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Das neue Fahrrad-Navi Falk Pantera 32 im Praxistest

12.07.2013 | 10:31 Uhr |

Mit einer geradezu revolutionären Funktion hat Falk sein neues Fahrrad-Navi Pantera 32 ausgestattet. Doch hält das Premium-Gerät auch, was der Hersteller verspricht? Der PC-WELT-Praxistest zeigt es.

Vorneweg zur Klarstellung: Die beiden Fahrradnavigationsgeräte von Falk Outdoor Pantera 32 und Pantera 32+ sind im Prinzip identisch. Beide Geräte verfügen über ein 2,8 Zoll großes Farbdisplay mit Touchscreen, sind wasserdicht nach IPX 4, besitzen einen Höhenmesser, einen 3D-Kompass, einen acht GByte großen internen Speicher und eine routingfähige Karte von 19 Ländern in Europa.
Der Unterschied liegt im Funktionsumfang, denn beim 100 Euro teureren Plus-Modell (UVP 429 Euro) liegen ein Brustgurt für die Pulsmessung und Trittfrequenzsensor bei. Da aber beide Sender über den Funkstandard ANT+ an den Radcomputer gekoppelt werden, kann man auch einen Pulsgurt und einen Kadenzsensor von anderen Firmen wie Garmin oder Mio verwenden – vorausgesetzt, es handelt sich um ANT und nicht eine ältere, proprietäre Funkverbindung. Die 100 Euro Aufpreis kann man sich also gegebenenfalls sparen.

Fahrrad-Navis Falk Lux 32 und MioCyclo 505 HC im Vergleich

Vier Tage auf dem Rennrad in den Dolomiten und auf zahlreichen Touren in der Großstadt und über Land musste der Pantera 32 also zeigen, was in ihm steckt.

Geschwindigkeit, Routenanweisung, Puls und Höhenprofil sind nur einige der Funktionen, die das Fahrrad-Navi von Falk auf dem Display anzeigt.
Vergrößern Geschwindigkeit, Routenanweisung, Puls und Höhenprofil sind nur einige der Funktionen, die das Fahrrad-Navi von Falk auf dem Display anzeigt.
© Falk

 
Revolutionär: Pantera 32 wandelt Tracks in Routen um
Was also ist nun so revolutionär am neuen Falk-Navi? Das ist Funktion, die der Hersteller iGPX nennt: Dahinter verbirgt sich die Möglichkeit, einen heruntergeladenen GPS-Track direkt vom Gerät in eine navigierbare Route umwandeln zu lassen. Zwar ist das über Online-Portale wie GPSies oder Software wie Garmin Basecamp auch möglich, bequemer ist dies aber ohne Internet oder zusätzliches Tool. Wie nützlich das Umwandeln von Tracks in Routen ist, zeigt sich draußen auf jeder Tour. Während man nämlich beim Folgen eines Tracks immer das Display im Auge haben muss, ob man noch auf der richtigen Spur ist, gibt es bei der Route wie beim Navi im Auto klare Abbiegehinweise. Diese beschränken sich zwar beim Testgerät anders als beim Schwestermodell zum Wandern, dem Falk Lux 32 , auf Pieptöne, die sind aber ausreichend laut. Das Ganze bewährt sich in der Praxis hervorragend, weil man sich so voll auf Sport, Straße beziehungsweise Trail und Landschaft konzentrieren kann.

Das hätte Falk besser lösen können: Obwohl der Pantera 32 gar keinen Kartenslot besitzt, bietet der (auch für andere Geräte kompatible) Navi-Manager eine solche Kopiermöglichkeit.
Vergrößern Das hätte Falk besser lösen können: Obwohl der Pantera 32 gar keinen Kartenslot besitzt, bietet der (auch für andere Geräte kompatible) Navi-Manager eine solche Kopiermöglichkeit.

In der Praxis funktioniert es so, dann man zunächst über die kostenlose Software Falk Navi-Manager eine oder mehrere Tracks auf den Pantera überträgt – ähnlich wie man es bei jedem GPS-Gerät macht. Sobald man dann auf dem Falk-Navi über die Funktion „Übertragene Strecken“ einen Track auswählt, lässt sich der „Track in Route umwandeln, um Abbiegehinweise zu erhalten“. Eine Anmerkung zum Falk Navi-Manager ist allerdings noch angebracht: Übersichtlich ist etwas anderes! Während die Möglichkeiten der Sport- und Trainingsauswertung durchaus überzeugen, muss der Anwender beim Übertragen der Tracks aufs Gerät raten: Sollen diese nun auf den Flash-Speicher oder auf die SD-Karte. Beide Möglichkeiten bietet die Software, obwohl der Pantera gar keinen Kartenslot besitzt. Außerdem dauert das Einlesen einer Trainingseinheit mit fast einer Minute ziemlich lang.

Sitzt und hat keine Luft: Der Drehbajonett des Falk Pantera 32 wird mit zwei Kabelbindern am Lenker befestigt und hält das Navigationsgerät sicher in der Halterung.
Vergrößern Sitzt und hat keine Luft: Der Drehbajonett des Falk Pantera 32 wird mit zwei Kabelbindern am Lenker befestigt und hält das Navigationsgerät sicher in der Halterung.

 
Lux Pantera 32 ist sehr einfach zu bedienen
Mit dem Pantera stellt Falk erstmals schlankes und elegantes Navi vor – und kein „Klotz“, wie mancher das ansonsten funktional durchausüberzeugende Outdoor-Navi Lux 32 bezeichnet. Mit Außenmaßen von 10,8 x 6,2 x 1,7 Zentimetern und einem Gewicht von knapp 140 Gramm macht es auch auf einem stylischen Rennrad oder Mountainbike eine gute Figur. Der Drehbajonett-Adapter sitzt dank zweier Kabelbinder fest am Lenker, das Navi lässt sich darin in zwei Sekunden absolut sicher befestigen. Unverständlich aber ist, warum der Hersteller bei einem Preis von mehr als 300 Euro nur eine Lenkerhalterung belegt, denn viele der Pantera-Käufer dürften ihr Gerät an mehreren Rädern verwenden wollen. Falk-Geschäftsführer Lothar Hiese räumt den Mangel ein und erwägt, das Paket demnächst gleich mit einer zweiten Halterung auszuliefern. Denn bei einem Radwechsel immer die Kabelbilder abzuschneiden und neu zu montieren, ist nun einmal keine Lösung.

Sehr gut umgesetzt hat Falk einmal mehr die Bedienung: Man kann den Pantera 32 anders als manches andere GPS-Gerät wie ein Auto-Navi bedienen. Einen Blick in das im Übrigen nicht mitgelieferte, 70seitige Handbuch muss man kaum werfen, alle Funktionen erschließen sich praktisch von selbst. Dazu trägt auch die hervorragende Kurz- und Montageanleitung bei, die das Wichtigste auf wenigen Seiten und vor allem auch visuell sehr gut umgesetzt erläutert. Über die angedeuteten Wish-Gesten wissen auch wenig erfahrene Smartphone-Benutzer gleich, wie ein Touchscreen funktioniert und welche Anzeige beim Weiterblättern auf dem Bildschirm erscheint.
 
Lux Pantera 32: viele Stärken, aber ein schwaches Display
Kaum Schwächen leistet sich auch die Menüführung, der Touchscreen reagiert so, wie man sich es wünscht, wenngleich man in der kalten Jahreszeit die Handschuhe ausziehen muss, um bei der Zieleingabe die kleinen Buchstabenschaltflächen sicher zu treffen. Sehr gut bewähren sich in der Praxis auch die beiden mechanischen Tasten auf der Gehäuseoberseite, die rechte dient zum Starten und Pausieren der Track-Aufzeichnung.

Bei dunklem Himmel lässt sich die Anzeige des Pantera 32 gut erkennen. Anders sieht es bei Sonnenschein oder ähnlich schwierigen Lichtverhältnissen aus.
Vergrößern Bei dunklem Himmel lässt sich die Anzeige des Pantera 32 gut erkennen. Anders sieht es bei Sonnenschein oder ähnlich schwierigen Lichtverhältnissen aus.

Doch bei allem Lob zeigt das Falk-Navi auch deutliche Schwächen: Das betrifft insbesondere das stark spiegelnde Display, das trotz voller Beleuchtungsstärke bei Sonnenschein oder auch weiß gleißendem Wolkenhimmel im Hochgebirge kaum abzulesen ist. So lässt sich – wegen des Displays und des viel zu klein geratenen Kontroll-Icons – beispielsweise kaum erkennen, ob die Track-Aufzeichnung nun läuft oder nicht. Auch im Vergleich zu anderen neuen Rad-Navis wie dem Mio Cyclo 505 oder dem Garmin Edge 810 gibt der Bildschirm von Falk ein eher schwaches Bild ab.

Der neue Garmin Edge 810 im Praxistest

Wie steht es mit der Akkulaufzeit? Der 1.840 mAh-starke Lithium-Ionen-Akku ist im Pantera fest verbaut, kann also nicht gewechselt werden. In der Praxis sorgt er bei 40%iger-Display-Helligkeit, Dauerbeleuchtung, permanenter Navigation und Track-Aufzeichnung für knapp acht Stunden Betriebszeit – das ist guter Durchschnitt. Wechseln lässt sich die Batterie aber nicht, man muss sie am Rechner per USB oder das mitgelieferte Ladegerät wieder aufladen.
 
Navigation, Routenführung und Zusatzfunktionen
Im Test konnten Navigation und Routenauswahl durchaus überzeugen. Neben der üblichen Adresseingabe stehen viele Points of Interest – von der Berghütte bis zur Übernachtungsmöglichkeit – als Zielauswahl zur Verfügung. Außerdem wirbt Falk mit „über 3.700 Passhöhen“ in Europa, die auf dem Gerät gespeichert sind. Kooperationspartner ist – Sie lesen richtig – das Portal Quäldich.de .

Gerade auf einem engmaschigen Wegenetz im Wald kann man schon einmal eine Abzweigung verpassen. Kein Problem, denn der Pantera 32 berechnet die Route sofort wieder neu.
Vergrößern Gerade auf einem engmaschigen Wegenetz im Wald kann man schon einmal eine Abzweigung verpassen. Kein Problem, denn der Pantera 32 berechnet die Route sofort wieder neu.
© Falk

Dem Leitmotiv von Quäldich.de „Hauptsache bergauf“ muss man allerdings keineswegs folgen, denn bei der Tourplanung auf dem Pantera kann man jeweils zwischen den drei Optionen „flach“ (bevorzugt Strecken mit Steigungen von 0-4%), „bergig“ (bevorzugt Strecken mit Steigungen von 4-8%) und „neutral“ (berechnet die kürzeste Strecke zum Ziel, unabhängig von Steigungen) wählen. Einen Schwachpunkt allerdings sollte Falk beim mit dem nächsten Software-Update abändern: Diese Wahl, also zwischen flach, bergig und neutral, macht keinen Sinn bei der eingangs genannten Track-Navigation. Schließlich möchte man ja hier einer vorgegebenen Tour folgen. Zwar ist die Wahl de facto in diesem Modus inaktiv, der Benutzer wird aber dennoch gefragt und muss irgendetwas bestätigen. Und ganz fehlerfrei ist auch das Kartenmaterial nicht: So platziert der Pantera beispielsweisen den Dolomitenort Toblach in Südtirol rund 15 Kilometer südlich – aber das sind Einzelfälle.

Alle weiteren Funktionen inklusive der vielen Höhenmessfunktionen wie Höhenprofil, kumulierter, maximaler und minimaler Höhe, dem Aufzeichnen der Trainingsparameter mit Herz- und Trittfrequenz sowie Kalorienverbrauch konnten überzeugen. Neu im Pantera ist auch die Option „Rundkurs“, bei der man sich nach der Vorgabe einer bestimmten Streckenlänge oder Zeit wieder zum Startpunkt zurücknavigieren lässt. Und sehr gut umgesetzt ist schließlich die schnelle Neuberechnung der Strecke, wenn man die berechnete Route versehentlich verlassen hat: Nach wenigen Sekunden zeigt der Pantera wieder an, wo es denn nun langgeht.

Fazit: Wenn nur das Display besser wäre …
Das Fazit nach einer Woche Praxistest lautet: Das Fahrrad-Navi Pantera 32 überzeugt in fast jeder Beziehung: attraktives Design, sehr einfache Bedienung, praktische Track-Umwandlung in Routen mit Navigationshinweisen, koppelbare Sensoren für Puls und Trittfrequenz, flotter Prozessor mit überwiegend guter Routenberechnung und Streckenführung sowie mit rund acht Stunden eine durchaus tagestourtaugliche Akkulaufzeit.

Das alles funktioniert gut, kann aber über einen Schwachpunkt nicht hinwegtäuschen: das Display. Zwar lassen sich die Farbbildschirme mit Kartendarstellung was die Ablesbarkeit im Sonnenlicht angeht nie mit einem einfachen LCD-Display eines herkömmlichen Radcomputers vergleichen, aber der Falk-Bildschirm ist nochmals etwas dunkler als der seiner beiden direkten Konkurrenten Mio Cyclo 505 HC und Garmin Edge 810. Das ist insbesondere deshalb bedauerlich, weil der Pantera ansonsten ein gelungenes Gerät darstellt.

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