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Grafische SSH-Clients: Putty, Hot SSH und Co.

30.06.2016 | 14:50 Uhr |

SSH funktioniert unter Linux einfach mit dem gleichnamigen Programm im Terminal. Wer etwas Komfort wünscht, darf sich aber auch von grafischen SSH-Clients verwöhnen lassen: Hier folgt eine Kurzvorstellung vier grafischer Kandidaten.

SSH ist zur Fernwartung von Linux-Servern und zur sicheren Dateiübertragung unabdingbar. Aber nicht allen behagt nacktes SSH mit dem schlichten Open-SSH-Client in der Kommandozeile. Gerade für Anwender, die Grafisches gewöhnt sind, ist das schon mal eine Hürde. Grafische SSH-Clients bauen die Hürden ab und sorgen mit ihren nützlichen Zusatzfunktionen für Komfort. Einige der Funktionen sind auch für Fortgeschrittene interessant, die ansonsten eher mit dem üblichen, weil vorinstallierten SSH-Client in der Kommandozeile arbeiten.

Siehe auch: Die besten SSH-Tools für Linux

Hot SSH: Client unter Gnome

Aus dem engeren Kreis um Gnome stammt das recht schlichte Programm Hot SSH , das als Gnome-App der Philosophie dieser Desktopumgebung folgt. Und diese lautet nun mal „weniger ist mehr“. Eine große Zahl an Features darf man von Hot SSH deshalb zwar nicht erwarten, jedoch hat dieser SSH-Client dennoch einige nützliche Extras in petto. Hot SSH bietet nach dem Start Serveradresse sowie Benutzernamen an und merkt sich die zuletzt verwendeten Verbindungen, so dass diese beim nächsten Aufruf einfach per Klick wieder zur Verfügung stehen. Eine SSH-Verbindung öffnet Hot SSH in einem eigenen Terminalfenster und zeigt dabei am unteren Rand eine Statuszeile mit der gemessenen Netzwerklatenz, der Uptime des SSH-Server, der Zahl der angemeldeten Benutzer und der Systemauslastung (System Load) an. Wird eine zweite Verbindung zum gleichen Server gebraucht, so öffnet ein Rechtsklick in das Terminal und die Option „New Tab for connection“ ein weiteres Unterfenster. Die weitere Option „Open SFTP“ ruft den Gnome-Dateimanager Nautilus zur Dateiübertragung per SFTP zum Server auf. Pro Instanz kann sich Hot SSH aber so wie Putty immer nur zu einem Server verbinden. Geeignet ist das englischsprachige Hot SSH unter Gnome-ähnlichen Desktops, also auch unter Unity , Mate , Cinnamon und XFCE . Die Installation gelingt unter Debian , Ubuntu , Mint und Fedora ganz einfach über den jeweiligen Paketmanager, denn das Paket „hotssh“ liegt in den Standardpaketquellen. Eine Übersicht zu den Funktioniert liefert die offizielle Webseite unter https://wiki.gnome.org/Apps/HotSSH .

Putty für Linux und Windows

Putty: Unter Windows ist das Open-Source-Programm ein Klassiker, unter Linux eher ein Exot. Nützliche Features wie Logging und Lesezeichen machen diesen Client aber auch hier interessant.
Vergrößern Putty: Unter Windows ist das Open-Source-Programm ein Klassiker, unter Linux eher ein Exot. Nützliche Features wie Logging und Lesezeichen machen diesen Client aber auch hier interessant.

Unter Microsoft Windows, das von Haus aus gar keinen Client für SSH mitbringt, ist Putty seit Jahren der populärste Vertreter seiner Zunft. Aber es gibt Putty auch in einer Linux-Version, die nicht nur für Umsteiger auf Linux interessant ist. Der Funktionsumfang ist mit jenem der Windows-Variante identisch und erlaubt im Programmfenster die Definition beliebig vieler Serververbindungen als Lesezeichen unter „Session“, die auch je eigene Einstellungen bekommen können.

Ein besonders nützliches Feature ist die Loggingfähigkeit von Putty, die auf Wunsch die Ein-und Ausgaben einer gesamten Session in eine Textdatei protokolliert.

Auch unter Linux nutzt Putty für die eigentliche Shell-Verbindung sein eigenes Xterm-Terminal und greift auch nicht auf die SSH-Konfiguration des vorhandenen SSH-Clients zu. Das fällt unter Windows nicht ins Gewicht, bedeutet für Linux-Anwender mehr Aufwand bei der Einrichtung des Clients. So müssen SSH-Schlüssel für eine passwortlose Anmeldung erst noch auf eine reichliche umständliche Methode mit dem Tool puttygen in ein eigenes Format konvertiert werden, bevor Putty damit umgehen kann. Die Pakete von Putty liegen bei Debian, Ubuntu, Open Suse und Fedora in den Standard-Repositories.

SSH mit Putty: Passwortlose Anmeldung per Schlüssel

Secpanel: Ideal für Admins

Secpanel: Kein eigenes Terminal und kein eigener SSH-Client. Das Secpanel ist aber ein praktisches Programm für die Verwaltung von SSH-Lesezeichen.
Vergrößern Secpanel: Kein eigenes Terminal und kein eigener SSH-Client. Das Secpanel ist aber ein praktisches Programm für die Verwaltung von SSH-Lesezeichen.

Das Rad erfindet Cluster SSH nicht neu, sondern es nutzt die vorhandenen Programme auf einem Linux-System und arbeitet als Lesezeichen-und Einstellungssammlung. Zur Verbindungsaufnahme kommt der übliche SSH-Client in der Shell zum Einsatz. Secpanel startet dazu auch die gewohnte Terminalanwendung. Das hat den Vorteil, dass beispielsweise bereits eingerichtete Schlüsselpaare zur passwortlosen Anmeldung nahtlos weiter funktionieren. Zudem ist Secpanel das einzige grafische Tool, das aus einem Programmfenster heraus mehrere unterschiedliche Client-Instanzen starten kann.

Welche Terminalanwendung für SSH gestartet wird, lässt sich individuell festlegen. Sofern Filezilla , Nautilus (Gnome) oder Dolphin (KDE) installiert sind, kann Secpanel mit einem Klick auf „SFTP“ einen diesen Dateimanager zur Dateiübertragung aufrufen. Für Anwender, die mit dem üblichen SSH-Client im Terminal zufrieden sind, aber eine Anwendung zur Verwaltung von Einstellungen und mehreren Verbindungen suchen, ist Secpanel die beste Wahl.

Bislang ist Secpanel aber nur in den Repositories von Debian und Ubuntu angekommen, weitere Downloads liefert die Projektwebseite http://themediahost.de/secpanel .

Cluster SSH: Simultane Verbindungen

Cluster SSH ist ein schlichter Client für Spezialaufgaben: Mehrere SSH-Verbindungen lassen sich damit simultan mit den gleichen Kommandos bedienen.
Vergrößern Cluster SSH ist ein schlichter Client für Spezialaufgaben: Mehrere SSH-Verbindungen lassen sich damit simultan mit den gleichen Kommandos bedienen.

Ein Terminaltool, das sich auf mehrere gleichzeitige SSH-Verbindungen spezialisiert, ist Cluster SSH . Als gewöhnlicher SSH-Client ist das Programm auch weniger geeignet, seine Stärke liegt vielmehr darin, mehrere Verbindungen über den Menüpunkt „Hosts -> Add Hosts or Clusters“ zu öffnen, die dann simultan auf die gleichen Kommandos hören. Laufende Verbindungen kann ein Klick in der Liste unter „Hosts“ aber vorübergehend inaktiv schalten.

Seinen Nutzen wird Cluster SSH vor allem dann ausspielen, wenn mehrere Serversysteme vom gleichen Typ mit den gleichen Kommandos gewartet werden sollen. Das Programm kann dann beispielsweise mit nur einer Eingabe auf allen geöffneten Verbindungen gleichzeitig mit einer Eingabe die Softwarepakete aktualisieren oder überall benötigte Pakete installieren. Davon abgesehen wird Cluster SSH mit seiner unfertig wirkenden Oberfläche und seinen unansehnlichen Xterm-Fenstern kaum Freunde gewinnen. Immerhin verwendet das Programm den üblichen SSH-Befehl zur Verbindungsaufnahme und bleibt damit unkompliziert. Verfügbar ist das Programmpaket von Cluster SSH unter allen verbreiteten Linux-Distributionen.

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