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Echte Tastatur für Android-Smartphones nutzen

01.10.2014 | 12:03 Uhr |

Längere Texte auf Smartphones einzugeben, ist trotz Schreibhilfen von Bildschirmtastaturen eine Qual. Es gibt kostenlose Abhilfe: Eine Android- App verbindet sich über das Netzwerk mit der Tastatur eines PCs oder Notebooks.

URLs, Kurznachrichten, knappe Mails sind auch mit der Bildschirmtastatur von Smartphones und Tablets schnell eingegeben. Wenn es auf einem Android-Gerät aber mehr zu schreiben gibt, dann sind auch Helfer wie das formidable und inzwischen kostenlose Swiftkey für Android kein Ersatz für eine echte Tastatur. Besonders nicht für Vielschreiber, denen die Pseudo-Tastatur ohne griffige Tasten einfach nicht behagt. Blind schreiben ist auf Touchscreens kaum möglich, zumal beim Smartphone eine Hand das Gerät festhalten muss.

Dieser Artikel stammt aus dem Sonderheft PC-WELT WLAN & Heimnetz

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Hardware-Lösung: Tastatur mit Bluetooth

Einige Android-Tablets mit USB-Port erlauben den Anschluss einer USB-Tastatur, die als Eingabegerät automatisch erkannt wird. Bei Smartphones und Tablets ohne USB-Port geht es mit einer Bluetooth-Tastatur auch ohne Kabel. Billigtastaturen für Bluetooth-Verbindungen gibt es bei Versandhändlern wie Amazon ab 15 Euro . Um ein Mobiltelefon mit einer Bluetooth-Tastatur zu verbinden, muss bei der Tastatur zunächst der Kopplungsmodus („Pairing“-Modus) aktiviert werden. Dies gelingt meistens über einen Button auf der Rück- oder Unterseite der Tastatur.

Ein Android-Smartphone verbinden Sie, indem Sie im Menü auf „Einstellungen > Drahtlos & Netzwerke > Bluetooth“ tippen, um den Bluetooth- Modus zu aktivieren. Dann tippen Sie auf „Bluetooth-Einstellungen > Scan nach Geräten“ und warten, dass das Android-Gerät die Tastatur identifiziert. Tippen Sie danach ins Feld mit dem Tastaturnamen. Geben Sie auf der Bluetooth-Tastatur den sechsstelligen PINCode ein, der in der folgenden Meldung erscheint, und bestätigen Sie mit der Enter-Taste. Nach der korrekten Eingabe des PIN-Codes verschwindet die Meldung auf dem Smartphone-Bildschirm, und die Tastatur ist mit dem Gerät verbunden.

Tastatur für Smartphone und Tablet für Vielschreiber: Kompakte Bluetooth-Tastaturen verbinden sich drahtlos zu Android- Geräten. Tastaturen wie diese von CSL gibt es ab 15 Euro.
Vergrößern Tastatur für Smartphone und Tablet für Vielschreiber: Kompakte Bluetooth-Tastaturen verbinden sich drahtlos zu Android- Geräten. Tastaturen wie diese von CSL gibt es ab 15 Euro.

Das lästige Pairing ist nur einmal nötig, da die Tastatur beim nächsten Einschalten wiedererkannt und automatisch gekoppelt wird. Viele Android-Geräte arbeiten allerdings auch bei deutschen Tastaturen nur mit der internationalen QWERTY-Tastaturbelegung. Ausnahmen sind Geräte von Asus und Samsung.

Software-Lösung: Tastatur per WLAN

Ist keine Bluetooth-Tastatur verfügbar, aber ein PC oder Notebook und ein WLAN, in dem alle Geräte Teilnehmer sind, dann bietet sich eine einfache Software-Lösung an. Die Android- App Remote Keyboard macht eine PC-Tastatur über das Netzwerk verfügbar. Nach der Verbindung zur App vom PC oder Notebook aus kann man die Tastatur auf dem Smartphone oder Tablet verwenden. Dazu installiert Remote Keyboard dort einen Telnet-Server. Der Rechner, der die Tastatur bereitstellen soll, benötigt lediglich einen Telnet-Client. Das Betriebssystem auf dem Rechner spielt keine Rolle, denn Telnet-Clients gibt es für alle Systeme. Remote Keyboard ist kostenlos über Google Play installierbar und funktioniert ab Android 2.3.

Nach dem ersten Start der App weist ein Dialog darauf hin, dass Remote Keyboard erst noch über die Systemsteinstellungen von Android als Eingabemethode aktiviert werden muss. Mit „OK“ kommen Sie geradewegs zu dieser Einstellung und können die Checkbox vor „Remote Keyboard“ auswählen. Android informiert Sie noch mit einem obligatorischen Sicherheitshinweis, dass die App sämtliche Tastatureingaben erfasst: Das ist genau das, was Sie wollen.

Achtung: Geheime Befehle für Ihr Android-Smartphone

Putty als Telnet-Client für Windows: Das Windows-eigene und kommandozeilenorientierte Telnet sollte man meiden. Verwenden Sie besser das bewährte Putty.
Vergrößern Putty als Telnet-Client für Windows: Das Windows-eigene und kommandozeilenorientierte Telnet sollte man meiden. Verwenden Sie besser das bewährte Putty.

Telnet mit Putty unter Windows

Auf einem Windows-Rechner benötigten Sie einen Telnet-Client, der in der Systemsteuerung über „Programme und Features > Windows-Features aktivieren…“ nachgerüstet werden kann. Da dieser Microsoft-Client aber keinen Komfort bietet, verwenden Sie besser das englischsprachige Open-Source-Programm Putty . Putty verlangt keine Installation und wird als einzelne EXE-Datei ausgeliefert. Ein Doppelklick startet das kleine Programm.

Zur Verbindungsaufnahme muss auf dem Android-Gerät die App Remote Keyboard gestartet sein. Sie benötigen zudem die IP-Adresse des Geräts im WLAN. Diese zeigt Remote Keyboard gleich nach dem Start auf der schlichten Willkommensseite. Hier sehen Sie die Verbindungsdaten mit IP-Adresse und Port. Bevor die App dazu bereit ist und auf dem Port 2323 lauscht, müssen Sie aber auch noch einmal auf der Willkommensseite auf „Tastatur auswählen“ gehen und „Remote Keyboard“ auswählen. Eine Statusmeldung zeigt dann an, dass die App bereit ist.

Auf dem Windows-PC geben Sie in Putty im Feld „Host name“ die ermittelte IP-Adresse des Android-Geräts ein und wählen als Verbindungsart „Telnet“ statt des voreingestellten „SSH“. Den von Putty vorgegebenen Port ändern Sie im nebenstehenden Feld von „23“ auf „2323“. Mit „Open“ öffnen Sie die Verbindung zum Android-Gerät und können ab sofort mit der Tastatur des PCs schreiben. Falls die Verbindung mit einem Time-out fehlschlägt, dann überprüfen Sie Port, IP-Adresse und ob die App auf dem Android-Gerät läuft.

Zeichensatz einstellen: Damit auch Sonderzeichen über Remote Keyboard korrekt übertragen werden, muss im Terminal-Emulator Putty UTF-8 aktiviert sein.
Vergrößern Zeichensatz einstellen: Damit auch Sonderzeichen über Remote Keyboard korrekt übertragen werden, muss im Terminal-Emulator Putty UTF-8 aktiviert sein.

Putty für Sonderzeichen konfigurieren

Remote Keyboard überträgt die eingegebenen Zeichencodes, ganz unabhängig davon, welche Sprache und welches Tastaturlayout auf dem Android-Gerät eingestellt ist. Falls Sonderzeichen nicht korrekt übertragen werden, dann überprüfen Sie in Putty unter „Window > Translation“, dass als „Remote Character Set“ die Zeichencodierung UTF-8 eingestellt ist. Damit weitere Steuertasten wie Pos1-Taste zum Sprung an den Zeilenanfang funktionieren, setzen Sie die Option „Terminal > Keyboard > The Home and End keys“ auf „rxvt“. Putty kann alle Einstellungen in Form einer Session speichern und die Optionen später wieder einlesen. Geben Sie dazu unter „Session > Saved Session“ den gewünschten Namen ein, und klicken Sie auf „Save“. Beim nächsten Start von Putty können Sie die Zugangsdaten und Optionen mit „Load“ weder laden. Beachten Sie, dass sich im WLAN die IP-Adresse des Android-Geräts bei einer automatischen Zuweisung über DHCP immer wieder ändert.

Telnet nur im lokalen Netzwerk

Das Protokoll Telnet überträgt alle Daten – im Fall von Remote Keyboard die Tastatureingaben – unverschlüsselt über das Netzwerk. Mit einem Netzwerk-Sniffer könnte jeder andere Teilnehmer den Verkehr im Klartext mitschneiden. Die App Remote Keyboard ist deshalb nur für das lokale Netzwerk geeignet und darf nicht in öffentlichen WLANs oder Firmennetzwerken verwendet werden. Hier ist das Risiko zu groß, dass die unverschlüsselten Tastatureingaben in fremde Hände gelangen. Auch das optionale Passwort der Remote Keyboard wird im Klartext übertragen und stellt keinen zuverlässigen Schutz dar.

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