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Kontrovers diskutiert - konsequent eingespart

19.09.2008 | 10:01 Uhr |

Software für Business-Anwendungen kann ein Vermögen kosten. Da ist es kein Wunder, dass viele IT-Manager gebrauchte Softwarelizenzen Alternative sehen. Schließlich können bis zu 50 Prozent der Original-Anschaffungskosten eingespart werden.

Das Wirtschaftsbarometer in Deutschland zeigt wieder nach unten und die Wirtschaft gerät zunehmend in schwieriges Fahrwasser. Die Folge: Unternehmen werden in Zukunft wieder stärker die Kostenseite beleuchten und dabei noch so kleine Einsparpotenziale ausschöpfen müssen. Direkt betroffen von den unvermeidlichen Sparmaßnahmen sind auch die IT-Abteilungen. Ihre Aufgabe wird es sein, eine kostengünstige Beschaffung sicherzustellen, und dies bei gleich bleibender oder sogar besserer IT-Unterstützung der Geschäftsprozesse.

Software aus zweiter Hand entlastet das IT-Budget

Die finanziellen Vorteile, die sich ein Unternehmen durch den Erwerb von Zweitlizenzen sichern kann, sind mittlerweile nicht mehr weg zu diskutieren. Anwender profitieren daher vom Markt mit gebrauchten Softwarelizenzen. In keinem Bereich innerhalb der IT-Investitionen sind kurzfristig und prozentual so große Einsparungen realisierbar. Der Hamburger Händler Preo Software AG bestätigt, dass bereits mittelständische Unternehmen sechsstellige Summen einsparen können. "Allein die Möglichkeit zur Standardisierung auf ältere Softwareversionen über gebrauchte Lizenzen reduziert die Kosten um durchschnittlich 30 bis 50 Prozent", rechnet Boris Vöge, Vorstand der Preo Software AG , vor.

Immer mehr Unternehmen bedienen sich der günstigen Einkaufsquelle. Edeka, Karstadt-Quelle, die Stadt München, die Berliner Volksbank und viele andere werden als Referenz genannt. Das Marktforschungsunternehmen Experton Group hat in einer Studie 2007 untersucht, warum Unternehmen in gebrauchte Softwarelizenzen investieren. Dabei ließen sich drei Hauptgründe identifizieren. Einmal sei ein starker Drang nach finanziellen Vorteilen bei der Beschaffung und der Verwertung von Lizenzen festgestellt worden. Ein weiterer Grund liege am bedingten Bedarf älterer Softwareapplikationen, die noch im Einsatz sind. Das heißt, Anwender beschaffen sich günstige ältere Lizenzen, anstatt neue Software-Generationen zu erwerben. Und drittens führe der Zwang zu einer zeitnahen Nachlizenzierung zum Kauf von gebrauchten Softwarelizenzen, so die Marktforscher.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Kontrovers werden zur Zeit die rechtlichen Rahmenbedingungen diskutiert. Zuletzt hat ein Urteil des Oberlandesgerichts München sowie die Ankündigung von Microsoft, einige Produktschlüssel von gebrauchter Software zu sperren , für Schlagzeilen gesorgt. Für die deutsche Microsoft-Niederlassung scheint die Situation jedoch klar: "Aus unserer Sicht sind die wichtigen Entscheidungen bereits getroffen worden. Wir nehmen an, dass künftig erkannt und akzeptiert wird, dass der An- und Verkauf von Nutzungsrechten aus Volumenlizenzverträgen nur mit unserer Zustimmung erfolgen kann", stellt Robert Helgerth fest, Mitglied der Geschäftsleitung und Direktor für das Mittelstands- und Partnergeschäft.

Helgerth sieht ein nahes und schnelles Ende der Diskussion kommen und bezieht sich insbesondere auf die aktuelle Entscheidung. "Die Münchner Richter stufen die Rechtslage als klar und eindeutig ein und ließen die Revision zum Bundesgerichtshof (BGH) deshalb nicht zu." Helgerth weist aber auch darauf hin, dass das Urteil noch nicht rechtskräftig ist. "Die unterlegenen Händler haben gegen die Nichtzulassung der Revision Beschwerde eingelegt. Noch ist allerdings offen, ob diese Beschwerde erfolgreich sein wird. Zum jetzigen Zeitpunkt steht damit noch nicht fest, ob und in welcher Weise der BGH zu dieser Frage überhaupt Stellung nehmen wird, weshalb wir momentan davon ausgehen, dass die Entscheidung des OLG München eine Grenzmarke gesetzt hat und sich die Diskussion damit bald erübrigt", erläutert der Fachmann.

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