Google Instant

Google weiß, wonach ganz Deutschland sucht

Donnerstag, 19.04.2012 | 12:45 von Sven Hähle
Google als Begriffsbezeichnung der Suche im Internet: Die personalisierte Suche weiß, wonach jeder Einzelne sucht.
Vergrößern Google als Begriffsbezeichnung der Suche im Internet: Die personalisierte Suche weiß, wonach jeder Einzelne sucht.
© iStockPhoto / Alija
Schon während man das erste Wort eintippt, schlägt Google passende Suchbegriffe vor. Die Suchmaschine weiß ganz genau, wonach die meisten Leute gucken. Bald wird Google noch viel schlauer: Die personalisierte Suche kennt sogar die Interessen und Wünsche jedes einzelnen Nutzers – auch Ihre.
Beim Eintippen eines Suchbegriffs liefert die Google-Suche Vorschläge, was der Nutzer meinen könnte. Die Technik namens Google Instant (früher: Google Suggest) übermittelt die getippten Buchstaben in Echtzeit an Google. Dort werden sie mit früher getätigten Suchanfragen aller Suchmaschinennutzer verglichen. Die wahrscheinlichsten Begriffe sendet Google sofort an den fragenden Nutzer zurück. Sind die richtigen Begriffe dabei, kann mandiese gleich auswählen, ohne weitertippen zu müssen – am schnellsten mit den Pfeiltasten. Und sobald man den Text verändert, macht Google Instant neue Vorschläge.

Glaubt man Google Instant, ist das Interesse an der
elektronischen Zigarette größer als das an der elektronischen
Gesundheitskarte.
Vergrößern Glaubt man Google Instant, ist das Interesse an der elektronischen Zigarette größer als das an der elektronischen Gesundheitskarte.

Google Instant: von A wie Amazon bis Z wie Zalando

Startet man die Suche mit nur einem einzigen Buchstaben, listet Google die vier am häufigsten gesuchten Begriffe auf, die mit diesem Buchstaben beginnen. Der meistgesuchte Begriff steht ganz oben. Dieses interessante Spielchen bestätigt etwa, dass die Online-Händler Amazon und Zalando besonders beliebt sind. Dass das Tippen eines „S“ den Begriff Spielaffe erster Stelle zum Vorschein bringt, überrascht dagegen. Nach dem Spieleportal für Kinder wird offenbarhäufiger gesucht als nach der Internettelefonie-Software Skype oder dem Elektronikkonzern Samsung.

So sexy wie die Instant-Suche auf den ersten Blick scheint, so prüde ist sie bei bestimmten Suchbegriffen. Selbst das Wort „sexy“ wird ignoriert, unabhängig davon, ob der „SafeSearch-Filter“ in den Sucheinstellungen ein- oder ausgeschaltet ist. Begriffe, die Google für anrüchig oder nicht jugendfrei hält, müssen vollständig eingegeben und per Return-Taste bestätigt werden.

Betreiber von Websites haben das Potenzial von Google Instant erkannt: Wenn man die Begriffe kennt, nach denen die Menschen am häufigsten suchen, kann man Webseiten mit entsprechenden Schlagwörtern ausstatten. Für die Keyword-Optimierung spielt die Instant-Suche deshalb eine wesentliche Rolle. Je spezieller die Suchbegriffe sind, desto zuverlässig funktioniert das Prinzip: Man tippt Buchstabe für Buchstabe eines möglichen Keywords und beobachtet, welche Vorschläge Google Instant macht. Auch ein Klick auf den Link „Verwandte Suchanfragen“ kann bei der Website-Optimierung helfen. Die Funktion findet sich in der linken Randspalte jeder Google-Suchergebnisseite unter „Mehr Optionen“.

Sucht man nach allgemeinen Begriffen wie Music, sehen die
Google-Suchergebnisse zukünftig so oder ähnlich aus.
Vergrößern Sucht man nach allgemeinen Begriffen wie Music, sehen die Google-Suchergebnisse zukünftig so oder ähnlich aus.

Zehn Dinge, die Deutschland sucht: Urlaub mit Hund

Suchmaschinen-Optimierer verwenden Google Instant, um die richtigen Keywords zu ermitteln – das brachte uns auf folgende Idee: Was wird in verschiedenen Lebensbereichen am häufigsten gesucht? Gesagt, getan: PC Welt hat sich zehn Begriffe ausgedacht und Googles Vorschläge abgewartet. Hier die teils überraschenden, teils zu erwartenden Ergebnisse.

Arbeit: 4. Arbeitslosengeld – 3. Arbeitstage 2011 – 2. Arbeitsamt München – 1. Arbeitsagentur

digitale: 4. digitaler Sat Receiver – 3. digitaler Bilderrahmen – 2. digitale Schule Bayern – 1. digitales Fernsehen

elektronisch: 4. elektronische Gesundheitskarte – 3. elektronische Lohnsteuerkarte – 2. elektronische Zigarette – 1. elektronischer Bundesanzeiger

Freizeit: 4. Freizeitsport München – 3. Freizeitparks – 2. Freizeitpark – 1. Freizeitmesse Nürnberg

gesund (plus Leerzeichen): 4. gesund leben –3. gesund kochen – 2. gesund essen – 1. gesund abnehmen

kochen: 4. kochen für Gäste – 3. kochen ohne Kohlenhydrate – 2. Kochen und Genießen – 1. kochen

Partner: 4. Partnervermittlung – 3. Partnerbörse – 2. Partnersuche – 1. Partnerhoroskop

Spiel: 4. Spielwarenmesse Nürnberg – 3. spielen – 2. Spieletipps – Spielaffe

Tipps (plus Leerzeichen): 4. Tipps und Tricks – 3. Tipps zum Einschlafen – 2. Tipps gegen Langeweile – 1. Tipps zum Abnehmen

Urlaub: 4. Urlaub mit Hund – 3. Urlaubsanspruch – 2. Urlaub buchen – 1. Urlaub

Unser Test zeigt, wie gut Google über Gewohnheiten und Interessen seiner Nutzer informiert ist. Doch Google Instant ist eine anonyme Angelegenheit, da es nicht die Suchgewohnheiten jedes einzelnen Anwenders erfasst. Anders sieht es bei Googles personalisierter Suche aus: Die Anfang 2012 eingeführten Datenschutzbestimmungen ermöglichen es Google, Nutzerdaten zwischen verschiedenen Diensten auszutauschen und weiterzuverarbeiten. „Wir können die Suche verbessern, indem wir herausfinden, wonach ihr wirklich sucht, wenn ihr mehrdeutige Begriffe wie Jaguar, Golf oder Pink eingebt“, erklärt Datenschutz- Chefin Alma Whitten im offiziellenGoogle-Blog .

Weder Sex noch Superstar: Deutschland meint am häufigsten
Spielaffe, wenn der Suchbegriff mit „S“ losgeht.
Vergrößern Weder Sex noch Superstar: Deutschland meint am häufigsten Spielaffe, wenn der Suchbegriff mit „S“ losgeht.

Die personalisierte Suche: Google weiß (fast) alles über Sie

Im englischsprachigen Raum ist die neue Suche schon nutzbar. Google nennt sie dort „Search, plus your world“, was übersetzt erst recht seltsam klingt: „Suche, plus deine Welt“. Doch es beschreibt gut, worum es geht: Die gewohnte Google-Suche wird um einen „menschlichen Faktor“ ergänzt. Suchergebnisse setzen sich zukünftig aus frei zugänglichen Informationen im Web und persönlichen Informationen der Google-Nutzer zusammen, sofern diese nicht ausdrücklich für die Öffentlichkeit gesperrt wurden.

Neben den üblichen Suchergebnissen erhält der Nutzer auch solche, die auf die eigenen Vorlieben und die Interessen von Google+-Kontakten zugeschnitten sind. Beispiel: Wer nach Mallorca sucht, bekommt nicht nur Websites über die Insel angezeigt, sondern auch Fotos und Kommentare von Freunden, die schon dort waren. Außerdem findet Google alles, was man selbst jemals über Mallorca im Web veröffentlicht hat.

Die personalisierte Suche liefert zuoberst persönliche
Suchergebnisse von Google+-Kontakten.
Vergrößern Die personalisierte Suche liefert zuoberst persönliche Suchergebnisse von Google+-Kontakten.

Die Suche nach Personen wird ebenfalls besser: Beim Eingeben eines Namens schlägt Google Personen und deren Google+-Seiten vor. Die Ergebnisse beginnen mit persönlichen Veröffentlichungen und Websites, die mit der Person in engem Zusammenhang stehen. Auch das Sich-Verknüpfen mit Google+-Mitgliedern, die man noch nicht in Kontaktkreisen hat, ist direkt aus der Suche heraus möglich. Die dritte Neuerung im Zusammenhang mit der personalisierten Suche ergänzt Google Instant perfekt: Nach Eingabe allgemeiner Suchbegriffe wie Music oder Football wird am rechten Bildschirmrand eine Liste von Personen und Unternehmen bei Google+ angezeigt, die für das Thema besonders relevant sind.

Wenn Sie die personalisierte Suche schon jetzt ausprobieren wollen, müssen Sie auf Google.de unten rechts auf „Google.com in English“ klicken. Um zur deutschen Variante zurückzukehren, genügt ein Klick auf „Go to Google Deutschland“ an gleicher Stelle. Zum Ausprobieren loggen Sie sich mit Ihrem Google-Account ein.

Donnerstag, 19.04.2012 | 12:45 von Sven Hähle
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