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Fernsehen in Ultra-HD

01.12.2014 | 09:41 Uhr |

Sie überlegen, sich zu Weihnachten einen UHD-Fernseher zu kaufen? Dann gilt es einen wichtigen Punkt zu beachten: Da TV-Signale in Ultra-HD noch weit entfernt sind, benötigen Sie alternative Quellen für Bewegtbilder. Was jetzt schon geht, finden Sie in diesem Ratgeber.

Auf einen 4K-Regelbetrieb der TV-Sender müssen wir noch Jahre warten. Dennoch gibt es erste Versuche, Ultra-HD-Inhalte auf das TV-Gerät zu senden. Der derzeit bevorzugte Weg geht über Satellit. Dass die Live-Übertragung in Ultra-HD funktionieren kann, hat der Privatsender Sky im April 2014 mit dem Bundesligaspiel zwischen dem FC Bayern München und Werder Bremen gezeigt. Der technische Aufwand ist jedoch erheblich. In diesem Fall lieferten sechs 4K-Kameras in Kombination mit vier weiteren HD-Kameras die Bilder, die in einer Auflösung von 2160p50 auf mehrere Ultra-HD-Fernsehgeräte in der Sky Zentrale zu sehen waren.

Wenn Sie schon jetzt in UHD fernsehen wollen, gibt es erste Möglichkeiten: Denn seit der diesjährigen Internationalen Funkausstellung in Berlin – also seit Anfang September 2014 – hat der 4K-Kanal „Astra Ultra HD Demo“ seinen Betrieb aufgenommen. Er sendet kostenlos über Satellit unter 19,2 Grad Ost. Der reine Demokanal zeigt Landschafts- und Naturaufnahmen, Impressionen aus dem Stadtleben sowie Sportinhalte. Astra lässt die Inhalte von den 4K-Spezialisten Katie und Jacob Schwarz aus den USA produzieren. Der Kanal sendet in einer Auflösung von 3840 x 2160 Pixeln mit einer Wiederholungsrate von 50 Bildern und einer Farbtiefe von 10 Bit. Der 4K-Fernseher oder –Receiver empfängt die Bilder per DVB-S2 in einer Datenrate von 25 Mbit/s. Außerdem müssen die Geräte das HEVC-Decoding beherrschen – siehe Kasten „Das muss Ihr Ultra-HD-Gerät mitbringen“ am Ende des Artikels.

Der Sender Anixe UHD bietet in der Mediathek UHD-Inhalte kostenlos an. Zum Start im September 2014 gibt es Dokumentationen. Spielfilme sollen folgen.
Vergrößern Der Sender Anixe UHD bietet in der Mediathek UHD-Inhalte kostenlos an. Zum Start im September 2014 gibt es Dokumentationen. Spielfilme sollen folgen.
© Anixe

Einen anderen Weg geht der Sender Anixe. Seit dem 12. September 2014 können Sie UHD-Inhalte in der Mediathek abrufen. Zum Start beschränkt sich die Auswahl auf Dokumentationen. Später sollen Spielfilme folgen. Das Material bereitet der Sender in der eigenen Produktionsfirma mit einem 4K-Filmscanner für die hohe Auflösung auf. Bis zum Jahresende soll Filmmaterial von bis zu hundert Stunden in der Mediathek kostenfrei bereit stehen. Es lässt sich über HbbTV (Hybrid Broadcasting Broadband TV) abrufen. Dazu suchen Sie zuerst an Ihrem TV den Anixe-Kanal per Satellit oder im Kabel. Es erscheint eine rote Taste am unteren Fernsehbild. Drücken Sie diese auf Ihrer Fernbedienung, gelangen Sie zur Mediathek des Senders. Per Druck auf den grünen Button öffnet sich die UHD-Mediathek. Zum Empfang muss das UHD-Gerät mit dem Internet verbunden sein. Die Übertragung benötigt eine Datenrate von 25 Mbit/s.

4K-Videostreaming

Das Streaming von Filmen und Serien in Ultra-HD ist die bequemste Art, die super hoch aufgelösten Inhalte auf den Schirm zu bekommen. Allerdings muss hierfür die Infrastruktur zu Hause passen: Ein Breitband-Internet-Anschluss ist ein absolutes Muss. Herkömmliche DSL-Geschwindigkeit reicht jedoch nicht aus. Vielmehr benötigen Sie VDSL (Very High Speed Digital Subscriber Line), womit im Idealfall Datenraten bis zu 50 Mbit/s möglich sind. Wie beim Fernsehen in UHD sind fürs Streaming Download-Geschwindigkeiten von 20 bis 25 Mbit/s Voraussetzung.

Per App zu UHD-Inhalten von Netflix auf dem Smart-TV: Entweder ist die App bereits auf Ihrem Fernseher vorinstalliert oder sie lässt sich per Update nachladen.
Vergrößern Per App zu UHD-Inhalten von Netflix auf dem Smart-TV: Entweder ist die App bereits auf Ihrem Fernseher vorinstalliert oder sie lässt sich per Update nachladen.

Inzwischen starten Videostreaming-Dienste mit UHD-Filmen und –Videos. Das wohl prominenteste Beispiel der jüngsten Vergangenheit ist Netflix. Der Dienst ist seit Mitte September in Deutschland verfügbar. Die Auswahl ist noch überschaubar, immerhin finden Sie aber auch die selbst produzierte Serie „House of Cards“ im Angebot, obwohl sich Sky die Senderechte für Deutschland gesichert hatte. Das ist auch der Grund, warum Sie auf die dritte Staffel noch einige Zeit warten müssen, bevor sie im Netflix-Katalog gelistet sein wird. Wie immer bei Netflix schließen Sie auch für die super hoch aufgelösten Filme und Serien ein Abo ab. Es bezieht sich auf die Anzahl der Streams. UHD-Inhalte sind bei vier Streams und einem Abopreis von 11,99 Euro im Monat enthalten.

Der Empfang funktioniert über die Netflix-App auf Ihrem UHD-Fernseher. Bisher haben die meisten Gerätehersteller eine entsprechende Anwendung auf den aktuellen TVs aufgespielt. Im Einzelfall kann sie jedoch auch noch fehlen. Dann müssen Sie sie wie bei älteren Modellen nachinstallieren. Dazu nutzen Sie die Update-Funktion im Smart-Bereich Ihres Fernsehers. Sie kommen meist über Tasten auf der Fernbedienung dorthin – bei Samsung etwa über Smart Hub, bei Panasonic über Viera Tools. Liegt ein Update vor, fordert Sie das Gerät auf, es zu starten. Folgen Sie den Anweisungen auf dem Schirm zum Herunterladen, Aufspielen und Initialisieren des Updates. Anschließend startet der App-Bereich des Fernsehers neu. Suchen Sie nun nach „Netflix“. Wählen Sie die App an – entweder per Pfeiltasten oder über den Cursor auf Ihrer Fernbedienung. Um sie zu starten, drücken Sie auf „ok“.

Netflix als Startschuss für Video-on-Demand in UHD: Weitere Dienste wollen demnächst mit vergleichbaren Streaming-Angeboten in Deutschland und dem restlichen Europa beginnen
Vergrößern Netflix als Startschuss für Video-on-Demand in UHD: Weitere Dienste wollen demnächst mit vergleichbaren Streaming-Angeboten in Deutschland und dem restlichen Europa beginnen
© Samsung

Neben Netflix beginnen auch die Anbieter Amazon Instant Video, Maxdome, Wuaki oder Chilli ein Angebot an UHD-Video-on-Demand-Inhalten aufzubauen. Die Dienste starten unterschiedlich in Deutschland und dem restlichen Europa. Maxdome etwa will spätestens ab 2015 loslegen. Selbst die Geräte-Hersteller kümmern sich darum, dass immer mehr native Inhalte über UHD-Streams zum Zuschauer kommen. So kooperiert Samsung mit der Wiener Staatsoper und liefert über die App „Vienna Opera“ Livestreams von Konzert- und Opernübertragungen auf den eigenen Geräten aus. Die erste Übertragung fand im Mai dieses Jahres statt. Auf dem Programm stand die Oper Nabucco von Giuseppe Verdi. Für die Saison 2014/15 sind weitere zehn Übertragungen geplant. Den Anfang macht die Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauss zum Jahreswechsel.

Samsung packt natives Material auf die 500 GB der externen Festplatte und vertreibt sie als UHD Video Pack meist im Bundle mit einem UHD-TV.
Vergrößern Samsung packt natives Material auf die 500 GB der externen Festplatte und vertreibt sie als UHD Video Pack meist im Bundle mit einem UHD-TV.
© Samsung

UHD über die Festplatte

Wie hoch der Druck ist, möglichst schnell für nativen Ultra-HD-Inhalt zu sorgen, zeigen die Gerätehersteller Sony und Samsung. Beide Unternehmen liefern auf Wunsch den super fein aufgelösten Inhalt auf Festplatte mit zum UHD-Gerät. Doch während Sonys Festplattenspieler FPM-X1 nur in den USA erhältlich ist, legt Samsung das UHD Video Pack den aktuellen 4K-Fernsehern bei. Auf der externen Platte mit USB-3.0-Anschluss finden Sie acht Hollywood-Spielfilme wie beispielsweise World War Z oder auch ältere Filme wie Forrest Gump. Dazu gibt es noch 32 Dokumentationen. Die Platte ist mit allen Samsung-UHD-Modellen des Jahres 2014 kompatibel. Für die älteren TV-Generationen benötigen Sie einen aktuellen Evolution Kit, um das Fernsehgerät auf den aktuellen technischen Stand zu bringen – Kostenpunkt: 300 Euro. Außerdem müssen Sie UHD Video Pack für rund 300 Euro extra erwerben. Laut Herstellerhinweis ist es mit Ultra-HD-TVs anderer Hersteller nicht kompatibel.

Ultra-HD auf Blu-ray

Auf Ultra-HD-Inhalte auf einer Blu-ray-Scheibe müssen wir noch bis Ende 2015 warten, obwohl eigentlich bereits für Ende dieses Jahres die ersten optischen Datenträger für natives 4K angekündigt waren. Die Blu-ray Disc Association begründet die Verzögerung mit Qualitätsnachbesserungen. So soll das endgültige Medium ein erweitertes Farbspektrum und einen HDR-Layer (High Dynamic Range) bieten. Der höhere Dynamikumfang bewirkt mehr Details in dunklen Bildbereichen. Der größere Farbraum (BT.2020) soll siebzig bis achtzig Prozent des sichtbaren Farbspektrums abdecken. Bei bisherigen Blu-ray-Medien mit BT.709 liegt der Anteil bei dreißig bis 35 Prozent. Aktuelle Fernseher bieten HDR allerdings noch nicht. Die ersten Geräte mit der Technik werden für Anfang 2015 erwartet. Mit einem herkömmlichen Player lassen sich die Scheiben nicht abspielen. An einer Neuanschaffung kommen Sie daher nicht vorbei. Auch entsprechende Geräte wird es erst Ende 2015 geben. Sie sollen 4K Blu-rays dann mit 60 Hertz Bildwiederholrate wiedergeben. Die Scheiben selbst sollen weiterhin mit einer Kapazität von 50 GB auskommen, da das aufgespielte Material HEVC-kodiert sein wird. Perspektivisch sind aber auch Medien mit 100 GB Kapazität denkbar.

Das muss Ihr Ultra-HD-Gerät mitbringen

Wer sich derzeit überlegt, ein UHD-Gerät wie etwa einen Fernseher oder Beamer zuzulegen, muss neben der Auflösung von 3480 x 2160 Pixeln beachten, dass das Gerät die drei „Hs“ beherrscht.

HEVC: Das Kürzel steht für „High Efficiency Video Codec“. Der Codec ist auch als H.265 oder MPEG-H Teil 2 bekannt. Damit lassen sich Videos ohne Qualitätsverlust im Idealfall doppelt so effizient wie mit dem Vorgänger H.264 komprimieren. Den Standard nutzen etwa Fernsehsender oder Video-Streaming-Dienste, um Ultra-HD-Inhalte zu übertragen, da sie eine höhere Bandbreite belegen als Full-HD-Inhalte. Die Empfangsgeräte benötigen zum Entschlüsseln der Signale einen HEVC-Decoder. Ist dieser nicht vorhanden, können sie mit den Videos schlicht nichts anfangen und zeigen sie nicht an.

Orientierungshilfe: UHD-Logo
Vergrößern Orientierungshilfe: UHD-Logo
© Digital Europe

HDMI 2.0: Das High Definition Multimedia Interface ist die beliebteste Schnittstelle zum Anschließen von Playern, Konsolen oder Receivern an ein Bildausgabegerät. Für die Übertragung von Ultra-HD-Inhalten mit einer Bildwiederholrate von 60 Hertz steht die Version 2.0. Sie erlaubt die dafür nötige Bandbreite von 18 GBit/s. Im Gegensatz dazu ist bei der Vorgängerversion 1.4a bei 10,2 Gbit/s Schluss. Die 60 Hertz Bildwiederholrate ist für die ruckelfreie Darstellung von schnellen Bewegungen wichtig – etwa bei Sportübertragungen oder schnellen Kameraschwenks in Filmen. Ein entsprechender Receiverchip muss dafür im Bildwiedergabegerät eingebaut sein. Gleichzeitig ist HDMI 2.0 voll abwärts kompatibel. Auch die herkömmlichen Kabel lassen sich weiter nutzen.

HDCP 2.2: High-bandwidth digital Content Protection ist ein Kopierschutz, auf den in der Version 2.2 in erster Linie Hollywoodstudios Wert legen. Er wurde notwendig, da die Vorgängerversion geknackt war. Inhalte in Ultra-HD sind nun mit dem neuen Kopierschutz versehen, der sie vor Missbrauch schützt. Allerdings beherrschen nicht alle UHD-Geräte automatisch HDCP 2.2, auch wenn sie HDMI 2.0 mitbringen. Besonders die Fernsehergenerationen des letzten Jahres können nicht immer damit umgehen. Die Folge: Der Schirm bleibt schwarz, da der Handshake zwischen Sender und Empfänger nicht funktioniert. Daher lohnt es sich unbedingt, die Spezifikationen nach HDCP 2.2 zu checken, bevor Sie sich für ein UHD-Gerät entscheiden.

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