Vom Staatsbetrieb zum Global Player

Die Geschichte der Deutschen Telekom

Freitag, 16.03.2012 | 13:08 von Ariane Rüdiger
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© Deutsche Telekom
Die Geschichte der Deutschen Telekom besteht aus Höhen, Tiefen, Sanierungsplänen und Wendungen. Erleben Sie mit der PC-Welt den Aufstieg eines ehemaligen Staatsbetriebs zum globalen ITK-Player.
Begeben Sie sich mit der PC-Welt auf eine spannende Zeitreise und erleben Sie die wichtigsten Stationen, Höhe- und Wendepunkte der Deutschen Telekom. Der Artikel stammt von unseren Kollegen von der Computerwoche .

Berlin: Ausgangspunkt für Telefon und Telefonzelle

Erstes Telefon
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© Deutsche Telekom

Die Geschichte der Deutschen Telekom beginnt im Wesentlichen mit Johann Philip Reis, einen deutschen Physiker. Reis führt 1861 den Begriff „Telephon“ mit seiner Erfindung, einen Apparat für die elektronische Übertragung menschlicher Sprache, ein. Telephon findet wegen der umständlichen Bedienung wenig Begeisterung in der Bevölkerung. Erst die Entdeckung von Alexander Graham Bell erfährt durch eine bessere Alltagstauglichkeit mehr Zuspruch. Seinen „Apparat für die telegraphische Übertragung von sprachlichen oder anderen Tönen“ lässt Bell schützen. Im Herbst 1877 wird mit solch einem Gerät in Berlin zum ersten Mal deutschlandweit telefoniert. In der Hauptstadt befindet sich zudem der erste Vermittlungsknoten, der durch die Städte Breslau, Frankfurt am Main, Köln und Hamburg ergänzt wird. 27 Jahre später, nämlich im Jahr 1904, entwickelt Wilhem Quante in Wuppertal die erste Telefonzelle, die in Berlin aufgestellt wird.

Telekommunikation war Aufgabe der Deutschen Bundespost

Die Deutsche Telekom AG gibt es erst seit einigen Jahren. 1950 ist das Unternehmen Teil der Deutschen Bundespost, die die Nachfolge der Deutschen Reichspost antritt. Zu den Aufgaben des staatlichen Betriebs gehört neben der Telekommunikation auch der Bereich Postdienste.

Fräulein vom Amt
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Das „Fräulein vom Amt“ vermittelt in Fernsprechämtern von Hand Telefongespräche. Ab Mitte der 50er Jahre fängt deren Ablösung durch eine automatisch arbeitende Telefonvermittlung, den Selbstwähldienst, an. Dabei handelt es sich um einen Hebdrehwähler, den der US-Amerikaner Almon Brown Strowger erfand. Strowger lässt 1891 sein „Automatisches Telefonvermittlungssystem“ in den USA patentieren. In Uetze bei Hannover schließt im Frühjahr 1966 die letzte Handvermittlung der Deutschen Bundespost.

Die ersten Autotelefone wogen 16 Kilogramm.
Vergrößern Die ersten Autotelefone wogen 16 Kilogramm.
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1958 werden alle Funknetze in der Bundesrepublik Deutschland zum A-Netz gebündelt. Die mobilen Autotelefone wiegen 16 Kilo. Da die Geräte alles andere als klein und handlich sind, findet das Hauptgerät im Kofferraum Platz. Weitere Unterschiede zu heute: Nur 10.000 Teilnehmer können im A-Netz telefonieren und die Gespräche werden handvermittelt. Das Jahr 1977 bedeutet das Aus für das A-Netz; es wird abgeschaltet. Bereits 1972 startet das B-Netz mit dem Selbstwählverfahren. Teilnehmer können nun ihren Gesprächspartner direkt anrufen, vorausgesetzt der Anrufer weiß welche Ortsvorwahl der Angerufene gerade hat. Schon 1962, vor dem B-Netz, ist es möglich Auslandstelefonate zu führen. Möglich machen dies US-amerikanische Nachrichtensatelliten. Mit dem ersten kommerziellen Nachrichtensatellit „Early Bird“ rufen Deutsche 1965 erstmals via Selbstwählverfahren in die USA an.

1977 auf der Funkausstellung in Berlin stellt die Deutsche Bundespost den interaktiven Onlinedienst BTX (Bildschirmtext) vor. Der Dienst wurde von Eric Danke, einem späteren Vorstandsmitglied von T-Online , entwickelt. Erst sieben Jahre später, 1984, nimmt BTX den Regelbetrieb auf. Die Teilnehmerzahl bleibt weit hinter den Erwartungen zurück. Erst Mitte der 90er als BTX mit T-Online-Angebote, E-Mail und Homebanking kombiniert wird, nutzen eine Million Kunden den Dienst. Bereits Ende 2001 wird der ursprüngliche BTX-Dienst offiziell eingestellt. In Frankreich dagegen ist der analoge Dienst Minitel ein Riesenerfolg. Im Gegensatz zum magenta-farbenen Unternehmen stellt France Télécom die notwendige Hardware kostenlos bereit.

1985 startet das erste zelluläre Mobilfunknetz in Deutschland. Die Teilnehmer sind bundesweit unter einer Telefonnummer erreichbar. Kurz darauf fängt in Deutschland 1989 ein neues Telekommunikations-Zeitalter an. ISDN (Integrated Services Digital Network) gelangt auf den Markt. Die Technik sorgt weltweit für Aufsehen und macht die IP-Telefonie hierzulande anfangs unattraktiv. ISDN-Kunden telefonieren und surfen parallel im Internet, ohne Aufpreis.

Start der Privatisierung des Telekommunikationsbereichs und von D1

Die so genannte „Postreform I“ legt 1990 den Grundstein für die Privatisierung des Telekommunikationsbereichs. Unter Postminister Christian Schwarz-Schilling teilt sich die Deutsche Bundespost in die Unternehmen Postbank, Postdienst und Deutsche Bundespost Telekom.

1994 telefonieren etwa eine halbe Million Teilnehmer im
T-D1-Netz.
Vergrößern 1994 telefonieren etwa eine halbe Million Teilnehmer im T-D1-Netz.
© Deutsche Telekom

1992 ist die Geburtsstunde des Mobilfunknetzes D1. Der Siegeszug der Handys beginnt. Mobiltelefone sind dank GSM (Global System for Mobile Communication) handlich und die Tarife sind günstig. Binnen zwei Jahre telefonieren eine halbe Million Mobilfunkteilnehmer im T-D1-Netz.

Außerdem geht 1992 auch TAT 10 (Trans Atlantic Telephonecable) in Betrieb. Hierbei handelt es sich um eine direkte transatlantische Glasfaserverbindung zwischen Deutschland und den USA. In Europa installieren die Deutsche Telekom und vier weitere Netzbetreiber die Breitbandnetztechnik ATM (Asynchronous Transfer Mode). Des Weiteren rücken Ost- und Westdeutschland nach der Wiedervereinigung zusammen und es existiert nur noch ein Telefonnetz.

Anfang der Internationalisierung

1993 unternimmt die Telekom ihren ersten Schritt zur Internationalisierung. Das Unternehmen erwirbt mit Ameritech Mehrheitsanteile am ungarischen Telekommunikationsunternehmen Matáv. Es schließen sich weitere Aktionen an, die die Telekom zu einem internationalen Unternehmen machen.

Tim Berners-Lee, Erfinder von HTML
Vergrößern Tim Berners-Lee, Erfinder von HTML
© Cern

„Postreform II“ tritt 1995 in Kraft. Aus der Deutschen Bundespost Telekom entsteht die Deutsche Telekom AG. Aus der Postbank und dem Postdienst werden ebenfalls Aktiengesellschaften. Die Aktien bleiben beim Bund. Dieser ist somit weiterhin Eigentümer. 1995 ist das ausschlaggebende Jahr für BTX. Der Dienst wird mit E-Mail und dem Internet kombiniert. Aus dem Bildschirmtext entsteht so „T-Online Classic“. Im selben Jahr veröffentlicht Microsoft Windows 95 mit Internet Explorer 1.0. Das Internet fasziniert immer mehr Menschen; nachdem 1991 Tim Berners-Less vom Genfer CERN -Institut sein Hyperlink-System HTML (Hyper Text Markup Language) für alle freigibt.

Gleichzeitig gibt es einen Wechsel bei der Konzernspitze der Deutschen Telekom. Neuer CEO wird Ron Sommer. Er ist international bekannt und möchte das Unternehmen als global führendes TK-Unternehmen etablieren.

Die Börsengänge der Deutschen Telekom

Erster Börsengang der Deutschen Telekom unter Ron
Sommer
Vergrößern Erster Börsengang der Deutschen Telekom unter Ron Sommer
© Deutsche Telekom

Unter der Leitung von Sommer geht die Telekom am 18. November 1996 erstmalig an die Börse. Um aus der T-Aktie eine Volksaktie zu machen, erhalten Privatkunden Anteilsscheine zu einem reduzierten Ausgabepreis. Zusätzlich entsteht in Deutschland das Aktien-Informations-Forum (AIF), über das sich Interessierte kostenlos informieren können und eine umfangreiche Werbekampagne startet. 1,8 Millionen Privatanleger zeichnen die Aktie zu einem Stückpreis von 28,50 DM (14,57 Euro). Der ermäßigte Kaufpreis beträgt 14,32 Euro. Obwohl das Ausgabevolumen erhöht wird, ist die Nachfrage nach den Wertpapieren fünfmal größer als das Angebot. Anleger haben am ersten Tag die Chance auf einen fast 19-prozentigen Gewinn. Der erste Börsengang ist somit ein großer Erfolg für die Telekom, die rund zehn Milliarden Euro einnimmt.

Am 28. Juni 1999 emittiert der Telekommunikationsriese erneut Aktien. Etwa 286 Millionen Wertpapiere werden für 39,50 Euro (77,26 DM) ausgegeben. Das spült 10,8 Milliarden Euro in die Kasse des magenta- farbenen Unternehmens. Ein Jahr später, am 19. Juni 2000, folgt der dritte Börsengang. 200 Millionen T-Aktien werden diesmal zu einem Preis von 66,50 Euro gehandelt. Das bringt der Deutschen Telekom rund 13 Milliarden Euro.

2002 bricht der Kurs der T-Aktie ein, die Anleger verlieren zwischen 60 und fast 90 Prozent. Am 30. September 2002 hat das Wertpapier seinen vorläufigen Tiefstand mit 8,42 Euro. Im Juni 2011 beträgt der Wert zwischen zehn und elf Euro. Langwierige Prozesse aufgrund des Kursabsturzes beschäftigen noch heute das TK-Unternehmen. Die Deutsche Telekom zahlt außergerichtlich 120 Millionen US-Dollar an US-amerikanische Kläger, die wegen einem fehlerhaften Börsenprospekt prozessieren.

Freitag, 16.03.2012 | 13:08 von Ariane Rüdiger
Kommentieren Kommentare zu diesem Artikel (6)
  • T-Liner 11:27 | 12.12.2011

    Hi

    Zitat: Scasi
    > Die Privatisierung hat eh nur was mit den Aktien zu tun gehabt . Nö, der riesige Beamtenwasserkopf und die damit verbundenen Pensionsansprüche mussten auch irgendwie unters Volk (aka "Steuerzahler") gebracht werden, um überhaupt ein einigermaßen konkurrenzfähiges Unternehmen an den Start zu bringen - da haben wir uns so nebenbei eine echte "Goldene Generation" an "Vorruheständlern" ans Bein geschraubt ...
    Da kannste mal sehen, das es dem Staat (Telekombeamte sind Bundesbeamte) auch lieber ist (genau wie der Telekom), billiges ,nicht wirklich qualifiziertes,Tarifpersonal (das merkt der Kunde an Hotlines (auch von Kommunen , Ländern , Städten) zu beschäftigen . Statt ihre Beamten (die den Status oft nicht freiwillig bekommen haben) weiter zu beschäftigen. Das siehste daran , das manche ihren Beamten wieder abgegeben haben , um richtig Kohle zuverdienen. Nicht in den falschen Hals kriegen !! Gönne Jedem einen festen Job von dem er auch leben kann. Komischer Weise gröllen solche Unternehmen (auch die Bahn z.B.) wenn mal gestreikt wird , nach ihren Beamten. MfG T-Liner

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  • Scasi 10:33 | 12.12.2011

    > Die Privatisierung hat eh nur was mit den Aktien zu tun gehabt . Nö, der riesige Beamtenwasserkopf und die damit verbundenen Pensionsansprüche mussten auch irgendwie unters Volk (aka "Steuerzahler") gebracht werden, um überhaupt ein einigermaßen konkurrenzfähiges Unternehmen an den Start zu bringen - da haben wir uns so nebenbei eine echte "Goldene Generation" an "Vorruheständlern" ans Bein geschraubt ...

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  • T-Liner 09:45 | 12.12.2011

    Hi Und wenn Du bedenkst , das es bei den Kabelfernsehnnetzbetreibern größten Teils auch so ist (das sie die "letzte Meile" geerbt haben) . Und Kabeldeutschland und Kabel BW , usw.. behalten dabei noch das Monopol . Die müssen noch nicht mal nen anderen Telefon/Internet Provider in "Ihr" Netz lassen. Und die "letzte Meile" stammt ja meißt auch noch aus Bundespost Zeiten (zumindest in den "alten Bundesländern" ). Man sollte mal ne Liste machen , welche Anbieter überhaupt ein Netz (bis zum Kunden) in die Erde schmeißen (ausbauen) , und nicht nur für nen Appel und nen Ei mieten. Auf der einen Seite wird sich beschwert , wenn sich Gemeinden , an den Kosten beteiligen sollen (da wird dann wieder an die Bundes Post gedacht) , aber wenn's dann Nachher vermietet wird , kann's nicht billig genug sein , ist ja dann Privatwirtschaft. Die Privatisierung hat eh nur was mit den Aktien zu tun gehabt . Wenn man bedenkt , wie die am Anfang abgingen , war doch überall Goldgräberstimmung. Heute wär der Staat bestimmt froher über eine feste Geldeinnahme eines staatlichen Monopolbetriebes , der auch früher schon Gewinne abwarf. MfG T-Liner

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  • magiceye04 22:42 | 11.12.2011

    Zitat: T-Liner
    Sonst würdest Du heute noch mit max. ISDN Geschwindigkeit surfen, oder nen BTX Anschluß haben.
    Das kam mir auch als erstes in den Sinn. Wäre eigentlich die gerechte Strafe für alle, die diese alte Leier immer wieder ausgraben. Ich hatte in den 90ern mal die Möglichkeit, die Hauptvermittlungsstelle der Telekom in Dresden zu besichtigen. Dort war man gerade dabei, jeweils ein ganzes Stockwerk an rasselnden Vermittlungskisten aus alter Zeit in einen einzigen Schaltschrank zu legen. Und ich wette, das passierte damals überall. Die vorhandene Infrastruktur hat einen Haufen Betriebskosten verschlungen. Was bissel blöd gelaufen ist, sind die Glasfaserleitungen. Aber deren Leidtragende verwandeln sich gerade in freudige Benutzer von GBit-Internet-Anschlüssen. Es kann also nur besser werden.

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  • T-Liner 15:41 | 11.12.2011

    Hi Nur mal so >währenddessen alle anderen Provider an die Telekom für die letzte Meile zahlen müssen Wenn Dir die "letzte Meile" gehören würde , und du auch für deren Instandhaltung aufkommen mußt , würdest Du sie doch auch nicht "verschenken " oder ? Und zu den Netzen , die unsere Vorfahren mit ihren Steuergeldern bezahlt haben . Davon ist bis auf die "letzte Meile" nicht mehr sehr viel übrig. Sonst würdest Du heute noch mit max. ISDN Geschwindigkeit surfen, oder nen BTX Anschluß haben. MfG T-Liner

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