2080777

Foto-Multitalent Imagemagick im Überblick

02.07.2015 | 12:05 Uhr |

Beim Thema Fotobearbeitung unter Linux denken die meisten Anwender zuerst an Gimp. Es gibt aber die weniger populäre Alternative Imagemagick für das Terminal mit hocheffizienten Bearbeitungsfunktionen.

Bei Systemadministratoren ist Imagemagick durchaus beliebt: Bietet eine App auf einem Webserver Funktionen für die Bildbearbeitung an, verrichtet im Hintergrund oft Imagemagick die Arbeit. Auf dem Desktop führt das Programm eher ein Schattendasein – zu Unrecht, wie Sie gleich sehen werden. Das Programm hat zahllose Optionen, die auf die Automatisierung der Bildbearbeitung zielen (Dokumentation unter www.imagemagick.org ).

Dieser Beitrag konzentriert sich auf Funktionen, die sich auch für den interaktiven Einsatz eignen. Unter Debian/Ubuntu installieren Sie das Paket am schnellsten im Terminal mitsudo apt-get install imagemagick.

Es muss nicht immer Photoshop sein: Die besten Bild-Tools

Imagemagick als Bildbetrachter

Imagemagick taugt auch als einfacher Bildbetrachter. Öffnen Sie ein Terminal und wechseln Sie dort in einen Ordner, der Bilder enthält. Für eine Übersicht aller Fotos eines bestimmten Formats geben Sie

display vid:*.JPG.

ein. Das Programm bietet dann eine Vorschauansicht aller JPG-Dateien in diesem Verzeichnis inklusive der Dateinamen. Die Ansicht können Sie mit der Tastenkombination Strg-S auch speichern. Mit dem Kommandodisplay dateiname erhalten Sie ein Einzelbild. Der folgende Befehl

display *.jpg

liefert alle JPG-Dateien des aktuellen Verzeichnisses, wobei Sie mit Druck auf die Leertaste zum nächsten Bild wechseln.

Klassische Aufgabe: Formate konvertieren

Die Konvertierung der Quelldateien in ein anderes Dateiformat ist eine verbreitete Aufgabe in der eigenen Fotosammlung. Für das Umwandeln verwenden Sie das Kommandoconvert. Als Parameter erwartet es den Namen der Quell-und der Zieldatei:

convert name.jpg name.tiff

Das gewünschte Ausgabeformat interpretiert die Software automatisch anhand der Endung. Sollen mehrere Dateien umgewandelt werden, genügt kein Wildcard-Zeichen, dafür benötigen Sie eine Schleifenkonstruktion:

for i in *.JPG; do convert $i `basename $i .JPG`_umgewandelt.bmp; done

Das ist einfacher, als es auf den ersten Blick aussieht: Die Variable „$i“ erhält nacheinander die Dateinamen aller Dateien mit der Endung JPG zugewiesen. Auf diese Variable (also stets einer einzelnen Datei) wird das Kommando „convert“ angewendet. Als Zielname wird der „Basename“ ohne die Endung JPG verwendet. Statt „JPG“ erhält die Datei den Hinweis „umgewandelt“ sowie die Endung „.bmp“, womit zugleich das neue Format definiert ist.

Mit Imagemagick wandeln Sie optional jede Bilddatei auch in ein PDF um. Dazu geben Sie einfach den neuen Dateinamen und die Endung „.pdf“ an. Eine Variante besteht in der Zusammenfassung aller Bilder in einem gemeinsamen mehrseitigen PDF. Um alle JPG-Dateien des Verzeichnisses in einem PDF anzuzeigen, nutzen Sie das Kommandoconvert *.JPG kontaktbogen.pdf. Und wenn Sie schnell alle Bilder aus einem PDF extrahieren wollen, nutzen Sie das Kommandopdfimages -j quelle.pdf zielordner.

Alle Fotos eines Ordners gemeinsam in ein PDF packen? Auch das funktioniert mit einem schlichten convert-Kommando von Imagemagick.
Vergrößern Alle Fotos eines Ordners gemeinsam in ein PDF packen? Auch das funktioniert mit einem schlichten convert-Kommando von Imagemagick.

Zum Umbenennen eignet sich „convert“ ebenfalls. Indem Sie mit bestimmten Platzhalterzeichen arbeiten, legen Sie fest, wie Imagemagick die Dateien bezeichnen wird:

convert *.png %03d.bmp

Alle Dateien des PNG-Formats wandeln Sie damit in Bitmaps um. Als Dateinamen werden drei dezimale Stellen verwendet, die Imagemagick automatisch hochzählt.

Mit „convert“ entstehen stets neue Dateien. Wenn Sie an den Originalen selbst arbeiten wollen, nutzen Sie den Befehl „mogrify“. Die möglichen Aktionen sind bei beiden Kommandos nahezu identisch.

Bilder drehen und skalieren

Eine weitere typische Aufgabe ist das Drehen von Fotos, etwa weil Sie während der Aufnahme das Handy falsch gehalten haben. Kein Problem mit Imagemagick. Um alle Dateien eines Typs um 90 Grad nach rechts zu drehen, verwenden Sie dieses Kommando:

mogrify -rotate 90 *.bmp

Alle BMP-Dateien werden anschließend entsprechend bearbeitet. Soll die Drehung in die andere Richtung gehen, tragen Sie ein negatives Vorzeichen ein.

Ein weiterer wichtiger Parameter ist „resize“. Die Option erwartet von Ihnen die Angabe der neuen Abmessungen für die Datei:

mogrify -resize 800x600 datei.bmp

Imagemagick achtet hierbei auf die Proportionen des Fotos und versucht, das Bild auf diese Größe zu bringen. Die tatsächliche Höhe oder Breite kann davon abweichen, je nachdem wie groß das Original ist. Möchten Sie ein Foto auf eine exakte Größe skalieren, selbst wenn das Ergebnis zu einer verzerrten Abbildung führen sollte, müssen Sie die Pixelangabe mit einem Ausrufezeichen abschließen:

mogrify -resize 560x435! test.bmp

Auf Webseiten werden Abbildungen häufig in einer exakten Breite benötigt, damit das Layout nicht gesprengt wird. In diesem Fall geben Sie die gewünschte (maximale) Breite einfach als einzigen Parameter an, also zum Beispielconvert -resize 250 bild.png skaliert.png. Möchten Sie hingegen die Höhe der Grafik beschränken, stellen Sie dem Wert in dieser Form

convert -resize x240 bild.png hoehe.png

ein “x” voran.

Eine Mini-GUI ist dabei: Wenn Sie beim Betrachten eines Bildes die Maustaste klicken, sind wichtige Kommandos an der grafischen Oberfläche erreichbar.
Vergrößern Eine Mini-GUI ist dabei: Wenn Sie beim Betrachten eines Bildes die Maustaste klicken, sind wichtige Kommandos an der grafischen Oberfläche erreichbar.

Beispiele für weitere Funktionen

Mit Imagemagick können Sie Ihr Bildmaterial neu arrangieren und zusammenstellen. Bereits bei „convert“ dürfen Sie die Option “-append” verwenden. Wollen Sie etwa drei Bilder nebeneinander in einer Collage arrangieren, verwenden Sie das folgende Kommando:

convert +append a.png b.png c.png nebeneinander.png

Wenn Sie die Dateien vertikal anordnen wollen, verwenden Sie „-append“. Möchten Sie einen zusätzlichen Abstand einfügen, nutzen Sie dazu den Parameter „-splice“. Dieser erwartet eine Angabe in Pixel für die Horizontale und Vertikale:

convert +append a.png b.png c.png -splice 10×0 bildmitabstand.png

Mit einer Reihe von Filtern und Effekten bearbeiten Sie auf Wunsch Ihre Fotosammlung ebenfalls direkt auf der Konsole. Eine der optisch ansprechenden Optionen ist ein Rahmen:

convert -bordercolor black -border 15x15 bild.bmp rahmen.tiff

In diesem Beispiel erhält das Bild einen schwarzen Rahmen mit 15 Pixel Breite.

Programm

Funktion

schnelle Slideshow (Wiedergabe einer Bilderreihe)

Bildervergleich und Anzeige der Unterschiede

überlagerte Collage mehrerer Dateien in einem Bild

Wiedergabe von Bildern

Bilderdetails wie Größe, Auflösung etc.

Bildschirmfotos

Montage mehrerer Dateien zu einem Bild

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 3/2015

In der neuen LinuxWelt erklären wir Schritt für Schritt, wie Sie Linux als Server einrichten. In einem weiteren Special erfahren Sie alles über ein effizientes Power-Management bei Notebooks und PCs.

0 Kommentare zu diesem Artikel
2080777