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Flinke Linux-Minisysteme

02.01.2014 | 11:56 Uhr |

Live-Systeme wie Knoppix haben den Anspruch, eine möglichst komplett eingerichtete Arbeitsumgebung zu starten. Allein zum Surfen reicht aber auch ein blitzschnell startendes Minimalsystem.

In einem ausgewachsenen Live-System ist der Browser ein Programm unter vielen anderen. Minisysteme zum Surfen sind dagegen um den Webbrowser herum gebaut und müssen außer grafischer Oberfläche, Netzwerktreibern und Konfigurations-Tools wenig mitliefern.

Die meisten Live-Systeme transportieren ihr Gepäck in stark verdichteter Form: Um den Platz auf dem Startmedium optimal zu nutzen, wird ein gepacktes Dateisystem zum Systemstart in das RAM entpackt. Je kleiner ein Live-System ist, desto schneller kann es deshalb starten.

Winziges Fliegengewicht Tinycore

Auf der startfähigen Heft-DVD (PC-Welt Sonderheft, 5-6/2013) liegt ein besonders winziger Vertreter dieser Mini-Linux-Systeme: Tinycore Linux besteht aus dem Linux-Kernel und der Programmsammlung Busybox, die über 200 wichtige System-Tools in einer einzigen Datei zusammenfasst, um speziell unter sehr eingeschränkten Verhältnissen eine komplette Linux- Umgebung bereitzustellen. Busybox arbeitet dabei auch gleich als Init-Daemon und als Udev-Gerätemanager. Unter anderem läuft Busybox auch auf Routern wie der Fritzbox, auf Navigationsgeräten und unter inoffiziellen Android-Versionen. Das Besondere an Tinycore ist der voll funktionsfähige grafische Desktop, der den stark reduzierten Windows-Manager FLTK nutzt. In dieser Grundausstattung bringt Tinycore als Live-System lediglich 12 MB auf die Waage und ist damit ein echtes Fliegengewicht. Mit dem System allein lässt sich aber noch nicht viel anstellen, und Tinycore erlaubt deshalb die nachträgliche Installation von Programmpaketen aus Online-Quellen, die dann während der Laufzeit zur Verfügung stehen.

Start in Sekundenschnelle: Tinycore ist auf kurze Boot-Zeiten hin optimiert. Beim Start von einem USB-Stick (USB 2.0) vergehen vom Einschalten bis zum Desktop etwa 20 Sekunden.
Vergrößern Start in Sekundenschnelle: Tinycore ist auf kurze Boot-Zeiten hin optimiert. Beim Start von einem USB-Stick (USB 2.0) vergehen vom Einschalten bis zum Desktop etwa 20 Sekunden.

Tinycore fertig zum Surfen

In der vorliegenden LinuxWelt-Version von Tinycore 4.7.7 wurde das Live- System für die Verwendung als sofort einsatzfertiges Surf-System um diverse WLAN-Treiber und den Browser Firefox 21 plus Flash-Plug-in erweitert. Sie können es über das Multi-Boot-Menü der Heft-DVD (PC-Welt Sonderheft, 5-6/2013) auf nahezu jedem beliebigen PC und Notebook starten und erhalten sofort ein eigenständiges Betriebssystem mit Browser für Ausflüge ins Web oder auch für Internet-Banking – garantiert virenfrei. Das installierte Betriebssystem auf der Festplatte wird dabei nicht angetastet, da Tinycore komplett im Speicher läuft. Als Dateimanager ist Pcmanfm installiert sowie der Midnight Commander für die Kommandozeile.

Ein Open-SSH-Client für Netzwerkverbindungen erlaubt den Zugriff auf andere Linux-PCs über SSH. Die LinuxWelt- Edition enthält außerdem Treiber für verbreitete Wireless-Chip- sätze von Intel, Atheros, Broadcom, Realtek, Marvell, QLogic, Texas Instruments, Eagle und Neterion.

Um eine WLAN-Verbindung aufzubauen, klicken Sie in der Startleiste einfach auf das rote Wireless-Symbol im unteren Dock und geben im Terminalfenster das Netzwerk und die Verbindungsdaten ein. Natürlich werden auch verschlüsselte Verbindungen mit WEP, WPA, WPA 2 unterstützt. Beachten Sie bei der Passworteingabe, dass in unserer Edition die deutsche Tastaturbelegung schon voreingestellt ist. Das System selbst liegt dagegen in Englisch vor. Das Minisystem läuft komplett im Speicher und benötigt dazu mindestens 128 MB, denn zahlreiche optionale Programmpakete wie Firefox und Dateimanager sind bereits integriert und werden beim Start lediglich entpackt. In dieser Ausstattung ist Tinycore nicht mehr ganz so winzig, bleibt aber unter 160 MB. Es läuft auf jedem PC ausgestattet mit Pentium-IIProzessor oder besser.

Bootfähigen Stick erstellen: Tinycore liegt auch als ISO-Datei mit auf Heft-DVD (PC-Welt Sonderheft, 5-6/2013) und lässt sich mit dem Tool Unetbootin auf einen leeren angeschlossenen USB-Stick übertragen.
Vergrößern Bootfähigen Stick erstellen: Tinycore liegt auch als ISO-Datei mit auf Heft-DVD (PC-Welt Sonderheft, 5-6/2013) und lässt sich mit dem Tool Unetbootin auf einen leeren angeschlossenen USB-Stick übertragen.

Schnellstarter auf USB-Stick

Optische Datenträger bieten viel Platz, sind billig herzustellen und dabei so flach, dass sie auf das Cover von Zeitschriften aufgeklebt werden können. Deshalb liegt der LinuxWelt eine DVD bei und nicht etwa ein USB-Stick. Optische Medien sind jedoch langsam – ein Live-System, das möglichst fix starten soll, ist auf USB-Stick besser aufgehoben. Und noch ein guter Grund: In vielen Ultrabooks und Subnotebooks hat man das optische Laufwerk eingespart.

Die Übertragung von Tinycore auf USB-Stick ist nicht kompliziert: Auf der Heft-DVD (PC-Welt Sonderheft, 5-6/2013) liegt dieses System auch als ISO-Datei im Verzeichnis „Image-Dateien“. Um aus der Datei einen bootfähigen USB-Stick zu machen, verwenden Sie das Programm Unetbootin . Unter Debian, Ubuntu, Fedora liegt das Tool in den Standard-Paketquellen bereit. Als Medium eignet sich ein leerer USBStick mit 256 MB Speicherplatz. Starten Sie Unetbootin, nachdem Sie den USB-Stick angeschlossen haben, und wählen Sie „Abbild“ (in der englischsprachigen Oberfläche „Diskimage“), wo Sie dann die Datei „tinycore.iso“ von Heft-DVD angeben. Ganz unten wählen Sie den USB-Stick als Ziel-Laufwerk aus. Nach der Übertragung der Daten können Sie den PC optional neu starten, um den Stick gleich auszuprobieren, und booten dann über das Bios vom USB-Medium. Im Boot-Menü von Tinycore wählen Sie den Eintrag „Standard“.

Kleines Live-System zum Surfen, aber mit 330 MB kein Winzling mehr: Porteus 2.1 mit Mate-Desktop benutzt Google Chrome Version 28 inklusive Flash.
Vergrößern Kleines Live-System zum Surfen, aber mit 330 MB kein Winzling mehr: Porteus 2.1 mit Mate-Desktop benutzt Google Chrome Version 28 inklusive Flash.

Porteus 2.1: Reichhaltige Alternative
Tinycore ist auf schnellen Start und minimale Systemanforderungen optimiert. Wem das System zu schlicht ist, bekommt auf Heft-DVD (PC-Welt Sonderheft, 5-6/2013) noch ein weiteres Live-System, das sich ebenfalls gut zum Surfen eignet, aber mehr WLAN-Treiber, Google Chrome und einen voll ausgestatteten Desktop mitbringt: Porteus 2.1 basiert auf der traditionsreichen Slackware-Distribution. Mit 330 MB ist Porteus mehr als doppelt so groß wie der Winzling Tinycore, startet aber immer noch schnell.

Porteus ist dann zu empfehlen, wenn Tinycore auf neueren Notebooks keine WLAN-Chips erkennt oder in einer ungünstigen Auflösung startet. Zur Übertragung auf einen USB-Stick liegt Porteus 2.1 mit Mate-Desktop ebenfalls als ISO-Datei auf der Heft-DVD, und auch dafür eignet sich das Programm Unetbootin. Beachten Sie aber, dass Sie den USB-Stick erst mit dem Dateisystem Ext2, Ext3 oder Ext4 formatieren müssen, falls sich das Live-System Änderungen speichern und die Möglichkeit bieten soll, Dateien auf dem Datenträger abzulegen. Auf FAT oder FAT32 startet Porteus zwar auch, speichert jedoch keine Änderungen. Eine englischsprachige Meldung zum Boot-Zeitpunkt, die Sie mit einem Tastendruck bestätigen müssen, weist Sie in diesem Fall noch einmal gezielt darauf hin.

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