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Firefox Hello: Der Videochat im Linux-Test

12.08.2015 | 13:03 Uhr |

Mit dem Videotelefoniedienst „Hello“ sind in Firefox Gespräche im Browser über den Webstandard Web RTC möglich. Unter Linux ist der integrierte Dienst besonders nützlich, weil keine zusätzliche Software nötig ist.

Die Mozilla Foundation will Firefox , der zuletzt deutliche Marktanteile an Chrome/Chromium abgegeben hat, wieder attraktiver machen: Der Dienst „Hello“ erweitert die Fähigkeiten des Browsers um einen Video-Chat im Stil von Google Hangouts , Apple Facetime oder Microsoft Skype . Hello macht den Aufbau von Gesprächen zu anderen Firefox-Anwendern demonstrativ unkompliziert: Weder braucht der kostenlose, plattformübergreifende Dienst ein zusätzliches Plug-in, noch ist ein Benutzerkonto bei Mozilla zwingend Voraussetzung. Die Kontaktaufnahme zu einem Gesprächspartner funktioniert einfach per Einladung an den gewünschten Gesprächspartner mit einer eindeutiger URL, die Firefox bei Bedarf generiert. Zur Annahme eines Gesprächs ist nur der Klick auf die URL nötig, die man beispielsweise per E-Mail oder Instant Messenger überträgt.

Hello auf dem Tablet: Auch Firefox für Android kann Web RTC und Gesprächseinladungen entgegennehmen. Neue Sitzungen kann der Android-Browser selbst aber nicht starten.
Vergrößern Hello auf dem Tablet: Auch Firefox für Android kann Web RTC und Gesprächseinladungen entgegennehmen. Neue Sitzungen kann der Android-Browser selbst aber nicht starten.

Der Browser lernt telefonieren

Sein Debüt gab Firefox Hello in der Version 34 des Browsers als frühe Beta, die vorerst noch standardmäßig deaktiviert war.

Ganz allein stemmt die Mozilla Foundation die Technik hinter Hello nicht: Der Dienst basiert auf dem noch recht jungen Webstandard Web RTC (Web Real-Time Communication), und die Einbindung in Firefox erfolgte in Zusammenarbeit mit dem spanischen Telekommunikationskonzern Telefónica, dem auch O2 gehört. Die Partnerschaft ist nicht neu: Telefónica brachte 2013 als erster Anbieter ein Mobiltelefon mit dem Mobilsystem Firefox-OS auf den Markt. Für Firefox Hello betreibt Telefónica die Vermittlungs-Server zum Kommunikationsaufbau.

Firefox Hello aktivieren und benutzen

Web RTC: So funktioniert das Protokoll

Das von Hello genutzte Web RTC geht auf eine Open-Source-Entwicklung von Google zurück. Google nutzt die Technik beispielsweise für seine Google Hangouts, reichte Web RTC aber zur Standardisierung durch die Internet Engineering Task Force ein. Der verabschiedete Standard definiert die verwendeten Protokolle und eine API für die Einbindung im Browser.

Im Gegensatz zu proprietären Diensten wie Skype, Apple Facetime oder Viber ist die Funktionsweise komplett offengelegt und nicht durch Patente belastet. Es handelt sich um ein Peer-to-Peer-Protokoll, das wie HTTPS mit SSL (TLS) verschlüsselt und bei korrekter Umsetzung eine abhörsichere Verbindung zwischen zwei Teilnehmern aufbaut.

Enttarnt Besucher hinter einem Proxy oder VPN: Web RTC in Firefox verrät einer Webseite per Javascript die tatsächliche IP-Adresse. Eine Demo findet sich unter https://diafygi.github.io/webrtc-ips.
Vergrößern Enttarnt Besucher hinter einem Proxy oder VPN: Web RTC in Firefox verrät einer Webseite per Javascript die tatsächliche IP-Adresse. Eine Demo findet sich unter https://diafygi.github.io/webrtc-ips.

Die Datenübertragung kann theoretisch ganz ohne zentralen Server erfolgen, in der Praxis übernimmt aber ein Vermittlungs-Server zwei Aufgaben für einen unkomplizierten Betrieb: Erstens stellt der Server die initiale Verbindung zwischen zwei Peers her, zweitens ermöglicht er als Relay die Kommunikation, wenn die Teilnehmer hinter einer Firewall oder einem Router mit NAT sitzen, was bei den meisten Anwendern der Fall ist. Als Relay bekommt der Server dabei aber nur die verschlüsselten Daten zu sehen, die nur an den beiden Endpunkten mit den privaten Session-Schlüsseln der Gesprächspartner dechiffriert werden.

Firefox Hello: Gespräche aufbauen

Zwar ist Web RTC schon in mehreren Browsern wie Chrome/Chromium und Opera (ab Version 18) enthalten, bisher hat aber nur Firefox dessen Funktionen in die Oberfläche der Desktop-Versionen für Linux, Windows und Mac-OS X aufgenommen. Der Einstieg ist mit Firefox-Versionen ab 35 sehr unkompliziert. Der Rechner muss über eine funktionierende Webcam und ein Mikrofon verfügen.

Das Hello-Symbol befindet sich neben der Adressleiste und öffnet per Klick auf den Button „Gespräch beginnen“ ein Chat-Fenster rechts unten mit einer neuen Sitzung. Hier können Sie einen eindeutigen Namen für das Gespräch eingeben und in der Symbol-Leiste Webcam und Mikrofon bei Bedarf ein- oder ausschalten. Jede Sitzung erhält automatisch eine URL, die als Einladung dient. Um den Gesprächspartner zur Sitzung einzuladen, gehen Sie auf „Links per E-Mail senden“ oder „Link kopieren“ und lassen dem anderen Teilnehmer die URL zukommen. Dieser braucht den Link nur in Firefox zu öffnen und kann dann auf der geöffneten Chat-Seite die Einladung mit „Gespräch betreten“ annehmen, muss aber noch den Zugriff auf das eigene Mikrofon und die Webcam bestätigen. Das eingeblendete Drop-Down-Menü zeigt dazu die verfügbaren Geräte an. Das Gespräch kann jederzeit von einem der Teilnehmer beendet werden, aber die Session-URL bleibt noch gültig, solange sie der einladende Partner nicht endgültig über das Papierkorb-Symbol verwirft. Auf diese Weise lassen sich Gespräche unterbrechen und später einfach fortführen, ohne immer eine neue URL zu vereinbaren.

Fazit: Videotelefonie mal ganz einfach

Der Charme von Hello ist der wirklich geringe Aufwand zum Aufbau eines Video-Chats, was gerade für Linux-Anwender eine große Erleichterung ist. Ein neuer Firefox genügt, den die Distributionen sowieso in ihren Paketquellen liefern. Noch nicht mal eine Registrierung über ein Benutzerkonto ist nötig. Bequemer wird es allerdings, wenn beide Teilnehmer ein Firefox-Konto haben, wie es auch für Firefox Sync zum Einsatz kommt. Denn dann können Sie eine Kontaktliste anlegen und Gespräche ohne Verschicken von URLs aufbauen. Ein Firefox-Konto können Sie einfach mit einer funktionierenden Mailadresse über den Hello-Dialog anlegen.

Im Test hatte Web RTC mit Firefox 37 noch einen Schluckauf beim Verbindungsaufbau, wenn der Initiator eines Gesprächs keine Webcam hat, da der andere Teilnehmer dem Gespräch dann nicht immer betreten konnte. Dafür funktionierte die Gesprächsannahme aber auch mit Google Chrome/Chromium, sowie mit der Android-Version von Firefox . Ein Nebeneffekt von Web RTC dürfte Anwendern nicht gefallen, die großen Wert auf Anonymität im Web legen: Das Protokoll plaudert die interne IP-Adresse sowie die Internet-IP des Clients aus, auch wenn dieser über Proxy, VPN oder TOR im Web unterwegs ist. Ein Webserver muss dazu nur per Javascript den Vermittlungs-Server nach der tatsächlichen Adresse des besuchenden Browsers fragen. Abhilfe schafft der Parameter „media.peerconnection.enabled“ unter „about:config“. Der lässt sich per Doppelklick auf „false“ setzen, um Web RTC in Firefox abzuschalten.

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