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USB-Laufwerke über das Netzwerk nutzen

22.02.2015 | 09:41 Uhr |

USB-Geräte muss man nicht von PC zu PC tragen, um sie dort anzuschließen. Über das Netzwerk lassen sich die Geräte von überall aus nutzen. Das geht mithilfe zusätzlicher Hardware oder mit Software.

Über USB-Ports verbinden Sie viele unterschiedliche Geräte mit dem PC, etwa Drucker, Scanner, USB-Speicher oder Lautsprecher. Einige der Geräte lassen sich auch über das Netzwerk von einem beliebigen PC aus ansprechen.

Bei Druckern beispielsweise richten Sie dafür eine Druckerfreigabe ein und bei USB-Festplatten eine Dateifreigabe. Sie können aber auch fast beliebige USB-Geräte über das Netzwerk nutzen. Welche Hard- und Software Sie dafür benötigen, lesen Sie in diesem Artikel.

Dieser Artikel stammt aus dem Sonderheft PC-WELT WLAN & Heimnetz

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1. So funktioniert ein USB-Server

Eine Lösung sind USB-Server. Auf einem Client-PC verarbeitet ein Treiber Anfragen an ein virtuelles USB-Gerät und sendet diese an den Server. Der decodiert die Informationen und leitet sie an das physisch vorhandene USB-Gerät weiter. Für den Client-Rechner sieht es so aus, als ob das USB-Gerät direkt mit ihm verbunden wäre, also im USB-Port am PC steckt. Ein USB-Stick beispielsweise lässt sich dann neu formatieren, was bei einer Netzwerkfreigabe nicht möglich wäre.

Die Verbindung klappt allerdings nicht immer einwandfrei mit allen Gerätefunktionen. So kann es sein, dass bei einem Drucker der Tintenstand nicht angezeigt wird oder bei einem Scanner die Tasten für „Kopieren“ und „PDF“ nicht reagieren. Als problematisch erweisen sich oft Streaming-Geräte wie TV-Sticks oder Webcams, die entweder überhaupt nicht oder unzuverlässig laufen. Wer einen Ethernet-USB-Server kauft, ist auf Angaben vom Hersteller zur Kompatibilität angewiesen. Fehlen diese, hilft nur ausprobieren und im Problemfall die Rückgabe. Wird der USB-Server dagegen per Software realisiert, ist das Risiko geringer. Mit einer Demoversion prüfen Sie, ob sich das Gerät Ihrer Wahl tatsächlich für USB-über-IP eignet.

2. Mini-Geräte als Netzwerk-USB-Server

Unter der Bezeichnung „Netzwerk-USB-Server“ finden Sie im Handel zahlreiche Geräte für das private Netzwerk zu Preisen zwischen 30 und 100 Euro. Preisgünstige Modelle bieten meist nur wenige USB-Ports und eine Netzwerkschnittstelle mit 100 MBit/s. Über einen USB-Hub lässt sich die Anzahl der Ports jedoch vergrößern. Wer bereit ist, mehr zu zahlen, erhält vier oder mehr USB-Ports und Gigabit-Ethernet. Die Inbetriebnahme ist einfach: USB-Server mit dem Netzwerk verbinden, USB-Geräte anschließen und unter Windows die mitgelieferte Software installieren. In der Anwendung wählen Sie dann Server und USB-Gerät aus und stellen die Verbindung her.

TP-LINK TL-PS110U: Ein Printserver ermöglicht die gemeinsame Nutzung von Druckern im Netzwerk. Das abgebildete Modell funktioniert unter allen Betriebssystemen.
Vergrößern TP-LINK TL-PS110U: Ein Printserver ermöglicht die gemeinsame Nutzung von Druckern im Netzwerk. Das abgebildete Modell funktioniert unter allen Betriebssystemen.
© TP-LINK

Abgrenzung zum USB-Printserver: Auf den ersten Blick scheinen Printserver die gleiche Aufgabe zu erfüllen wie USB-Server. Sie bewegen sich auch auf ähnlichem Preisniveau, funktionieren jedoch meist anders. Printserver stellen Druckerfunktionen über TCP/IP bereit. Dafür ist in der Regel – außer für den Drucker selbst – kein besonderer Treiber erforderlich. Die Kommunikation erfolgt direkt und ist unabhängig vom Betriebssystem. Der Printserver verwaltet die Druckaufträge und leitet sie an den Drucker weiter. Der Zugriff ist wie bei einer Windows-Druckerfreigabe gleichzeitig von mehreren Rechnern aus möglich. Beim USB-Server kann dagegen immer nur ein PC exklusiv das USB-Gerät nutzen.

Es muss außerdem ein Treiber installiert sein, den es oft nur für Windows gibt. Dafür funktioniert der USB-Server – abgesehen von den in Punkt 1 genannten Einschränkungen – mit jedem USB-Gerät.

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3. USB-Server für Windows einrichten

Eine Software-Lösung ist flexibler als ein Hardware-Server und lässt sich schnell auf Kompatibilität mit der Hardware testen. Wir haben USB Redirector ausprobiert, von dem es eine 15-Tage-Testversion ohne Funktionseinschränkungen gibt. Eine Lizenz können Sie ab 73 Euro für zwei USB-Ports erwerben. Installieren Sie die Software auf dem Server und auf den Client-PCs. Auf dem Server gehen Sie auf die Registerkarte „Local USB devices available for sharing“. Klicken Sie das gewünschte Gerät mit der rechten Maustaste an, und wählen Sie im Menü „Share USB Device“. Auf dem Client-PC klicken Sie im Menü auf „Connect > Add USB Server“. Tippen Sie die IP-Adresse oder den Namen ein, und klicken Sie auf „OK“. Auf der Registerkarte „Remote USB devices available for connection“ sehen Sie die freigegebenen USB-Geräte. Mit einem rechten Mausklick darauf und „Connect USB-Device“ stellen Sie die Verbindung her. Bei unserem Test funktionierte USB Redirector anstandslos mit USB-Stick, Drucker, Scanner, Webcam und DVB-T-Stick.

4. USB-Server unter Linux verwenden

USB Redirector for Linux ist kostenlos, aber Sie müssen für die Windows-Software USB Redirector Client Lizenzkosten ab 70 Euro bezahlen. Die Linux-Clients sind ebenfalls kostenlos. USB Redirector for Linux läuft unter Systemen mit Kernel 2.6.15 bis 3.11. Es gibt auch eine Version für ARM-Prozessoren, sodass sich die Software auch auf stromsparenden Mini-PCs wie dem Raspberry Pi installieren lässt. Wir haben USB Redirector unter Ubuntu 14.04 mit Kernel 3.13 installiert. Dieser wird zwar offiziell nicht unterstützt, aber es funktionierte trotzdem. Zur Installation des Servers entpacken Sie die heruntergeladene tar.gz-Datei und starten die Installation auf der Kommandozeile:

sudo ./installer.sh install-server

Folgen Sie den Anweisungen des Assistenten. Geben Sie die zwei Zeilen

cd /usr/local/usb-redirector/bin./usbsrv -l

ein. Das Programm gibt Ihnen eine Liste der USB-Geräte mit Ordnungsnummern aus. Mit ./usbsrv -s X geben Sie ein Gerät frei, wobei Sie „X“ durch die zuvor angezeigte Nummer des gewünschten USB-Gerätes ersetzen.

Auf einem Client-PC unter Linux installieren Sie die Software mit

sudo ./installer.sh install-client

und verbinden sich dann zum Server mit ./usbclnt -a 192.168.0.99:32032. Die IP-Nummer ersetzen Sie mit der Ihres Servers. ./usbclnt -l zeigt Ihnen die freigegebenen USB-Geräte an. ./usbclnt -c 1-X bindet das Gerät ein. „1“ steht dabei für die Nummer des ersten Servers im Netzwerk, und „X“ ersetzen Sie durch die passende Gerätenummer.

USB Redirector: Die kostenpflichtige USB-Server-Software ermöglicht unter Windows die unkomplizierte Freigabe von USB-Geräten für andere PCs im Netzwerk.
Vergrößern USB Redirector: Die kostenpflichtige USB-Server-Software ermöglicht unter Windows die unkomplizierte Freigabe von USB-Geräten für andere PCs im Netzwerk.

Open-Source-Projekt usbip: Es gibt auch eine quelloffene und kostenlose Software für USB-Server und Client. Beschreibung und Downloads finden Sie unter dieser Webadresse . Die Infos sind jedoch teilweise veraltet, denn usbip ist inzwischen in die Kernel-Quellen eingeflossen und bei aktuellen Linux-Distribution schon mit dabei. Der Server läuft nur unter Linux, der Client unter Windows und Linux. Die Ubuntu-Pakete sind jedoch fehlerhaft. Uns ist es nur gelungen, usbip unter Debian 7 zum Laufen zu bringen. Hier müssen Sie nur das gleichnamige Paket nachinstallieren.

Der USB-Fernanschluss der Fritzbox

Besitzer einer Fritzbox können Drucker, USB-Speicher und Scanner auch an den DSL-Router anschließen und über das Netzwerk nutzen. Wenn Ihre Fritzbox den Dienst unterstützt, finden Sie in der Konfigurationsoberfläche ( http://fritz.box ) den Menüpunkt „Heimnetz > USB-Geräte“ und die Registerkarte „USB-Fernanschluss“. Aktivieren Sie hier die gewünschten Optionen. Über den Link „das Programm für den USB-Fernanschluss“ laden Sie sich die Software „FRITZ!Box USB-Fernanschluss für Windows XP bis 8.1“ herunter. Wenn Sie das Tool nach der Installation starten, können Sie das gewünschte USB-Gerät per Mausklick einbinden.

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