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Flickr, Dropbox: Der Anfang vom Ende des mobilen Foto-Uploads?

06.07.2016 | 13:22 Uhr |

Patentrecht und Marktrealität rauben uns eines der beliebtesten Cloud-Storage-Features: Den automatischen Foto-Upload vom Smartphone in die Cloud. Was nun?

Fotos spielen eine zentrale Rolle in unserem Leben, und so will kaum noch jemand auf die Nutzung von Cloud-Storage- und Foto-Sharing-Plattformen verzichten. Dass die meisten Fotos dabei mit dem Smartphone aufgenommen werden, muss man eigentlich nicht erwähnen. Da verursacht die Nachricht, dass sowohl Flickr als auch Dropbox ihre mobilen Foto-Upload-Funktionen eingestellt haben - Dropbox zumindest in der kostenlosen Variante - so manches Kopfschütteln. Wären die Ursachen für das Abschalten der beiden Funktionen nicht so grundlegend anders, man könnte es für eine abgesprochene Aktion halten.

Flickr reagiert auf Patentstreit

Der Anwender fragt sich berechtigterweise besorgt, ob dies vielleicht nur der Anfang ist? Eine Frage, die zumindest im Falle Flickr recht einfach zu beantworten ist. Denn Flickr reagiert hier auf einen Patentstreit. Das Patent, um das es geht, beschreibt recht klar ein Verfahren, das Fotos von einem Handy auf einen Server lädt, sie dort nach Ordnungsmerkmalen ablegt und eine Bildanalyse durchführt. Zu den Ordnungsmerkmalen muss dabei die Telefonnummer gehören. Entsprechend sind von dem Patent alle Dienste betroffen, die ein solches Verfahren verwenden. Cloud-Storage-Dienste, wie Teamplace oder, soweit ich das beurteilen kann, auch Dropbox, welche die Bilder unverändert in die Cloud laden und auch nicht verschlagworten, berührt dieses Patent nicht.

Für Flickr-Nutzer gibt es aber gleich drei Wege, wie Flickr um dieses Patent herumkommt. Erstens hat Flickr eine Nichtigkeitsklage eingereicht, die im Herbst verhandelt wird. Zweitens könnte Flickr einfach die Telefonnummer unberücksichtigt lassen und drittens läuft das Patent ohnehin im nächsten Jahr aus. Spätestens dann könnte Flickr seinen Nutzern die Foto-Sharing-Funktion wieder uneingeschränkt zur Verfügung stellen. 

Dropbox will Geld verdienen

Ganz anders sieht es bei Dropbox aus. Hier ist es eher der Fall, dass der Cloud-Storage-Markt in der Realität angekommen ist. War es für Dropbox in den vergangenen Jahren möglich, seinen Kapitalbedarf durch immer wieder neue Finanzierungsrunden zu stillen, war klar, dass dies durch die veränderten Rahmenbedingungen im Silicon Valley in der nächsten Runde nicht mehr so einfach sein würde. Dropbox hat dies erkannt und gezielte Einschnitte vorgenommen.

So konnte Dropbox Mitte Juni stolz berichten, dass es ab nun Cash-Flow-positiv ist. Mit anderen Worten: Es wird nicht mehr massiv Geld verbrannt, und man kann sich für die nächste Finanzierungsrunde Zeit lassen. Während dies für den Einzelnen teilweise schmerzhaft ist, ist es für den Gesamtmarkt sicherlich eine sehr gute Nachricht. Denn diese Entwicklung stellt sicher, dass sich günstige Cloud-Storage-Angebote dauerhaft am Markt platzieren können. Gleichzeitig bedeutet dies aber auch das mittelfristige Aus für Angebote, die sich einfach nicht rechnen. Die Kürzung des Speichervolumens bei OneDrive ist ein weiterer Hinweis auf diese Entwicklung.

Alternativen?

Welche Möglichkeiten hat nun der Anwender, wenn er sich nicht für einen Bezahlaccount entscheiden will? Um sicher zu gehen, dass man nach dem Umzug nicht gleich eine weitere Mail bekommt, in der steht, dass der gewählte neue Dienst abgeschaltet wird, macht es Sinn, sich das Business-Modell des Anbieters kurz anzuschauen. Reine Apple-Anwender werden sich sicherlich mit Apple iCloud anfreunden können. Hier gibt es nicht nur den automatischen Upload, sondern auch 5 GB Online-Speicher kostenlos. Da es Apples primärer Fokus ist, seine Hardware zu verkaufen, wird dies auch so bleiben.

Hat man aber auch Nicht-Apple-Geräte im Einsatz, stößt man hier schnell an Grenzen. Auch möchten manche Nutzer ihre Fotos lieber in einem schlichten Ordner sammeln als in Streams. Google hat das Geschäftsmodell der Einnahmen durch Werbung perfektioniert, deshalb kann Google seinen Dienst Google Drive auch freizügig für alle Plattformen anbieten inklusive automatischem mobilen Foto-Upload und immerhin 15 GB kostenlosem Speicherplatz. Wer akzeptiert, dass seine Fotos verlustbehaftet komprimiert werden, erhält sogar unbegrenzten Speicher.

Neben Apple und Google gibt es auch Alternativen aus Deutschland wie zum Beispiel Teamplace. Das Modell hier ist es für die begrenzte Zeit von 90 Tagen sogenannte Teamplaces mit unbegrenztem Speicherplatz - auch bei unkomprimierten- oder sogar RAW-Dateien - anzubieten. Ein Teamplace kann jederzeit neu für 90 Tage angelegt werden. Der Anwender wird also quasi zum Aufräumen gezwungen. Teamplace bietet leider aktuell keinen automatischen Foto-Upload. Wer aber schnell seine Fotos drahtlos in der Cloud sichern möchte, ohne an Speichergrenzen zu stoßen, der kann hier fündig werden. Insbesondere, wenn er mit einer ganze Gruppe Bilder sammeln und verteilen möchte.

Über diese Alternativen hinaus, gibt es noch viele Speziallösungen für Fotofreunde wie zum Beispiel PicDrop. Hier lässt sich noch einiges entdecken. Wenn der Cloud-Storage-Markt nun in die Reifephase kommt, können sich auch diese Spezialangebote dauerhaft etablieren.

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