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Google Play Music All Access – das leistet der neue Musik-Dienst

24.05.2013 | 10:01 Uhr |

Vor wenigen Tagen hat Google im Rahmen seiner Entwicklermesse Google I/O 2013 seinen neuen und vor allem erweiterten Musik-Dienst Google Play Music All Access vorgestellt. Dieser ist zwar bislang nur innerhalb der USA verfügbar, doch wir haben ihn schon jetzt vor Ort ausprobiert und zeigen Ihnen, was er für sein Geld leistet – im Vergleich mit den ebenfalls Plattform-übergreifenden, aber mittlerweile in Deutschland nutzbaren Diensten Spotify und Rdio.

Nachdem der Internet-Konzern Google seinen kostenlosen Cloud-Musikspeicher sowie -Player Google Music für Musik aus der eigenen Sammlung vor rund einem Jahr eingeführt und kurz darauf über Google Play sogar Lieder zum kostenpflichtigen Download angeboten hat, gibt nun der erweiterte Dienst Google Play Music All Access dem Nutzer auf Abruf (auf Englisch: On demand) Zugang zu Millionen von Songs per Streaming. Wir haben den neuen Dienst ausprobiert, der vorerst nur in den USA verfügbar ist.

Angebot auf Abruf

Sobald sich der Nutzer mit seiner gültigen Gmail-Adresse beim Online-Musikdienst Google Play Music All Access angemeldet und die Nutzerbedingungen wie Zahlungsmethode bestätigt hat, kann er unmittelbar danach per Eingabe von Suchbegriffen in die entsprechende Zeile am oberen Browser-Fensterrand gezielt nach Songs oder Alben zahlreicher Interpreten stöbern und diese anschließend bequem per Mausklick wiedergeben. Alternativ dazu besteht die Möglichkeit Musik innerhalb der 22 Top-Level-Genres zu entdecken, die sich in weiterführende Subgenres unterteilen – ideal, um sich beispielsweise das Genre-Angebot im Gesamtüberblick vor Augen zu führen, aber auch Neuerscheinungen anzuhören.

Im Gegensatz zum Google-Dienst kann der Nutzer des Konkurrenz-Diensts Spotify den Umweg über das entsprechende Desktop-Tool nehmen, um anschließend Musik abzuspielen und zu verwalten; alternativ steht ihm eine etwas abgespeckte Online-Verwaltung über das Browser-Fenster zur Verfügung. Obwohl die Desktop-Anwendung einiges mehr an Funktionen bietet und den Nutzer ebenfalls gezielt nach Songs und Alben suchen lässt, hat sie einen gravierenden Nachteil: sie steht lediglich auf dem Rechner zur Verfügung, auf dem sie installiert ist – problematisch, wenn beispielsweise ein Administratoren-Passwort notwendig ist, um Programme zu installieren.

Eine vorgefertigte Genre-Übersicht, wie Google Play Music All Access sie bietet, fehlt Spotify allerdings. Ein einfacher Trick schafft hier jedoch Abhilfe. Nach Eingabe von beispielsweise „genre:reggae“ in die Suchziele listet Spotify zahlreiche Alben und Lieder unterschiedlicher Reggae-Künstler auf. Der Konkurrent Rdio vereint beide Versionen – eine kostenlose Online-Oberfläche im Browserfenster und eine Desktop-Anwendung nach Eröffnung eines kostenpflichtigen Kontos. Erfreulich: Nach der Anmeldung kann der Nutzer sofort nach Interpreten, deren Alben und Songs suchen – der Abschluss eines kostenpflichtigen Abos ist erst einmal nicht notwendig, um Musik abzuspielen. Geht die Suche allerdings etwas tiefer beziehungsweise fällt sie etwas spezieller aus, stößt der Suchende schnell an seine Grenzen, denn das Angebot in der kostenlosen Version ist begrenzt. Erst ein kostenpflichtiges Konto schafft wiederum Zugang zum vollen Musik-Repertoire.

Wie viele Lieder sich genau im Katalog der einzelnen Anbieter befinden ist allerdings schwer zu sagen, da das Repertoire ständig wächst und die Anzahl je nach Land und dessen Lizenz- und Rechtslage variiert. Eines steht jedoch fest, die einzelnen Kataloge umfassen Songs in Millionenhöhe.
 

 

Reggae-Genre auf einen Blick
Vergrößern Reggae-Genre auf einen Blick

Persönliche Musiksammlung hinzufügen


Fehlt Google Play Music All Access entgegen seines umfangreichen Musikangebots der eine oder andere Song, kann der Nutzer diese aus seiner eigenen Sammlung nachreichen und somit sein Online-Repertoire erweitern. Die hochgeladenen Songs stehen somit nicht mehr länger nur am heimischen Rechner zur Verfügung, sondern ebenso unterwegs. Dazu muss er lediglich die Desktop-Anwendung Music Manager herunterladen, installieren und ausführen.

Anschließend bietet das Tool drei Bezugsquellen. Wählt der Anwender beispielsweise die iTunes-Option, gleicht die Anwendung die gesamte Musikbibliothek des Apple-Programms auf dem Rechner mit der von Google Play im Internet ab und stellt somit sicher, dass sie nicht nur auf dem heimischen Rechner, sondern auch jederzeit andernorts über das Web verfügbar ist; die Option „Andere Ordner“ erlaubt es dem Nutzer ausgewählte Songs aus einem eigens angelegten Verzeichnis auf der Festplatte hoch zu laden und folglich Lücken in der von Google angebotenen Musikbibliothek zu stopfen.

Praktisch: Um sich jede Menge lästige Handarbeit zu ersparen und die Übersicht zu wahren, lädt der Music Manger dem angelegten Verzeichnis neu hinzugefügte Songs auf Wunsch automatisch in die Musikbibliothek von Google Play Music All Access und gleicht sie somit ab. Insgesamt kann der Anwender bis zu 20.000 Lieder aus seiner privaten Sammlung hochladen. Negativ: Spotify und Rdio hingegen untersagen es dem Nutzer selbst Hand anzulegen und eigene Songs in die Cloud zu laden.

Musik aus drei unterschiedlichen Quellen hochladen
Vergrößern Musik aus drei unterschiedlichen Quellen hochladen

Radio-Stationen im Eigenbau

Sobald der Nutzer Songs aus seiner persönlichen Sammlung in die Cloud lädt, erstellt Google Play Music All Access basierend darauf eine Radio-Station. Das heißt, die Playlist der Radio-Station enthält nicht nur hochgeladene Lieder, sondern auch artverwandte Songs aus dem Katalog von Google – praktisch, um neue Musikperlen innerhalb des bevorzugten Genres aufzuspüren und sich über Stunden hinweg berieseln zu lassen.

Alternativ dazu kann der Nutzer selbst gezielt Radio-Stationen erstellen, deren Playlisten auf seinen Lieblingskünstlern beziehungsweise dessen Alben oder Liedern aufbauen. Auch hier erweitert Google das Angebot um weiterführende Musik. Clever: Google Play Music All Access erlaubt es nicht nur die gesamte Playlist einzusehen, um somit herauszufinden, was einen beispielsweise eine Stunde später erwartet, sondern auch die Reihenfolge der Songs beliebig zu ändern sowie bei Nichtgefallen zwischen den Liedtitel hin- und herzuwechseln.

Zudem kann der Anwender einzelne Songs bewerten, mit anderen Nutzern über das hauseigene Social-Media-Netzwerk Google+ teilen und somit auf Neuentdeckungen hinweisen oder sich andersherum hinweisen lassen. Spotify bietet ebenfalls die Möglichkeit, entsprechende Radio-Stationen anzulegen, innerhalb der vorliegenden Playlisten hin- und herzuwechseln, Songs zu bewerten und diese über Facebook, Twitter und Tumblr zu teilen. Andererseits ist es wiederum nicht möglich, sich die gesamte Playliste anzeigen zu lassen. Auch die Reihenfolge der Songs lässt sich nicht ändern. Rdio bietet im Vergleich dazu die Möglichkeit, aus gleich drei verschiedenen Radio-Station-Modi auswählen. Die Option Heavy Rotation liefert dem Anwender Hörproben aus dem Musiknetzwerk, indem er sich gerade befindet; die Option Collection wiederum erstellt eine Radio-Station aus der eigenen Musiksammlung oder dem Repertoire anderer Nutzer; die Option Artist füllt die Playliste einer Radio-Station wahlweise mit einem Mix aus bevorzugten und ähnlichen Künstlern oder lediglich ausgewählten Interpreten.

Die Vielfalt an Songs in Radio-Stationen sorgt für Abwechslung
Vergrößern Die Vielfalt an Songs in Radio-Stationen sorgt für Abwechslung

Musik offline lauschen

Neben dem Online-Modus kann der Nutzer von Google Play Music All Access Musik auch im Offline-Betrieb auf Android-basierten Tablets oder Smartphones abspielen. Hierbei kommt die Google Music App zum Einsatz. Diese greift online auf die Musikbibliothek zu und speichert ausgewählte Songs für die Offline-Wiedergabe – letzteres eignet sich vor allem dort, wo keine Internet-Verbindung verfügbar ist wie es etwa in der Regel im Flugzeug der Fall ist.

Praktisch: Da die automatischen Synchronisations-Funktion innerhalb der Cloud die vorliegende Musiksammlung stets auf allen eingebundenen Geräten automatisch abgleicht, stehen dem Nutzer seine Songs auf PC, Smartphone und Tablet gleichermaßen zur Verfügung – und das ohne einen Finger zu rühren. Die entsprechende Android- beziehungsweise iOS-Appfür Spotify sowie die unterschiedlichen Apps für Rdio erfüllen einen nahezu identischen Zweck. Auch hier lassen sich Songs im Offline-Modus abspielen und im Online-Betrieb verwalten.

Google Music App für Offline-Wiedergabe
Vergrößern Google Music App für Offline-Wiedergabe

Preise und Verfügbarkeit

Ähnlich wie beim Kauf von Liedern fällt beim Streaming von Musik bei Google Play Music All Access eine Gebühr an – im Gegensatz zum kostenpflichtigen Download, für den der Nutzer pro Song oder Album bezahlt, verlangt Google eine Pauschale von 9,99 US-Dollar pro Monat (derzeit knapp 8 Euro) beziehungsweise 7,99 US-Dollar pro Monat (derzeit rund 6 Euro), sollte sich der Nutzer bis zum 30. Juni angemeldet haben. Somit erhält der Anwender nahezu grenzenlosen Musikgenuss zum Einheitspreis.

Weiterhin erfreulich: Ein finanzielles Risiko besteht erst einmal nicht, da der Anwender den neuen Google-Dienst über einen Zeitraum von 30 Tagen ab Anmeldedatum kostenlos ausprobieren kann. Bei Nichtgefallen muss der Nutzer das Abo allerdings manuell kündigen, ansonsten beginnt nach Ablauf der 30 Tage der Zahlungszyklus. Bislang entscheidender Nachteil: Der Internet-Konzern bietet seinen kürzlich im Rahmen der Entwicklermesse Google I/O2013 vorgestellten Dienst nur in den USA an. Wann Google sein Online-Musikportal in Deutschland einführen wird, steht offiziell noch nicht fest – gerade bei Musik-Diensten kann es eine geraume Zeit dauern, bis die jeweils hiesige Rechtslage geklärt ist und Verträge abgeschlossen sind. Spotify existiert bereits seit über einem Jahr in Deutschland und bietet drei unterschiedliche Konten.

Die kostenlose Version spielt Musik auf dem Desktop oder Laptop ab, finanziert sich allerdings durch nervige Werbung. Für 4,99 US-Dollar (derzeit knapp 4 Euro) entfällt diese. Legt der Nutzer 5 US-Dollar drauf, erhält er Zugang zum Premium-Konto. Dieses erlaubt es ihm, seine Musik zusätzlich auf mobilen Geräten und offline wiederzugeben. Bei Rdio beginnt die Preisspanne bei 4,99 US-Dollar für die Basis-Version ohne Unterstützung von mobilen Geräten sowie Offline-Wiedergabe. Für letzteres verlangt Rdio insgesamt 9,99 US-Dollar.

Google Play Music All Access-Funktionen im Vergleich zwischen kostenpflichtig und kostenlos
Vergrößern Google Play Music All Access-Funktionen im Vergleich zwischen kostenpflichtig und kostenlos

Fazit

Der kürzlich von Google vorgestellte Online-Musikdienst Google Play Music All Access bietet jede Menge interessante Funktionen für sein Geld. Im Vergleich zur Konkurrenz, die ähnlich beziehungsweise gleich viel Geld für ihren Dienst verlangt, fällt vor allem die Möglichkeit, eigene Songs hoch zu laden, positiv auf. Ebenfalls erfreulich ist die intuitive und überall zugängliche Online-Verwaltung.

In Hinsicht auf letzteres hinkt vor allem Spotify hinterher. Enttäuschend wiederum ist die exklusive Verknüpfung mit Google+. Einerseits ist es verständlich, dass Google sein eigenes Social-Media-Netzwerk gegenüber der Konkurrenz fördern möchte; andererseits kann es durchaus passieren, dass Nutzer von anderen Social-Media-Netzwerken wie Facebook eben aufgrund dieser Einschränkung auf alternative Portale wie Rdio ausweichen.

Da Musikdienste von der Lizenzlage des jeweiligen Landes abhängen, bleibt abzuwarten, ob der Google Play Music All Access-Version für Deutschland Funktionen fehlen, sie identisch sind oder Google seinem Dienst sogar alternative Optionen spendiert.

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