Desktop-PC ist noch nicht am Ende

Fünf weitere so genannte PC-Killer

Mittwoch den 15.02.2012 um 10:51 Uhr

von Ian Paul

Netzwerk-Computer

Zusammen mit der Begeisterung für das noch junge Web in den 90er Jahren entstand auch Hardware wie die JavaStation von Sun Microsystems (1996): ein sogenannter Netzwerk-Computer (NC), einzig und allein darauf ausgelegt, den Nutzer online zu schicken. Die Geräte verfügten über keine Festplatten, Slots oder CD-ROM-Laufwerke und schlugen umgerechnet mit knapp 500 Euro zu Buche. Andere Firmen wie Oracle begannen die Kunde zu verbreite, Netzwerk-Computer seien das Ende der Desktop-Computer. Einmal versuchte sich selbst Microsoft an einem NC, genannt Simply Interactive PC. Doch der NC versagte letztlich beim Durchsetzungsvermögen, als die Preise für PCs erheblich sanken und Desktop-PCs Web-Browser anboten, um online zu gehen.

Die Rezession von 2008-2009

Die Verkäufe von Desktop-PCs sanken in den Jahren 2008 und 2009 buchstäblich in den Keller, während der Absatz von Laptops weiter anstieg – das berichtete damals die britische Tech-News-Seite The Inquirer. Für einige Spekulanten genügte diese Meldung, um zu verkünden, der Tod des Desktop-PCs sei ein ganzes Stück nähergerückt, weil mehr Leute stattdessen zu Laptops griffen. Wie die Zeiten sich seitdem doch verändert haben! Das Marktforschungsinstitut IDC sagte im Juni 2011 voraus, dass der weltweite Desktop-PC-Markt bis 2015 weiter wachsen werde – jedes Jahr um einen guten Prozentpunkt. Der Markt für Laptops wächst hingegen noch schneller: voraussichtlich rund 15 Prozent pro Jahr zwischen 2012 und 2015.

Der Zero-Client

Wir schreiben das Jahr 2008. Der neueste Desktop-Killer: ein kleiner Kasten mit der Grundfläche einer CD-Hülle. Sein Name: Pano. Als ein sogenannter Zero-Client besteht der Pano lediglich aus einer Maus, einer Tastatur, einem Monitor und einem externen USB-Laufwerk, das Windows über eine virtuelle Maschine startet, die auf einem externen Server lagert. Das Gerät selbst besitzt kein eigenes Betriebssystem, keine Software-Treiber, keine CPU, keinen Speicher, keine Festplatte und auch keinen Grafikchip. "Der Pano wird in Zusammenarbeit mit der Virtualisierungs-Technologie den Desktop-PC revolutionieren", sagt ein britischer Pano-Vertriebshändler 2008 im Gespräch mit der Webseite Techworld. Pano Logic, die Firma hinter dem Pano, verkauft ihren Zero-Client noch immer, die Technologie konnte Desktop-PCs bislang aber nicht ablösen.

Chromebooks

"Null-Instandhaltungs-Computer wie Chromebooks werden den PC und Windows innerhalb von 10 Jahren ins Grab bringen und Microsofts Kern-Geschäft Windows einen ordentlichen Schlag in die Magengrube bescheren", sagt Tim Beyers, Redakteuer bei der Online-Community TheMotleyFool, im Mai 2011. Beyers argumentiert, dass Browser-basierte Computer die Zukunft seien – vor allem dank der Popularität von Online-Diensten wie sozialen Netzwerken und Video-Streaming-Diensten und der Nutzung von Cloud-basierten virtuellen Plattformen in Unternehmen. Doch nicht nur Desktop-PCs kriegen bei Beyers ihr Fett weg: Er glaubt sogar, dass bis 2020 alle Arten von PCs von der Bildfläche verschwunden sein werden – zumindest in Unternehmen. Noch ist nicht klar, wie viele Chromebooks bis zum heutigen Tage verkauft wurden, doch Preisnachlässe bei Chromebook-Herstellern suggerieren und das Verschwinden dieses Themas aus der Öffentlichkeit legen die Vermutung nahe, dass Chromebooks kein erfolgreiches Produkt sind.

Desktop-PCs

Der Desktop-PC ist tot – zumindest in der Form als Tower, der neben oder Ihnen auf oder unter dem Schreibtisch steht. Das weiß Nate Ralph, Redakteur bei unserer amerikanischen Schwester-Zeitschrift PCWorld. Der Tower wird zu einem "Relikt vergangener Zeiten", meint Ralph, der irgendwann nur noch von einer sehr kleinen Untergruppe von PC-Nutzern gebraucht wird, die ihre Hardware individuell anpassen müssen – zum Beispiel Gamer und Firmennutzer. Der Durchschnitts-Desktop-Nutzer wechselt hingegen zu All-in-One-PCs – vor allem wegen Innovationen wie Intels Ivy Bridge und AMDs Piledriver Chips, die immer dünnere und schlankere Desktop-PCs möglich machen. Der Desktop-PC ist tot, lang lebe der Desktop-PC!

Mittwoch den 15.02.2012 um 10:51 Uhr

von Ian Paul

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