Gerade diese Segmentierung ist ein Grund, warum Schmitt den Einsatz von VLANs empfiehlt: "Sie erhöhen nicht nur die Sicherheit, sondern begrenzen Störungen auf ein Netzsegement." So blieben beispielsweise Broadcast-Stürme auf ein virtuelles LAN-Segement begrenzt und zögen nicht die gesamte Infrastruktur in Mitleidenschaft.
Allerdings bergen die VLANs in Kombination mit dem Spanning Tree Protocol (STP) auch eine Gefahr. Wie D-Link-Mann Schmitt aus der Praxis weiß, kommt es durchaus vor, dass das STP ein VLAN deaktiviert, wenn es um Redundanzen zu vermeiden eine physikalische Netzverbindung abschaltet. Auf den ersten Blick erschient dieses Phänomen unverständlich, doch die Erklärung fällt einem wie Schuppen von den Augen, wenn man sich das theoretische Konzept hinter STP verdeutlicht. Ursprünglich wurde STP entwickelt, um in geswitchten Umgebungen zwei sich widersprechende Anforderungen zu realisieren: Zum einen die Vermeidung mehrfacher Netzpfade zum Ziel, um eine Verdoppelung der Datenpakete zu verhindern; zum anderen die gleichzeitige Redundanz der Netzpfade; um beim Ausfall einer Strecke eine alternative Verbindung zu haben.
Genau diese Steuerung übernimmt STP beziehungsweise das Rapid Spanning Tree Protocol (RSTP) als neuere Variante. Hierzu kommunizieren die Switches über das Bridge-Protokoll miteinander. Zuerst wird eine sogenannte Root Bridge bestimmt, die das Oberkommando übernimmt und Startpunkt des Verbindungsbaumes (Tree) ist. Root wird normalerweise die Bridge mit der niedrigsten ID, die sich aus Priorität und MAC-Adresse ergibt. Existieren redundante Wege, so nehmen die Switches den Port mit den geringsten Pfadkosten zur Root Bridge und deaktivieren die anderen Ports, darunter eventuell auch ein VLAN.
Zudem weist das Konzept, sieht man einmal von Umschaltzeiten von bis zu 30 Sekunden ab (RSTP etwa eine Sekunde), im Fall einer Störung noch zwei andere gravierende Nachteile auf: kommt etwa ein neuer Switch in das Netz, dann kann dieser eventuell aufgrund seiner ID die Aufgabe der Root Bridge automatisch übernehmen und die ursprünglichen Verbindungszuordnungen stimmen nicht mehr, was zu Performance-Problemen führen kann. Ebenso kann es passieren, dass bei einem Ausfall ein Switch die Root-Bridge-Funktion übernimmt, der so ungünstig positioniert ist, dass das Netz zusammenbricht. Eine weitere Gefahr stellen in gewachsenen Netzen neue, ergänzende Kabel dar, die womöglich die Struktur des Spanning Trees zerstören, da sich keine eindeutigen Pfadkosten berechnen lassen.
Angesichts dieser Fallstricke rät Praktiker Schmitt, "den Spanning Tree nicht sich selbst zu überlassen, sondern etwa für einen Ausfall eine Ersatz-Root-Bridge selbst festzulegen." Wer mit VLANs arbeitet, sollte zudem überlegen, ob er nicht mit dem Multiple Spanning Tree Protocol (MSTP) arbeitet. Dieses wird den Anforderungen der VLANs besser gerecht, da es in einem LAN mehrere Instanzen des Spanning Tree erlaubt. Für Anwender, die mit Hilfe des Spanning Tree einen Ring zur Erhöhung der Ausfallsicherheit nachbilden wollen, hat Schmitt noch einen anderen Ratschlag: Statt auf STP oder RSTP zu setzen, empfiehlt er herstellerspezifische Verfahren - bei D-Link etwa das Rapid Ethernet Ring Protection (RERP) - zu verwenden, da diese teilweise mit Umschaltzeiten von 200 Millisekunden aufwarten und die spezifischen STP-Nachteile nicht haben.
Kommt es zu Engpässen im Backbone oder bei Serveranbindungen, stellt sich häufig die Frage nach einem Upgrade auf 10 Gigabit Ethernet. Doch dies ist teuer, so dass viele Unternehmen die Investition scheuen und die entsprechenden Verbindungen am Anschlag fahren. Dabei gibt es eine Alternative: Mit Hilfe des Trunking, also dem parallelen Benutzen von 1 Gigabit/s-Verbindungen, kann die Bandbreite auf diesen Strecken erhöht werden. Üblich sind heute Trunks mit bis zu acht parallelen Verbindungen, was einer Bandbreite von 8 Gigabit/s entspricht. Beim Trunking wird allerdings gerne, wie Schmitt aus seiner Hotline-Praxis weiß, Potenzial verschenkt: "Das Trunking kann nicht nur zur Performance-Steigerung, sondern auch zur Erhöhung der Redundanz genutzt werden." Das Stichwort lautet hier Cross Trunking. Hierbei werden die Ethernet-Kabel etwa zwischen zwei Stacks (Zusammenschluss mehrerer Switches zu einem logischen Switch) nicht parallel sondern über Kreuz zwischen den einzelnen Geräten geschaltet, um so bei einem Ausfall möglichst geringe Beeinträchtigungen zu haben.
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