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Fragen und Antworten zum turboschnellen LTE

01.05.2013 | 09:18 Uhr |

Der ultraschnelle Mobilfunkstandard LTE ist in aller Munde. Wir haben die häufigsten Fragen zu der Technik gesammelt, die der mobilen Internetnutzung einen gewaltigen Schub gibt.

FRAGE: Wofür steht LTE?

ANTWORT: LTE ist die Abkürzung für Long Term Evo- lution und bezeichnet Mobilfunktechnologien der vierten Generation, weshalb auch das Kürzel 4G häufig verwendet wird.

F: Was bringt mir LTE als Anwender?

A: Sie können unterwegs das Internet oder andere Dienste so performant nutzen wie zu Hause oder in der Firma in einem WLAN. Verzögerungen sind kaum bemerkbar.

F: Welche Flächenabdeckung wird mit LTE angepeilt?

A: Bis zum Jahresende 2012 peilt beispielsweise Telefónica Deutschland eine Versorgung von 15 Prozent der Bevölkerung an. Flächendeckend wird LTE voraussichtlich im Jahr 2015 zur Verfügung stehen. Das mobile Breitbandnetz dürfte dann tatsächlich überall verfügbar sein, da hier die Frequenz von 800 Megahertz zur Verfügung steht. Aufgrund der physikalischen Eigenschaften kann ein Mobilfunksender mit 800 Megahertz weite Flächen versorgen.

F: Wird damit eine größere Flächendeckung im Vergleich zu heutigen Technologien wie UMTS oder HSPA(+) erreicht?

A: Ja, LTE ist auf Dauer die wirtschaftlichste Lösung, um ganz Deutschland mit Breitband zu versorgen. Deshalb haben die Mobilfunkanbieter auch so um die 800-Megahertz-Frequenz gekämpft, denn nur so ist die Vision von Breitband für alle und überall zu erfüllen.

F: Mit welchen Datenraten kann ich bei LTE rechnen?

A: In der Praxis sind Datenraten von bis zu 50 Mbit/s realistisch. In Versuchen wurden auch schon über 140 Mbit/s erzielt. Hierzu sind dafür aber LTE-Endgeräte der Kategorie 4 erforderlich. Im Alltag dürfte der normale Anwender solche Transferraten nur in Ausnahmefällen erzielen. Doch wichtiger als solche Leistungsdaten wird die Benutzererfahrung sein: Mit LTE ist der Anwender unterwegs so online, wie wenn er in einem WLAN zu Hause oder in der Firma surft.

F: Kann ich eine Datenrate von 50 Mbit/s überall und immer erzielen?

A: Wohl kaum. Das hängt davon ab, wie viele Anwender eine Funkzelle gleichzeitig benutzen. Außerdem spielen die Empfangsbedingungen vor Ort eine wichtige Rolle. Wir gehen von mindestens 10 bis 20 Mbit/s aus, und das beim Empfangen wie auch beim Senden von Daten. Das ist immer noch mehr als die Leistung eines gängigen DSL-Anschlusses.

F: Eignet sich LTE auf dem Land beziehungsweise in den weißen Flecken für Freiberufler und kleinere Unternehmen als Ersatz für DSL?

A: Ja. LTE stellt für viele Anwender einen Quantensprung dar. Das gilt nicht nur für das Land, sondern auch für die Randlagen der Großstädte, die häufig nur rudimentär mit DSL versorgt sind.

F: Wo liegen die Grenzen von LTE? Eignet sich die Technik beispielsweise für Cloud-Dienste oder Videokonferenzen?

A: Grundsätzlich ist LTE für alle Anwendungen geeignet, allerdings kann die 4G-Technik in bestimmten Szenarien auch an ihre Grenzen stoßen - etwa wenn in derselben Funkzelle mehrere Anwender beginnen, HD-Videos zu streamen.

F: Erübrigt sich mit LTE der Glasfaserausbau?

A: Nein. Die schnellen Verbindungen werden benötigt, um die LTE-Funkmasten ans Netz anzubinden und dadurch den Transport der großen Datenmengen zu ermöglichen. Ein weiterer Glasfaserausbau kann außerdem sinnvoll sein, um extreme Datenanforderungen im Festnetz- und Haushaltsbereich zu erfüllen.

F: Wird Cloud Computing durch LTE einen weiteren Push erleben?

A: Mit großer Sicherheit. Viele mobile Services, die der Anwender unterwegs nutzt, sind als Cloud-Dienste aufgesetzt. Und mit der Geschwindigkeit von LTE kann künftig von überall auf diese Dienste zugegriffen werden.

F: Kommt mit LTE endlich die Bundesliga auf das Handy?

A: Technisch wäre das möglich. Aber ein ganzes Bundesligaspiel auf dem kleinen Display eines Smartphones ist vermutlich eher ungenießbar. Erfolgversprechender erscheinen Zusammenfassungen mit den wichtigsten Spiel- und Torszenen.

F: Für welche Business-Anwendungen eignet sich LTE, für welche nicht?

A: Grundsätzlich eignet sich LTE für alle Anwendungen. Einschränkungen gibt es nicht beziehungsweise lediglich für Applikationen mit hohen Anforderungen an die Latenzzeit. Aber diese Einschränkung gilt ja auch für das Festnetz.

LTE und die Endgeräte

F: Können bestehende Geräte auf LTE aufgerüstet werden?

A: Nein. Der Anwender benötigt ein LTE-fähiges Gerät. Es muss zudem die entsprechenden LTE-Funkfrequenzen des Netzanbieters unterstützen.

F: Welche Geräte erfordert LTE?

A: In Sachen Smartphones entwickelt sich seit zwei bis drei Monaten ein LTE-Endgerätemarkt. So sind nun die meisten Topmodelle auch in einer LTE-Version erhältlich. Ebenso hält LTE nun bei den Tablets Einzug. Soll der schnelle Mobilfunk auf dem Notebook genutzt werden, dann sind die Surfsticks für den USB-Port eine Option. In Deutschland sind alle Surfstick-Tarife von Haus aus auch für LTE geeignet. Für den stationären Bereich, wenn LTE als DSL-Ersatz genutzt wird, eignen sich vor allem LTE-Router.

F: Wo kann ich die Geräte kaufen - im Handel oder bei den Netzbetreibern?

A: LTE-fähige Geräte können überall bezogen werden, unabhängig vom Netzbetreiber.

F: Strahlt LTE stärker als mein bisheriges Handy?

A: Nein. Für LTE gelten die gleichen Grenzwerte wie für die bisherigen GSM- und UMTS-Netze. Das gilt sowohl für die Handys als auch die Mobilfunkmasten.

F: Kann der Anwender in den LTE-Netzen mit einer besseren Sprachqualität rechnen als heute üblich?

A: Die Sprachqualität ist gleich oder besser. Momentan ist es allerdings noch so, dass das Handy bei einem Sprachanruf von LTE in das GSM-Netz wechselt. Deshalb hängt die Sprachqualität heute direkt von der Qualität des GSM-Netzes ab. Künftig wird die Sprachqualität besser, wenn die Endgeräte Voice over LTE unterstützen. VoLTE ist im Prinzip ein mobiles VoIP, so dass sich zudem neue Sprachservices wie Konferenzdienste oder HD-Calls - also besonders hochwertige Sprachverbindungen - realisieren lassen.

F: Bei LTE wird heute über GSM telefoniert. Ist es möglich, gleichzeitig Daten zu übertragen und zu telefonieren?

A: Eine Sprach- und Datenübertragung kann in GSM nicht gleichzeitig stattfinden, mit VoLTE wird das möglich sein.

F: Geht das Surfen im Internet mit LTE deutlich schneller?

A: Der Seitenaufbau im Browser erfolgt weitaus schneller. In LTE-Netzen bauen sich Seiten etwa dreimal so schnell auf wie in HSPA- oder UMTS-Netzen.

F: Kann ich LTE auch im Urlaub oder auf Dienstreisen nutzen?

A: Derzeit - Stand November 2012 - ist ein Roaming bei LTE nicht möglich. Deutschland war eines der ersten Länder, die LTE eingeführt haben. Bei unseren europäischen Nachbarn, sieht man von den skandinavischen Ländern einmal ab, ist LTE noch nicht im Regelbetrieb. Und in den USA werden andere Frequenzen genutzt, die von den Geräten für den EU-Markt meist nicht unterstützt werden. Hinzu kommt, dass die Netzbetreiber noch neue Roaming-Verträge für LTE untereinander abschließen müssen. In der Praxis ist der User heute im Ausland auf UMTS oder HSPA angewiesen.

F: Wird die Akkulaufzeit der Smartphones durch LTE negativ beeinflusst?

A: Die Akkulaufzeiten liegen in ähnlichen Bereichen wie bei UMTS und GSM. Das hängt nach wie vor davon ab, welche Dienste der User verwendet. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass sich das Verhalten der Anwender verändert. Nutzt er die hohen Übertragungsgeschwindigkeiten, um permanent Videos in hoher Qualität anzuschauen, wird sich das negativ auf die Akkuleistung auswirken. Die Hersteller versuchen dies durch den Einbau höherwertiger Batterien zu kompensieren.

Kosten und Tarife

F: Wird für LTE eine neue SIM-Karte benötigt?

A: Lediglich sehr alte SIM-Karten funktionieren mit LTE nicht - gängige Karten, die etwa mit UMTS genutzt werden, sollten funktionieren. Ist ein Umtausch erforderlich, erfolgt dieser in der Regel über die Mobilfunk-Shops der Netzbetreiber.

F: Mit welchen Tarifen kann LTE genutzt werden?

A: Derzeit ist LTE eher ein Produkt für Kunden mit sehr hohen Ansprüchen an Datendurchsatz und Qualität. In der Regel ist LTE als Zubuch-Option erhältlich und in den Toptarifen bereits integriert. Anders sieht es wiederum bei Surfsticks mit reinen Datentarifen aus. Hier ist in allen Tarifpaketen die LTE-Nutzung inbegriffen.

F: Was kostet LTE, wenn ich es als DSL-Ersatz verwende?

A: Im stationären Betrieb orientieren sich die LTE-Preise an den DSL-Tarifen. Allerdings ist das Datenvolumen, ab dem reduziert wird, niedriger. Die Betreiber müssen das tun, um eine hohe Übertragungsqualität für alle User sicherzustellen.

F: Ab wann ist LTE bei den virtuellen Netzbetreibern erhältlich, die deutlich günstiger sind?

A: Momentan offerieren die Netzbetreiber LTE nur in Kombination mit ihren Kernmarken, da LTE als Premium-Produkt gilt. Wann auch Dritte mit eigenen LTE-Tarifen starten, ist aus heutiger Sicht noch nicht absehbar.

Der Artikel stammt von unserer Schwesterpublikation Computerwoche mit Unterstützung von Telefónica Deutschland.

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