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Fitness- und Gesundheits-Apps: Vor- und Nachteile von Quantified Self

17.10.2014 | 09:29 Uhr |

Fitness-Apps auf Smartphones, verbunden mit digitalen Armbändern, liegen voll im Trend. Wir stellen Fitness-Apps vor, zeigen die Unterschiede zu Gesundheits-Apps und erklären das Phänomen Quantified Self und dessen Risiken.

Bei der Suche nach Hilfe bei der Fitness-Steigerung und Überwachung von Körper und Geist scheint sich das Smartphone zum allgegenwärtigen Allround-Begleiter zu entwickeln. Gerade und besonders bei berufstätigen Menschen, die Stress abbauen wollen und wenig Zeit für Sport haben. Die Hersteller versprechen dem Träger genaue Daten über seine Sport-Aktivitäten inklusive Angabe der verbrauchten Kalorien. Und tragen via Social Media-Anbindung dafür Sorge, dass alle Welt von dem hohen oder niedrigen Fitnessniveau erfährt.

Smartphones und Joggen sind eine gute Verbindung. Schließlich bieten sie nicht nur die Möglichkeit, nebenbei Musik zu hören. Sondern man kann mit dem Smartphone per GPS die genaue Distanz und Position des Lauftrainings ermitteln.

Die Apps lassen sich zudem über eine Bluetooth-Verbindung mit einem Brustgurt koppeln. So wird das Handy zum Pulsmesser. Außerdem erleichtern die Smartphone-Apps den Joggern die Trainingsplanung und -Buchführung. So müssen die Laufdaten nicht per Hand ins Trainingstagebuch eintragen werden. Einige Apps bieten dazu viele Trainingspläne für unterschiedlichste Ziele. Gerade beim Intervalltraining wie 30-20-10 nehmen sie einem die Sorge ab nicht ständig auf die Uhr blicken zu müssen, sondern lassen sich am Anfang und Ende der Tempoabschnitte von einer freundlichen Stimme die Anweisungen ins Ohr säuseln. Da werden die Anstrengungen unterwegs doch gleich viel erträglicher.
 
Fitness-Apps kurz vorgestellt

In den großen App-Stores der namhaften Plattformen gibt es jeweils über 5000 Apps in der Kategorie "Gesundheit und Fitness". Ob zum Joggen oder als Personal Training Coach mit individuellem Übungsprogramm. Aber nicht alle Apps sind kostenlos. Auch sind Fitnesstracker und Gesundheitsvorsorge nicht immer deckungsgleich. Hier eine Auswahl von Apps, die zur medizinischen Selbsteinschätzung beitragen können, um Risiken zu erkennen, für die man besser den Arzt aufsucht.

Runtastic ist die wohl verbreitetste Fitness-Tracking-App für alle Outdoor-Aktivitäten (wie Laufen, Nordic Walken, Wandern, Radfahren) und Indoor-Sportarten (Laufband, Yoga, Krafttraining). Sie zeichnet die Sport- & Fitnessaktivitäten auf. Dadurch lassen sich gezielt mehr Kalorien verbrennen und Kondition aufbauen. Dies verbessert die eigene Performance und lässt die gesetzten Ziele erreichen.

BASIS Dashboard
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Neben erweiterten Kartenansichten aus der Vogelperspektive ist der LIVE-Modus ein besonderes Merkmal. Damit lässt sich Familie & Freunden in Echtzeit zeigen, wo Sie gerade unterwegs sind. Ebenso können Freunde Sie dabei anfeuern und unterstützen, noch mehr Spaß während Ihrer LIVE-Aktivitäten zu gewinnen. Die App ist auf allen drei großen App-Plattformen verfügbar, darunter für Windows Phone. Sie gibt es in verschiedenen Varianten, auch kostenlos. Sollte sie nicht mit einem Puls messenden Brustgurt zusammenarbeiten, empfiehlt sich beispielsweise die Lumia Black Erweiterung zu prüfen. Denn erst in diesem Update wird Bluetooth 4.0 LE unterstützt. Alternativ kann auch die App miCoach train & run von Adidas auf Windows Phone verwendet werden.
 
Keine Zeit für's Fitness-Center? Nehmen Sie Ihren Fitness-Trainer überall hin mit. Hierzu gibt es sog. Coach-Apps. Darin lässt sich nicht nur ihr persönliches Fitnessprogramm zusammenstellen und in Auswahl oder Anzahl der Wiederholungen abspeichern. Sie bieten eine detaillierte Anleitung der Übungen, meist in schönen Bildern oder auch als kurze Videosequenzen.

"Schöne Beine" will die App Booty Camp Workout machen . Sie richtet sich vor allem an Frauen. die Übungen sind aus verschiedenen Yoga- oder Aerobic-Kursen bekannt und durch Supermodels in ihrer Wirksamkeit bestätigt. Sie kostet 0,99 Euro-Cent im Windows-Phone-Store.

Für den männlichen Sportler, der lieber mit Hanteln und Gewichten arbeitet, gibt es den Gymn PocketGuide, in einer kostenlosen wie einer Pro-Version im Windows-Phone-Store. Neben den Coach-Anleitungen und weiteren Funktionen enthält der Guide eine Enzyklopädie im Taschenformat, der die Physis anatomisch erklärt.

Booty Camp Workout 2
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Mithilfe der Windows 8-App Pulsmesser können Sie Ihren Puls über Ihr Smartphone messen. Dabei funktioniert die App ähnlich wie medizinische Puls-Oxymeter-Geräte: Dafür legen Sie Ihren Zeigefinger oder Daumen mit ein wenig Druck - wie in der App angezeigt - an die Kamera Ihres Telefons. Die Kameralinse durchleuchtet die Hautstelle am Zeigefinger, erkennt die Farbwerte und misst so den Sauerstoffgehalt. Nach ein paar Sekunden oder einigen Fehlversuchen erscheint dann Ihr Puls auf dem Display. Gleichzeitig bekommen Sie auch noch eine Einschätzung über Ihren Fitness-Stand - dafür sollten Sie allerdings zuvor in den Optionen Ihr Alter und weitere Parameter einstellen. Dank der einfachen Handhabung, der schnellen und genauen Pulsmessung eignet sich der Pulsmesser für viele Lebensbereiche zur gesundheitlichen Kontrolle. Selbst Sportler können ihren Trainingszyklus besser überwachen und mühelos ihre Herzfrequenz per Smartphone messen.

So messen Sie Ihr Training richtig
 
Um die Leistungs- und Fitness-Daten noch genauer messen und vergleichen zu können, hilft ein Brustgurt oder ein schickes Armband mit Digitalfunktion. Hier stellen wir einige Devices vor:
 
Wem zum Joggen sein Smartphone zu klobig ist, kann seinen Pulsgurt oder anderes Fitness-Device auch mit der Sony Smart Watch 2 via Bluetooth verbinden. Der Kilometerstand lässt sich dann auch gleich per Facebook an die Freunde mitteilen. Das gerade angekündigte Samsung Galaxy Alpha verbindet sich auch mit den Wearables Gear Fit, Gear Live and Gear 2 des Herstellers.

Huawei Talkband
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© Huawei

 
Das Polar Loop erinnert mit seinem LED Display ein wenig an Nike’s FuelBand. Für den sportlichen Einsatz passt dazu ein Polar Brustgurt. Damit steht Loop auch als Alternative zu klassischen Pulsuhren zur Verfügung.

Trägt man den Activity Tracker in Armband-Form rund um die Uhr, erfasst er alle Bewegungen beim Sport und im Alltag und erkennt auch automatisch wie viel man schläft. Durch die wasserdichte Ausführung kann das Loop auch beim Schwimmen oder in der Dusche getragen werden. Abnehmen muss man den Activity Tracker also lediglich im ihn mit frischer Energie zu versorgen.

Die eigene Herzfrequenz wird nur auf Tastendruck angezeigt, was im Vergleich zur permanenten Anzeige einer Sportuhr etwas umständlich ist, für den Sportfan jedoch passt.

Explore Section Datarella
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Interessant ist der Loop auch in Verbindung mit Polars Sport-Uhr V800, welche ein weitaus detaillierteres Tracking ermöglicht. Ambitionierte Sportler können die V800 beim Ausdauertraining verwenden und den kleineren und leichteren Loop als Alternative zur Sportuhr im Alltag einsetzen. Die Daten der beiden Geräte werden dann im selben Polar Flow Account zusammengeführt, sodass der Trainingsstatus auf Basis der Belastung beim Training wie auch durch die Bewegung im Alltag optimal berechnet werden kann.
 
Als Messwert für die eigene Aktivität werden dabei Schritte angezeigt, welche jedoch vielmehr als Näherung für die tatsächlich gelaufenen Schritte aufzufassen sind. Wer darauf Wert legt, sollte eine GPS-basiertes Device nutzen, wie beispielsweise ein Smartphone.

Der Activity-Tracker von Polar’s Loop verwendet, wie anderer Hersteller auch, spezielle Algorithmen um das Bewegungspensum seines Besitzers zu bewerten. Im Fall vom Loop basieren diese Algorithmen auf dem metabolischen Äquivalent einer Bewegung und berücksichtigen damit die für eine Bewegung aufgebrachte Energie. Damit fließen auch Bewegungen der Arme in die Berechnung ein und werden vereinfacht als Schritte ausgedrückt werden. Für die Beurteilung des gesundheitlichen Nutzens ist diese Vereinfachung jedoch sehr praktisch und sinnvoll.
 
Recht neu oder als Verfolger von Nike’s FuelBand bietet jetzt auch Huawei einen Fitness-Tracker an. Das „Talkband“ kann auch telefonieren, sieht gut aus und ist noch ergonomischer.
 
Die Pulsuhr Mio ALPHA von Medisana ist eine Hochleistungs-Sportuhr zur sehr genauen und kontinuierlichen Herzfrequenzmessung. Sie kommt ganz ohne Brustgurt und ohne Fingersensor aus. Ihre Daten lassen sich per Bluetooth Smart (4.0)-Technologie an kompatible Smartphones übertragen und um Funktionen wie die Messung von Geschwindigkeit, Trainingsdistanz, Pace und GPS zu nutzen.

Durch die kontinuierliche Überwachung der Pulsfrequenz wissen Sie immer, ob Sie in dem Bereich trainieren, der für Ihr Fitnessziel geeignet ist: Fettverbrennung, Verbesserung der aeroben Fitness, Training an der anaeroben Schwelle oder allgemeine Verbesserung der Ausdauer.

Polar Loop
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Die MIO Alpha funktioniert mit der App MIO Go oder auch mit anderen Apps wie Runtastic, Strava, Map My Run und iSmoothRun. Mit der App VitaDock+ und dem Online-Portal VitaDock Online lassen sich die Produkte der Medisana-Reihe "Connect" verbinden. Die Reihe umfasst den Activity Tracker ViFit Connect, die Blutdruckmessgeräte BU 550 Connect, BU 575 Connect und BW 300 Connect sowie die Körperanalysewaagen BS 430 Connect und BS 440 Connect. Alternativ gibt es seit kurzem auch das neuartige Pulsarmband MIO Link.

Mehr als einen Schrittzähler bietet der Withings Pulse. Er verfügt über ein Touchdisplay, das die zurückgelegten Schritte und den Puls anzeigt. Nachts überwacht er die Schlafphasen des Besitzers.

Das gleiche Feature bietet auch der Fitbit One, zusätzlich aber auch eine Weckfunktion. Ausgewertet werden die Daten über Apps für iOS, Android und Windowsphone. Da sich Alter, Gewicht und Blutdruck des Trägers eingeben lassen, kann der Trainingseffekt noch genauer berechnet werden. Diese App ist seit wenigen Wochen auch für Windows Phone 8.1 erhältlich - die erste ihrer Kategorie. Dies ermöglicht Windows-Anwendern kabellosen Zugang zu ihren Statistiken, einschließlich zurückgelegter Schritte, Entfernung, verbrannter Kalorien, aktiver Minuten, Stockwerke oder Schlafqualität.
 
Wer's lieber klotzig im Design mag, ist mit der Stahl-ummantelten Smartwatch des von Intel-übernommenen US-Herstellers Basis genau richtig. Sie zeichnet sich zudem durch eine sehr präzise Messung aus. Sie erfasst auch Puls, Hauttemperatur, Atemfrequenz.

Vorsicht beim Gadgetboom – Allergien drohen

Mediziner in den USA schlagen jetzt allerdings Alarm: Die steigende Verbreitung von Handys und anderen Mobilgeräten in Kombination mit fehlenden Grenzwerten lässt die Allergikerzahlen in die Höhe schnellen. Im Jahr 2011 befasste sich die amerikanische Kommission für Produktsicherheit mit einem Rückruf, bei dem Kinderuhren von Walt Disney zurückgerufen wurden, offenbar weil die Rückseite stark nickelhaltig war.

Im März diesen Jahres war das Fitnessarmband Fitbit Force von einem Verkaufsstopp in den USA betroffen, nach einem freiwilligen Rückruf des Herstellers. Untersuchungen fanden aber keine Nickelbelastung.

Die beliebtesten Kategorien

Im App-Store ist die Kategorie der Cardio Fitness Apps am beliebtesten. Im Speziellen die Running Apps führen das Feld der Health Apps mit 16 Prozent an. Ernährung und Diät Apps liegen mit 14 Prozent auf Platz 2, die Kategorie der Stress und Entspannungs-Apps mit elf Prozent auf Platz 3 der Health Apps. Weitere Bereiche sind Frauengesundheit, Krafttraining, mentale Gesundheit, chronische Krankheiten sowie Schlaf. Daraus lässt sich ableiten, dass Frauen die Hauptkonsumentengruppe bei Gesundheits-Apps sind.

Bei einer Überprüfung durch die Stiftung Warentest hat sich zudem gezeigt, dass die per Smartphone ermittelten Körper-Werte in den untersuchten Fällen genauso zuverlässig waren wie die klassischer Geräte.
 
Gesundheit beim Sport: Medizin-basierter Apps vorgestellt
 
Triabetes ist eine Smartphone-App, der Menschen mit Diabetes aller Formen bei ihrer Ernährungsentscheidung unterstützt. Triabetes ist von Diabetes-Tools, einem schwedischen Medizintechnikunternehmen, die wissenschaftlich basierte Software-as-a-Service-Lösungen entwickelt.
 
Die Osteoporose ist eine systemische Erkrankung, bei der eine verminderte Knochenmasse zu einem Anstieg des Risikos für Knochenbrüche führt. Osteoporose ist eine der Top-10-Volkskrankheiten weltweit - rund sieben Millionen Menschen in Deutschland sind betroffen. Die Zahl der Erkrankten wird sich in den nächsten 20 Jahren voraussichtlich verdoppeln.

Die App EXPLORE YOURSELF oder "explore - Lerne mehr über Dich" zeigt den "Bewegungsbedarf" an, ausgelesen aus den täglichen Aktivitäten. Michael Reiter von Datarella ist überzeugt, mit einer smarten App, Risikopatienten zu mehr Bewegung motivieren und Osteoporose verhindern zu können.
 
CardioSecur activ beobachtet ebenfalls die Herzaktivität. Sie hilft, im Vorfeld eines Arztbesuches Symptome richtig einzuschätzen. Es ist der erste personalisierte 12-Kanal EKG Herz-Check mit dem iPhone oder iPad. Optional lassen sich die EKG-Daten dem persönlichen Arzt zur Verfügung stellen. Dass Ärzte solch präzise Daten von akuten Ereignissen einsehen können ist neu.
 
Die Sycrest App der Lundbeck Austria, die von Aeskulapp entwickelt wurde, unterstützt Patienten mit demenzbedingter Psychose oder anderen speziellen Nervenleiden spielerisch ihren Therapieplan zur Erinnerung der regelmäßigen Medikamenteneinnahme einzuhalten, führt ein Stimmungstagebuch und sammelt Informationen: rund um die Erkrankung und das Medikament.
 
Um Krebspatienten für klinische Studien zu gewinnen, setzte Novartis zunächst auf Social Media wie Twitter, bevor es seine App Clinical Trial Seek vorstellte, die im Prinzip wie ein Patiententagebuch funktioniert, auch für WindowsPhone.
  Risiken bei der Smartphone App-überwachten Gesundheit beachten
 
Doch nicht alle Apps, die "medizinisch" daher kommen und einen Gesundheitsnutzen versprechen, halten diesen Anspruch stand oder wären gar gefährlich. Bei der Nutzung des Smartphones für die Körperüberwachung rät die BITKOM deshalb einige Punkte zu beachten:

Apps ersetzen nicht die Untersuchung beim Arzt, sie können aber die Zahl der Arztbesuche verringern.

Apps, die medizinische Befunde ermöglichen wie Pulsmessung via Smartphone, sind Medizinprodukte. Solche Produkte müssen nach EU-Richtlinien geprüft sein und mit der sogenannten CE-Kennzeichnung versehen werden.

Auch im Gesundheitsbereich gibt es bessere und weniger gute Apps. Gütesiegel öffentlicher Einrichtungen oder der Bundesärztekammer fehlen bisher. Verbraucher sollten nicht jede beliebige App herunterzuladen, sondern in Ermangelung behördlicher Gütesiegel gewisse Qualitätsindikatoren beachten: Wurde die App beispielsweise von oder in Kooperation mit Pharmakonzernen oder bekannten Herstellern von Medizintechnik entwickelt? Gibt es Testberichte oder Empfehlungen renommierter wissenschaftlicher Einrichtungen? Auch ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt kann weiterhelfen. Wie bei sonstigen Apps auch, geben die Feedbacks von anderen Nutzern der App zumeist gute Anhaltspunkte, wie leistungsfähig und zuverlässig die konkrete Anwendung ist.
 
Quantified Self motiviert spielerisch

Das Wissen, wie der Puls schlug, wie viel Kalorien beim Sport verbraucht werden, wie viel Schritte ich heute gelaufen bin - diese Zahlen motivieren tatsächlich, sich mehr zu bewegen oder Sport regelmäßig zu machen. Fitnessprodukte wie Fitbit oder Nike+Active ermöglichen, sich Zielen zu setzen. Beispielsweise täglich 10.000 Schritte zu gehen oder virtuelle Auszeichnungen für die erbrachten Leistungen zu verleihen.
 
Die Erfassung von Informationen über sich selbst sei eine Möglichkeit, Potentiale zu einer besseren Lebensqualität zu finden, sagt Florian Schumacher, ein Self-Tracking Pionier. Seiner Meinung nach hat Quantified Self "in Verbindung mit dem Technologietrend Gamification den Anspruch Verhaltensänderungen und eine gesunde Lebensweise zu unterstützen".
 
Quantified Self und die Freude am Sammeln
 
Quantified Self, Lifelogging, Self-Hacking: Das Anhäufen von Daten über den eigenen Körper und das eigene Leben könnte sich vom Nerd-Vergnügen zum Massenphänomen mausern. Tagebuch schreiben war gestern. Neue Technologien wie Smartphones unterstützen uns dabei und bieten zahlreiche Möglichkeiten, Daten über unser Verhalten und unseren Lebensstil zu erheben.

"Selbsterkenntnis durch Zahlen" gaben ihre geistigen Väter, die "Wired"-Journalisten Gary Wolf und Kevin Kelly, 2007 als Marschroute vor. Was in den 90er Jahren noch etwas umständlich war, übernehmen heute das Smartphone oder Geräte mit Bluetooth-Verbindung, beispielsweise eine Wage im Badezimmer.
 
Was die einen als technisch-unterstützte Frage an sich selbst sehen, zur Selbstmotivation beitrage, findet auch die Aufmerksamkeit der IT- und Gesundheitsbranche. Softwaredienste wie die iPhone App Daytum oder explore aus Deutschland www.datarella.com ermöglichen die Erstellung persönlicher Statistiken, von der Art und Anzahl der gelesenen Bücher über die am häufigsten ausgeübten Hobbys bis hin zu den konsumierten Getränken oder Nahrungsmitteln. Auch die körperliche Verfassung kann mit Vitalitätssensoren wie vernetzten Waagen, Schrittzählern oder Schlafsensoren erfasst und beobachtet werden.
 
Quantified Self und seine Hintergründe
 
Die Idee, persönliche Leistungen zu messen und auszuwerten ist nicht neu. Neu an Quantified Self ist der Anspruch dies auf weitere Lebensbereiche auszudehnen. Verbunden mit der Hoffnung, komplexe Zusammenhänge zu verstehen und individuelle Potentiale zur Verbesserung der persönlichen Lebensqualität zu identifizieren.
 
In Deutschland ist der Trend zwar schon im Jahr 2008 angekommen. Regelmäßige Quantified Self Meetups finden bereits in allen größeren Städten statt. Hier treffen sich Sportler, Lifehacker und Anbieter innovativer technischer Lösungen, diskutieren ihre Erfahrungen und tauschen Know-how und Erfolgsrezepte aus.
 
Andreas Schreiber, wenn er nicht trackt oder bloggt, beim Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) beschäftigt, sieht auch die Grenzen: Der Durchschnittsnutzer habe aber oft gar keine Ahnung, von wem die Apps stammen, was sie machen und was sie tatsächlich alles sammeln. "Firmen spielt die Selbstüberwachung natürlich in die Karten. Je mehr Informationen sie bekommen, desto interessanter und genauer sind die erkennbaren Muster", sagt Schreiber gegenüber dpa. Der Nutzer würde zum gläsernen Menschen.

Ob die persönlichen Gen-Daten, also die Erbinformationen eines Menschen, von Google ausgewertet werden sollen, darüber ist gerade eine Diskussion im Netz gestartet. Möchten Sie Versuchskaninchen sein?

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