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Elementary OS: Schicke Desktop-Optik

29.09.2014 | 12:09 Uhr |

Wenn Ihnen der Ubuntu-Desktop nicht gefällt und Linux Mint zu schlicht ist, sollten Sie sich Elementary OS ansehen, dessen Oberfläche Mac-OS X ähnelt. Das relativ schlanke System eignet sich als Standard-Desktop und als portables Komplettsystem.

Die Desktop-Optik orientiert sich bei Linux vor allem an den Vorbildern Windows und Mac-OS X. Die Ubuntu-Entwickler gehen mit Unity einen anderen Weg, was jedoch nicht jedem Nutzer gefällt und zum Erfolg von Ubuntu-Abkömmlingen wie Linux Mint oder Xubuntu beiträgt. Auch Elementary OS verwendete die bewährte Ubuntu-Basis, lasst sich aber eher von Mac-OS X inspirieren.

1. Einsatzgebiet: schlankes und schnelles Desktop-System

Elementary OS hat sich aus dem Elementary-Theme für Ubuntu entwickelt. Die Gestaltung der Icons und die Fenster-Dekoration stammen aus diesem Theme. Dazu kommen als Eigenentwicklungen der Window-Manager Gala und die auf Gnome basierende Desktop-Umgebung Pantheon. Die Absicht dahinter: Elementary OS soll dem Nutzer ein einheitliches und klares Erscheinungsbild bieten und dazu auch noch flüssig laufen. Diese Aufgabe erfüllt Elementary OS – und das macht es auch für schnellere USB-Medien attraktiv.

Schneller per Tastatur: Über „Systemeinstellungen -> Tastatur“ lassen sich die aktuell konfigurierten Tastaturkürzel ermitteln und bei Bedarf auch ändern.
Vergrößern Schneller per Tastatur: Über „Systemeinstellungen -> Tastatur“ lassen sich die aktuell konfigurierten Tastaturkürzel ermitteln und bei Bedarf auch ändern.

2. Desktop: reduziert und übersichtlich

Elementary OS zeigt auf dem Desktop zwei bestimmende Elemente. Am oberen Bildschirmrand gibt es ein Panel, ähnlich wie bei Gnome-Shell beziehungsweise Gnome 2. Nach Klick auf „Anwendungen“ öffnet sich ein Menü, das die Icons der installierten Software zeigt. Eingaben in das Suchfeld filtern die Liste entsprechend dem Suchbegriff. Über das zweite Icon oben links schalten Sie in die Kategorien-Ansicht um, die Rubriken wie „Büro“ oder „Internet“ zeigt. Im rechten Teil des Panels sind die Symbole etwa für die Lautstärkeregelung und das Netzwerk untergebracht. Am unteren Bildschirmrand zeigt Elementary OS ein Dock, wie man es von Mac-OS kennt. Es dient als Programmstarter und Taskleiste. Wenn Sie ein Programm starten, taucht das zugehörige Icon im Dock auf. Ein Klick darauf minimiert die Anwendung oder stellt das Fenster wieder her. In der Titelleiste der Fenster gibt es nur die Schaltflächen „Schließen“ und „Vollbild“. Der Desktop selbst ist ohne Funktion: Es gibt kein Kontextmenü, und Sie können weder Programmstarter noch Ordner oder Dateien ablegen. Im Q&A von Elementary OS heißt es dazu „This feature is by design.“ und weiter „Probieren Sie es aus. Sie werden die Desktop-Icons nach einiger Zeit nicht mehr vermissen“.

Gewöhnungsbedürftig ist ferner, dass bei Standard-Software wie Dateimanager, Browser oder Kalender die Menüs fehlen. Wenn vorhanden, erreichen Sie Einstellungen oder Programmfunktionen über das Zahnrad-Icon am rechten Rand. Ansonsten steuern Sie das Programm über Icons in der Symbolleiste oder das Kontextmenü. Programme wie Firefox oder Libre Office zeigen ihre Menüs dagegen wie gewohnt unter der Titelleiste.

Die wichtigsten Tools für ein sparsames Linux

Alternative Ansicht: Wenn die Option „Als Spalten anzeigen“ gewählt ist, zeigt der Dateimanager von Elementary OS Ordner und Dateien in zwei Spalten nebeneinander an.
Vergrößern Alternative Ansicht: Wenn die Option „Als Spalten anzeigen“ gewählt ist, zeigt der Dateimanager von Elementary OS Ordner und Dateien in zwei Spalten nebeneinander an.

3. Praxis: Tipps zu Elementary OS

Das Setup entspricht dem bewährten Ubiquity von Ubuntu. Für die Installation auf USB wählen Sie unter der Installationsart die Option „Etwas anderes“ und wählen dann das USB-Zielgerät. Im laufenden System sollten Sie zuerst die „Systemeinstellungen“ über das Icon im Dock aufrufen und auf „Sprachen“ klicken. Das System erkennt die unvollständig installierte deutsche Sprachunterstützung und bietet die Installation der nötigen Pakete an.

Neue Programme erhalten Sie über das Software-Center, das ebenfalls von Ubuntu stammt. Sie werden wahrscheinlich gleich einige zusätzliche Programme wie Firefox oder Libre Office einrichten wollen, denn standardmäßig enthält Elementary OS nur wenige Anwendungen. Der mitgelieferte Browser Midori läuft zwar relativ flüssig, spielte bei unseren Tests jedoch beispielsweise keine Youtube-Videos ab. Wenn Sie den Flash-Player benötigen, müssen Sie aber ohnehin Firefox nebst „Adobe Flash-Erweiterung für Mozilla“ installieren. Das vorinstallierte Mailprogramm Geary Mail bietet nicht den Funktionsumfang etwa von Thunderbird, kann jedoch mit seiner übersichtlichen Oberfläche punkten.

Dock konfigurieren: Über das Kontextmenü eines Icons können Sie per Klick auf „Im Dock behalten“ eine Anwendung entfernen. Haben Sie ein Programm gestartet, das bisher nicht im Dock vorhanden ist, nehmen Sie es über „Im Dock behalten“ auf. Die Reihenfolge der Icons lässt sich per Drag & Drop ändern. Das Kontextmenü der Dock-Icons bietet je nach Anwendung unterschiedliche Einträge. Beim Browser Midori tauchen hier beispielsweise „Neuer Tab“ und „Neues Fenster auf“.

Tricks mit Fenstern: Wenn Sie ein Fenster an den oberen Bildschirmrand ziehen, wird es auf Vollbild vergrößert. Ziehen Sie es dagegen an den linken oder rechten Rand, nimmt es die Hälfte des Bildschirms ein. Viele Aktionen sind auch über Tastaturkürzel möglich. Welche das sind, erfahren Sie in den „Systemeinstellungen“ nach einem Klick auf „Tastatur“. Ein Tastenkürzel lässt sich ändern, indem Sie einen Eintrag anklicken und die gewünschte Tastenkombination drücken.

Die Shortcuts sind mit den Symbolen einer Mac-Tastatur versehen. Der Pfeil nach rechts steht für die Alt-Taste, wie in der Rubrik „Fenster“ bei „Beenden“ (Alt-F4). Das Propeller-Symbol steht für die Windows-Taste, etwa bei „Maximierung umschalten“ (Win-Pfeil-Oben). Mit Win-Pfeil-Rechts wechseln Sie zur nächsten virtuellen Arbeitsfläche und mit Win-Pfeil-Links wieder zurück. Ein Fenster lässt sich mit Shift-Win-2 auf die zweite Arbeitsfläche bewegen und mit Shift-Win-1 auf die erste. Win-A liefert eine Übersicht aller geöffneten Fenster, Win-W eine der gerade aktuellen Arbeitsfläche.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 5/2014

Zehn Top-Systeme für den USB-Stick - der Linux-Multiboot-Stick für jeden Einsatzzweck, die besten Power-Tricks für Mint 17 - das und mehr finden Sie in der neuen LinuxWelt 5/2014 .

Dateimanager effektiv nutzen: Sie rufen den Dateimanager (pantheonfiles) im Menü über „Dateien“ auf. Er unterscheidet sich auf den ersten Blick kaum von Ubuntus Nautilus. Die Navigation erfolgt jedoch mit Einfachstatt Doppelklick, und es gibt andere Ansichtsoptionen. Standardmäßig ist „Als Raster anzeigen“ aktiv, und Sie sehen große Icons. Über die Schaltfläche „Als Liste anzeigen“ in der Symbolleiste wechseln Sie in den oft übersichtlicheren Listenmodus. Die dritte Schaltfläche im Trio heißt „Als Spalten anzeigen“. Ordner oder Dateien erscheinen dann jeweils in zusätzlichen eigenen Spalten.

Kopieren, Ausschneiden und Einfügen funktioniert über die üblichen Hotkeys Strg-C, Strg-X und Strg-V. Sie können ein Element auch mit der rechten Maustaste in ein anderes Fenster des Dateimanagers ziehen. Dann erscheint ein Menü mit den Optionen „Hierher verschieben“, „Hierher kopieren“ und „Verknüpfung erstellen“.

Steckbrief Elementary OS

Einsatzgebiet: komplettes Desktop- System mit Fokus auf Optik und einfacher Bedienbarkeit
Zielgruppe: alle Anwender
Varianten: 32 und 64 Bit
Systemanforderungen: moderat, CPU ab 1 GHz, ab 512 MB RAM und 5 GB Festplattenspeicher
Desktop: Gnome 3.4 mit Desktop-Umgebung  Pantheon
Download: http://elementaryos.org , 710 MB (64 Bit) und 680 MB (32 Bit)
Dokumentation: http://elementaryos.org/docs/user-guide (englischsprachig)

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