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Amazon Kindle Paperwhite und Thalia HD Frontlight im Test

06.12.2012 | 11:31 Uhr |

Den „fortschrittlichsten eReader der Welt“ nennt Amazon seinen jüngsten Ebook-Reader mit beleuchtetem Display. Doch hält der Kindle Paperwhite, was er verspricht? Oder soll man besser zur Konkurrenz vom Buchhändler Thalia greifen?

Touchscreen mit höherer Auflösung, schärferen Kontrasten, integrierter Beleuchtung und acht Wochen Akku-Laufzeit – der US-Konzern spart nicht beim Eigenlob für sein jüngstes Modell der Kindl-Familie. Auf dem Papier spricht vieles für den neuen Paperwhite, der anders als seine Vorgänger erstmals mit einem beleuchteten Display und „strahlend weißem Hintergrund“ aufwartet.

Alt gegen neu: In der Amazon-Werbung erscheint der Kindle Paperwhite weiß wie Papier und lässt den Vorgänger grau aussehen. In der Praxis ist der Unterschied deutlich geringer.
Vergrößern Alt gegen neu: In der Amazon-Werbung erscheint der Kindle Paperwhite weiß wie Papier und lässt den Vorgänger grau aussehen. In der Praxis ist der Unterschied deutlich geringer.
© Amazon

Die Kritiken von Besitzern des neuen Lesegerätes sprechen jedoch teilweise eine ganz andere Sprache. Das gilt insbesondere für das Display: unscharf, verwaschen, blass, fleckig sowie ungleichmäßig beleuchtet und dazu Farbstiche lauten einige Einwände. Amazon jedenfalls sah sich zu einer Stellungnahme gezwungen: Unter bestimmten Lichtverhältnissen sei die Ausleuchtung des unteren Bildschirmrands ungleichmäßig, räumt der Konzern inzwischen ein.

Die neuen beleuchteten Displays im Vergleich zum bisherigen Amazon Kindle: links der Leucht-Reader von Thalia, in der Mitte der Kindle Paperwhite (beide mit maximaler Helligkeit), rechts der bisherige Kindle Touch.
Vergrößern Die neuen beleuchteten Displays im Vergleich zum bisherigen Amazon Kindle: links der Leucht-Reader von Thalia, in der Mitte der Kindle Paperwhite (beide mit maximaler Helligkeit), rechts der bisherige Kindle Touch.

Amazon räumt Schwächen beim Display des Kindle Paperwhite ein

PC-WELT wollte es genau wissen und bestellte ein Testgerät des Kindle Paperwhite in die Redaktion – genauso wie ein Exemplar des brandneuen Ebook-Readers Bookeen HD Frontlight . Dieses Modell des französischen Herstellers verfügt ebenfalls über ein beleuchtetes Display zum Lesen im Dunklen. Auch der Preis ist exakt der Gleiche. 129 Euro verlangt die Buchhandelskette Thalia als Kooperationspartner hierzulande.

Ebook-Reader: Vergleichstest im Video

Aktuelle Ebook-Reader in der Übersicht

Einen wichtigen Unterschied aber gibt es doch, denn der Paperwhite ist seit Wochen ausverkauft und wird vor Weihnachten nicht mehr ausgeliefert. Als Geschenk zum Fest eignet er sich somit also nicht.

Der Kindle Paperwhite von Amazon ist vor Weihnachten längst ausverkauft. Der Versand nach Deutschland soll erst wieder im Januar 2013 erfolgen.
Vergrößern Der Kindle Paperwhite von Amazon ist vor Weihnachten längst ausverkauft. Der Versand nach Deutschland soll erst wieder im Januar 2013 erfolgen.

Ansonsten sind die beiden Modelle mit selbst leuchtender Anzeige nur mit dem etwa gleich teuren Kobo Glo , vergleichbar, der bereits seit einigen Monaten auf dem Markt ist.

Jeder Ebook-Reader steht und fällt mit dem Display

Bisher ließen sich die Lesegeräte für elektronische Bücher in zwei Klassen einteilen: Solche mit beleuchtetem Farb-LCD-Display ähnlich wie beim Tablet oder Smartphone. Und solche mit Anzeige auf Basis „elektronischer Tinte“. Ein Vorteil dieser E-Ink-Technik ist, dass sie nur beim Umblättern Strom verbraucht.

Der Ebook-Reader mit beleuchtetem Display bei Thalia stammt vom französischen Hersteller Bookeen, der das gleiche Lesegerät als "Cybook Odyssey HD Frontlight" im Sortiment führt.
Vergrößern Der Ebook-Reader mit beleuchtetem Display bei Thalia stammt vom französischen Hersteller Bookeen, der das gleiche Lesegerät als "Cybook Odyssey HD Frontlight" im Sortiment führt.

Ein solcher Reader hält deshalb selbst einen mehrwöchigen Urlaub ohne Nachladen durch. Außerdem ist die Anzeige auch bei direkter Sonneneinstrahlung etwa am Strand problemlos zu lesen. Die beiden neuen Testgeräte sollen nun die Vorteile beider Display-Arten bieten: gute Lesbarkeit im Dunklen und in heller Umgebung sowie eine lange Akkulaufzeit.

Um die Netzkritik am neuen Paperwhite nun aufzulösen: Auch unser Testexemplar zeigt aufgrund der seitlichen Beleuchtungstechnik unten am Display deutlich einen dunklen Rand und eine etwas ungleichmäßige Beleuchtung. Doch zum einen stört dies bei mittlerer Helligkeitsstufe kaum, zum anderen ist der Lichtrand beim Konkurrenzmodell von Thalia noch stärker ausgeprägt. Die geäußerte Kritik ist also zumindest bei unserem Exemplar in dieser Schärfe überzogen.

Was hat es nun mit der Modellbezeichnung „papierweiß“ auf sich? Passend und nicht passend zugleich, lautet die Antwort. Denn im Vergleich zu den Vorgängermodellen mit vergleichsweise grauem Hintergrund erscheinen die Anzeigen der beiden Modelle tatsächlich weißer – wenigstens bei eingeschalteter Beleuchtung. Doch verglichen mit einem weißen Blatt Papier sind sie alles andere als weiß: zwischen leicht gräulich und bläulich wäre die treffendere Beschreibung.

Auch im Test zeigt sich die Displays des Kindle Paperwhite und des Readers von Thalia (im Bild) etwas ungleich ausgeleuchtet. Doch der Lichthof am unteren Bildschirmrand ist bei weitem nicht so stark, wie manche Kritiker bemängeln.
Vergrößern Auch im Test zeigt sich die Displays des Kindle Paperwhite und des Readers von Thalia (im Bild) etwas ungleich ausgeleuchtet. Doch der Lichthof am unteren Bildschirmrand ist bei weitem nicht so stark, wie manche Kritiker bemängeln.

Da schließt sich gleich die Frage an, wozu die Display-Beleuchtung überhaupt gut ist. Erstens ist der Hintergrund der neuen Anzeigen tatsächlich heller, doch dies ist mehr eine Frage der Gewöhnung. Anders ist es für jemanden, der gerne im Dunklen liest oder im Bett beim Lesen seinen Partner nicht stören möchte. Hier ist das leuchtende Ebook sinnvoll. Schließlich spricht die höhere Auflösung und Pixeldichte von 212 PPI (pixel per inch) für die neuen Geräte. Das sind gut 25 Prozent mehr als bisher und tatsächlich erscheinen die Buchstabenkanten etwas schärfer.

Unterschiede bei der Display-Technik und Bedienung

Das Amazon- wie das Thalia-Lesegerät verfügen – anders als der bisherige Kindle Touch – über einen kapazitiven Bildschirm wie Smartphones und Tablet-PCs und reagieren damit nicht mehr auf Berührung mit Handschuhen.

Der Ebook-Reader von Thalia verfügt am Rand über Tasten zum Blättern. Das kapazitive Display des Kindle Paperwhite reagiert auf die Berührung mit Handschuhen nicht.
Vergrößern Der Ebook-Reader von Thalia verfügt am Rand über Tasten zum Blättern. Das kapazitive Display des Kindle Paperwhite reagiert auf die Berührung mit Handschuhen nicht.

Wer seine Wartezeit auf öffentliche Verkehrsmittel in der kalten Jahreszeit mit Lesen von Ebooks verkürzen möchte, muss zumindest beim Amazon-Gerät entweder frierende Hände in Kauf nehmen oder spezielle Handschuhe verwenden. Denn der Kindle Paperwhite verfügt über keinerlei Tasten, sämtliche Aktionen inklusive dem Umblättern erfolgt ausschließlich über den Touchscreen. Anders beim Thalia HD Frontlight, der zusätzlich am linken und rechten Rand jeweils eine große Taste zum Zurück- und Vorblättern hat.

Der neue Kindle Fire im Test

Der bisherige Kindle Touch ließ sich dank besonderer Steuertechnik auch mit Handschuhen bedienen, doch Amazon hat ihn mit der Vorstellung des neuen aus dem Sortiment genommen . Sehr wohl bietet der US-Händler aber weiter den „traditionellen“ Kindle mit Tastenbedienung für nur 79 Euro an – 50 Euro weniger als der neue Paperwhite kostet. Wer überwiegend Romane lesen möchte, ist mit dem „alten“ Kindle im Prinzip genauso gut bedient. Denn das Ökosystem von Amazon inklusive Bücherkauf direkt auf dem Lesegerät oder alternativ über den PC funktioniert beim Kindle seit jeher perfekt.

Wer dagegen in Fachbüchern häufig Kommentare und Notizen machen muss, kann dies auf dem Touch-Gerät einfach per Fingertipp erledigen – viel schneller als mit den Pfeiltasten erst mühsam den Cursor an eine bestimmte Textstelle anzusteuern und dann dort das Kontextmenü zu öffnen. Das erledigen beide getesteten Reader gut, wobei der Paperwhite beim Handling und den Möglichkeiten bis hin zu Veröffentlichungen auf Facebook oder per Twitter deutlich die Nase vorn hat.

Wodurch sich die beiden Geräte sonst noch unterschieden, lesen Sie auf der nächsten Seite .

Hersteller und Reader

Amazon Kindle Paperwhite

Bookeen HD Frontlight

Preis

129 Euro

129 Euro

 

 

 

Gesamtwertung

 

 

Technische Daten

 

 

Bildschirmgröße / Auflösung

6 Zoll / 758 x 1024

6 Zoll / 758 x 1024

Gewicht (Gramm)

213 g (WLAN)

180 g

Maße (Breite x Höhe x Dicke)

169 mm x 117 mm x 9,1 mm

166 x 120 x 9,4 mm

Displaytechnik

E-Ink / multitouch, kapazitiv

E-Ink, multitouch, kapazitiv

Audio-Ausgang (3,5 mm) / Lautsprecher

nein / nein

nein / nein

Interner Gerätespeicher / davon frei

2 GByte / 1,3

2 GByte / 1,4

Firmware-Update über

WLAN

WLAN

Erweiterung mit Kartenslot

nein

Micro SD

Ausstattung

 

 

Touchscreen / Tasten / Tastatur

ja / nein / nein

ja / ja / nein

Schriftgröße wählbar

8

20 Stufen

Schriftart wählbar

ja, 6 Typen

ja, 7 Typen

Unterstützte Formate

TXT, MOBI, PRC, AZW, PDF, AA, DOC, DOCX, HTML und Bilder

ePUB, PDF, FB2, TXT, HTML und Bilder

Kopierschutzformate (DRM)

AZW (Kindle)

Adobe DRM (ePub, PDF)

Kontrast einstellbar

nein

nein

Beleuchtetes Display

24 Helligkeitsstufen

ja, 20 Helligkeitsstufen

Laden der Bücher über: UMTS, WLAN, USB

gegen Aufpreis / ja / ja

nein /ja / ja

Onleihe über den PC / auf dem Reader

bedingt / nein

bedingt / nein

Schalter für WLAN

über Menü

über Menü

Aufladen über USB / Ladegerät

ja / optional

ja / optional

Zubehör / Lieferumfang

USB-Kabel, Kurzanleitung, Anleitung als Ebook

USB-Kabel, Kurzanleitung, Anleitung als Ebook

Funktionsprüfung

 

 

Lesbarkeit bei Sonnenlicht / diffusem Licht / Kunstlicht

sehr gut / sehr gut / sehr gut

sehr gut / sehr gut / sehr gut

Entspiegelung

gut

gut

Drehen des Formats (hoch / quer)

manuell

manuell

Seitenwechsel (Geschwindigkeit)

sehr schnell

schnell

Akkulaufzeit (Herstellerangabe)

ca. 20.000 Seitenwechsel

ca. 20.000 Seitenwechsel

Akkulaufzeit mit voller Beleuchtung (ohne WLAN)

16:29 Stunden

16: 08 Stunden

Vorlesefunktion / Volltextsuche

nein / ja

nein / nein

Gehe zu Seite / Kapitel / 1. Seite / Letzte Seite

ja / ja / ja / ja

ja / ja / ja / ja

Favoriten / Buchsuche / Letzte Bücher

ja / ja / ja

ja / nein / ja

Kommentare / Hervorhebungen / Lesezeichen

ja / ja / ja

ja / ja / ja

Lese-Apps für Smartphones und Tablets

iOS und Android

eingeschränkt (iOS und Android)

Zusatzfunktionen: Fotos, MP3, Videos

ja / nein / nein

ja / nein / nein

Extras

Internet-Browser, Twitter, Facebook, Cloud-Anbindung, Leihbibliothek gegen Gebühr

Diashow, Internet-Browser

Bedienung und Support

 

 

Handbuch gedruckt / im Gerät / im Internet

nein / ja / ja

nein / ja / ja

Handbuch (inhaltlich)

sehr gut und ausführlich

gut, aber Übersetzungsfehler

Reader-Bedienung insgesamt

einfach

einfach

Menüführung

deutsch

deutsch

Bücher aufspielen / verwalten

sehr einfach / sehr einfach

sehr einfach / einfach

Bücherangebot

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