20.09.2007, 10:22

Manuel Medicus

Web.de, Freenet, Hotmail & Co.

Google Mail

Am 1. April 2004 kündigte Google den Start eines eigenen Freemail-Angebotes. Erst glaubten viele an einen Aprilscherz, denn Google versprach ein Gigabyte Speicherplatz – ein für die damaligen Verhältnisse außerordentlich großzügiges Angebot. Als dann klar wurde, dass es sich um keinen Aprilscherz handelte, sahen die bisherigen Anbieter sich schnell gezwungen auch die eigenen Speicherkapazitäten zu erweitern. Während die Googlemail-Beta lange Zeit nur per Einladung zugänglich war, befindet sie sich seit 7. Februar diesen Jahres in einer offenen Betaphase für jedermann – wobei man die Bezeichnung "Beta" hier nicht zu wörtlich nehmen sollte: Google Mail steht Konkurrenten in finalen Versionen in nichts nach.
Für ein eigenes Google-Mail-Konto müssen Sie sich zu aller Erst einen Google-Account zulegen. Mit diesem können Sie alle von Google angebotenen Online-Angebote nutzen – von Picasa Webalbums bis zum Kalender. Wer von einem anderen Anbieter kommt, wird sich erst an die schlanke Benutzeroberfläche gewöhnen müssen. Bei Google gibt es wenige Zusatzfunktionen wie SMS, Fax oder Grußkarten – man konzentriert sich stattdessen ganz auf die Mail-Verwaltung. Dabei geht Google Mail ungewohnte Wege: Anstatt die eigenen Mails in Ordnern zu sortieren, landet alles in einem zentralen Mail-Archiv. Um die Übersicht zu behalten, können Sie Ihre Nachrichten mit so genannten "Labels" versehen. Mehrere dieser Tags pro Mail sind möglich. Aber auch ohne Labels verlieren Sie dank Googles integrierter Suchfunktion nicht den Überblick. Ferner fasst Google Mail einen Mail-Austausch selbstständig zu Konversationen zusammen. Wenn Sie also beispielsweise eine über mehrere Nachrichten gehende Diskussion mit einem Bekannten haben, werden Ihnen alle Mails automatisch aneinandergereiht.

Die Oberfläche ist minimalistisch, aber dafür übersichtlich und auf das Wesentliche konzentriert. Google verwendet dabei die AJAX-Technik, die einem etwa die Möglichkeit bietet, mit Tastatur-Shortcuts zu arbeiten. Optisch angenehmer als bei den anderen Anbietern ist die Einbindung der Werbung: Schlichte Google Ads statt blinkenden, aufdringlichen Bannern. Das wiederum ist gleichzeitig einer der am häufigsten kritisierten Merkmale von Google Mail. Bei der Anmeldung stimmt der Nutzer zu, dass Google Mail automatisch die eigenen Mails durchsuchen darf, um passende kontextbezogene Werbung einzublenden. Datenschutzexperten halten diese Praxis für fragwürdig, da nicht einwandfrei geklärt ist, wofür Google die so gewonnen Informationen noch verwendet.
Aus dem Anfangs angebotenen einen Gigabyte Speicherplatz sind mittlerweile fast 2,9 GB geworden. Google hat versprochen dieses Angebot weiterhin regelmäßig zu erweitern – ein wachsendes Postfach sozusagen. Für die Sauberkeit im Posteingang sorgen Spamfilter und Virenschutz, ein sicherer HTTPS-Zugriff ist möglich. Für Benutzer von Desktop-Clients wird POP3- und SMTP-Zugriff geboten. Auf eine IMAP-Unterstützung wurde bis jetzt verzichtet. Die maximale Größe einer Mail mit Anhang liegt bei Google Mail bei 20 MB. Angenehm fällt auf, dass den versandten Mails kein Werbetext angehängt.

Als Zusatzleistung bietet Google Mail einen integrierten Google Talk Webclient. Hier kann der Anwender bereits während der Einrichtung des Mail-Kontos wählen, ob er den Chat-Verlauf auch im Mail-Archiv speichern lassen will. Als Besitzer eines Google-Kontos haben Sie außerdem Zugang zu den anderen Webangeboten des Unternehmens, wie etwa Fotoalbum oder Kalender.
Dank des hohen Speicherplatzes lässt sich Google Mail auch leicht als Internet-Festplatte zweckentfremden. Einige Freeware-Tools, wie beispielsweise GSpace, bieten dafür eine komfortable Programmoberfläche. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Ratgeber Datenablage XXL per Google.
Fazit: Googles Ansatz unterscheidet sich von denen, der anderen Anbieter – ist aber innovativ und leicht zu bedienen. Wer eine reine Mail-Lösung sucht und auf sonstige Extras verzichten kann, der ist bei Google Mail sehr gut aufgehoben.
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