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Gopro-Kamerafahrt: Kamera-Seilbahn im Eigenbau

04.05.2016 | 11:08 Uhr |

Rasante Kamerafahrten sind ein genialer Effekt in Action-Videos. Im Film wird so etwas gerne mit einem Schienenfahrgestell realisiert. Doch gerade mit einer leichten Actioncam geht es auch einfacher.

Es ist ein cooler Effekt, wenn in einem Videoclip die Kamera den Mountainbiker oder Skifahrer sozusagen ein Stück begleitet, die Fahrt beispielsweise an einer besonders spektakulären Stelle praktisch aus einer parallelen Perspektive aufnimmt. Mit einer robusten und leichten Actioncam wie der Gopro ist so etwas recht gut zu realisieren – mit einer Art Seilbahn aus Teilen, die man problemlos in jedem Baumarkt findet.

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Das Prinzip

Die Idee hinter der Seilbahn ist einfach: Das Tragseil wird hangabwärts beispielsweise parallel zu einem Teilstück einer Downhill-Mountainbike-Strecke einigermaßen straff gespannt. Auf das Seil hängt man eine Konstruktion mit zwei Rollen, an deren Unterseite die Gopro befestigt ist, Objektiv in Richtung der Strecke. Kommt nun ein Radfahrer, lässt man die Seilbahn los und sie gleitet das Seil entlang und filmt dabei den Fahrer, sofern man nicht vorher vergessen hat, die Kamera einzuschalten.

Open HAB auf dem Raspberry oder einem anderen Linux-Rechner installieren.
Vergrößern Open HAB auf dem Raspberry oder einem anderen Linux-Rechner installieren.

So gehts: Kameras wie die Gopro haben den immensen Vorteil, leicht und robust genug für so eine Seilbahn zu sein. Das geringe Gewicht ist allerdings auch gleichzeitig ein Nachteil. Denn ohne eine gewisse Masse kommt die Bahn nicht richtig in Schwung. Außerdem ist die Kamera alleine nicht in der Lage, der Konstruktion zu einem so tiefen Schwerpunkt zu verhelfen, dass sie einigermaßen ruhig läuft und sicher auf dem Seil hängt. Also muss die „Laufkatze“ selbst das Gewicht mitbringen. Das ist leicht realisierbar, wenn man sich in die Sanitärabteilung eines Baumarktes begibt. Denn dort findet man sozusagen die Mutter aller Wasserleitungen: Eisenrohre mit Gewinde nebst passenden Verbindungsstücken. Wir entscheiden uns für zwei Rohre mit 150 mm Länge und ½ Zoll Durchmesser. Sie werden später den Träger bilden. Um den Schwerpunkt nach unten zu verlagern, wählen wir für die Senkrechte ein 180 mm-Rohr mit 3/4 Zoll. Dazu kommen die passenden Fittings, zwei Wandhalter, zwei Rollen, zwei Winkel und ein paar Schrauben nebst Muttern.

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1. Zunächst verschrauben wir die beiden dünneren Rohre in einer Flicht im T-Stück. Wichtig: Die Schraubverbindungen sollten fest angezogen werden.

2. Dann montieren wir zunächst einen Adapter von ½ auf ¾ Zoll. In diesen Schrauben wir das senkrechte Rohr.

3. Auf die beiden ½ Zoll-Rohre pressen wir nun die Wandhalter. Es bedarf einiger Anstrengung, alternativ kann man sie auch vom Rohrende aufschieben. Aber sie sollen ja richtig straff sitzen.

4. Die Halter haben ein metrisches Gewinde, sodass es kein Problem ist, hier mittels entsprechend kurzer Schrauben die Winkel zu befestigen. Etwas Schraubensicherungslack kann an dieser Stelle nicht schaden.

5. Nun nehmen wir die Rollen und stecken passende Schrauben hindurch. Wichtig ist, dass die Rollen leicht, aber mit wenig Spiel auf ihrer „Achse“ laufen. Wer will, kann hier auch noch mit Gleitlagerhülsen arbeiten.

6. Mit einer Unterlegscheibe sowie einer Mutter auf der einen und einer Stoppmutter auf der anderen Seite des Winkels werden die Rollen nun fest verschraubt. Auch hier gilt: Die Muttern gegeneinander kräftig anziehen, aber daruf achten, dass die Rolle weiterhin leichtgängig bleibt.

7. Nun fehlt nur noch die Kamera selbst. Gopro liefert dankenswerterweise einen Halter für die Rohrmontage gleich mit. Ihn setzen wir möglichst weit unten an das senkrechte, dickere Rohr.

8. Jetzt muss die Kamera noch ausgerichtet werden. Hier kann man später in der Praxis experimentieren, bis man die beste Perspektive gefunden hat.

Einsatz

Die Anwendung der Seilbahn ist ziemlich unkompliziert. Man spannt zunächst das Seil und stellt sicher, dass einigermaßen straff und vor allem an beiden Enden sicher befestigt ist. Dann bereitet man zunächst die Kamera für die Aufnahme vor, stellt also auch die WLAN-Verbindung zwischen der Gopro und dem Smartphone her und startet die App. Anschließend wird die „Laufkatze“ richtig auf das Seil gehängt. Wichtig: Seil und Rollen müssen zueinander passen. Das gilt in erster Linie für den Durchmesser; beim Kauf der Rollen sollte man also auf die entsprechende Angabe achten.

Kurz vor dem aufzuzeichnenden Ereignis wird nun die Aufnahme gestartet. Kommt dann das sich bewegende Motiv in den Bereich der Kamera, lässt man die Seilbahn einfach los. Sie fährt nun mit dem Objekt bis zum Ende des Seils mit. Und schon hat man die Aufnahme im Kasten.

Tuning-Potenzial

Unsere Konstruktion ist einfach, günstig und liefert durchaus brauchbare Ergebnisse. Allerdings gibt es auch ein paar Schwächen, an denen man noch arbeiten kann. Ein wesentliches Problem ist die Bremse am Seilende. Im Moment fährt die Seilbahn mit relativ hoher Geschwindigkeit auf den Knoten auf. Das ist belastend für das Material, zumal das Risiko groß ist, dass sich die Kamera mitsamt ihrer „Laufkatze“ vom Seil katapultiert. Es kursieren verschieden Lösungsansätze von Dämpfern am Seilende bis hin zu mechanischen Bremsen, die per Fernbedienung gesteuert werden. Letztere haben den Vorteil, dass man mit ihnen im besten Fall auch die Geschwindigkeit der Seilbahn etwas regeln kann. Bei uns funktioniert das aktuell nur über die Neigung und Beschaffenheit des Seils. Je rauer es ist, desto höher ist die Bremswirkung. Zudem wäre es nicht schlecht, den Schwerpunkt noch etwas weiter nach unten zu verlagern, beispielsweise mit einem zusätzlichen Gewicht. Damit verbessert man die Stabilität der Kamerafahrt noch weiter, das Wackeln wird dadurch maximal reduziert. Trotzdem machen auch die Ergebnisse der einfachen Konstruktion schon etwas her, insbesondere dann, wenn man es versteht, sie geschickt in ein Video zu schneiden.

Seilbahn für die Gopro
Vergrößern Seilbahn für die Gopro

Die Mühe des Nachbearbeitens sollte man sich dabei ohnehin machen; alleine des Tons wegen. Denn leider lässt sich nicht verhindern, dass die Kamer auch die Laufgeräusche der Seilbahn mit aufnimmt.

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