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Miracast bringt Inhalte drahtlos aufs TV

08.10.2012 | 08:52 Uhr |

Miracast verspricht Audio- und Video-Streaming von jedem Smartphone, Tablet-PC oder Notebook auf den Fernseher. PC-WELT stellt den herstellerübergreifenden Standard der WiFi Alliance vor und vergleicht ihn mit Intel WiDi und Apple Airplay.

Sie sitzen auf dem Wohnzimmersofa mit dem Notebook auf den Knien oder dem Tablet-PC in der Hand und sehen sich die Bilder Ihres letzten Urlaubs oder ein Video an. Viel bequemer wäre es, wenn Sie die Inhalte auf dem großen Bildschirm des Fernsehers ansehen ließen. Und zwar ohne Kabel und große Umstände. Genau das verspricht der neue Funkstandard Miracast der WiFi Alliance .

Miracast - herstellerübergreifend und ohne Internetverbindung

Miracast soll Bild und Ton vom Smartphone, Tablet-PC oder Notebook unabhängig vom jeweiligen Gerätehersteller auf TVs oder Projektoren übertragen. Bisherige Lösungen sind dagegen in sich geschlossen wie etwa Apple Airplay oder Intel Wireless Display (WiDi). Dafür setzt Miracast auf Standards auf, die bereits etabliert sind. Mehrheitlich kommen sie sogar vom eigenen Herstellerzusammenschluss. Als Basis dient WiFi Direct. Hier erkennen sich die Geräte automatisch und können eine Verbindung ohne den Umweg über einen Access Point aufnehmen. Sie nutzen dazu WPS (WiFi Protected Setup) – entweder per PIN oder Tastendruck. Eine Verbindung mit dem Internet ist nicht nötig. Für die Sicherheit sorgt WPA2, den Austausch überwacht WiFi Multimedia.

Laut WiFi Alliance sorgt Miracast für reibungslosen Film- und Tongenuss: Der Standard unterstützt dafür H.264 für HD-Videos sowie Advanced Audio Coding (AAC) und Dolby Advanced Codec 3 (AC3) für Audio. Gleichzeitig soll es keine Probleme mit der Darstellung vom kleinen auf den großen Schirm geben: Die gängigen Auflösungen, die die Consumer Electronics Association (CEA) sowie die Video Electronics Standards Association (VESA) vorschreiben, werden erfüllt. Das schließt ausdrücklich die Auflösungen von Tablet-PCs und Smartphones ein. Und auch mit HDCP-Verschlüsselung und Kopierschutz kommt Miracast zurecht.

Hersteller und Produkte für Miracast

Damit die Verbindung reibungslos klappt, müssen alle Geräte Miracast unterstützen. Ein Erkennungsmerkmal wie etwa ein Miracast-Logo soll es jedoch nicht geben. Dafür soll jedes Gerät, das künftig mit „WiFi Certified“ gekennzeichnet ist, automatisch den Verbindungsstandard mitbringen. Nvidia ist als eines der ersten Unternehmen vorgeprescht und integriert Miracast in die Mobilprozessoren der Tegra-3-Serie. Inzwischen haben sich laut WiFi Alliance nahezu alle namhaften Chip-Hersteller zum Standard bekannt - darunter Broadcom, Intel, Marvell, Mediatek, Ralink, Realtek.

Unterstützt Miracast: Samsung Galaxy S III
Vergrößern Unterstützt Miracast: Samsung Galaxy S III
© Samsung

Die ersten Geräte mit integriertem Miracast gibt es schon. So sind die Android-Smartphones Samsung Galaxy S III und LG Optimus G bereits zertifiziert. Fernseher mit Miracast sind derzeit noch nicht erhältlich. Samsung soll den Standard in die kommende Echo-P-Serie integrieren und auch Sony hat seine Unterstützung zugesichert. Gleichzeitig tut sich etwas, um ältere TVs Miracast-fähig zu machen: So hat Netgear mit dem Push2TV 3000 einen Adapter angekündigt, der ab November 2012 zu einem Preis von 79 Euro (UVP) zu haben sein wird. Das Zusatzgerät beherrscht neben Miracast auch Intel Wireless Display (WiDi).

PC-WELT-Test des Samsung Galaxy S III

Vergleich: Miracast und WiDi

Miracast ist nicht der erste Vorstoß bei der Drahtlosübertragung auf den Fernseher. So gibt es Intel Wireless Display (WiDi) bereits seit einigen Jahren. Zentraler Unterschied: WiDi setzt am Mobilrechner Windows 7 voraus, während Miracast keine derartigen Einschränkungen bei Betriebssystemen macht. Gleichzeitig beschränkt sich WiDi auf Notebooks mit Intel-Prozessoren der i-Serie inklusive Centrino-WLAN-Modul. Im Gegensatz dazu betont die WiFi Alliance, dass Miracast auf Smartphones und Tablet-PCs zugeschnitten ist.

Gleichzeitig hat WiDi so seine Probleme mit der Latenz, weswegen sich beispielsweise Spieler nie recht damit anfreunden konnten. Genau hier liegt laut Nvidia der Vorteil von Miracast. Denn die Reaktionsverzögerung von der Berührung mit dem Finger auf dem Touchscreen und der Aktion auf dem TV soll kaum wahrnehmbar sein. Außerdem soll Miracast den Dual-Display-Modus beherrschen: Während auf dem TV beispielsweise ein Youtube-Video läuft, lässt sich auf dem Tablet der nächste Clip suchen.

Apple TV bringt per Airplay Inhalte vom iPad aufs TV.
Vergrößern Apple TV bringt per Airplay Inhalte vom iPad aufs TV.
© Apple

Miracast gegen Apple Airplay

Miracast tritt gleichzeitig gegen Apple Airplay an. Letztere Schnittstelle dient zum Streamen von Fotos, Musik und Videos vom iPad, iPhone oder iPod touch auf dem großen Bildschirm des Fernsehers. Allerdings nicht direkt, sondern über Apple TV, der Streamingbox von Apple, für die Sie rund 110 Euro investieren müssen. Wiederum ein geschlossenes System. Das Mobilgerät verbindet sich per WLAN mit Apple TV, das wiederum per Kabel (HDMI) mit dem Fernseher verbunden ist. Für Spieler ist die Kombination aus iPad und Apple TV jedoch nur bedingt empfehlenswert. Denn wie schon bei WiDi berichten Anwender von nervigen Reaktionsverzögerungen. Da es derzeit kein TV-Gerät mit eingebauter Airplay-Schnittstelle gibt, sind Sie auf das Zusatzgerät von Apple angewiesen. Ein klarer Vorteil für Miracast, denn hier sind Fernsehgeräte mit integriertem Standard schon konkret in der Pipeline der Hersteller.

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