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Fedora 21: Ein Update mit Richtungswechsel

25.03.2015 | 13:01 Uhr |

Nach einem Jahr Entwicklung stellt sich die Distribution neu auf und will Entwickler und Admins besser bedienen. Desktop-Anwendern bietet Fedora 21 ein neues Gnome und einen Blick auf den Wayland-Display-Server.

Um ambitionierte Neuerungen ist man bei Fedora nie verlegen. Ausgabe 21 der von Red Hat gesponserten Distribution wagt sich diesmal mit einer Vorschau auf Wayland besonders weit vor. Damit gleicht Fedora einer Glaskugel, in der sich die Zukunft des Linux-Desktops immer schon früh abzeichnet. Fedora 21 ist wieder erste Wahl für ambitionierte Anwender und Entwickler, die neueste Pakete auf dem Desktop wollen, sich aber an einigen Kanten bei der Installation nicht stören.

Neue Varianten der Distribution

Eine der der deutlichsten Neuerungen betrifft das Fedora-Projekt selbst: Weil es in den letzten Jahren in der Entwicklergemeinde Kontroversen darüber gab, ob sich Fedora in seiner Standard- Ausstattung eher für den Linux-Desktop oder für den Server-Betrieb eignen soll, teilt sich die Distribution in die drei Varianten „Workstation“, „Server“ und „Cloud“. Der Schwerpunkt liegt also nicht mehr auf dem Linux- Desktop. Stattdessen hörte man auf jene Fedora-Anwender, die diese Distribution auf Server- und auf Cloud- Instanzen laufen lassen möchten. Die Server-Variante liefert keine Desktop-Umgebung mit, installiert eine Paketauswahl, die einem Server-Betrieb entgegenkommt und startet mit restriktiveren Firewall-Regeln. Die Cloud-Variante ist auf Minimalismus getrimmt und kommt in der Basisversion auf nur mehr 100 MB: Dieser Umfang des Images macht es einfach, Fedora 21 in Cloud-Instanzen mit begrenzten Ressourcen zu installieren. Diese neue Aufteilung bedeutet jedoch nicht, dass der Desktop ab jetzt ins Hintertreffen gerät, denn mit der Workstation-Variante ist Fedora 21 immer noch auf dem Desktop zu Hause. Die neue Aufteilung ist aber der Anfang einer Neuausrichtung Fedoras, die sich über die kommenden Versionen konkretisieren wird.

Wayland lässt grüßen: Grafikchips von Intel können unter Fedora 21 eine Betaversion von Wayland nutzen, das in rund einem Jahr das X-Window-System ersetzen soll.
Vergrößern Wayland lässt grüßen: Grafikchips von Intel können unter Fedora 21 eine Betaversion von Wayland nutzen, das in rund einem Jahr das X-Window-System ersetzen soll.

Gnome 3.14 auf dem Desktop

In der Desktop-Variante „Workstation“ präsentiert Fedora ein frisches Gnome 3.14, das mit seiner überarbeiteten Oberfläche auf Hochglanz poliert ist. Sofort fallen die flüssigen, dezenten Animationen auf, von welchen das neue Gnome eifrig Gebrauch macht, ohne verspielt zu wirken. Mit einer automatischen Skalierung der Fonts kann sich Gnome 3.14 jetzt auch auf hochauflösenden Bildschirmen sehen lassen. Bei der Bedienung per Touchscreen reagieren Oberfläche und Gnome-Programme auf Mehr-Finger-Gesten, die es beispielsweise ermöglichen, mit Daumen und Zeigefinger in der Fotoverwaltung hinein- und herauszuzoomen. Als Option steht bei der Anmeldung auch wieder der Classic-Mode zur Verfügung, der die Gnome-Oberfläche über die mitgelieferten Erweiterungen zu einem traditionellen Desktop mit Taskleiste und Anwendungsmenü umbaut.

Fedora 21 installiert die typische Auswahl von Gnome-Programmen in den aktuellen Versionen. Als Mailprogramm wird Evolution mitgeliefert, als Mediaplayer ist Rhythmbox 3.1 dabei, und Shotwell eignet sich zur Organisation der Fotosammlung. Standard-Browser ist der laufend aktualisierte Firefox, und Libre Office liegt in Version 4.3.4 vor. Zur Software-Installation gibt es eine neue grafische Paketverwaltung im Stil eines App-Stores. Die Repositories sind mit mehr als 19 000 Paketen gut gefüllt, enthalten aber nur Open Source. Codecs und Player liefert das externe Repository RPM Fusion nach, das auf http://rpmfusion.org/ Configuration mit wenigen Klicks eingebunden wird.

Erste Ausblicke auf Fedora Workstation 22

Die Paketverwaltung: Gnome-Software sieht aus wie ein App-Store, lädt zum Stöbern ein und liefert für viele Programme Screenshots und Nutzerbewertungen.
Vergrößern Die Paketverwaltung: Gnome-Software sieht aus wie ein App-Store, lädt zum Stöbern ein und liefert für viele Programme Screenshots und Nutzerbewertungen.

Vorhang auf für Wayland

Als Vorreiter präsentiert Fedora 21 jetzt schon den schnellen, schlanken Display-Server Wayland zum Ausprobieren, der das gealterte X-Window-System bald ersetzen soll. Die Pakete dazu werden in der Workstation standardmäßig mitinstalliert und liefern auf dem Log-in-Bildschirm die Option „GNOME unter Wayland“. Klar, dass es sich dabei um ein experimentelles Feature handelt, das aber auf Intel- Grafikchips schon erstaunlich solide wirkt. Noch zeigen sich zwar Probleme bei der Positionierung des Mauszeigers nach dem Start, bei der der Touchpad- Unterstützung und bei der Darstellung von Sonderzeichen in Programmmenüs, dennoch scheint Wayland zum Greifen nah. Fedora 21 ist damit die erste Distribution mit einem vorkonfigurierten Wayland, das aber frühestens in einem Jahr zum Standard werden soll, wenn die verbleibenden Bugs behoben sind. Für Programme, die nur mit dem alten X-Window-System zurechtkommen, bringt Wayland die Kompatibilitätsschicht X-Wayland mit, die für einen sanften Übergang sorgt.

System hui – Installer pfui: Das Installationsprogramm macht in Fedora 21 erneut keinen ausgereiften Eindruck. Die Installation im Bios-Modus ist aber unproblematisch.
Vergrößern System hui – Installer pfui: Das Installationsprogramm macht in Fedora 21 erneut keinen ausgereiften Eindruck. Die Installation im Bios-Modus ist aber unproblematisch.

Fazit: Avantgarde mit kleinen Schwächen

Das Jahr Entwicklungszeit seit Fedora 20 war offensichtlich mit emsigen Umbauarbeiten gefüllt. Mit der Diversifizierung reagiert die Distribution auf geänderte Anforderungen an Linux- Systeme, zu welchen Fedora jetzt auch Server-Aufgaben und den Betrieb in der Cloud zählt. Der Schritt zu einem Server-System wird aber nur erfolgreich sein, wenn das Fedora-Team die Server-Ausgabe vom schnellen Entwicklungszyklus der Workstation abkoppelt: Ein Server soll schließlich über mehrere Jahre ohne große Änderungen laufen.

Als Desktop-System begeistert Fedora 21 Workstation mit knackigem Gnome und breiter Auswahl an weiteren Desktop-Umgebungen. Der Stand des Display-Servers Wayland ist jetzt schon beeindruckend, sofern die Grafik-Hardware mitspielt. Ein wunder Punkt Fedoras bleibt der unübersichtliche Installer, der weiterhin den Eindruck unausgereifter Betaware macht. Im Test ließ sich der Installer schon allein durch die Eingabe einer ungültigen Partitionsgröße zum Absturz bringen, und bei einer manuellen Partitionierung im Uefi-Modus konnte er die EFI-Boot-Partition nicht finden.

Wer ein eigenes Partitionsschema benötigt, sollte Fedora 21 besser im herkömmlichen Bios-Modus installieren. Dass bei der Installation Probleme auftreten, trübt die Begeisterung über die spannenden Neuerungen in Fedora 21. Bis die Installer-Bugs ausgebügelt sind, bleibt Fedora für Einsteiger ungeeignet.

Tipp: Fedora 21 bietet aber mehr als nur Gnome: Weitere Untervarianten der Workstation mit den Desktops KDE 4.13, XFCE 4.10, LXDE und Mate 1.8.0 finden sich zum Download auf https://spins.fedoraproject.org .

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