Ratgeber Netzwerk

Adern und Kabelpaare

Samstag, 22.09.2012 | 08:01 von Jürgen Hill
Ein anderer oft zu beobachtender Fehler betrifft die Nutzung der Kabel auf Etagenebene: Um Kosten zu sparen, wird ein zum Arbeitsplatz geführtes Ethernetkabel, das in der Regel aus vier Aderpaaren besteht, gleich für mehrere Dienste verwendet: Zwei Paare für das Ethernet, ein Paar für das Telefon und womöglich noch ein Paar zur Gebäudeautomation. Die Vorteile scheinen auf der Hand zu liegen. Es wird Kabel gespart, und in den Leitungskanälen entsteht keine drangvolle Enge, da nicht zwei oder drei Kabel pro Arbeitsplatz zu verlegen sind. Doch diese Sparsamkeit kann teuer werden, wenn eine Migration auf schnellere Ethernet-Standards ansteht. Während 10-Mbit/s-Ethernet noch über zwei Adernpaare definiert ist und für das 100 Mbit/s schnelle Ethernet mit 100Base-T2 sowie 100Base-TX noch zwei Normen für jeweils zwei Adernpaare existieren, erfordert bereits Gigabit Ethernet die Verwendung aller vier Paare.

Am falschen Ende spart auch, wer zu dünne Kabelquerschnitte wählt. Diese reichen zwar für Datenübertragungen via Ethernet aus, doch die Stunde der Wahrheit schlägt spätestens dann, wenn im Zuge eines VoIP- oder WLAN-Projekts die Einführung von Power over Ethernet (PoE) ansteht. Selbst wenn hier nur geringe Energiemengen (15,4 Watt bei 802.3af) übertragen werden und beim kommenden PoE-Standard 802.3at dann 60 Watt möglich sind, muss der Kabelquerschnitt groß genug sein, um eine Erwärmung der Kabel und damit eine mögliche Brandgefahr auszuschließen.

Stromsparen ist in, denn es dient nicht nur der Umwelt, sondern senkt auch die Kosten im Rechenzentrum. Doch während die Server mit viel Aufwand optimiert werden, holt sich mancher IT-Verantwortliche an anderer Stelle neue Stromfresser ins Haus - etwa mit 10-Gigabit-Ethernet über Kupfer. Die hierzu erforderliche Elektronik zum Beispiel für Fehlerkorrektur ist heute so leistungshungrig, dass sie nicht ohne Lüfter auskommt.

Das US-amerikanische Normierungsgremium IEEE erarbeitete deshalb unter der Bezeichnung " IEEE 802.3az " eine Erweiterung der Ethernet-Standards um das " Energy Efficient Ethernet ". Die Idee dahinter ist, dass ein LAN-Port nur noch dann Strom verbraucht, wenn auch wirklich gerade Daten übertragen werden. Im Leerlauf sollte er einen Energiebedarf von annähernd null Watt aufweisen. Damit hält im LAN ein Gedanke Einzug, der im Carrier-Umfeld bei den DSL-Zugängen bereits verwirklicht ist: So verfügt ADSL2/2+ genau über eine solche Stromsparfunktion , die im DSL-Modem und im DSLAM den Energieverbrauch senkt, wenn keine Daten übertragen werden, die Geräte also in eine Art Schlafmodus schickt. Beim Energy Efficient Ethernet sollen nun die Daten in möglichst kurzer Zeit mit höchster Geschwindigkeit übertragen werden. Danach soll der Port in einen Schlafzustand verfallen, wo er fast keinen Strom verbraucht. Steht eine neue Übertragung an, werden die beteiligten Kommunikations-Ports mit einem Wecksignal wieder in den aktiven Übertragungsmodus versetzt.

Im September 2010 wurde die IEEE-Norm 802.3az verabschiedet. Anwender müssen hierfür aber erst einmal kräftig investieren. Energy Efficient Ethernet funktioniert nur, wenn beide Endpunkte einer Verbindung einem Upgrade unterzogen werden - also etwa ein Switch-Port und der Netzwerk-Port eines Rechners.

Samstag, 22.09.2012 | 08:01 von Jürgen Hill
Kommentieren Kommentare zu diesem Artikel (2)
  • Navigatiko 11:46 | 06.08.2012

    WLAN stellt 90% der DSL-Nutzung dar!

    Der Artikel verkennt die Realität: die FritzBox ist das DSL-Medium mit 75% Marktabdeckung in der BRD. Verkabelung spielt in der Breite überhaupt keine Rolle. Und was das Ansehen bei Manager-Kollegen angeht kann man nur sagen ersten: was solls? Zweitens wenn über so eine wichtige Sache unter Entscheidern nicht diskutiert wird, wird mal wieder klar, warum das so eine unfähige überbezahlt Gilde ist!! Wir baden es dann aus durch unbrauchnbare, unbedienbare Produkte oder Verschwendung unser aller Geld!! :aua: Nav.

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  • Navigatiko 11:35 | 06.08.2012

    Unlogisch: EU - US--Vergleich

    Es ist nicht logisch zwischen USA und EU hinsichtlich der Störungsanfälligkeit der WLAN-Netze zu unterscheiden. Denn in den USA gibt es - richtig - wegen der Schrottbauweise in der die Masse des ausgebeuteten Volkes lebt - eine weitere Ausbreitung der Wellen. Es gibt aber ebenso - ja sogar viel mehr als hier! - ein Wohnen in Ballungssituationen, so daß dort die Störungen sogar größer währen als hier!! Allerdings dürfte eine Verkabelung in den USA schon alleine ein Blick aus dem Fenster - schlicht mittelalterliche Zustände! - Angstträume auslösen und daher versucht man dem Kabel aus dem Weg zu gehen. Nav.

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