16.08.2010, 10:41

Arne Arnold, Hendrik Becker

Akte Google

Googles Produkte: Das müssen Sie wissen

Google verknüpft die Internetprofile mit dem entsprechenden PC oder dem Handy. Google weiß also nichts über Erika Mustermann, aber alles über den- oder diejenige, die am PC von Erika Mustermann sitzt. Denn Google legt auf jedem Computer ein so genanntes "Cookie" ab. Diese unscheinbare kleine Textdatei ist zwei Jahre lang gültig und dient dazu, den PC immer wieder zu identifizieren. Alle Produkte von Google haben das Ziel, diesem Computer aufgrund der festgestellten Nutzung passende Produkte, Suchergebnisse und Werbung zu präsentieren.
Durch die rasante Entwicklung des Internets, von Kontaktnetzwerken wie Facebook und Videokanälen wie Youtube hat Google inzwischen auch die Gesichtserkennung optimiert. Zumindest theoretisch ist es möglich, durch eine Art Wahrscheinlichkeitsrechnung und Namensverknüpfung die Nutzungsprofile nicht nur einer Hardware, sondern auch Personen zuzuordnen.
Im Kreuzfeuer der Kritik: Wie geht es nun weiter? Die Datenschützer setzen auf Aufklärung und öffentlichen Druck. Kein Wunder also, dass immer mehr Politiker und Bürger ein ungutes Gefühl bei Google haben. Hamburgs Datenschützer Professor Johannes Caspar: "Auch Google kann sich gegenüber Vorbehalten und Bedenken nicht verschließen." Buchautor Gerald Reischl geht noch weiter, sieht Google auf dem Höhepunkt der Marktmacht: "Viele große Unternehmen mussten in der Vergangenheit Federn lassen - dazu gehören IBM, Nokia und Microsoft. Auch Google kann es so ergehen: Wer oben ist, kommt irgendwann auch wieder runter …" PC WELT erklärt, welche Produkte Google anbietet, welchen Zweck sie verfolgen und wie man im Internet anonym unterwegs sein kann.
Google-Suche: Mächtigste Suchmaschine der Welt
Mit über 85 Prozent Marktanteil ist die Google-Suche die am meisten genutzte Suchmaschine. Bei jedem Aufruf speichert der Suchmaschinenanbieter das oben genannte Nutzerprofil anhand der IP-Adresse des Computers und des Cookies. Jetzt wird analysiert, was der Google-Nutzer tut: Welche Suchbegriffe gibt er ein, welche Seiten und welche Anzeigen klickt er an? So kann Google genau erkennen, was die Internetnutzer bewegt. Über und neben den Suchergebnissen werden die Google-Anzeigen thematisch passend eingeblendet. Google verdient bei jedem Klick mit. Das Anzeigensystem Google Adwords bringt mit 98 Prozent die meisten Erlöse im Google-Konzern. Auch die Herkunft der Suchanfragen nach Städten und Regionen kann Google leicht ermitteln und so Werbetreibenden Anzeigen verkaufen, die noch besser auf die Zielgruppen ausgerichtet sind.
Anhand von Suchanfragen kann Google auch Trends erkennen. Auch daraus machte der Konzern ein Recherche-Werkzeug: Google Trends. Es prognostizierte schon vor dem "European Song Contest" in Oslo, dass Deutschlands Pop-Küken Lena gewinnen würde.
So bleiben Sie weitgehend anonym: Der Internetdienst Scroogle bietet die Suche über Google an, ohne dass irgendwelche Nutzerdaten übermittelt werden. Sobald man aber eine Internetseite aufruft und diese mit dem Datensammeldienst Google Analytics bestückt ist, endet die Anonymität. Die Internet-Browser Firefox und Google Chrome geben auch im "Privat-Modus" Statistiken an Google weiter.
Der einzige Weg ist, einen anonymen Proxy-Server zu benutzen (Infos zum Thema) und das Speichern von Cookies in den Browser-Einstellungen zu verweigern. Mit Proxys arbeitet auch die Firefox-Erweiterung Googlesharing. Damit können sich Google-Nutzer unkenntlich machen.
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