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Fünf aktuelle Linux Distributionen im Test

14.04.2014 | 12:01 Uhr |

Bodhi Linux, Wifislax, Simplicity Linux, Geexbox & Gparted: Auf den folgenden Seiten stellen wir Ihnen fünf aktuelle Linux-Distributionen ausführlich vor und erläutern deren Stärken.

Bodhi Linux

Bodhi Linux füllt eine Lücke, welche die Auswahl der Desktops in den offiziellen Ubuntu-Versionen lässt, und präsentiert Enlightenment E17 als grafische Umgebung. Diese Oberfläche glänzt mit dem sparsamen Umgang mit Systemressourcen und ausgefallenen Grafikeffekten. Die Effekte lassen sich bis ins Detail konfigurieren und reichen von nüchtern bis verspielt.

Enlightenment E17 ist auch in den offiziellen Paketquellen Ubuntus enthalten, allerdings auch noch in Ubuntu 13.10 in der bereits älteren Version 0.17.3. In den vorhandenen Paketen fehlen einige der E17-Hilfsprogramme, und der Desktop läuft auch nicht stabil genug für den produktiven Einsatz. Dieses Manko löst Bodhi Linux mit einer eigenen Paketquelle, aus denen die Pakete von Enlightenment E17 geschöpft werden, das dort schon in Version 0.17.4 vorliegt. Vom Desktop abgesehen bietet Bodhi das komplette Arsenal der Ubuntu-Programmpakete aus der Version 12.04 LTS plus Backports. Dies sind Programme, die von neueren Ubuntu-Versionen zurück auf Bodhi portiert wurden. Die LTS-Version von Ubuntu wird noch drei Jahre weiter gepflegt, so dass die Grundlage von Bodhi Linux auch jetzt nicht schnell veraltet.

Everything als universelle Befehlszeile: Der intelligente Start-Dialog ist eine Abkürzung zu Anwendungen, Ordnern, Dokumenten und Befehlen mit vorausblickender Autovervollständigung.
Vergrößern Everything als universelle Befehlszeile: Der intelligente Start-Dialog ist eine Abkürzung zu Anwendungen, Ordnern, Dokumenten und Befehlen mit vorausblickender Autovervollständigung.

Enlightenment E17: Der besondere Desktop

Die Grundlagen von Enlightenment E17 sind nicht etwa die Toolkits GTK von Gnome oder Qt von KDE, sondern die eigenen Enlightenment Foundation Libraries, eine maßgeschneiderte Sammlung von Bibliotheken. Diese sind komplett in C geschrieben und halten den Window-Manager schlank und schnell, da Ansprüche an Prozessorleistung, RAM und Grafikchip möglichst klein gehalten werden. Allerdings kann Enlightenment in der neuen Version auch Open GL nutzen, um die 3D-Fähigkeiten von unterstützten Grafikchips zu nutzen.

Enlightenment ist unter den grafischen Oberflächen für Linux an sich ist kein Neuzugang: Das Projekt startete bereits 1997, und sogar die erste Gnome-Version lieh sich vorübergehend den Windows-Manager von E16. Die Entwicklung ruhte aber nach dieser Version: Insgesamt war E17 nicht weniger als zwölf Jahre in der Entstehungsphase, bis letztes Jahr endlich die erste stabile Version erschien. Seitdem hat das Projekt, das inzwischen von Samsung betreut wird, wieder an Fahrt aufgenommen: Enlightenment E18 ist Ende 2013 fertig geworden und liegt in Bodhi Linux zurzeit noch im Testing-Zweig.

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Terminology: Das Terminal-Programm von Enlightenment E17 bricht aus dem puren Textmodus aus und kann anklickbare Vorschaubilder zu Dateien direkt im Fenster anzeigen.
Vergrößern Terminology: Das Terminal-Programm von Enlightenment E17 bricht aus dem puren Textmodus aus und kann anklickbare Vorschaubilder zu Dateien direkt im Fenster anzeigen.

Die Schätze von Enlightenment

Schon nach dem Start als Live-System bietet Bodhi Linux unterschiedliche Stile für den Desktop zur Auswahl an, um entweder eine effektvolle oder schlichte Oberfläche zu starten. Ein repräsentativer Stil für den Einstieg ist hier „Desktop -> Weiter -> A-detour-Bodhi -> Weiter“. Der Desktop zeigt Taskleiste, Anwendungsmenü, Schnellstartsymbole und Systray, ist aber auf Basis des E17-Shelf modular angelegt und kann beliebige weitere Komponenten aufnehmen. Alle Elemente sind ähnlich wie bei KDE eingefügt und lassen sich verschieben und ergänzen. Der Menüpunkt dazu findet sich nach einem Rechtsklick auf eines der Elemente über „Shelf -> Inhalte“.

Der Ausführen-Dialog „Everything“ ist eine intelligente Kommandozeile und erlaubt den Start von Programmen und die Navigation durch das Dateisystem. Er findet auch Dokumente aller Art – alles mit automatischer Pfad-Vervollständigung. Das Terminal „Terminology“ ergänzt Dateilisten mit einer integrierten Vorschaufunktion und bringt dazu einige Befehle mit: tyls ist eine Variante von ls , um eine klickbare Bildvorschau in Listen anzuzeigen, und tycat zeigt Bilder und Videos direkt im Terminal an.

Programmsammlungen im Appcenter

An vorinstallierten Programmen bietet Bodhi durchweg leichte Kost. Das System installiert bei Einrichtung auf Festplatte nur eine minimale Vorauswahl von Anwendungen. Der Dateimanager ist der eigene Dateimanager EFL, und als Webbrowser ist Midori 0.5.0 an Bord. Auf ein Office-Paket verzichtet Bodhi zunächst und überlässt es den Anwendern, Libre Office bei Bedarf nachzuinstallieren.

Der Kernel ist bei Version 3.8 angekommen und damit auf dem Stand von Ubuntu 12.04.3.

Zur Software-Verwaltung gibt es zwei Möglichkeiten: In der Kommandozeile steht mit apt-get der übliche Paketmanager bereit. Bodhi Linux bietet zudem noch ein eigenes Appcenter, das im Anwendungsmenü unter „Bodhi Linux -> Add Software“ und über die URL http://appcenter.bodhilinux.com zu finden ist und im Webbrowser Midori läuft. Dieses Software-Verzeichnis erlaubt die Installation von Paket-Zusammenfassungen und populären Anwendungen per Klick. Von dort lässt sich etwa auch „Language Pack DE“ installieren, das deutsche Sprachpakete für vorinstallierte Anwendungen nachrüstet.

Sprachpaket nachinstallieren: Das Appcenter von Bodhi bietet ein Software-Verzeichnis via Webbrowser, das vorbereitete Paket-Zusammenstellungen zur Installation offeriert.
Vergrößern Sprachpaket nachinstallieren: Das Appcenter von Bodhi bietet ein Software-Verzeichnis via Webbrowser, das vorbereitete Paket-Zusammenstellungen zur Installation offeriert.

Voraussetzungen und Installation

Auf der Festplatte ist das System in einer Minimalausstattung schon mit 2,5 GB zufrieden. Um die Einrichtung kümmert sich der aufgefrischte Installer von Ubuntu 12.10, der bereits die Verschlüsselung per LUKS unterstützt.

Fazit: Enlightenment zum Ausprobieren

Für Anwender, die einen Blick auf Enlightenment E17 werfen möchten, ohne dazu ein installiertes System modifizieren zu müssen, ist Bodhi Linux 2.4.0 ideal. Die Desktop-Umgebung ist sorgfältig eingerichtet und zeigt nicht nur die verspielte Seite von Enlightenment. Enlightenment selbst überzeugt als schlanker Window-Manager, die Anwendungen der Desktop-Umgebung wie Terminology und der Dateimanager EFM brauchen aber noch die Aufmerksamkeit der Entwickler, bis alle Bugs ausgebügelt sind.

Bis dahin ist es empfehlenswert, Bodhi Linux mit anderen schlanken Anwendungen zu ergänzen, etwa mit dem Dateimanager Pcmanfm oder dem Lxterminal, die auch bei Lubuntu mit an Bord sind.

Website: www.bodhilinux.com
Dokumentation: http://wiki.bodhilinux.com/doku.php

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