1740811

Gestik statt Klick - Kinect und Wiimote auf dem PC

08.04.2013 | 10:23 Uhr |

Touchscreens, Gestik und Co. liegen schwer im Trend und können traditionelle Peripherie gut ergänzen. Das klappt nicht nur auf den Konsolen, sondern auch auf dem PC.

Während sich die PC-Technologie bei Speicher, Rechen- und Grafikleistung rasant verbessert hat, ist der Fortschritt an Eingabegeräten zunächst vorbeigezogen. Auch moderne PCs und Notebooks präsentieren sich in alten Gewändern: nämlich als elaborierte Schreibmaschine, bei der eine Tastatur als primäres Eingabemedium dient. Im Jahr 1868 meldete Christopher L. Sho les die Schreibmaschine zum Patent an. Das Konzept einer Tastatur ist mit 140 Jahren ein Methusalem. Die erste bedeutende Ergänzung war die Maus, die in den 60er Jahren in den Laboren des Stanford Research Institute erprobt wurde. Zum Siegeszug der Maus brauchte es aber grafische Benutzeroberflächen, die erst Mitte der 80er Jahre mit dem Apple Macintosh fit für den Alltag waren.

Die Ur-Maus: Mitte der 60er Jahre fand das experimentelle Eingabegerät kaum Beachtung, da es ganz einfach noch an grafischen Benutzeroberflächen fehlte. Quelle: Stanford Research Institute
Vergrößern Die Ur-Maus: Mitte der 60er Jahre fand das experimentelle Eingabegerät kaum Beachtung, da es ganz einfach noch an grafischen Benutzeroberflächen fehlte. Quelle: Stanford Research Institute

Neue und bereits verbreitete Steuerungsmethoden zeigen, dass sich klassische Eingabegeräte auf dem Weg auf das Abstellgleis befinden. Touchscreens und die Steuerung über Gestik und Körperbewegungen ergänzen schon bei vielen Geräten Tastatur, Maus und Gamepad. Der Wechsel zu intuitiven Steuermethoden hat erst begonnen, mit feinerer Sensorik werden sie den Menschen selbst zum Eingabemedium machen.

1. Freiheitsgrade: Spielekonsole als Vorreiter

Vielversprechende, aktuelle Entwicklungen kommen aus den Laboren der Hersteller von Spielekonsolen. Denn während am PC-Arbeitsplatz Tastatur und Maus bis heute ausreichen, braucht die Spieleszene wesentlich mehr Freiheitsgrade, um mit aufregenden Neuerungen begeistern zu können.

14 tollkühne Technik-Trends für 2013

Die erste Spielekonsole, die den klassischen Controller hinter sich ließ, war 2006 die Nintendo Wii. Der Schritt zu einem intuitiven, nicht übermäßig komplizierten Eingabegerät für drei Dimensionen gelang mit dem Wii Remote. Der Controller bot mit einer Kombination mehrerer Techniken erstmals eine wirklich präzise Bewegungssteuerung. Im Inneren der Wii Remote registrieren ein Gyroskop und ein Accelerometer die Neigungen sowie die Bewegung des Controllers über drei Achsen. Eine Sensorleiste erfasst per Infrarot die Position der Wiimote, sodass der Spieler Objekte auf dem Bildschirm anvisieren kann. Damit den Spieler keine Kabel stören, sorgt eine Funkverbindung mit Bluetooth für die Verbindung mit der Konsole. (eine Anleitung, wie Sie den Wii-Controller auch im PC nutzen können, finden Sie auf Seite 4)

2. Voller Körpereinsatz: Microsoft Kinect

Völlig losgelöst: Der Wii Remote war als Controller eine echte Neuheit und verhalf der Spielekonsole Nintendo Wii zu ihrem enormen Erfolg.
Vergrößern Völlig losgelöst: Der Wii Remote war als Controller eine echte Neuheit und verhalf der Spielekonsole Nintendo Wii zu ihrem enormen Erfolg.
© Greyson Orlando

Bevor der Erfinder Tom Quinn, dem das Patent für die Wiimote gehört, Nintendo seine Technik anbot, war der erste Ansprechpartner Microsoft. Die Redmonder interessierten sich aber nicht für das Projekt, da sie mit Kinect bereits eine eigene Eingabetechnologie in der Entwicklung hatten. Microsoft hat den KinectSensor Ende 2010 unter dem Motto „Du bist der Controller“ als Ergänzung zur Spielekonsole Xbox 360 auf den Markt gebracht. Kinect verzichtet auf externe Steuergeräte und erfasst stattdessen die Position und die Körperbewegungen des Spielers im Raum, in den ein InfrarotLaser ein Gitternetz projiziert. Zusammen mit einer CMOS-Kamera kann Kinect damit Körperteile und Bewegungen im dreidimensionalen Raum orten.

Eine RGB-Kamera auf der Sensorleiste liefert die Daten für die Erkennung mehrerer Personen und Objekte. Insgesamt vier Mikrofone können die Quelle von Geräuschen zur Spracheingabe orten. Nur eine Woche nach dem Europa-Verkaufsstart war die Bewegungssteuerung Kinect für die Microsoft-Spielekonsole Xbox 360 bereits über eine Million Mal verkauft.

Mittlerweile ist Kinect aber nicht mehr nur für Xbox-Spieler interessant, denn Microsoft veröffentlichte ein kostenloses Software Development Kit (SDK), das Bibliotheken sowie Dokumentation für Entwickler enthält. Nach der Vorstellung von Microsoft soll Kinect in Zukunft auch für die Steuerung am PC in Frage kommen. Das Kinect SDK gewährt Zugriff auf die Daten aus Tiefensensor, RGB--Kamera und den Mikrofonen. Es bringt auch einige Anwendungs beispiele und Mini-Spiele mit und ist damit nicht nur für Entwickler interessant, sondern grundsätzlich für alle Besitzer einer Kinect, die den Sensor am PC ausprobieren möchten.

Kinect SDK: Jetzt auch mit Handerkennung und 3D-Modelling

Der gleichfalls im SDK enthaltene Sample Skeletal Viewer setzt keine Programmierkenntnisse voraus und zeigt ganz einfach, wie eine Kinect arbeitet. Die Demo erkennt bis zu zwei Personen gleichzeitig und zeigt neben dem Kamerabild fast in Echtzeit auf einem vereinfachten Skelett die umgerechneten Bewegun gen. Das Mini-Spiel Shape führt vor, wie sich die Kinect spielerisch am PC nutzen lässt: Bis zu zwei Personen können auch hier vor die KinectKamera treten. Die Aufgabe besteht darin, herabfallende Objekte mit den Armen oder Beinen zu treffen. Über Sprachbefehle haben Sie weiteren Einfluss auf das Spiel.

Um die Kinect SDK auf dem PC zu installieren, brauchen Sie einen Rechner mit Dualcore-CPU oder besser sowie mindestens 2 GB RAM. Der Grafikchip muss DirectX 9.0c unterstützen, als Betriebssystem ist Windows ab Version 7 erforderlich. Zudem benötigen Sie .NET Framework 4.5 .

0 Kommentare zu diesem Artikel
1740811