Actioncam / Helmkamera

GoPro Hero 3 Black Edition im Praxistest

Donnerstag den 20.12.2012 um 12:50 Uhr

von Peter Stelzel-Morawietz

Die Hero 3 Black Edition ist das Topmodell der Helmkameras von GoPro. Sie filmt Videos bis zur 4K-Auflösung (3.840 x 2.160 Pixel) und macht Serienaufnahmen bis zu 30 Fotos pro Sekunde.
Vergrößern Die Hero 3 Black Edition ist das Topmodell der Helmkameras von GoPro. Sie filmt Videos bis zur 4K-Auflösung (3.840 x 2.160 Pixel) und macht Serienaufnahmen bis zu 30 Fotos pro Sekunde.
© GoPro
Hero 3 Black Edition heißt das neue Topmodell unter den Actionkameras von GoPro. Im Praxistest auf der Skipiste musste die Helmkamera zeigen, ob sie den Preis von 450 Euro wert ist.
Felix Baumgartner hat bei seinem Sprung im Oktober 2012 aus der Stratosphäre nicht nur mehrere Rekorde aufgestellt, sondern auch das Glück, dass er schon neun Minuten nach dem Absprung aus fast 40 Kilometer Höhe sicher auf der Erde landete. Und diese Zeit hielten auch die Akkus seiner Actionkameras vom amerikanischen Hersteller GoPro durch. Was selbstverständlich klingt, offenbart eine der Schwächen der neuen Hero 3 Black Edition, das die PC-WELT einem Praxistest beim Skifahren in Lenggries unterzogen hat: Der Akku ist nach weniger als eineinhalb Stunden Videoaufnahme leer.

Zur Einordnung: Die Hero 3 Black Edition ist mit fast 450 Euro nicht nur die teuerste, sondern auch neueste Variante der Nachfolgerserie des Vorgängers HD Hero 2 . Sie unterscheidet sich  von der preiswerteren White Edition und Silver Edition vor allem durch eine deutlich höhere Videoauflösung bis zu 3.840 x 2.160 Pixel , viel schnellere Serienfotos und die mitgelieferte Funkfernbedienung.

Video: Hero 3 Black Edition im Praxistest
Video: Hero 3 Black Edition im Praxistest


Während die beiden günstigeren Modelle „nur“ in Full-HD-Auflösung, also 1080p, aufnehmen, filmt das Testmodell auf Wunsch bis zu 4K. Jede Minute Filmmaterial beansprucht dabei rund 350 MByte Speicherplatz – eine ausreichend schnelle Micro-SD-Karte der Klasse 10 vorausgesetzt, die diese Datenmengen auch in Echtzeit speichern kann.

Die GoPro-Actionkamera Hero 3 gibt es in drei
Ausführungen: Das Topmodell Black Edition (in der Mitte) haben wir
in der Praxis getestet.
Vergrößern Die GoPro-Actionkamera Hero 3 gibt es in drei Ausführungen: Das Topmodell Black Edition (in der Mitte) haben wir in der Praxis getestet.

GoPro Hero 3 Black Edition für fast jeden Outdoor-Einsatz

Technische Features hin oder her, im Outdoor-Einsatz kommt es zum Teil auf ganz andere Dinge an: auf einfache Bedienung, auf Robustheit, auf flexible Einsatzmöglichkeiten, auf das Handling im Allgemeinen und eben auch die Akkulaufzeit. Hier kann auch die neue Hero 3 von einigen Schwächen abgesehen insgesamt überzeugen.

Hände frei: Egal ob Skisport, Mountainbike- oder
Kart-Fahren, Surfen oder sonst eine Outdoor-Aktivität. Mit einer
Action-und Helmkamera lassen sich alle Aktivitäten im Video
festhalten.
Vergrößern Hände frei: Egal ob Skisport, Mountainbike- oder Kart-Fahren, Surfen oder sonst eine Outdoor-Aktivität. Mit einer Action-und Helmkamera lassen sich alle Aktivitäten im Video festhalten.
© GoPro

Beginnen wir mit der Bedienung: Das Konzept der Zwei-Tasten-Steuerung hat der Hersteller unverändert vom bisherigen Modell übernommen. Man hangelt sich etwas umständlich über ein kleines LCD-Display durch die Menüs und startet die Videoaufnahme mit einem einfachen Tastendruck. Das funktioniert mit etwas Übung auch dann, wenn die GoPro auf dem Helm montiert ist – und sogar mit Handschuhen. Jeder Aufnahmestart und -stopp wird dabei mit einem akustischen Signal bestätigt. Trotzdem ist die mitgelieferte Funkfernbedienung beim Sport draußen eine große Hilfe, weil sich damit die Einstellungen an der Kamera wie den Wechsel zum Fotomodus viel einfacher vornehmen lassen.

Was die Flexibilität, die Befestigungsoptionen und damit auch die Einsatzmöglichkeiten angeht, sind die GoPro-Kameras unangefochten Spitze. Es gibt kaum ein Zubehör , das es nicht gibt: vom Brustgurt bis zur Montage am Überrollbügel des Autos. Dank des mitgelieferten, bis 60 Meter Tiefe wasserdichten Gehäuses lässt sich die GoPro-Kamera bei jedem Wetter draußen und auch zum Tauchen oder Surfen verwenden. Ein Nachteil dieses Gehäuses darf allerdings nicht verschwiegen werden: Der Aufnahmeton wird dadurch naturgemäß stark gedämpft und ist leise.

Angesichts des stolzen Preises fällt der Lieferumfang  allerdings dürftig aus: Ein Netzteil fehlt ebenso wie ein Mini-HDMI-Kabel für den direkten Anschluss an den Fernseher oder eine gedruckte Anleitung. Die gibt es nur als PDF im Internet. Auch eine Klettbandbefestigung, wie man sie für jeden belüfteten Sporthelm benötigt, sucht man im Paket vergeblich. Die gibt es für 20 Euro als Zubehör zu kaufen. Zwar tut es ein einfacher Kabelbinder genauso, aber dieses offensichtliche Sparen beim Nötigsten dürfte manchen Käufer der 450-Euro-Ausgabe ärgern. Ansonsten sind alle Teile extrem robust und solide verarbeitet.

Der Lieferumfang der Hero 3 Black Edition wirkt nur auf
den ersten Blick umfangreich, denn ein Netzteil, ein HDMI-Kabel und
eine Halterung für belüftete Helme fehlen.
Vergrößern Der Lieferumfang der Hero 3 Black Edition wirkt nur auf den ersten Blick umfangreich, denn ein Netzteil, ein HDMI-Kabel und eine Halterung für belüftete Helme fehlen.
© GoPro

Enttäuschend stellt sich ferner die Akkulaufzeit dar. Bei Temperaturen knapp unter Null hielt der Akku beim Filmen mit der voreingestellten Auflösung von 1440p gerade einmal eine Stunde durch, bei 20 Grad Außentemperatur erhöht sich die Standzeit auf eineinhalb Stunden. Ein weiterer Akku schlägt mit zusätzlichen 25 Euro zu Buche, außerdem bleibt der ständige Blick auf den Batteriestand, damit man beim Aufnehmen nichts verpasst.

Ausgesprochen positiv fällt das geringe Gewicht inklusive Akku und Micro-SD-Karte von nur noch 74 Gramm auf, das Vorgängermodell war noch rund ein Drittel schwerer. Montiert auf dem Helm macht sich der Unterschied in der Praxis deutlich bemerkbar.

Smartphone als Fernbedienung, aber schwache Akkuleistung

Kurz gesagt: Die neue Hero 3 Black Edition ist eine herausragende Action- beziehungsweise Helmkamera für Sportfotos und -videos. Allerdings muss man dafür auch tief in die Tasche greifen, denn schon mit dem allernötigsten Zubehör wie einem zweiten Akku und einer zusätzlichen Helmbefestigung kostet das gute Stück mehr als 500 Euro.

Auch Unterwasseraufnahmen sind kein Problem: Das Gehäuse
der Hero 3 ist bis 60 Meter wasserdicht, die GoPro-Kamera lässt
sich sogar unter Wasser bedienen.
Vergrößern Auch Unterwasseraufnahmen sind kein Problem: Das Gehäuse der Hero 3 ist bis 60 Meter wasserdicht, die GoPro-Kamera lässt sich sogar unter Wasser bedienen.
© GoPro

Dafür bekommt man das Spitzenmodell von GoPro, für das es derzeit bei der Konkurrenz nichts Vergleichbares gibt. Neben der Robustheit, den dank reichhaltigem Zubehör vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und den vielen Einstelloptionen vom Bildwinkel bis zu den ultraschnellen Serienbildern von 30 Fotos pro Sekunde überzeugt die Kamera vor allem auch durch die Qualität des Filmmaterials – auch unter schwierigen Lichtverhältnissen wie Gegenlicht. Einziger großer Schwachpunkt bleibt die kurze Akkulaufzeit.

Bei allem Lob muss die Frage erlaubt sein, ob es das Topmodell von GoPro sein muss oder ob nicht die White Edition für rund 250 Euro oder die Silver Edition für rund 350 Euro genügen. Für das Topmodell sprechen die Fernbedienung sowie die höhere Videoauflösung. Davon allerdings hat man erst etwas, wenn man auch ein entsprechendes Ausgabegerät besitzt. Und da sieht es derzeit noch mau aus: Beamer mit 4K-Auflösung kosten ab 5.000 Euro aufwärts, Fernseher mit dieser Auflösung gibt es derzeit noch gar nicht. Wenn sie dann auf den Markt kommen, liegen sie aller Wahrscheinlichkeit in einer ähnlichen Preisliga. Außerdem, auch das muss einschränkend angemerkt werden, beträgt die Bildrate bei höchster Auflösung nur noch 12 beziehungsweise 15 Bilder pro Sekunde.

Die einfachste Hero 3, White Edition genannt, kostet nur
gut die Hälfte des GoPro-Topmodells, filmt aber immerhin in 1080p.
Für die meisten Zwecke reicht dies völlig aus.
Vergrößern Die einfachste Hero 3, White Edition genannt, kostet nur gut die Hälfte des GoPro-Topmodells, filmt aber immerhin in 1080p. Für die meisten Zwecke reicht dies völlig aus.

Die weiteren Unterschiede liegen vor allem in der Fotoauflösung von 5 (White), 11 (Silver) und 12 Megapixeln (Black Edition), bei den Serienfotos, bei der Zoom-Einstellung für Videos und beim Weißabgleich. Wer sich aufs Filmen in Full-HD beschränkt, bekommt also auch für 250 Euro eine ähnlich gute und genauso flexibel einsetzbare Actionkamera. Denn eines haben die drei Modelle der Hero 3 gemeinsam: Sie lassen sich per WLAN auch über eine kostenlos App für Android und iOS mit dem Smartphone steuern. Diese Fernbedienung bietet mit dem Live-Bild von der Kamera mehr Komfort als das Zwei-Tasten-Modell der Black Edition, für den harten Einsatz beim Radfahren, Skifahren oder gar Surfen ist das Smartphone aber natürlich völlig ungeeignet.

 

 

 

Donnerstag den 20.12.2012 um 12:50 Uhr

von Peter Stelzel-Morawietz

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