28.05.2013, 09:16

Ernst Lehmhofer

ACC, Lane Assist, ESC

Fahrerassistenzsysteme machen Autofahren sicherer

Eine Kamera vor dem Rückspiegel und Sensoren in der Stoßstange überwachen den Vorfeldbereich bei Volkswagen. Aber auch andere PKW-Hersteller haben ähnliche Systeme im Angebot ©VW

Von A wie Abstandswarner bis T für Totwinkelüberwachung – bis zu 20 Fahrerassistenzsysteme werkeln heute in modernen Fahrzeugen und sorgen für unsere Sicherheit. Doch wie sinnvoll sind die meist sehr teuren Zusatzausstattungen? Funktionieren sie immer und überall? Wir haben uns die wichtigsten angesehen.
Sie heißen Adaptive Cruise Control, Lane Assist oder Electronic Stability Control und sollen Autofahren sicherer machen. Für die elektronische Zusatzausstattung, die die meisten Marken zumindest in der Mittel- und Oberklasse anbieten, die aber beispielsweise Ford und Volkswagen auch schon für die Kompaktklasse zur Verfügung stellen, muss der Käufer allerdings mehrere Tausend Euro aufwenden, möchte er sein rollendes Prachtstück mit den prestigeträchtigen Helfern ausrüsten.
Im Vordergrund dieser Fahrerassistenzsysteme stehen neben Sicherheitsaspekten die Steigerung des Fahrkomforts sowie die Verbesserung der Ökonomie. Diese Systeme greifen in den Antrieb, die Steuerung oder in die Signalgebung des Fahrzeuges ein beziehungsweise warnen den Fahrer in kritischen Situationen.
„Fahrerassistenzsysteme wirken automatisch oder auf Anforderung auf die Längs- (Beschleunigen, Bremsen) und Querführung (Lenkung) des Fahrzeugs oder warnen den Fahrer auf unterschied­liche Weise (optisch, akustisch, haptisch) vor oder während kritischer Fahrsituationen“, so der ADAC. Durch Sicherheitssysteme konnten bislang zahlreiche Unfälle vermieden werden.
Der Automobilclub hat hier Zahlen von Versicherern und Forschungsinstituten eingesammelt und meldet einen Rückgang „schwerer Unfälle mit Personenschaden um 17% durch Abstandsregler, 28% weniger Auffahrunfälle mit Personenschaden durch Notbremsassistenten, 26% weniger Unfälle beim Spurwechsel durch die gleichnamigen Assistenten und sogar 49% weniger Lkw-Unfälle durch Spurverlassen auf Autobahnen durch Spurhalteassistenten“.

Gespickt mit Sensoren

Dazu ist hochgezüchtete Elektronik notwendig: Messgeber überwachen den Motor- und Fahrwerkszustand, Kameras für sichtbares Licht oder Infrarot identifizieren Personen, Fahrzeuge, Verkehrszeichen und Fahrbahnmarkierungen, Ultraschall überwacht das Einparken, während Radar und Lidar (arbeitet wie Radar, allerdings mit Laserstrahlen) für größere Entfernungen wie die Abstandsregelung eingesetzt werden.
Allerdings gibt es noch Entwicklungspotenzial. Das ist auch nicht verwunderlich, müssen die verschiedenen Assistenten doch anspruchsvolle Ausgaben meistern und in Echtzeit über zahlreiche Prozessoren und Steuergeräte über Datenleitungen wie dem CAN-Bus miteinander kommunizieren. So bezieht Audis automatische Abstandsregelung im Luxusklassemodell A8 Daten von rund 30 Steuergeräten. Im Innenraum und außerhalb des Fahrzeugs müssen zahlreiche Situationen und Objekte erkannt, klassifiziert, interpretiert und dann eingeschätzt werden – und das in Sekundenbruchteilen, teilweise bei voller Fahrt, bei allen Witterungsbedingungen und schlechter Fahrbahnmarkierung.
Die Systeme müssen erkennen, wenn plötzlich ein Fahrzeug einschert, auf Stop&Go-Verkehr in Stau-Situation richtig reagieren und genauso beim Verlust des vorausfahrenden Fahrzeugs aus dem Erfassungsbereich die richtigen Konsequenzen ziehen. Obendrein gibt es die unterschiedlichen „Könnerstufen“ des Fahrzeuglenkers – von Anfänger über defensiv, sportlich bis zu erfahren. Auch damit muss die Technik klar kommen.

Störende Faktoren

Zwar arbeiten die Hersteller ständig an der Optimierung ihrer Anwendungen, dennoch kommt es im Alltag immer wieder zu Unzulänglichkeiten, die dem Fahrzeuglenker einiges an Geduld abverlangen. Das können abrupte Beschleunigungs- oder Bremsvorgänge bei Abstandsregel­-Assistenten sein, die für wenig Komfort sorgen, aber auch zu lange und schrille Warntöne. Ausgesprochen schlecht ist es, wenn diese Faktoren den Fahrer derart nerven, dass er das System einfach abschaltet.
Ein weiterer Knackpunkt: Fehler in der Bordelektronik und Unfälle, die Sensoren in Mitleidenschaft ziehen, können richtig teuer werden. Dies hat ein ADAC-Crashtest gezeigt, in dem ein Toyota Avensis mit nur 10 km/h auf einen stehenden Audi Q7 auffuhr. Der Sachschaden beim Toyota betrug mehr als 5.000 Euro. 65 Prozent der Kosten verursachte das beschädigte Radarsystem mit dem ACC-Sensor. Der Rest fiel für die rund 16 Arbeitsstunden von Mechatroniker und Lackierer an. Dabei können die Preisunterschiede bei Radarsensoren gewaltig sein. Bei der eigentlich teuren Luxusmarke Mercedes ist ein Sensor, so der ADAC, schon für 464 Euro erhältlich. Wird ein Sensor eines Honda, Jaguar oder Toyota beschädigt, kann dies den Verbraucher dagegen schnell über 3.000 Euro kosten.
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