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Sparen mit Virtualisierung

Virtualisierung ist das Next Big Thing der IT-Branche und verheißt Kostensenkung, höhere Verfügbarkeit sowie zentrale Verwaltung. Es lauern aber Fallstricke, an denen auch Green-IT-Projekte scheitern können.

Von Sven Ahnert

Die Konsolidierung des physischen Server-Wildwuchses auf wenige leistungsstarke Virtualisierungshosts verspricht neben der Einsparung von Hardware und Platz auch vereinfachte Administration sowie neue Funktionen für Hochverfügbarkeit und Desaster-Recovery. Zudem führt die Virtualisierung zu einem deutlich geringeren Energiebedarf (Stichwort: Green IT), was gerade heutzutage eine – nicht nur in Sachen Kosten – wichtige Rolle spielt. Neben XEN , Parallels oder Microsofts Hyper-V bietet Marktführer Vmware mit der Virtual Infrastructure 3 derzeitig die ausgereifteste Virtualisierungslösung.

So verwaltet Vmwares Management-Software Virtual Center ganze Farmen von Hosts mit Hunderten virtuellen Maschinen (VM) in einer einheitlichen Konsole. Dies ermöglicht die zentrale Bedienung aller Gastsysteme inklusive Lastauswertung, Überwachung und Automatisierung. Die Funktionen Vmware High Availability (HA) und Distributed Resource Scheduler (DRS) sorgen für automatisches Failover bei Hardware-Ausfällen und für selbstständiges Load-Balancing zwischen den Virtualisierungshosts. Vmware Consolidated Backup sichert Gastsysteme im laufenden Betrieb direkt vom SAN, und Vmware Update Manager kümmert sich um eine zentrale Patch-Verwaltung der Systeme. Schließlich migriert Vmware VMotion Gäste unterbrechungsfrei von einem Host auf den anderen, etwa für Wartungsarbeiten oder zum Lastausgleich.

Bei all diesen Vorteilen ist es kein Wunder, dass der aktuelle Hype um Server-Konsolidierung schnell zum überhasteten Start eigener Virtualisierungsprojekte führt. Hinzu kommt ein gewisser Druck des Managements, die oft zitierten positiven Auswirkungen, allen voran Kostenersparnisse, schnell umzusetzen. Es ist jedoch ein komplexes Vorhaben, alle Systeme in kürzester Zeit zu virtualisieren. Fehlende Erfahrung führt schnell zu unvorhergesehen Problemen. Genaue Planung und Kenntnis der wichtigsten Konzepte und Fehlerquellen sind Grundvoraussetzung, um die erwarteten positiven Effekte zu realisieren.

Virtualisierung erfordert Umdenken

Virtuelle Infrastrukturen erfordern das Umdenken der IT-Verantwortlichen, die das Thema häufig noch als reines Server-Problem wahrnehmen. Jedoch genügen Kenntnisse zur Bedienung der Server-Hosts alleine nicht mehr. Auch fundierte Erfahrung in den Bereichen Netzwerk und Storage sind zwingend notwendig, da der Administrator einer virtuellen Infrastruktur mit Begriffen wie VLANs, Trunking und Multipathing konfrontiert wird.

Weiterhin ist Wissen zu den unterschiedlichen Gast-Betriebssystemen notwendig, denn der Linux-Server, der bisher unbemerkt im Intranet der Marketing-Abteilung arbeitete, läuft jetzt als virtuelle Maschine im Verantwortungsbereich des Admins.

In größeren Umgebungen ist das notwendige Zusammenspiel der einzelnen Fach-Abteilungen wichtig. Schnell entstehen Kompetenzstreitigkeiten, etwa wenn sich Aufgaben der Netzwerk- oder SAN-Verantwortlichen auf die Server-Admins verlagern. Beispielsweise kann im Netzwerk die VLAN-Verwaltung für die Gast-Systeme direkt auf dem Host erfolgen anstatt am "physischen Switch". Der Host empfängt den gesammelten Verkehr aller VLANs von einem Trunk-Port des Switches und verteilt die Pakete anhand der VLAN-IDs intern an die Gäste. Das macht die Netzwerkkonfiguration sehr flexibel und spart physische Ports, allerdings wechseln die Verwaltungskompetenzen vom Switch zum Host. Genauso lassen sich Firewall-Konzepte zwischen einzelnen Abteilungen komplett mit virtuellen Maschinen in virtuellen Netzwerken abbilden, ohne auch nur ein einziges Kabel im "physischen LAN" umzustecken.

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