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Grub-2-Ausfall: So klappt die Starthilfe für Linux

13.01.2015 | 13:03 Uhr |

Der Verlust des Bootmanagers von Grub 2 äußert sich dramatisch, ist aber nicht wirklich tragisch: Sofern das Linux-System und dessen Partitionen noch intakt sind, ist die Reparatur mit einfachen und komfortablen Mitteln möglich.

Während Linux-Distributionen bei der Einrichtung des Bootloaders andere installierte Betriebssysteme gleichwertig behandeln und die Installer von Debian, Ubuntu, Fedora und Open Suse auch Windows ins Bootmenü aufnehmen, ist das umgekehrt nicht der Fall: Windows überschreibt bei einer Parallelinstallation im Bios-Modus den Bootmanager von Linux-Systemen mit seinem eigenen. Dieses Szenario tritt auch bei einer Reparaturinstallation von Windows ein. Da Windows dabei aber nur den Master Boot Record (MBR) überschreibt und die Linux-Partitionen selbst in Ruhe lässt, brauchen Sie nur den MBR mit Hilfe von Grub 2 neu zu schreiben. Das Linux-System selbst braucht dazu nicht mehr bootfähig zu sein. Nur die Partitionen des Systems müssen nicht vollständig sein. Gleich drei Möglichkeiten bieten sich zur Reparatur an, wobei bei Verschlüsselung mit Cryptsetup-Luks oder der Verwendung von LVM (Logical Volume Manager) nur die erste Variante funktioniert.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 5/2014

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Starthilfe: Die Super Grub Disk 2 findet auch bei überschriebenen MBR die Grub-2-Konfiguration installierter Linux-Systeme und bietet diese in einem Bootmenü an.
Vergrößern Starthilfe: Die Super Grub Disk 2 findet auch bei überschriebenen MBR die Grub-2-Konfiguration installierter Linux-Systeme und bietet diese in einem Bootmenü an.

Variante 1: Die Super Grub Disk 2

Laden Sie sich Super Grub Disk 2 herunter. Das Tool ist eine Notfallversion von Grub 2, die Ihnen hilft, das gewünschte Linux-System von der Festplatte zu booten. Nachdem Sie das Image auf eine DVD gebrannt haben, starten Sie Ihren PC darüber und gehen Sie im Menü der Super Grub Disk 2 auf den Eintrag „Everything“. Anschließend überprüft das Tool die Festplatten nach einem Grub-2-Bootmanager und zeigt alle gefunden Kernel in einer Liste an. Darunter, unterhalb von „Entries from...“, finden Sie aber auch einen Eintrag mit dem Namen der Distribution. Keine Sorge übrigens, wenn das liegengebliebene Linux-System mit Cryptsetup-Luks verschlüsselt ist: Beim Systemstart werden Sie zur Eingabe des Passworts mit „Enter Passphrase“ automatisch aufgefordert. Starten Sie das System über diesen Eintrag. Im laufenden System öffnen Sie dann ein Terminal-Fenster und geben

grub-install --recheck /dev/ sd[Festplatte] update-grub

mit root-Rechten oder mit vorangestelltem sudo ein. Statt [Festplatte] verwenden Sie die Kennung der Festplatte, die vom Bios des PCs gebootet wird. In den meisten Fällen ist dies „/dev/sda“. Dies ist nicht zwingend die Systempartition, sondern einfach die Festplatte, welche den dem MBR des Bootloaders für den Systemstart über Bios enthält. Grub 2 erstellt ein neues Bootmenü mit allen erkannten Betriebssystemen und schreibt dann den MBR neu.

Linux: Grub-2-Troubleshotting

Reparatur mit einem Live-System: Da das Live-System zunächst nicht weiß, welche Partition die Systempartition ist, müssen Sie diese erst manuell einhängen (hier „/dev/sdb1“).
Vergrößern Reparatur mit einem Live-System: Da das Live-System zunächst nicht weiß, welche Partition die Systempartition ist, müssen Sie diese erst manuell einhängen (hier „/dev/sdb1“).

Variante 2: Live-System der Distribution

Die Reparatur von Grub 2 können Sie auch mit einer Live-CD der installierten Distribution erledigen. Achten Sie darauf, dass es sich um die gleiche Version wie beim installierten System handelt, da unterschiedliche Versionen von Grub 2 nicht immer kompatibel sind. Wenn Sie also ein Ubuntu 14.04 LTS reparieren möchten, brauchen Sie eine Live-CD von Ubuntu/Kubuntu/Xubuntu/Lubuntu 14.04 LTS oder von Linux Mint 17 – und zwar auch in der zutreffenden Architektur (32 oder 64 Bit). Im Live-System ermitteln Sie zuerst, auf welcher Partition das Linux-System installiert ist. Bei der Identifikation hilft das Kommando sudo fdisk -l oder auch der Partitionierer Gparted, der in vielen Live-Systemen enthalten ist. In diesem Beispiel gehen wir davon aus, dass Linux auf der Partition „/dev/ sdb1“ installiert ist und die Festplatte „/dev/sda1“ vom Bios gebootet wird. Geben Sie diese beiden Befehle mit root-Rechten oder mit Hilfe von sudo in der Konsole ein:

sudo mount /dev/sdb1 /mnt sudo grub-install --root-directory=/mnt /dev/sda

Wenn alles geklappt hat, bekommen Sie nach dem nächsten Neustart ein neues Grub-2-Menü angezeigt, das Einträge für alle installierten und erkannten Betriebssysteme enthält. Sollte es nicht klappen, so liegt dies meist an einer separaten „/boot“-Partition des Linux-Systems. Bei einer separaten Partition für „/boot“, was bei Cryptsetup-Luks und LVM Standard ist, müssen Sie bei der Reparatur noch einen Zwischenschritt einschieben. In diesem Fall liegt die Grub-2-Konfiguration nicht auf der Systempartition, sondern auf „/boot“. Um Grub 2 zu reparieren, brauchen Sie Zugriff auf „/boot“ und auf die Systempartition. Finden Sie zuerst mit dem Kommando sudo fdisk -l oder mit Gparted heraus, welche Kennung („/dev/sd[XY]“) die Partition „/boot“ hat und welche Kennung die Systempartition besitzt. Angenommen, die Partition „/boot“ hat die Kennung „/dev/sdb6“ und die Systempartition hat die Kennung „/dev/sdb1“, geben Sie diesen Befehl im Live-System ein:

sudo mount /dev/sdb1 /mnt

Anschließend hängen Sie die „/boot“-Partition des installierten Systems ein:

sudo mount /dev/sda6 /mnt/boot

Beachten Sie, dass Sie die Partitionen immer in dieser Reihenfolge einhängen müssen. Der originale Inhalt eines Verzeichnisses ist nämlich nicht mehr sichtbar, sobald Sie eine Partition darin einhängen. Dies bedeutet: Erst die Systempartition einhängen, anschließend die Partition „/boot“ in das Unterverzeichnis „/boot“. Jetzt können Sie Grub 2 neu installieren, in diesem Fall in den Master Boot Record der Festplatte „/dev/sda“, die vom Bios des PCs nach dem Bootsektor durchsucht wird:

sudo grub-install --root-directory=/mnt /dev/sda

Abschließend können Sie neu starten und die DVD des Live-Systems entnehmen. Hat alles funktioniert, meldet sich nach beim nächsten Neustart wieder das Bootmenü von Grub 2 mit allen Einträgen von der Festplatte. Sollte es nicht geklappt haben, überprüfen Sie nochmals die Partitionskennungen, denn hier lauert eine häufige, wenn auch unkritische Fehlerquelle.

Reparatur mit wenigen Klicks: Rescatux ist noch in der Erprobung, aber bei gewöhnlichen Szenarien (ohne Cryptsetup-Luks oder LVM) meist erfolgreich.
Vergrößern Reparatur mit wenigen Klicks: Rescatux ist noch in der Erprobung, aber bei gewöhnlichen Szenarien (ohne Cryptsetup-Luks oder LVM) meist erfolgreich.

Variante 3: Auto-Reparatur mit Rescatux

Das Live-System Rescatux ist vom gleichen Entwickler wie die Super Grub Disk 2, startet aber ein eigenes Reparaturwerkzeug, die „Rescapp“. Beachten Sie, dass Sie Rescatux passend zum defekten System in 32 Bit oder 64 Bit starten müssen. Das Multibootmenü bietet beide Architekturen an. Im automatisch startenden Rescapp gehen Sie auf „Restore Grub“, um für das installierte Linux-System Grub 2 erneut in den MBR zu schreiben. Die Aktion müssen Sie noch mit „Run!“ bestätigen. Rescatux ist noch in der Betaphase und es kommt vor, dass die automatische Reparatur nicht gelingt. Bei Cryptsetup-Luks und LVM ist Rescatux nicht geeignet – hier wenden Sie die zuverlässige Variante 1 an.

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