Geheim, gratis, illegal im Web

Freibrief für Web-Piraten

Im Internet gibt es jede Menge Schlupflöcher. Ob illegale Downloads, Rufmord oder Datenmissbrauch: Was auch immer ein Übeltäter so treibt – die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass er unbehelligt davonkommt.
Freibrief für Web-Piraten
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Zwar wird Internet-Surfern gerne weisgemacht, dass sie über die IP-Adresse identifizierbar seien, wenn sie Illegales im Web tun – zum Beispiel in Tauschbörsen. Doch die Realität sieht anders aus. Es gibt mehrere Ursachen dafür, dass die Rückverfolgung der IP-Adresse regelmäßig scheitert. Wir erklären, warum nur die wenigsten Täter erwischt werden.

Internet-Anbieter löschen die Protokolle
Firmen und Server besitzen in aller Regel eine statische IP-Adresse, die sich leicht und dauerhaft zuordnen lässt. Der normale Surfer bekommt dagegen bei jeder Einwahl ins Internet eine andere IP-Adresse aus dem Pool des Providers zugewiesen (dynamische IP). Und genau das ist der Knackpunkt: Die großen Internet-Anbieter speichern die Information, von wann bis wann welcher Nutzer welche IP-Adresse genutzt hat, derzeit maximal eine Woche lang. Das gilt zumindest für die Volumen- und Flatrate-Tarife, bei denen es für die Abrechnung keine Rolle spielt, wie lange ein Benutzer online war.

Wettlauf gegen die Zeit: Nur wenn ein Anwender innerhalb dieser Zeitspanne bemerkt, dass er Opfer von Internet-Kriminalität geworden ist, hat er überhaupt eine minimale Chance, dem Täter auf die Spur zu kommen. Nehmen wir als Beispiel eine Verleumdung in einem Forum. Zunächst einmal muss das Opfer herausfinden, wann und unter welcher IP-Adresse der Beitrag geschrieben wurde. Im nächsten Schritt gilt es auszukundschaften, welchem Anwender die IP-Adresse zu diesem Zeitpunkt zugewiesen war. Da der Betroffene weder an den Betreiber des Forums noch an den Internet-Provider des Täters einen direkten Auskunftsanspruch hat, muss er sich an die Polizei wenden. Die Gesetzeshüter geben den Fall an die Staatsanwaltschaft weiter, die zunächst den Betreiber des Forums und dann den Internet-Provider zur Herausgabe der Daten auffordert. In der Praxis ist es eher unwahrscheinlich, dass das innerhalb von sieben Tagen geschieht. Das Opfer wird allenfalls erreichen können, dass die Verleumdung aus dem Forum entfernt wird. Der Täter bleibt unerkannt und straffrei.

Bei der Fritzbox ist ab Werk die sichere
WPA-Verschlüsselung aktiv.
Vergrößern Bei der Fritzbox ist ab Werk die sichere WPA-Verschlüsselung aktiv.
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Missbrauch von offenen,ungesicherten WLANs
Wer einen Breitband-Anschluss besitzt, bekommt in der Regel einen WLAN-Router dazu. Egal, ob er das Funknetz nutzt oder nicht, es ist standardmäßig aktiv und sorgt nicht nur innerhalb der eigenen vier Wände für den Anschluss ans Internet, sondern auch in Nachbarwohnungen und auf der angrenzenden Straße. Moderne WLAN-Router unterstützen die sichere WPA-Verschlüsselung. Ältere Geräte funken aber meist mit der unsicheren WEP-Methode oder gänzlich unverschlüsselt. Um unerkannt zu bleiben, suchen Internet-Straftäter gezielt nach solchen Funknetzen. Sie fahren mit einem empfangsbereiten Laptop mit GPS-Empfänger die Straßen ihrer Stadt ab. Ein Programm protokolliert, an welcher Position offene oder unverschlüsselte Funknetze zu finden sind. Diese nutzt der Täter dann für seine kriminellen Machenschaften.

Der Verdacht fällt auf den Anschluss-Eigentümer: Selbst wenn es gelingen sollte, innerhalb der 7-Tage-Frist den Nutzer der IP-Adresse ausfindig zu machen, bleibt der Täter trotzdem unbehelligt. Denn der Staatsanwalt wird im Falle einer Anzeige beim arglosen Eigentümer des WLANs klingeln, auf dessen Namen der Internet-Zugang läuft. Und dieser wird dann einigen Aufwand betreiben müssen, um die Strafverfolger von seiner Unschuld zu überzeugen. Wenn dem Anzeigensteller ein finanzieller Schaden entstanden ist, zum Beispiel weil der Täter urheberrechtlich geschützte Dateien getauscht oder ein Firmennetz gehackt und lahmgelegt hat, kann der Inhaber unter Umständen in Störerhaftung genommen werden. Hierzu gibt es widersprüchliche Gerichtsurteile.

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