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GPS-Sportuhr TomTom Multi-Sport Cardio im Praxistest

11.05.2015 | 13:35 Uhr |

Der Navigationsspezialist TomTom hat auch Sportuhren? Ja, sogar gleich eine ganze Reihe. PC-WELT hat das Topmodell zum Laufen, Radfahren und Schwimmen getestet.

Mit sechs Modellen macht es TomTom seinen Kunden bei der Wahl einer GPS-Sportuhr nicht ganz einfach. Zu unterscheiden sind zunächst die Runner-Serie zum ausschließlichen Laufen draußen von den Multisport-Modellen, welche sich über den zusätzlichen Bewegungssensor auch fürs Laufband drinnen sowie zum Schwimmen eignen. Beide Modelle gibt es dann in jeweils drei Varianten: ohne Pulsmessung, mit Herzfrequenzanzeige über den traditionellen Brustgurt sowie integriert in der Uhr über einen optischen Sensor im Handgelenk. Die Preise reichen von 129 Euro für die einfache Runner-Laufuhr bis zu 299 Euro für das hier getestete Topmodell Multi-Sport Cardio mit Pulssensor in der Uhr.

Einfache Bedienung, die Sportuhr ist sofort startklar

Der Lieferumfang ist angesichts des Preises überschaubar, denn neben der Schnellstartanleitung befinden sich nur noch die Gummihalterung für den Fahrradlenker und das Lade-/Dockingkabel in der Packung – ein normales Kabel mit Mini- oder Micro-USB-Kabel genügt also nicht. Das PC-Konfigurationsprogramm ist schnell heruntergeladen und installiert, die Konfiguration mit den persönlichen Daten wie Alter, Größe, Gewicht usw. ist im Nu erledigt ebenso wie das vollautomatische Firmware-Update.

Und nun? Muss sich der Käufer nun durch das 40-seitige PDF-Handbuch kämpfen? Nein, ganz und gar nicht. Denn die Bedienung der Uhr über ein Vierwege-Steuerkreuz im Armband ist äußerst einfach und zudem sehr gut strukturiert. Ein kurzer Blick in die Schnellstartanleitung genügt, dann klickt man probeweise alle Funktionen einmal durch und nach weniger als fünf Minuten ist klar, wie alles funktioniert. Eine solch komplexe Multisportuhr ohne Blick ins Manual verwenden zu können, das ist schon fast genial!

Bedient wird die TomTom Multi-Sport Cardio durch das Steuerkreuz im Armband vor der Uhr. Das Drücken von oben gelingt auch im Training und im Wettkampf sehr gut.
Vergrößern Bedient wird die TomTom Multi-Sport Cardio durch das Steuerkreuz im Armband vor der Uhr. Das Drücken von oben gelingt auch im Training und im Wettkampf sehr gut.

Fitnessarmband Garmin Vivofit im Dauertest

Auch sonst ist die 61 Gramm schwere Uhr mit ihrem breiten, flexiblen Armband aus Gummi sehr angenehm zu tragen. Ob einem das Design gefällt, ist eine Frage des persönlichen Geschmacks. Immerhin bietet der Hersteller die Uhr in drei verschiedenen Farben: rein schwarz, schwarz-rot und weiß-rot. Außerdem gibt es passende Armbänder in weiteren Farben separat zu kaufen.
Ebenfalls sehr erfreulich ist, dass die Uhr das Signal der GPS-Satelliten meist in zehn bis 20 Sekunden erkennt. Man kann also kurz nach dem Einschalten loslaufen oder -radeln, ohne dass darunter die Streckenmessung leidet. Möglich wird der schnelle Satelliten-Fix durch das sogenannte Quickfix: Sobald die Uhr an den PC angeschlossen wird, werden automatisch die Satellitenbahnen der nächsten Tagen vorgeladen. Dies beschleunigt die Positionserkennung enorm.

Laufen, Radfahren und Schwimmen mit vielen Möglichkeiten

Das Multisport-Modell eignet sich nicht nur zum Aufzeichnen von sportlichen Aktivitäten draußen (Laufen, Radfahren, Wandern usw.), sondern auch für drinnen. Als Aktivität lassen sich hier „Laufband“ und „Schwimmen“ wählen, realisiert wird die Messung über Bewegungssensoren, dazu gleich noch mehr.

Die TomTom-Sportuhr bietet diverse Anzeigen zur Auswahl, dargestellt sind hier die zurückgelegte Strecke, der virtuelle Wettkampfpartner und der Puls (von links).
Vergrößern Die TomTom-Sportuhr bietet diverse Anzeigen zur Auswahl, dargestellt sind hier die zurückgelegte Strecke, der virtuelle Wettkampfpartner und der Puls (von links).
© Tomtom

Ansonsten folgt man stets dem gleichen Bedienmuster: Aktivität wählen, Trainingsart (freies Training, ein Ziel nach Distanz, Zeit oder Kalorienverbrauch, ein Intervalltraining, eine Herzfrequenzzone oder ein Rennen gegen den virtuellen Trainingspartner) wählen und schon geht es los. Gewiss, Profis wünschen sicher noch mehr Möglichkeiten, doch selbst für ambitionierte Sportler reicht das völlig aus.

Anzeigen lassen sich auf dem Display im Wechsel Uhrzeit, bisherige Dauer der Sporteinheit, zurückgelegte Distanz, aktuelles und Durchschnittstempo, Puls und Pulsbereich sowie Kalorienverbrauch. Weil auch dies durch Drücken von oben auf das Steuerkreuz realisiert wird, lässt sich die Anzeige auch während des Trainings einfach wechseln. Hinzu kommt das sehr gut (!) ablesbare, 22 x 25 Millimeter große Schwarz-Weiß-Display mit großen Ziffern. Dazu am Rande: Während des Testens saß der Autor mit der Uhr draußen bei Sonnenschein am Kaffeetisch mit Freunden, die seinen aktuellen Puls auch aus mehreren Metern Entfernung immer wieder kommentierten. Ebenfalls gut funktionieren Hintergrundbeleuchtung, die ein Fingertipp auf das Display rechts einschaltet, und das Vibrationssignal, das auf ein „Ereignis“ hinweist, beispielsweise auf das erreichte Trainingsziel.

Apropos Puls: Die Messung der Herzfrequenz über den Lichtsensor auf der Unterseite der Uhr funktioniert schnell und zuverlässig. Dieses Messprinzip stellt gegenüber dem (etwas störenden) Brustgurt durchaus einen Fortschritt dar. Verschwiegen werden aber darf dabei nicht der Stromverbrauch. Während TomTom bis zu acht Stunden Laufzeit bei GPS- und Pulsaufzeichnung angibt (zehn Stunden im reinen GPS-Betrieb), war die Uhr in der Praxis schon nach knapp sieben Stunden Doppelbetrieb leer. Für eine „richtige“ Sporteinheit mag das reichen, für eine ganztägige Wanderung oder Radtour jedoch nicht.

Die Strecken und Geschwindigkeitsmessungen im GPS-Betrieb sind exakt, etwas anders sieht es beim Indoor-Betrieb aus. Beim Schwimmen unterschlägt die Uhr schon einmal die eine oder andere Bahn, zu unterschiedlich ist offenbar die Zugfrequenz beim Kraulen und Brustschwimmen, zu unterschiedlich die Bewegungsmuster bei der Wende am Beckenrand. Beim Rennen auf dem Laufband weicht die gemessene Strecke maximal fünf Prozent von der tatsächlichen ab, für einen Bewegungssensor ein guter Wert.

Smartphone-Apps und Auswertung der Aktivitäten

Die Smartphone-App TomTom MySports steht für Android und iOS zur Verfügung, nicht jedoch für Windows Phone. Voraussetzung zum Koppeln der Uhr mit dem Handy ist Bluetooth 4.0 (Bluetooth Smart), was Android erst ab Version 4.3 unterstützt. Android-Nutzer sollten also vor dem Kauf der Uhr prüfen, welche Version des Google-Betriebssystems auf ihrem Telefon läuft. Ach ja, per Bluetooth Smart lässt sich auch ein zusätzlicher Trittfrequenzsensor am Rad anbinden. Der im Sportbereich ebenfalls verbreitete Funkstandard ANT+ wird dagegen nicht unterstützt.

Für die Aufzeichnung und Auswertung stellt der Hersteller TomTom Apps für Android und iOS sowie ein Webportal zur Verfügung, Windows Phone wird nicht unterstützt.
Vergrößern Für die Aufzeichnung und Auswertung stellt der Hersteller TomTom Apps für Android und iOS sowie ein Webportal zur Verfügung, Windows Phone wird nicht unterstützt.
© Tomtom

Die Apps dienen ebenso wie das MySports-Webportal zum Verwalten der aufgezeichneten Aktivitäten. Dazu ist zwingend ein Account beim Hersteller erforderlich, was gerade bei Körper- und Gesundheitsdaten datenschutzrechtlich bedenklich ist. So handhaben es zwar fast alle Firmen, doch es geht auch anders, wie der deutsche Hersteller Beurer bei seinem Aktivitätstracker AS80 zeigt.

Aktivitätstracker von Beurer ohne Zwangs-Cloud im Praxistest

Das Koppeln von Smartphone bzw. App mit der Sportuhr funktioniert zuverlässig, allerdings ist der Datentransfer ziemlich langsam und kann mehr als zehn Minuten in Anspruch nehmen. Die Anzeige- und Analysemöglichkeiten von Apps und Webportal sind begrenzt, zeigen aber das Wichtigste inklusive der Streckenaufzeichnung auf einer Karte. Allerdings lassen sich die Sporteinheiten aus dem Webportal nicht exportieren und somit anderweitig nutzen.

Ein weiterer Kritikpunkt vor allem für Läufer in der Stadt ist die fehlende Autostop-Funktion: Bei erzwungenen Ampelstopps läuft die Zeit einfach weiter und hält nicht automatisch an. Das verfälscht natürlich die Trainingsdaten, ohne dass man/frau korrigierend eingreifen könnte. Schließlich darf man von der Höhenmessung und Kumulierung der zurückgelegten Höhenmeter keine exakten Werte erwarten, weil die Uhr keinen barometrischen Luftdruckmesser besitzt und die Höhe nur per GPS-Signal bzw. -Standort bestimmt wird.

Fazit: ausgezeichnete Sportuhr mit kleinen Schwachpunkten

Den fehlenden Autostopp sollte TomTom per Firmware-Update nachliefern. Die Ungenauigkeiten bei den Indoor-Aktivitäten sind dagegen systemimmanent. Darüber muss man sich als Käufer der getesteten Uhr ebenso wie bei konkurrierenden Produkten im Klaren sein, zumal die TomTom-Uhr vergleichsweise genau misst. Schließlich wäre eine längere Akkulaufzeit wünschenswert, aber auch da ist die Konkurrenz meist nicht besser.

Eine Halterung für die Montage am Fahrradlenker liegt der Sportuhr bei. Sie sitzt sicher und fest am Lenker, allerdings muss man zum Befestigen etwas friemeln.
Vergrößern Eine Halterung für die Montage am Fahrradlenker liegt der Sportuhr bei. Sie sitzt sicher und fest am Lenker, allerdings muss man zum Befestigen etwas friemeln.

Ansonsten aber kann die TomTom Multi-Sport Cardio voll überzeugen: Die äußerst einfache und damit auch trainings- und wettkampfgeeignete Bedienung, das sehr gut ablesbare Display, ausreichend viele Trainingsoptionen und dazu  der angenehm und kaum spürbare Tragekomfort. Am Schluss aber bleibt doch eine Entscheidung: Wer nämlich auf die Indoor-Funktionen und/oder die Pulsmessung verzichten kann, bekommt (fast) das Gleiche schon für 129 Euro – im Internet gibt es das einfache GPS-Modell TomTom Runner sogar schon für weniger als 120 Euro.

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