1837156

Fedora 19 - das kann die Linux-Distribution

18.10.2013 | 11:54 Uhr |

Die stets auf brandneue Software und frische Ideen bedachte Linux Distribution für ambitionierte Desktop-Anwender lässt es in der Version 19 namens „Schrödinger’s Cat“ etwas ruhiger angehen und kümmert sich um Detailverbesserungen.

Pünktlich ließ die aktuelle Version von Fedora nach nur fünf Monaten Entwicklungszeit die Katze aus dem Sack und zeigt sorgfältige Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger.

Nachdem es zur vorangegangenen, mit großer Verspätung veröffentlichten Version große Umwälzungen gab und ein neuer Installer präsentiert wurde, ist die jetzige Ausgabe wieder leichter verdaulich und hält sich mit großen Neuerungen zurück. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es bei Fedora 19 konservativ zugeht: Alle Desktop-Umgebungen und Programme für den täglichen Einsatz sind auf dem neuesten Stand. Viel Aufmerksamkeit haben diesmal Entwickler-Tools, Cloud-Umgebungen wie Openstack sowie Openshift bekommen, und sogar für den 3D-Druck sind neue Programme in die Software-Quellen gewandert. Wer diese spezialisierten, optional nachinstallierbaren Werkzeuge nicht braucht, bekommt einen soliden Linux-Desktop mit allen gewohnten Open-Source-Programmen für die tägliche Büroarbeit.

Fedora hat – nicht zu Unrecht – den Ruf, ein stets vorauseilendes System zu sein: Maßgebende Änderungen und frische Programmversionen nimmt Fedora vor den meisten anderen großen Distributionen auf und setzt damit oft Trends, denen andere Linux-Systeme erst Monate später folgen. Für den produktiven Einsatz als Desktop-Linux ist Fedora aber ebenfalls stabil und schnell genug. Eine der Hürden, die Fedora potenziellen Anwendern in den Weg stellt, ist die vergleichsweise umständliche Installation, da der Installer trotz kleiner Verbesserungen bei Komfort und Übersichtlichkeit mit Distributionen wie Ubuntu und Open Suse nicht mithalten kann. Für die Ersteinrichtung verlangt Fedora seinen Anwendern weiterhin ein Stück Leidensfähigkeit ab.

Installierbares Live-System: Auf Heft-DVD finden Sie die 64-Bit-Version von Fedora 19, die den Gnome-Desktop zum Testen und eine Abkürzung zum Installer zur Auswahl stellt.
Vergrößern Installierbares Live-System: Auf Heft-DVD finden Sie die 64-Bit-Version von Fedora 19, die den Gnome-Desktop zum Testen und eine Abkürzung zum Installer zur Auswahl stellt.

Große Auswahl an Desktops

Gnome, das als Standard-Desktop dient, liegt in Version 3.8.2 vor. KDE ist ebenfalls als Desktop-Umgebung in den Paketquellen vorhanden und dort bereits auf die neueste Ausgabe 4.11 aktualisiert. Daneben versorgt Fedora Anwender aber auch mit schlanken und alternativen Desktop-Umgebungen: XFCE und LXDE und der Gnome-2-Fork Mate lassen sich nicht nur nachinstallieren, sondern stehen auch in eigenen Live-Systemen bereit. Über den Paketmanager gibt es zudem die Möglichkeit, den von Linux Mint übernommenen klassischen Cinnamon-Desktop in der brandaktuellen Version 1.9.1 aus dem Entwicklungszweig einzurichten. Fedora 19 bringt damit alle Voraussetzungen mit, um sich das perfekte Desktop-System einrichten zu können.

Einbindung von Cloud-Speicher: Die Gnome-Dokumentverwaltung verbindet sich mit Online-Konten und zeigt Dokumente in Google Drive und Owncloud. Zum Öffnen und Bearbeiten dient aber weiterhin der Browser.
Vergrößern Einbindung von Cloud-Speicher: Die Gnome-Dokumentverwaltung verbindet sich mit Online-Konten und zeigt Dokumente in Google Drive und Owncloud. Zum Öffnen und Bearbeiten dient aber weiterhin der Browser.

Gnome 3.8.2

Fedora präsentiert stets das neueste Gnome, das mit Version 3.8.2 auf die harsche Kritik jener Anwender reagiert, die einen herkömmlichen Desktop mit klassischen Bedienelementen wünschen. Optional liefert Gnome nämlich wieder einen „Classic“-Modus, der die Charakteristiken von Gnome 2 mit Hilfe von Gnome-Shell-Erweiterungen nachstellt. Eine Installationsanleitung liefert der Beitrag mit Einrichtungstipps im Anschluss. Gnome will sich damit wieder attraktiv für Firmen-Desktops machen, wo Spielereien schlicht fehl am Platz sind. Fedora gilt auch als Vorstufe für Red Hat Enterprise Linux, und die kommende Version 7 soll nach den Erfahrungen in Fedora 19 diesen Classic-Modus sogar wieder als Standard enthalten. Das herkömmliche Gnome macht dagegen auf der gleichen minimalistischen Linie weiter und versetzt nun in einigen Gnome-Programmen die Menüleisten aus Programmfenstern in das obere Panel, was bisher aber nicht konsistent umgesetzt wurde. Daneben gibt es aber auch klare Verbesserungen: Der Startbildschirm reagiert nun auf die Super-Taste (Windows-Taste) und zeigt zur besseren Orientierung eine neue Kategorie von häufig gestarteten Anwendungen an. Ein Indexer macht es besonders einfach, Dokumente in die Desktop-Suchmaschine von Gnome aufzunehmen. Voreingestellt sind die Ordner „Dokumente“ und „Desktop“, beliebige Orte lassen sich in den Einstellungen unter „Suchen fi Zahnradsymbol fi Pluszeichen“ ergänzen. Für die Verbindung mit Cloud-Diensten liefert „Einstellungen fi Online-Konten“ jetzt nicht nur Verbindungseinstellungen für Google Drive und Windows Live, sondern auch für Owncloud, das als Cloud-Alternative auf dem eigenen Server stark an Popularität gewinnt. Eine Übersicht auf abgelegte Dateien in der Cloud liefert die Anwendung „Dokumente“ von Gnome 3.8.2, die allerdings einen eingebetteten Browser zur Ansicht und Bearbeitung nutzt und keine Schnittstelle auf Dateisystemebene bietet. Dafür zeigt aber immerhin die Gnome-Suche passende Titel von Dokumenten in der Cloud.

Hilfe bei der Partitionierung: Der Installer von Fedora 19 macht die Partitionierung zur Qual. Für anspruchsvollere Aufgaben ist deshalb Gparted mit im Live-System enthalten.
Vergrößern Hilfe bei der Partitionierung: Der Installer von Fedora 19 macht die Partitionierung zur Qual. Für anspruchsvollere Aufgaben ist deshalb Gparted mit im Live-System enthalten.

Neue Programme und System-Interna

Als eine der ersten Distributionen setzte Fedora auf den neuen Init-Daemon Systemd, der das alte Sytem-VInit ersetzt. Mit jedem Entwicklungsschritt übernimmt Systemd mehr Aufgaben, mit dem Ziel, den Startvorgang zu vereinheitlichen und durch Parallelisierung zu beschleunigen. Die Beschleunigung des Systemstarts ist bei einem installierten Fedora 19 tatsächlich spürbar. Dies liegt teils an den Verbesserungen von Systemd 204, aber auch an einer deutlich kleineren Ramdisk. Fedora nutzt dazu bereits seit Version 14 das schnellere Initramfs-Schema und keine herkömmliche Initrd mehr. Ab Fedora 19 wird der Inhalt der Ramdisk auf die wirklich benötigten Treiber reduziert und damit für die Hardware maßgeschneidert. Dies hat allerdings auch den Nebeneffekt, dass man bei einem Wechsel der Festplatten in ein anderes System oder bei größeren Hardware-Umbauten wie etwa einem Austausch der Hauptplatine zunächst in den Rescue-Modus booten muss, der im Grub-2-Boot- Menü von Fedora hinterlegt ist.

Einen großen Schritt in Sachen Hardware-Unterstützung macht der nachgelieferte Kernel 3.10: Wer eine neue Karte von ATI/AMD im Betrieb hat, darf sich über einen verbesserten Radeon-Treiber freuen, der jetzt auch der Serie AMD Radeon HD 7000 per 3D-Beschleunigung Beine macht. Zusammen mit dem Kernel 3.10 gibt es jetzt zudem den Unified Video Decoder (UVD), der Radeon-Chips zur Dekodierung von Videos einspannen kann.

Nachreifende Distributionen

Fedora ist bewusst als „Bananen-Software“ konzipiert – die Distribution reift beim Anwender und bekommt häufige Updates verpasst, die nicht nur Fehler beheben, sondern auch ganze Versionssprünge machen – beispielsweise von Kernel 3.9 auf 3.10 und von KDE 4.10 auf 4.11. Dies muss kein Nachteil sein, sofern man sich auf eine ruppige Anfangsphase nach der Veröffentlichung einer neuen Fedora-Version einlässt.

Hardware-Anforderungen und Installation

Die Hardware-Anforderungen von Fedora 19 sind mit Gnome 3 nicht ganz ohne: Die 32-Bit-Version verlangt mindestens nach einem Pentium-4-Prozessor oder nach einer CPU mit vergleichbarer Leistung.

In der Ausgabe für 64-Bit-CPUs verlangt Fedora 19 nach einer Intel-CPU der IA-64- Reihe oder nach einem AMD-Prozessor mit AMD-64-Unterstützung, wie sie seit 2001 verfügbar sind. Empfohlen werden mindestens 768 MB Speicher, wobei Gnome 3 aber erst ab 1 GB rund läuft. Für Gnome 3.8.2, Cinnamon 1.9.1 und Mate ist kein 3D-fähiger Grafikchip mit entsprechenden Treibern mehr nötig, aber von Vorteil, damit nicht der Hauptprozessor alle Berechnungen der Desktop-Effekte alleine stemmen muss. Open-Source- Treiber für Nvidia-Grafikkarten und Radeon-Chipsätze von ATI/AMD liefert der recht aktuelle Kernel mit, und die leistungsfähigere, proprietäre Treiberpakete der Hersteller stehen über das externe Repository RPM Fusion bereit. Dort erhalten Sie auch Codecs und Player, die den Standard-Paketquellen von Fedora aufgrund der strengen Ausrichtung auf Open-Source-Lizenzen fehlen.

Auf der Festplatte benötigt Fedora 19 je nach Umfang der nachträglich installierten Programme zwischen 4 und 9 GB Speicherplatz.

Unnötig kompliziertes Setup: Die unübersichtliche und wenig intuitive Oberfläche bei der Auswahl der Ziel-Festplatten ist und bleibt ein Kritikpunkt bei Fedora.
Vergrößern Unnötig kompliziertes Setup: Die unübersichtliche und wenig intuitive Oberfläche bei der Auswahl der Ziel-Festplatten ist und bleibt ein Kritikpunkt bei Fedora.

Fazit: Die Katze lebt

Während es im namensgebenden Gedankenexperiment des Physikers Erwin Schrödinger nicht klar ist, in welchem Zustand sich die fiktive Katze in ihrer Kiste befindet und sowohl tot als lebendig sein kann, kam Fedora 19 recht lebendig aus der Entwicklungsphase. Fedora könnte die erste Wahl für Anwender sein, die ein Desktop- System möchten, das in der Linux- Entwicklung Trends setzt, aber trotzdem stabil genug für den täglichen Einsatz ist.

Wäre da nicht der unsägliche Installer, der den Einstieg unnötig schwer macht: In Fedora 18 war der Installer noch klar im Betastadium, was als Provisorium verzeihlich ist. Einen so prominenten Teil des Systems aber über mehrere Versionen in diesem Zustand zu belassen, ist für eine Distribution von der Größenordnung Fedoras inakzeptabel. Für viele Umsteiger zählt außerdem der erste Eindruck – und der lässt bei der Einrichtung auf Festplatte weiterhin zu wünschen übrig.

Davon abgesehen ist Fedora 19 gelungen und gibt keinen Anlass zur Kritik. Wer sich von der umständlichen Installation nicht abschrecken lässt, erhält ein schnelles und sorgfältig zusammengestelltes Linux-System mit einer topaktuellen Auswahl von Programmen für fast jeden Einsatzzweck. Aufgrund der häufigen Updates ist Fedora für den produktiven Server-Einsatz nicht geeignet.

Weitere Fedora-Versionen und Spins

Fedora ist ein Vorzeigesystem für Gnome 3, da die Distributionen den neuesten Gnome-Versionen immer auf den Fersen sind. Natürlich hat das eigenwillige Gnome auch im Kreis der Entwickler und Anwendergemeinde von Fedora nicht nur Freunde. Da diese Gemeine enorm aktiv ist, gibt es jede neue Fedora-Version als installierbares Live-System auch mit anderen Desktop-Umgebungen.

Unter https://fedoraproject.org/de/getfedora-options präsentiert sie neben der üblichen Desktop-Edition mit Gnome auch Images mit KDE 4.10, mit XFCE 4.10 und auch mit dem schlanken LXDE für weniger gut bestückte PCs. Ein Neuzugang ist hier eine Version mit Mate 1.4, jener Desktop-Umgebung, die das klassische Gnome 2 als Abspaltung am Leben erhält.

Neben diesem bekannten Varianten, genannt „Spins“, gibt es auch spezialisierte Zusammenstellungen für kleinere Zielgruppen. Möglich machen dies die „Livecd-Tools“ , die einfache, script-gesteuerte Baukästen bieten, um aus den aktuellen Fedora- Paketquellen eigene Live-Systeme zu erstellen. Eine Auflistung aller Spins zu Fedora 19 findet sich auf https://spins.fedoraproject.org . Dort finden Sie unter anderem folgende maßgeschneiderte Varianten, die jeweils in 32 Bit und 64 Bit vorliegen:

Design-Suite: Der Fedora-Spin des Design-Teams bringt eine sorgfältig zusammengestellte Vorauswahl an Grafikprogrammen wie Scribus, Inkscape und der Tablet-Anwendung Xournal mit.
Vergrößern Design-Suite: Der Fedora-Spin des Design-Teams bringt eine sorgfältig zusammengestellte Vorauswahl an Grafikprogrammen wie Scribus, Inkscape und der Tablet-Anwendung Xournal mit.

Security: Das Live-System für Administratoren und Sicherheitsspezialisten bringt Analysewerkzeuge, Tools zur Datenrettung, Netzwerk-Scanner und Wireless-Tools wie Aircrack-NG, Kismet und Wavemon mit. Der Desktop ist hier Nebensache und basiert auf LXDE.

Games: Um Open-Source-Spiele dreht sich dieser Spin, der Linux-Klassiker wie Supertuxkart, Freeciv, Alienarena, Battle for Wesnoth, Flight Gear und rund 100 weitere Spiele auf einer DVD zusammenfasst. Dieses Live-System bringt den Installer für die Einrichtung auf Festplatte mit. Einige Titel wie Alienarena laufen nur gut, wenn eine 3D-fähige Grafikkarte samt Treiber vorliegt.

Design-Suite: Das Fedora-Design-Team, das sich um die Grafiken, Icons und Illustrationen rund um die Distribution kümmert, hat seinen eigenen installierbaren Spin mit einer Vorauswahl an Grafikprogrammen erstellt. Mit dabei sind Inkscape, Scribus, Xournal, Blender und natürlich Gimp.

Electronic-Lab: Für Elektrotechniker und Elektronik-Bastler hat diese installierbare Fedora-Version einen reich gefüllten Werkzeugkasten, in dem sich Simulationsumgebungen wie zum Beispiel Ngspice, Gnucap, CAD-Programme und Tools zum Projektmanagement finden.

Jam-KDE: Als Desktop dient hier KDE 4.10, und die Software-Auswahl bietet die wichtigsten Programme zur Musikproduktion aus den Fedora-Paketquellen. Enthalten sind etwa Ardour, Audacity, Qtractor, Musescore und Frescobaldi. Praktischerweise ist für möglichst niedrige Latenzen Jack als Soundserver eingerichtet, was Anwendern die manuelle Konfiguration erspart.

0 Kommentare zu diesem Artikel
1837156