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Geexbox 3.1 - XBMC als Mini-Distribution verpackt

02.12.2014 | 13:05 Uhr |

Geexbox ist eine Linux- Minimaldistribution ohne eigenen Desktop, jedoch mit Mediacenter XBMC 12.2. Dieses verwandelt klassische PCs, aber auch Ein-Platinen-PCs mit ARM-CPU in eine Multimedia-Zentrale.

Spricht man von Geexbox , spricht man in der Regel mehr vom bekannten Mediencenter XBMC (Kodi). Das wird auch hier so sein: Geexbox selbst ist nur ein minimales Linux mit dem einzigen Auftrag, die XBMC-Oberfläche bereitzustellen. Von Geexbox bekommen Sie daher praktisch nichts zu sehen als beim Setup einen recht primitiven, textbasierten Installer und bei der Ersteinrichtung den Netzwerk-Manager. Danach regiert XBMC.

Der Vorteil von Geexbox: Geexbox bringt es fertig, ein eigenständiges System mit XBMC je nach Plattformvariante deutlich unter 200 MB unterzubringen. Zum Vergleich: Ein XBMCbuntu, also das funktional vergleichbare Ubuntubasierte System mit dem Mediencenter XBMC, schlägt dagegen mit einem ISO-Umfang von über 700 MB zu Buche.

Diesen Vorzug gegenüber einem XBMCbuntu spielt Geexbox insbesondere bei der Einrichtung auf ARM-Boards und Mini-PCs aus. Dazu gibt es auf der Projektwebseite verschiedene Images und Installations-Scripts für Minicomputer wie beispielsweise Raspberry Pi, Cubieboard, Solidrun Cubox und Compulabs Utilite. Diese Images umfassen je nach Version zwischen 128 und 184 MB.

1. Geexbox-Installation auf PC und ARM

Geexbox bootet nach kurzer Startzeit zu XBMC (Kodi). Um jedoch Konfigurationsänderungen dauerhaft zu speichern und außerdem noch schnellere Startzeiten zu erreichen, muss Geexbox auf USB-Stick oder Speicherkarte installiert werden. Theoretisch reicht dafür ein GB, jedoch sind für Mediendatenbank und Add-ons-Installationen 4 GB zu empfehlen.

Um das System auf einen USB-Stick zu befördern, starten Sie Geexbox und wählen als Nächstes am „Welcome“- Bildschirm die Option „Install Geexbox to disk …“. Der Installer ist minimalistisch und beansprucht für Geexbox immer ein ganzes Laufwerk für sich: Einen Partitionierer gibt es nicht. Für eine Festplatteninstallation ist das System folglich ungeeignet.

Deshalb ist es von entscheidender Bedeutung, dass Sie in der angezeigten Laufwerksliste den richtigen Datenträger auswählen, da dieser komplett formatiert wird. Wenn Sie mit den dev-Bezeichnungen von Linux nicht vertraut sind, orientieren Sie sich an der Beschreibung – so ist zum Beispiel „SanDisk_Cruzer_4108MB“ wie in der Abbildung völlig eindeutig.

Sowohl im Live-System als auch installiert auf Flash-Medium gibt es definitiv keine Oberfläche neben XBMC, ja kaum eine benutzbare Kommandozeile: Selbst die unter Linux üblichen virtuellen Kommandokonsolen (Strg-Alt-F1) sind funktionsreduziert. Für den Fall, dass Sie jemals in die Verlegenheit kommen sollten, eine derartige Konsole zu verwenden: User ist „root“ mit Passwort „root“. Die Rückkehr von der virtuellen Konsole zur XBMC-Oberfläche benötigt die Tastenkombination Strg-Alt-F4 (statt F7 wie üblich).

Entscheidende Abfrage des Installers: Verifizieren Sie zweifelsfrei, dass das System auf einem USB-Stick oder einer SD-Karte landet, nicht etwa auf einer Festplatte.
Vergrößern Entscheidende Abfrage des Installers: Verifizieren Sie zweifelsfrei, dass das System auf einem USB-Stick oder einer SD-Karte landet, nicht etwa auf einer Festplatte.

2. Grundlagen zu XBMC unter Geexbox

XBMC ist ein kompromissloses Gesamtkonzept für Home-Theater-PCs: Es übernimmt als Mediacenter den kompletten Desktop und bringt eine effektvolle Oberfläche mit, die sich auch im Wohnzimmer auf TV-Geräten oder Beamern sehen lassen kann. XBMC verwaltet Filme, Videos, Musik, Bilder, Mediatheken, Radiostationen und mehr. Es ist als Streaming-Client bestens geeignet und verwaltet auch sehr große Medienbibliotheken klaglos. Es dient selbst als DLNA-Server für PCs, Smart-TVs oder Tablets, erkennt jedoch auch andere DLNA-Server im Netzwerk. Selbstverständlich kann es Netzwerkfreigaben von Windows, Linux und Mac OS einbinden, daneben auch FTP anbieten und sich über HTTP remote steuern lassen – mit seiner IP-Adresse und Port 8080 in einem beliebigen Browser im Netz.

Mit XBMC kann man jede Menge Spaß haben, – der aber selten auf Anhieb ungetrübt ist. So attraktiv und übersichtlich die Oberfläche allgemein gelobt wird, braucht man doch etwas Gewöhnung und Geduld. Unter „System > Appearance > Language“ sollten Sie zunächst die Sprache auf Deutsch umschalten. Mögliche erste Hürden sind dann die Netzwerkkonfiguration und die Add-ons-Verwaltung: Die primäre Netzwerkeinstellung befindet sich beim Geexbox-XBMC nämlich unter „Programme > GeeXboX network configuration“, nicht unter System, wo Sie sie vermuten werden. An dieser Stelle sollten Sie dann dem XBMC-Server unbedingt eine feste IP-Adresse geben, damit Funktionen wie die HTTP-Fernsteuerung nachhaltig funktionieren und Sie nicht immer die IP des XBMC suchen müssen.

Sobald XBMC im Netz ist und unter „System > Systeminfo“ eine IP-Adresse anzeigt, aktivieren Sie die nötigen Serverfunktionen für das Netzwerk. Diese finden Sie jetzt an erwarteter Stelle unter „System > Einstellungen > Dienste“. Der wichtigste Netzwerkdienst ist „UPnP“, und zwar sowohl die Option „UPnP Server aktivieren“, damit andere Geräte vom XBMC streamen können, als auch die Option „UPnP Renderer aktivieren“, damit XBMC etwa die Medienbibliotheken eines NAS oder eines Windows Media Player erkennt und abspielt.

Als weitere Grundlage empfehlen wir, unter „System > Einstellungen > Add-ons“ nach einem Rechtsklick auf „XBMC.org Add-ons“ die Option „Updates suchen“ auszulösen. Erst dann stehen nämlich die zahlreichen Add-ons zum Download und zur Installation bereit. Darauf zu verzichten, wäre sträflich, weil alle Webdienste wie Mediatheken, Youtube oder Radiostationen erst über diese Add-ons eingebunden werden. Die Einrichtung eines Add-ons dauert in der Regel nur Sekunden.

XBMC bei der Arbeit: Die Wiedergabe läuft, während (rechts oben) eine große Mediensammlung indiziert wird, Geexbox tritt nur als Logo in Erscheinung (links oben).
Vergrößern XBMC bei der Arbeit: Die Wiedergabe läuft, während (rechts oben) eine große Mediensammlung indiziert wird, Geexbox tritt nur als Logo in Erscheinung (links oben).

3. Medienverwaltung in XBMC

Eine weitere fundamentale Funktion, nämlich Mediendaten in XBMC einzubinden, ist wieder mindestens gewöhnungsbedürftig. Um etwa Musikdateien zu integrieren, rufen Sie als Erstes den Bereich „Musik“ auf, darunter „Dateien“ und im Folgedialog dann „Quelle hinzufügen“. Mit „Suchen“ erscheint daraufhin ein Fenster mit verschiedenen Kategorien. Beachten Sie dabei, dass Sie eventuell weitere, nicht sofort sichtbare Kategorien durch den Scrollbalken nach unten erreichen:

  • Liegen die Dateien im Benutzerordner, wählen Sie „Home-Ordner“.

  • Externe USB-Laufwerke finden Sie im „Root Dateisystem“ unter „media“.

  • Die Medien eines weiteren UPnP-Servers, etwa eines NAS, erreichen Sie am einfachsten unter „UPnP Devices“, sofern am NAS dieser Dienst aktiviert wurde.

  • Windows- oder Linux-Samba-Freigaben erreichen Sie unter der Kategorie „Windows- Netzwerk (SMB)“. Dies ist auch der richtige Weg zu einem NAS-Server, sofern dort kein UPnP aktiviert wurde.

Navigieren Sie dann jeweils zu dem Ordner, den Sie hinzufügen wollen, und bestätigen Sie mit „OK“. Damit sind die Medien im XBMC lokal angemeldet, allerdings sind sie noch nicht via UPnP für andere Netzgeräte erreichbar. Dazu müssen Sie den neuen Eintrag unter „Musik > Dateien“ nach einem Rechtsklick noch „In Datenbank aufnehmen“.

Steckbrief Geexbox m. XBMC

Aktuelle Version: Geexbox 3.1 mit XBMC
Einsatzgebiet: Universelles Multimediacenter für PCs und ARM-Mini-Platinen
Zielgruppe: Multimedia-Enthusiasten
Systemanforderungen: 2 GB RAM (empfohlen), Dualcore-CPU, GPU mit Grafikbeschleunigung
Download: www.geexbox.org/download
Dokumentation: www.geexbox.org/documentation

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