In einem Live-System müssen die Devices von USB oder CD eingebunden werden:
sudo mount --bind /dev/ /mnt/dev

Danach wird Grub 2 neu installiert:
sudo grub-install --boot-directory=/mnt/boot /dev/sdX

Hier muss statt „X“ wieder die korrekte Festplattenbezeichnung angegeben werden (meist a). Für ältere GRUB-2-Versionen lautet der Parameter etwas anders:
sudo grub-install --root-directory=/mnt /dev/sdx

Ist alles erledigt, können Sie das System neu starten. Grub 2 sollte wieder normal arbeiten. In einem Terminal sollten Sie allerdings noch mit
sudo update-grub

die Konfigurationsdatei aktualisieren.

Tipp: Grub-2-Reparatur für Anfänger
Für Anfänger gibt es noch eine grafische Alternative, um Grub zu reanimieren: boot-repair löst häufige Boot-Probleme. Das Tool hilft Anwendern, die mit der Kommandozeile auf Kriegsfuß stehen. Es analysiert das System und speichert diese Daten im Internet. Dort können Helfer sie betrachten und Tipps zur Reparatur geben. Boot-repair wird innerhalb eines externen Live-Systems einfach in einem Terminal installiert und ausgeführt:
sudo add-apt-repository ppa:yannubuntu/boot-repair sudo apt-get update sudo apt-get install -y boot-repair boot-repair
Anschließend klicken Sie auf die Schaltfläche „Recommended repair“ und warten ab. Notieren Sie sich nach der Reparatur die URL mit der Analyse Ihres Systems und starten den Rechner neu. Sollte die Reparatur misslungen sein, geben Sie die URL an Leute weiter, die Ihnen mit den Ergebnissen der Analyse helfen können.

Grub-2-Menü nach Windows-Installation wiederherstellen

Wenn Sie Linux und Windows zusammen auf einem Computer installieren wollen, installieren Sie zuerst Windows und danach Linux. Das hat zwei einfache Gründe: Zum einen überschreibt Windows ohne Rücksicht auf vorhandene Einträge grundsätzlich den Master Boot Record (MBR) der Boot-Platte. Der Boot-Manager Grub 2, der im MBR steht, geht dabei verloren. Hingegen sucht Grub 2 während der Linux-Installation nach vorhandenen Betriebssystemen und integriert diese in sein Menü.

Sollte es erforderlich sein, Windows nach Linux zu installieren, können Sie den Boot-Manager Grzb 2 auch mit dem Kommando grub-install von einer aktuellen Desktop-CD wieder in den Boot-Sektor der Festplatte installieren. Danach starten Sie den Rechner wieder wie gewohnt.

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