Glasfasertechnik

Glasfaser auf der letzten Meile

Mittwoch, 28.03.2012 | 10:01 von Thorsten Eggeling
Lichtwellenleiter werden Kupferkabel mittelfristig ablösen.
Vergrößern Lichtwellenleiter werden Kupferkabel mittelfristig ablösen.
© en:Wikipedia / BigRiz
DSL/VDSL können die Downstreams hochauflösender Medien bald nicht mehr bewältigen. Das Fernsehkabel hat seine Nachteile als „Shared Medium“. Glasfaser ist die technisch überzeugende Lösung, aber in Deutschland nur für eine Minderheit verfügbar.

Konkurrenzlose Glasfaser-Technik

Die Lichtleitertechnik ist technisch jedem Kupferkabel (DSL, VDSL), jedem Funknetz (LTE) und dem Fernsehkabel konkurrenzlos überlegen. Sie schickt die Daten in Form von Lichtimpulsen durch isolierende Glasfaserkabel, die gegen elektromagnetische Störfelder unempfindlich sind. Der Sender bringt die Lichtsignale mittels Leuchtdioden auf den Weg, der Empfänger entschlüsselt diese mit Photodetektoren.

 Die theoretische Obergrenze des Datentransports liegt im zweistelligen Terabit-Bereich - das heisst, der Inhalt einer 2 TB-Festplatte (circa 2000 GB) rast in einer Sekunde quer durch Deutschland. Das sind freilich akademische Labor-Rekorde, die beim normalen Endkunden niemals Realität werden. Die elektrischen Signale des Senders müssen erst in optische Signale umgewandelt werden und gelangen dann in das Glasfasernetz. Am Ende des Übertragungsweges werden die Lichtimpulse wieder in elektrische Signale transformiert. Hinzu kommt, dass es für Endkunden kein wirklich durchgängiges Lichtleiternetz bis zum heimischen Router geben wird, sondern ein Mischnetz, das mindestens auf den letzten Metern wieder das altbewährte Kupferkabel der Telefonleitung nutzt. Trotz dieser Bremsfaktoren sind künftig 500 bis 1000 MBit/s, also gut 50 bis 100 MB/s auch für Endkunden realistisch. Aktuelle Angebote liegen aber noch deutlich darunter (siehe unten).

Verfügbarkeit von Glasfaser-Anschlüssen

Der Weg zum Glasfasernetz kennt folgende Ausbauschritte:

  • FTTN - Fiber to the Node: Glasfaser bis zum DSLAM-Verteilerkasten
  • FTTB - Fiber to the Building: Glasfaser bis ins Haus
  • FTTH - Fiber to the Home: Glasfaser bis in die Wohnung zum Teilnehmeranschluss
  • FTTD - Fiber to the Desk: Glasfaser bis zum Endgerät (Router)

Alle Ausbaustufen außer der letzten (FTTD) sind entweder verbreiteter Alltag oder zumindest regionale Realität: Wenn Sie heute ADSL2+ (meist einfach DSL genannt) oder VDSL nutzen, kommen die Daten über eine Glasfaser-Leitung - allerdings nur bis zur Vermittlungsstelle oder zum Verteilerkasten (DSLAM - das sind die grauen Kästen am Straßenrand). Nur der restliche Übertragungsweg in die Wohnung erfolgt dann noch auf dem langsameren Kupferkabel.

Glasfaser bis direkt in die Wohnung (FTTH) ist aktuell allerdings Privileg einer kleinen Minderheit: Knapp drei Prozent der deutschen Haushalte könnten derzeit den schnellen Lichtleiterzugang nutzen, kaum ein halbes Prozent tut dies tatsächlich. Der schrittweise Ausbau der letzten Meile mit Lichtleiter geht damit wesentlich zäher voran, als Experten vor einigen Jahren prognostizierten. Japan, Korea und in Europa Skandinavien, Italien sind hier wesentlich weiter.

Angebote der Telekom und regionaler Provider

Wo gibt es heute das schnelle Glasfaser-Netz? Die Telekom verspricht zwar das „Internet mit Lichtgeschwindigkeit“, kann aber aktuell gerade mal 19 deutsche Städte damit versorgen (siehe Bild). Mit Preisen zwischen 45 und 65 Euro gibt es dann zwar nicht das versprochene „Giganetz“, aber doch 100 oder 200 MBit/s.

Glasfaser-Anschlüsse sind in Deutschland Privileg einer
Minderheit.
Vergrößern Glasfaser-Anschlüsse sind in Deutschland Privileg einer Minderheit.

Über den aktuellen Stand des Glasfaser-Ausbaus können Sie sich auf der Telekom-Seite informieren .

Weitere größere Provider für Glasfasernetze sind Netcologne (Köln),

Dieses Hybridnetz-Angebot punktet nur bei der
Upload-Leistung.
Vergrößern Dieses Hybridnetz-Angebot punktet nur bei der Upload-Leistung.

M-Net (München, Bayern, Baden-Württemberg), Arcor (Düsseldorf). Im Raum Berlin gibt es neben Telecolumbus diverse Anbieter für Glasfaser-Anschlüsse und mit die größte Verfügbarkeit in Deutschland. Daneben arbeiten aber auch zahlreiche Kleinstädte, auch ländliche Gemeinden, in Eigeninitiative am Aufbau eigener Lichtleiternetze. Dies sollte vor Ort transparent sein, kann aber auch im Internet durch Ortsnamen und das einschlägige Stichwort„Glasfaser“ (oder ähnlich) ermittelt werden.

Glasfaser gegen Fernsehkabel

Die schnellsten Angebote der größten Kabelprovider Kabel Deutschland und Unitymedia liegen derzeit bei 100 MBit/s und 128 MBit/s, damit auf Augenhöhe mit langsameren Glasfaser-Tarifen. Allerdings ist das Kabelnetz ein „Shared Medium“. Wenn Sie nicht in einem Einfamilienhaus wohnen, müssen Sie sich die maximale Bandbreite mit Hausbewohnern teilen, die ebenfalls gerade via Kabel Daten aus dem Web ziehen. Dennoch ist die Konkurrenz der Kabel-Anbieter ein Hauptmotiv für die Telekom, das Lichtleiternetz voranzutreiben. Dieses ist nicht nur schneller, sondern kann seinen Datendurchsatz ungeteilt gewährleisten.

Und noch ein weiterer Vorteil: Der Upstream aktueller Glasfaser-Anschlüsse erreicht mindestens 25 und bis zu 100 MBit/s. Beim Kabel liegt die Geschwindigkeit bei maximal 6 MBit/s, meist bei mageren ein bis zweieinhalb MBit/s. 99 Prozent der Endkunden interessiert zwar nur der Downstream (HTML, Medien-Streams, Datei-Downloads), aber wer zu Hause einen FTP- oder Web-Server betreibt, will auch eine brauchbare Upload-Leistung.

Lokales Netz als Bremse

Eine aktuell immer noch typische Hardware-Ausstattung mit 100-MBit-LAN und WLAN-Sender mit 54- oder 108-MBit/s (brutto) wäre mit dem Datenstrom einer Glasfaser-Leitung mit 200 MBit/s glatt überfordert. Der Einstieg ins ganz schnelle Web ist nur sinnvoll, wenn der Router und die Netzadapter der Endgeräte im lokalen LAN die Leistung der WAN-Leitung erreichen.

Mittwoch, 28.03.2012 | 10:01 von Thorsten Eggeling
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