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Ebook-Reader

Kindle Killer? Das neue Sony-Lesegerät PRS-T2 im Test

03.09.2012 | 16:20 Uhr |

Hat der neue Ebook-Reader PRS-T2 das Zeug zum Killer des Amazon Kindle? Schon die Vorgänger schlugen sich hervorragend, PC-WELT hat das auf der IFA 2012 vorgestellte Gerät schon getestet.

„Den leichtesten E-Book Reader der Welt“ kann Sony sein Lesegerät für elektronische Bücher PRS-T1 nicht mehr nennen. Denn der aktuelle, auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin vorgestellte Nachfolger PRS-T2 ist mit nachgewogenen 158 Gramm noch geringfügig leichter. Der leichteste Kindle von Amazon ist mit 170 Gramm bereits etwas schwer, der Kindle Touch bringt sogar 210 Gramm auf die Waage.

Ansonsten wartet das neue Sony-Lesegerät im Plastikgehäuse nicht mit großen Überraschungen auf: berührungsempfindliches Graustufen-Display mit sechs Zoll Bildschirmdiagonale und 800 x 600 Pixeln Auflösung, WLAN, zwei GByte interner Speicher für 1.000 bis 2.000 Ebooks, dazu die Möglichkeit, den internen Speicher über eine Micro-SD-Karte um maximal 32 GByte zu vergrößern, TXT, PDF, EPUB, DRM als unterstützte Textformate, JPG, GIF, PNG, BMP für Bilder und rund zwei Monate Akkulaufzeit – all das ist mittlerweile Standard, zumindest auf dem Papier.

Video: KindleTouch und Kindle im Vergleich

Wie gewaltig die Unterschiede zwischen auf den ersten Blick ähnlichen Readern in der Praxis aber sind, zeigen unsere Tests des aktuellen Trekstor-Gerätes auf der einen Seite und dem Kindle Touch sowie dem brandneuen Sony-Modell auf der anderen Seite: Zwischen diesen Geräten liegen geradezu Welten. Die deutlich überlegenen Geräte von Amazon und Sony sind zwar mit 129 beziehungsweise 139 Euro zwar auch rund doppelt so teuer der Trekstor-Reader zum Kampfpreis von nur 70 Euro – doch die Mehrausgabe lohnt sind für jemanden, der Spaß beim Lesen elektronischer Bücher haben möchte.

Umblättern lässt sich der Sony-Reader entweder über die Pfeiltasten (unten links) oder per Fingerwisch über den berührungsempfindlichen Bildschirm.
Vergrößern Umblättern lässt sich der Sony-Reader entweder über die Pfeiltasten (unten links) oder per Fingerwisch über den berührungsempfindlichen Bildschirm.

Die Unterschiede zwischen diesen Ebook-Readern liegen im Detail

Wie steht es also nun beim neuen Sony PRS-T2? Schaut man genauer hin, fällt auf, dass der Hersteller erstmals auf einen Audio-Ausgang verzichtet. Eine Vorlesefunktion wie sie der Kindle-Touch zumindest für englische Bücher bietet, besaß bei Sony auch der Vorgänger nicht: Audio beschränkte sich beim PRS-T1 auf das Abspielen von MP3-Dateien. Darauf kann man aber in Zeiten, in denen praktisch jeder ein Handy mit Musikfunktion besitzt, durchaus verzichten.

Wichtiger ist die zweite große Neuerung: Endlich bietet Sony – so wie Amazon beim Kindle – auch in Deutschland die Möglichkeit, Bücher bequem direkt auf dem Reader zu kaufen. Bisher konnte man Ebooks nur über den PC erwerben, was – weil praktisch alle Bücher mit elektronische Bücher mit DRM-Kopierschutz sind – nur vergleichsweise umständlich über das Verwaltungsprogramm Adobe Digital Editions funktioniert.

Das Verwaltungsprogramm für Ebooks, Adobe Digital Editions, braucht man beim neuen Sony-Reader im Prinzip nicht mehr – wenn der integrierte Online-Shop auf dem Lesegerät erst einmal freigeschaltet ist.
Vergrößern Das Verwaltungsprogramm für Ebooks, Adobe Digital Editions, braucht man beim neuen Sony-Reader im Prinzip nicht mehr – wenn der integrierte Online-Shop auf dem Lesegerät erst einmal freigeschaltet ist.

Der Umweg über den PC ist zwar weiterhin möglich, aber nicht mehr Voraussetzung. Als Partner hat Sony den Online-Buchhändler Libri.de , der nach eigenen Angaben fast 200.000 deutschsprachige, und rund 400.000 englischsprachige Ebooks im Programm hat. Insbesondere Neuerscheinungen sucht man als elektronische Variante zum Teil noch vergebens, die Mehrheit der Bestseller aber gibt es stets auch als Ebook.

Ebook von Amazon lassen sich aufgrund des unterschiedlichen Formats aber nicht ohne weiteres auf dem Sony-Gerät lesen. Preisunterschiede gibt es bei den Inhalten übrigens nicht, denn die Buchpreisbindung gilt hierzulande auch für Ebooks: Elektronische Schmöker kostet also bei Amazon, Libri.de oder sonst wo also überall gleich viel.

Testen konnten wir den Libri-Shop auf dem Sony-Reader noch nicht, weil er erst noch freigeschaltet werden muss.

Sony PRS-T2 schlägt sich im Test ausgezeichnet

Die Ersteinrichtung des Readers mit Auswahl von Sprache, Land, Datum, Uhrzeit und WLAN ist schnell erledigt, nur das vorliegende Firmware-Update dauerte mit mehr als einer halben Stunde extrem lange.

Die sonstige Bedienung und Ausstattung des PRS-T2 überzeugt auf ganzer Linie: Das unbeleuchtete Display arbeitet auf E-Ink-Basis und bietet bei allen Lichtverhältnissen sehr viel Kontrast. Während man auf Farb-LCDs bei direkter Sonneneinstrahlung praktisch nichts mehr erkennt, lässt sich auf dem „elektronischen Papier“ auch draußen alles bestens erkennen. Die Schrift ist genauso klar wie beim Kindle, das Umblättern funktioniert ähnlich schnell, lässt sich beim Sony aber sowohl über Tasten als auch durch Darüberstreichen über den Bildschirm auslösen. Gelungen ist zudem das Zwei-Finger-Spreizen zum Zoomen, wie man es vom Smartphone und Tablet kennt.

Gut schlagen sich auch die Zusatzfunktionen: Der Browser erlaubt es, mal schnell etwas im Internet nachzuschauen. Eine bestehende Internet-Verbindung beispielsweise über einen Handy-Hotspot vorausgesetzt, kann man ein markiertes Wort auch bei Google oder Wikipedia nachschlagen.

Messlatte und Hauptkonkurrent sind die Kindle-Modelle von Amazon: Der geringfügig teurere Ebook-Reader PRS-T2 von Sony erweist sich im Test als ebenbürtig.
Vergrößern Messlatte und Hauptkonkurrent sind die Kindle-Modelle von Amazon: Der geringfügig teurere Ebook-Reader PRS-T2 von Sony erweist sich im Test als ebenbürtig.
© Amazon

Zitate und ähnliches lassen sich direkt auf Facebook posten oder mit dem eigenen Evernote-Account verknüpfen. Schließlich stellen handschriftliche Notizen, eine Skizze oder Zeichnung für den berührungsempfindlichen Bildschirm kein Problem dar. Schließlich wartet das Gerät mit zwölf bereits vorinstallierten Wörterbüchern zum Nachschlagen auf.

Nicht nachprüfen konnten wir die versprochene Akkulaufzeit von zwei Monaten. Dafür spricht aber, dass sich das WLAN-Modul bei Nichtgebrauch automatisch abschaltet. Außerdem verbraucht der E-Ink-Bildschirm anders als ein herkömmlicher LCD-Farbbildschirm nur beim Umblättern Strom, nicht dagegen beim Lesen selbst.

Fazit: So gut wie der Amazon Kindle, aber etwas anders

Die unverbindliche Preisempfehlung für den neuen Ebook-Reader hat Sony auf 139 Euro festgelegt, formal also zehn Euro mehr als für den vergleichbaren Kindle Touch. Über den Straßenpreis werden sich ihre Preise vermutlich schnell angleichen, während das Kindle-Modell ohne berührungsempfindlichen Bildschirm mit knapp 100 Euro deutlich günstiger ist.

Für den PRS-T2 sprechen das geringere Gewicht, das in der Breite schlankere Gehäuse und die neuen Funktionen zu Facebook und Evernote. Andererseits fehlen alle Audiomöglichkeiten und damit die Vorlesefunktionen. Zudem muss Sony zusammen mit Libri.de erst beweisen, dass der Bücherkauf genauso problemlos funktioniert wie bei Amazon. Denn der US-Händler bietet ein geradezu perfekt funktionierendes Ökosystem mit zusätzlichen Apps für den PC, den Mac sowie Smartphones und Tablet-PCs. Dank der Whispernet-Synchronisierung liest man im Buch immer an der aktuellen Stelle weiter, egal auf welchem Gerät.

Insgesamt liegt der Sony PRS-T2 damit absolut gleichauf mit dem Kindle Touch – und damit auch vor den Geräten der Konkurrenz. Die Entscheidung für den einen oder den anderen Ebook-Reader ist damit auch eine Geschmackssache für oder gegen das Ökosystem von Amazon. Wer sich dagegen entscheidet, muss bei Sony allerdings noch eine Wahl treffen: Das Lesegerät gibt es in den drei Farben schwarz, rot und weiß. Spaß macht das Lesen mit jeder dieser Varianten.

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