26.07.2012, 08:49

Peter Stelzel-Morawietz

GPS für Radfahrer

Fahrrad-Navigationsgerät Mio Cyclo 300 im Test

Das Navigationsgerät Mio Cyclo 300 lotst Radfahrer ähnlich wie ein Auto-Navi zum gewünschten Ziel, allerdings ohne Sprachanweisungen nur über Pfeile auf dem Display.
©Mio

Eine einfache Bedienung wie beim Auto-Navi verspricht Mio beim Cyclo 300 für Radfahrer. Das stimmt, wie der Test darlegt. Doch ansonsten zeigt sich die Orientierungshilfe am Lenker manchmal neben der Spur.
Schon die angenehm kurze Schnellstartanleitung, die alle wichtigen Funktionen aufzählt, deutet darauf hin: Das Navigationsgerät von Mio ist wirklich einfach zu bedienen. Diese Vermutung bestätigt sich im Test. Die Benutzerführung ist geradezu genial einfach, wer ein Auto-Navi bedienen kann, kommt auch mit dieser Orientierungshilfe für Radfahrer mit Touchdisplay sofort klar.
Der Startbildschirm ist klar und modern strukturiert: Sechs große Schaltflächen erinnern an die Kacheln vom neuen Windows 8. Ein Fingertipp auf die Kachel „Navigation“ bietet die Möglichkeit, als Ziel eine Adresse, Points of Interest (POIs), selbst definierte Favoriten, einen beliebigen Punkt auf der Karte oder beliebige Koordinaten einzugeben. Das funktioniert schnell und komfortabel, zumal die Adresseingabe nach Eintippen der ersten drei oder vier Buchstaben auf die möglichen Städte, Orte und Straßen einschränkt – so wie bei den meisten Auto-Navis.
Mit „Go“ bestätigen, schon kann es losgehen. Denn zumindest bei der Streckenplanung bis 100 Kilometer ist die Berechnung des Mio Cyclo 300 richtig schnell. Touren über 200 Kilometer dagegen verweigert das Gerät rigoros, schon darunter wird die Berechnung mitunter quälend langsam. Mehrtagestouren sind also nur durch Eingabe von Zwischenzielen zu bewältigen.
Mio Cyclo 300 mit geradezu genial einfacher Bedienung
Die einfache Bedienung setzt sich durch das gesamte Menü fort. Dazu ein Beispiel: Im Tachomodus erscheint ein roter Punkt (wie bei Audio- und Video-Software oder früher beim Kassettenrekorder). Anhand der Gestaltung ist sofort klar, wozu die Schaltfläche da ist, nämlich zur Aufzeichnung der Strecke. Auch die übrigen Anzeigefelder sind gut gewählt. Sie reichen von der Geschwindigkeit über die Entfernung zum Ziel bis zum Kalorienverbrauch und zur aktuellen Steigung.
Apropos Steigung: Die berechnet das Gerät aus der Geschwindigkeit und der Höhe, die ein Drucksensor barometrisch erfasst. Auch hier zeigt sich wieder die gelungene Bedienung: Während man praktisch alle anderen Geräte zur Höhenmessung wegen des schwankenden Luftdrucks kalibrieren muss, bietet der Mio Cyclo 300 nicht einmal eine Möglichkeit dazu. Das erledigt das Gerät selbstständig über die GPS-Signale. Das ist zwar nicht ganz so exakt wie die manuelle Höheneingabe an einem bekannten Punkt, aber eben einfach in der Handhabung.
Im Großen und Ganzen überzeugt in der Praxis das Handling über das drucksensitive Touchdisplay. Anders als bei den kapazitiven Anzeigen der meisten Handys funktioniert die Bedienung hier auch mit Handschuhen – und das sogar überraschend gut.
Neben der Spur: Schwächen vor allem bei der Routenplanung
Können die anderen Hersteller von Fahrrad-Navis wie Falk oder Garmin nun einpacken? Keineswegs, denn das Mio-Gerät weist ansonsten große Schwächen auf, vor allem bei der Navigation. Denn attraktive, kurze und sichere Strecken zu wählen, ist geradezu eine Mindestanforderung für die Auswahl von Radrouten.
Das aber leistet das Cyclo-Gerät vielfach nicht. Viele kleine, offiziell für Radfahrer zugelassene Wege wie beispielsweise Straßenunterführungen kennt das Mio nicht. So muss man zum Teil erhebliche Umwege in Kauf nehmen, um zum Ziel zu kommen. Im Test handelte es sich dabei keineswegs um Einzelfälle, sondern vielmehr um die Regel. Auch zahlreiche für Radfahrer in der umgekehrten Richtung zugelassene Einbahnstraßen werden bei der Navigation nicht berücksichtigt. Selbst der neue kostenlose Fahrradmodus von Google ist da mitunter besser.
Dafür ignoriert die Routenplanung manches Abbiegeverbot: Wenn man aber – trotz ausdrücklichen Verbots – auf einer vierspurigen Schnellstraße und zudem an einer unübersichtlichen Stelle nach links abbiegen soll, wird es richtig gefährlich. Ferner bietet das Gerät keine detaillierten Planungsmöglichkeiten, also weder Zwischenziele, noch eine höhenoptimierte Strecke oder das Vermeiden unbefestigter Wege. Das Resultat: In München leitete das Mio-Gerät in einem Fall nicht die kürzere (und definitiv schönere) Strecke durch den Englischen Garten, stattdessen ging es über vier- und sechsspurige Straßen zum Ziel.
Im Praxistest stört zudem die Systemträgheit gewaltig: Nach dem Abbiegen verharrt de Position häufig weiter an der Kreuzung und bei jedem Kreisverkehr zeigt das Navi stets die Anweisung „nach rechts“ (weil man ja zunächst nach rechts in den Kreisverkehr einfahren muss). Wo es dann aber weitergeht, erscheint häufig zu spät.
An dieser Stelle offenbart sich eine weitere Schwäche: Anders als ein Navi fürs Auto besitzt der Fahrradlotse von Mio keine Sprachausgabe. Die Anweisungen erscheinen nur als Hinweise auf dem drei Zoll großen Bildschirm. Damit man nicht die ganze Zeit auf das im Übrigen stark spiegelnde Display schauen muss, weisen Pieptöne auf Abbiege- und andere Aktionen hin. Deren Laustärke ist aber nicht verstellbar, insbesondere bei viel Verkehr kann man sie schon einmal überhören.
Gute Ausstattung, ordentliche Akkulaufzeit, keine Planungsoptionen
Das Fahrrad-Navi gibt es in zwei Ausführungen: in der getesteten Version als Mio Cyclo 300 zum Preis von ca. 280 Euro sowie als Version 305 HC. In dieser rund 100 Euro teureren Variante sind ein Brustgurt zur Puls- und ein Set zur Trittfrequenzmessung dabei, sie richtet sich also an sportlich ambitionierte Rennrad- und Mountainbike-Fahrer.
Ansonsten ist der Lieferumfang identisch: Auf beiden Geräten sind die Karten von 22 Ländern Westeuropas installiert, neben dem Höhenmesser mit Anzeige des Höhenprofils ist ein Kompass integriert, das beiliegende Netzteil dient zum Laden des internen, fest verbauten Akkus, das USB-Kabel zur Verbindung mit der PC-Software Mio Share. Anders als das Gerät selbst ist das Computerprogramm allerdings keineswegs intuitiv zu bedienen und wirkt insgesamt wenig ausgereift.
Die Mio-Geräte sind wasserdicht nach IPX7-Standard und mit Gehäusemaßen von 6,7 x 12,1 x 1,8 cm flacher als andere Fahrrad-Navis. Das Gewicht von gut 150 Gramm spielt am Fahrrad keine Rolle. Wichtiger ist das Display, das auf der drei Zoll großen Diagonale 240 x 400 Punkte auflöst.
Die Darstellung der Karten ist vergleichsweise simpel, das Display liegt hinsichtlich der Ablesbarkeit im Freien verglichen mit anderen Geräten im Mittelfeld. Das heißt gleichzeitig, dass man die Beleuchtung meist einschalten muss, damit man die Abbiegehinweise tatsächlich sieht. Die Akkulaufzeit ist mit fast acht Stunden bei voller Belastung (volle Helligkeit, Navigation und Track-Aufzeichnung) überdurchschnittlich gut. Dreht man die Beleuchtung herunter, beträgt sie sogar mehr als zwölf Stunden, Tagestouren sind also kein Problem. Das vergleichbare Lux 30 von Falk schaffte im Test mit gewöhnlichen Mignon-Batterien nur rund dreieinhalb Stunden, dafür lassen sie sich in wenigen Sekunden auswechseln.
Die Lenkerhalterung hinterlässt einen ordentlichen Eindruck, das Navi sitzt fest darauf. Die Halterung lässt sich um 90 Grad drehen, so dass auch die Montage am Vorbau oder an einem Triathlonlenker problemlos möglich ist.
Insgesamt kann das Mio Cyclo 300 trotz der tollen Bedienung und netter Extras wie der „Surprise me“-Funktion, bei dem das Gerät Strecken nach individueller Strecken- oder Zeitvorgabe vorschlägt, nicht wirklich überzeugen. Das liegt vor allem an den Schwächen der fahrradspezifischen Navigation – doch genau dafür ist das Navi ja gedacht. Sieht man vom Wetterschutz, der guten Akkulaufzeit und der Lenkerhalterung ab, bietet es nicht mehr als viele Auto-Navis im Fahrradmodus (Link-BID: 187355).
 
 
 
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