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Online-Games - zwischen Sucht und Abzocke

16.11.2012 | 10:10 Uhr |

Kostenlose Online-Games erweisen sich als netter Zeitvertreib - aber die Anbieter hoffen im Prinzip nur darauf, dass Sie echtes Geld investieren. Wir decken auf, was diese Spiele so interessant für die Masse macht.

" 18-jähriger Taiwanese stirbt nach 40-stündigem Diablo-III-Marathon ": Diese Meldung aus Fernost war schrecklich und unfassbar zugleich. Sich so in ein PC-Spiel zu vertiefen und alles um sich zu vergessen, ist für die Mehrheit hierzulande ein Rätsel. Und was ist mit den Meldungen über minderjährige Kinder, die ihren Eltern horrende Kosten durch vermeintlich kostenlose Browsergames verursacht haben? In diesem Artikel beschäftigen wir uns intensiver mit der Thematik "Free-to-Play" und klären, was die Spiele so massentauglich macht.

Free-to-Play: Vonwegen kostenlos spielen

Früher kostenpflichtig, heute kostenlos.
Vergrößern Früher kostenpflichtig, heute kostenlos.
© NCsoft

Angefangen hat es mit kleinen Browserspielen, die jeder kostenlos nach oder während etwas mehr oder weniger aufdringlicher Werbung daddeln durfte. Komplex waren sie nicht, sie sollten einfach nur unterhalten. Besonders sogenannte Casual-Gamer (Gelegenheitsspieler) waren das Ziel der Entwickler, die sich nicht groß einarbeiten müssen, um ein paar Minuten am PC zu spielen.

Mittlerweile setzen die Spiele-Publisher aber vermehrt auf das "Free-to-Play"-Modell: Sie dürfen das Game kostenlos herunterladen und spielen, aber oft müssen Sie für bestimmte Aktionen oder Objekte richtiges Geld hinblättern. Mit diesem sogenannten Micro-Payment finanzieren sich die Spieleanbieter. Um das zu umgehen, können Sie stattdessen auch das Geld im Spiel erwirtschaften. Nur dauert das mitunter etliche Stunden, bis Sie die kostenpflichtigen Aktionen durch einfaches Spielen freischalten.

Aber nicht alle Games haben das Ziel, dem Nutzer möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen. Ältere und bekannte Spiele wie beispielsweise Command & Conquer dürfen Sie kostenlos herunterladen.

Farmville auf Facebook: Kaufen oder verdienen?

Spielgeld mit barer Münze kaufen.
Vergrößern Spielgeld mit barer Münze kaufen.

Nehmen wir als Beispiel das beliebten Browsergame Farmville von Zynga , das Millionen Facebook-User regelmäßig spielen: Der virtuelle Landwirt beackert Felder und erhält sogenannte "Farm Coins" (abgekürzt mit FV), indem er das erntereife Gemüse mit einem Mausklick erntet. Mit zunehmender Anzahl an Feldern dauert das entsprechend lange. Im Ingame-Store bietet Farmville ab einem bestimmten Level eine Erntemaschine an, die parallel gleich vier Felder aberntet. Preis: 30.000 FV. Bereits in der Realität ist das ein stolzer Preis! Pro Ernte erhalten Sie etwa 35 Coins. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Sie rund 857 Felder bestellen müssen, bis Ihnen die Erntemaschine einiges an Arbeit abnimmt. Alternativ dürfen Sie die Coins auch mit echtem Geld kaufen.

Dann gibt es noch die Währung "Farm Cash", die mehr Wert sind als die einfachen Münzen und die das Spiel nur für aufwändige Aktionen oder bestimmte Errungenschaften verleiht. Oder Sie kaufen Sie sich das Cash einfach und erhalten so einen Vorteil gegen Spieler, die keinen echten Cent ausgeben. Bezahlen können Sie auf so ziemlich allen gängigen Zahlungswegen: Lastschrift, Paypal, Sofortüberweisung, Kreditkarten oder mit Prepaid-Geldkarten wie Paysafe . In Folgender Tabelle listen wir Ihnen auf, wie viel Sie für Ihr Geld erhalten.

Geldeinheiten auf Farmville kaufen

Farm Coins

Euro

56.500

30,00

25.200

14,00

12.800

7,50

6.000

3,70

Farm Cash

Euro

520

75,00

250

37,00

90

14,00

45

7,50

20

3,70

3

0,70

Unterwegs zocken mit nerviger Werbung

Solche Games sind aktuell auch auf mobilen Geräten wie Smartphones oder Tablets weit verbreitet. In öffentlichen Verkehrsmitteln oder in Wartezimmern erweisen sich die Spielchen als willkommener Zeitvertreib, doch auch hier will der Spielemacher ab einem bestimmten Punkt echtes Geld sehen - oder Sie investieren wieder in stundenlanges Gedaddle. Manche Mobile-Games gehen sogar so weit und akzeptieren für bestimmte Bereiche, Aktionen oder Objekte nur noch harte Euro und bieten kein Möglichkeit mehr, sich diese Sachen zu erspielen. Alternativ bietet Ihnen das Spiel auch die Möglichkeit, die Werbung gegen einen einmaligen Fixbetrag abzuschalten.

Darauf sollten Sie achten

Lassen Sie sich nicht von den Angeboten verführen!
Vergrößern Lassen Sie sich nicht von den Angeboten verführen!
© istockphoto.com/Gewoldi

Zugegeben, die Spiele machen oft Laune und motivieren zum Weiterspielen. Vor allem der soziale Aspekt ist nicht unerheblich: Sie sehen in einer Rangliste Ihre ebenfalls spielenden Freunde und können so Punktestände laufend vergleichen. Hier liegt der Anreiz ziemlich hoch, einige Euro zu investieren und besser zu sein als der Mitstreiter. Und genau darauf spekulieren Anbieter wie Zynga, der mittlerweile Millionen verdient - durch vermeintlich kostenlose Spiele. Im Jahr 2010 lag der Umsatz der amerikanischen Firma bei rund 850 Millionen US-Dollar. Zusätzlich bedient sich der Betreiber auch noch an den persönlichen Daten, die der Spieler auf Facebook gespeichert hat und vermarktet sie. So oder so profitiert der Spieleentwickler also von Ihrer Anmeldung.

Behalten Sie also den Überblick und gehen Sie nicht auf die verlockenden Angebote der Spiele-Betreiber ein. Denn auch kleinere Euro-Beträge mausern sich zu einer großen Summe, wenn Sie sie regelmäßig ausgeben. Und zwar für Dinge, die Sie im Prinzip auch kostenlos haben können. Und vor allem eine weitere Sache: Legen Sie beim Dauerzocken öfters eine Pause ein, essen Sie nicht zu einseitig und bewegen Sie sich mindestens nach einer Stunde spielen.

Web- und Browsergames finden Sie übrigens unter anderem auch bei unserem Partner free-to-play.tv.

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