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Fedora 20 ist wieder Avantgarde

24.04.2014 | 11:31 Uhr |

Große Änderungen, meist unter der Oberfläche, machen Fedora wieder zum Vorreiter unter den Linux-Systemen. Die Umbauten machen auch vor gewohnten Systemkomponenten nicht Halt.

Während die letzte Version von Fedora auf Detailverbesserungen bedacht war, zeigt sich Fedora 20 wieder gewohnt experimentierfreudig und legt eine Reihe ambitionierter Neuerungen vor, die auch einen Abschied von alten Bekannten bedeuten.

Die vom Linux-Vorzeigeunternehmen Red Hat gesponserte Distribution, die mit Fedora 20 zehn Jahre Entwicklung markiert, tut einen ihrer größten Schritte. Änderungen, die andere Linux-Systeme über mehrere Versionen dehnen, bringt Fedora, das als Vorstufe zu Red Hat Enterprise Linux dient, in einem Satz.

Der Anlauf dazu dauerte wieder etwas länger, und die vorliegende Version erschien Ende 2013 mit einer beinahe traditionellen Verspätung von drei Wochen. Wie immer dienten die Verzögerungen der verlängerten Bug-Suche und Fehlerkorrektur. Denn trotz anspruchsvoller Änderungen und Neu-Entwicklungen ist Fedora keine Experimental-Distribution, sondern hat den Anspruch, ein stabiles Desktop-System zu liefern, das Anwender mit durchschnittlichen Linux-Kenntnissen nicht vor unlösbare Aufgaben stellt.

Gnome Classic: Ganz traditionell gibt sich Gnome 3.10 in der Classic-Session (Paket „gnome-classic-session“), das Shell-Erweiterungen für Taskleiste und Menü mitbringt.
Vergrößern Gnome Classic: Ganz traditionell gibt sich Gnome 3.10 in der Classic-Session (Paket „gnome-classic-session“), das Shell-Erweiterungen für Taskleiste und Menü mitbringt.

Standard-Desktop Gnome 3.10.2

Als Oberfläche nutzt Fedora Gnome 3 in Version 3.10.2. Im oberen Panel fasst Gnome seine Statusmenüs jetzt in einem einzigen ausklappenden Menü rechts oben zusammen, das kompakte Symbole statt Beschriftungen zeigt. Die klassischen Gnome-Anwendungen wie der Dateimanager Nautilus haben eine Fensterleiste bekommen, die auch im Vollbildmodus wieder Schaltknöpfe zum Schließen und Minimieren anzeigt. Was sofort auffällt, ist ein geändertes Schriftbild, das dickere, aber an den Rändern weichere Fonts zeigt. Ändern lässt sich diese Einstellung weiterhin nur über das optional nachinstallierbare gnome-tweak-tool über „Schriften -> Hinting“.

Wer mit Gnome 3 weiterhin nichts anfangen kann oder will, bekommt in Fedora eine ganze Palette anderer Arbeitsumgebungen geboten: Fedora 20 bietet über den Paketmanager auch KDE 4.12.2, XFCE 4.10, Mate 1.6 und das schlanke LXDE, jeweils in leicht installierbaren Paketgruppen inklusive allen wichtigen Anwendungen.

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Neues in der Software-Auswahl

Als Paketmanager dient eine überarbeitete Version von Gnome Software, die sich auch um Aktualisierungen kümmert. Paketaktualisierungen übernimmt Fedora 20 beim Systemneustart, um Versionskonflikte bei laufenden Anwendungen zu vermeiden. Der neue grafische Paketmanager sortiert das Software-Angebot jetzt nach Anwendungen und nicht nach einzelnen Paketen, so wie dies auch das Ubuntu Software Center vormacht. Auf der Kommandozeile steht mit yum auch der herkömmliche Paketmanager bereit. Die Gnome-Version von Fedora liefert im Standardrepertoire unter anderem Libre Office 4.1.4, Firefox 26 als Browser, als Mail-Client Evolution. Rhythmbox 3.0.1 dient als Audioplayer, während sich Totem 3.10 um Videos kümmert. Wie immer ist Fedora streng auf Open-Source-Software bedacht, und Codecs für patentrechtlich geschützte Formate fehlen zunächst. Diese liefert das externe Repository von RPM Fusion nach. 

Der Kernel des Live-Systems ist mit Version 3.11 nicht die neueste Version, in den Paketquellen liegt aber bereits der Kernel 3.12, der beim ersten Update installiert wird. Fedora bleibt dabei seiner Eigenheit treu, große Versionssprünge bei installierten Systemkomponenten auch innerhalb einer Ausgabe zu machen.

Geht online: Gnome 3.10.2 präsentiert bei der ersten Anmeldung wieder einen Dialog, um Cloud-Dienste von Google bis Owncloud einzubinden. Dieser Schritt ist aber optional.
Vergrößern Geht online: Gnome 3.10.2 präsentiert bei der ersten Anmeldung wieder einen Dialog, um Cloud-Dienste von Google bis Owncloud einzubinden. Dieser Schritt ist aber optional.

Im Inneren: Umfangreicher Umbau

Unter der Oberfläche brodelt es wie in einem Reagenzglas über dem Bunsenbrenner: Ein Message Transfer Agent (MTA) wie Sendmail, der Mails an Benutzerkonten liefert, ist nicht mehr vorinstalliert. Auch die Verwaltung des Systemlogs bricht mit alten Gewohnheiten: Ab jetzt kümmert sich statt syslogr der Init-Daemon Systemd um das Systemprotokoll, das jetzt Journal heißt und in der Kommandozeile mit dem neuen Tool journalctl betrachtet und verwaltet wird. Fedora 20 startet ohne Syslog und Sendmail wieder eine Spur schneller, was auch am einem reduzierten, in der Vorgängerversion eingeführten Initramfs liegt. Diese initiale Ramdisk, in der Linux-Systeme Scripts und Treiber zum Systemstart unterbringen, wird bei Fedora während der Installation für die gefundene Hardware maßgeschneidert.

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Voraussetzungen und Installation

Der Speicherhunger von Gnome 3.10.2 ist in Fedora 20 deutlich größer geworden: Schon nach dem Systemstart sind ohne gestartete Programme satte 700 MB RAM belegt. 1 GB Speicher ist deshalb das absolute Minimum. Installiert benötigt das System 3,5 GB auf der Festplatte, wobei dann es dann noch nicht mit zusätzlichen Anwendungen ergänzt wurde. Um die Installation kümmert sich das seit Fedora 18 neu gestaltete Anaconda, das weiterhin seinen eigenwilligen Partitionierer nutzt, der jetzt aber immer schneller und problemloser arbeitet.

Fazit: Ein Bruch mit Gewohnheiten

Fedora 20 ist ein ideales System für Anwender, die einen Blick in die mögliche Zukunft des Linux-Desktops werfen wollen und dabei eine RPM-basierte Distributionen bevorzugen. Neben Arch Linux gilt Fedora als Trendsetter. Diese Distribution ist niemals ganz fertig und widmet sich etwa alle zwei Ausgaben größeren Änderungen. Diese Entwicklungsgeschwindigkeit hat ihren Preis: Wer Fedora als produktives System auf dem Desktop einsetzt, muss bei der Administration öfters neue Tools und Methoden kennenlernen. Viele Änderungen gehen ein paar Monate später auch in andere Distributionen ein.

Fedora wendet sich daher an Linux-Enthusiasten mit Lust am praktischen Einsatz neuer Entwicklungen. Davon abgesehen lässt Fedora 20 aber keine gefährlichen Baugruben offen und ist fit für den alltäglichen Einsatz auf dem Desktop.

Website: http://fedoraproject.org/de/ Dokumentation: http://fedoraproject.org/de/get-help

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