27.12.2007, 12:55

Stephan Lamprecht

Desktop Environment

Ein Blick unter die Oberfläche: Die Architektur

Während Plasma und die neuen Anwendungen das unmittelbar sichtbare Zeichen der Umwälzungen in KDE 4 sind, spielen sich weite Teile unsichtbar für den Nutzer unter der Oberfläche ab. So wurde eine neue Schnittstelle namens Solid geschaffen, die allen KDE-Anwendungen zur Verfügung steht und die Kommunikation mit der Hardware übernimmt. Das soll Entwicklern künftig die Arbeit erleichtern, wenn es etwa darum geht, Statusinformationen über die Hardware zu abzufragen.
Eine zweite grundlegende Änderung betrifft die interne Kommunikation der Anwendungen. Bisher kommunizierten die Programme miteinander über das so genannte DCOP-Protokoll. Wer sich in die entsprechende Scriptsprache eingearbeitet hat, ist damit sogar in der Lage, KDE-Programme von der Konsole aus fernzusteuern. Diese Lösung hatte nur einen wichtigen Nachteil. Nicht für KDE geschriebene Programme blieben diese Möglichkeiten verschlossen.
Unter KDE 4 zieht auch hier die Zukunft ein: DCOP wird durch D-Bus ersetzt. An dessen Spezifikationen haben nicht nur KDE-Entwickler mitgearbeitet, sondern auch Mitglieder aus dem Team um Gnome. Damit stehen die Chancen gut, dass das Problem der mangelnden Kommunikation einer Anwendung im jeweiligen anderen Desktop-Umfeld gelöst ist. Anwender, die selbst Scripts geschrieben haben, die DCOP einsetzen, müssen die DCOP-Aufrufe nun durch äquivalente Aufrufe in D-BUS ersetzen. Das ist aber keine größere Herausforderung, da sich die Funktionsaufrufe stark ähneln.
Unter der eigentlichen Oberfläche wird sich auch ein Wandel bei den Multimedia-Programmen vollziehen. Bislang setzte KDE auf den Soundserver Arts, der allerdings gelegentlich Probleme verursachte. Nachdem die Weiterentwicklung dieses wichtigen Bausteins zweifelhaft schien, da sich kein Maintainer mehr fand, kommt in KDE 4 die Multimedia-Architektur Phonon zum Einsatz. Phonon stellt den KDE-Programmen eine einheitliche Multimedia-Schnittstelle zu jenen Tools zur Verfügung, die dann die eigentliche Wiedergabe der Dateien übernehmen, etwa Xine für die Wiedergabe von Videos.
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