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Drohnenspaß für jedermann

07.07.2014 | 10:06 Uhr |

Die unbemannten Flugobjekte erobern die Herzen von Hobbyfliegern und beflügeln die Fantasie von Firmen. Der Ratgeber zeigt, was Drohnen derzeit und demnächst leisten.

Die ewige Faszination am Fliegen setzt sich bei Drohnen ungebremst fort. Die ferngesteuerten Flugobjekte überwachen Firmengelände, entdecken Baufehler an Gebäuden, ersetzen teure Helikopterflüge in Filmproduktionen oder retten Rehkitze vor Mähdreschern. Gleichzeitig kommen immer mehr private Hobbyflieger dazu. Denn die unbemannten Flugobjekte lassen sich leicht steuern – auch per Smartphone oder Tablet. Dank eingebauter Kamera erleben Sie den Flug mit, zeichnen ihn auf und teilen die Bilder mit anderen Flugbegeisterten. Der Ratgeber stellt angesagte Modelle und deren Leistungsvermögen vor.

Drohnen für den Einstieg: Kontrolle per Fernbedienung

Quadrocopter bestimmen die Welt der Drohnen für den Hobby-Modellflieger. Bei den Flugkörpern sorgen vier Rotoren für den nötigen Schub. In ihrer Mitte sitzt eine Art Pilotenkapsel, in der der Akku untergebracht ist. Quadrocopter lassen sich über eine Funk-Fernsteuerung lenken. Die einfachsten Vertreter kommen auf rund 50 Euro. Sie sind so groß wie ein Handteller und wiegen nur rund 40 bis 60 Gramm. Hier geht es einfach um den Spaß am Fliegen. Die Geräte bewegen sich nach allen Seiten. Manche Modelle beherrschen Loopings. Sie sind sehr wendig und teilweise mit LEDs ausgestattet, damit sie bei schlechten Sichtverhältnissen erkennbar bleiben. Ihre Akkus reichen für etwa sieben bis neun Minuten Flugzeit.

Einstiegsdrohne: Simulus 4-CH-Quadrocopter GH-4.LIVE mit VGA-Kamera
Vergrößern Einstiegsdrohne: Simulus 4-CH-Quadrocopter GH-4.LIVE mit VGA-Kamera
© Simulus

Drohnen mit integrierten Kameras sind die nächste Stufe des Fluggenusses. Selbst die Einstiegsvarianten im Mini-Format nehmen die Gegend aus der Luft auf. Die Bilder lassen sich auf einer Speicherkarte abgelegen und nach dem Flug am Rechner ansehen. Solche Modelle sind ab etwa 100 Euro zu haben und nehmen die Videos bis HD-Qualität (720p bei 30 Bildern pro Sekunde) auf. Kommt bei den Flugobjekten eine Live-Übertragung aufs Display der Fernbedienung hinzu, liegen sie preislich darüber. Ein Beispiel ist das Modell Simulus 4-CH-Quadrocopter GH-4.LIVE , das etwa Pearl für etwa 180 Euro anbietet. Die eingebaute Kamera liefert VGA-Auflösung (640 x 480 Pixel). Die Aufnahmen lassen sich nicht nur am Monitor der Fernbedienung verfolgen, sondern auch auf einer Micro-SD-Karte speichern. Der Einschub sitzt in der Fernbedienung und eignet sich für Karten bis 32 GB. Die Aufnahme starten Sie über die Fernbedienung.

Drohnensteuerung per Smartphone und GPS

Neben einer klassischen Funk-Fernbedienung lassen sich viele Flugkörper auch per WLAN vom Smartphone oder Tablet-PC aus kontrollieren. Zum Steuern neigen Sie das Mobilgerät in die entsprechende Richtung. Die Drohne kopiert die Bewegung. Populäre Freizeitgeräte mit WLAN-Steuerung sind beispielsweise die AR.Drones von Parrot . Sie lassen sich über die App AR.FreeFlight 2.0 steuern, die es gratis für iOS und Android in den entsprechenden Stores gibt. Die Kontrolle per App ist einfach. Per Fingertipp starten Sie die Drohne. Danach steht sie quasi selbständig in der Luft. Das Justieren der Rotationsstärke und Ausbalancieren der Drohne passieren automatisch. Die einfache Steuerung erleichtert Flugmanöver wie Loopings. Dass es nicht immer glatt gehen muss, zeigt unser Video zum Testflug einer AR.Drone 2.0 von Parrot.

Freizeitdrohne mit GPS-Modul: Parrot AR Drone 2.0 Elite Edition
Vergrößern Freizeitdrohne mit GPS-Modul: Parrot AR Drone 2.0 Elite Edition
© Parrot

In der aktuellen Generation hat das Modell Parrot AR.Drone 2.0 Elite Edition (349 Euro) ein GPS-Navigationsmodul an Bord. Die Drohne liegt damit stabiler in der Luft, kehrt bei Aufforderung selbständig zum Ausgangspunkt zurück und kann bestimmte Punkte einer Flugroute anfliegen. Der Pilot überwacht die Tour per Sicht oder Videostream am Mobilgerät. Das GPS-Modul sitzt im sogenannten Flight Recorder, der einer Black-Box eines Flugzeuges ähnelt. Das Gerät speichert bis zu 350 Parameter – etwa die Positionen während des Fluges. Die Daten lassen sich auslesen, in 3D ansehen und mit der Parrot-Community teilen. Dank des integrierten Flashspeichers von 4 GB nimmt das Modul bis zu zwei Stunden Videos in 720p bei 30 Bildern pro Sekunde auf. Eine Akkuladung reicht für rund zehn bis 15 Minuten Flugzeit. Die Reichweite liegt bei etwa 50 Metern. Den Vorgänger mit optionalem Flight Recorder hat PC-WELT getestet. Sehen Sie dazu das Video.

AR.Drone 2.0 Power-Edition im Praxis-Test

Drohne für wackelfreie Videoaufnahmen

Filmfreunden reicht die Qualität der eingebauten Kameras oft nicht aus. Sie wollen eine bessere Fotoausrüstung mit auf die Reise schicken. Für diese Fälle benötigen Sie eine Drohne ohne eingebaute Kamera – etwa die Phantom-Reihe von DJI . Die Drohnen bringen eine Aufhängung mit, in die sich Actioncams wie die GoPro einsetzen lässt. Die Kamera befindet sich unterhalb der Drohne. Zwei Bügel sorgen dafür, dass die Kamera bei der Landung nicht zu Schaden kommt. Wie die anderen Drohnen auch sind die Phantom-Modelle fertig zusammengebaut. Sie lassen sich über eine Fernbedienung steuern und streamen die Bilder auf das Mobilgerät.

DIJ Phantom Vision Plus: Quadrocopter mit bis zu 90 Grad schwenkbarer Kamera, deren Bilder dank 3-Achsenaufhängung nicht verwackel
Vergrößern DIJ Phantom Vision Plus: Quadrocopter mit bis zu 90 Grad schwenkbarer Kamera, deren Bilder dank 3-Achsenaufhängung nicht verwackel
© DIJ

Da die Bilder in der Bewegung aufgenommen werden, sind sie oft verwackelt oder nicht aus geeignetem Winkel aufgenommen. Das aktuellste Drohnenmodell DIJ Phantom Vision Plus behebt das Problem, indem es die in diesem Fall fest eingebaute Kamera mit drei Achsen stabilisiert und bis 90 Grad schwenkbar macht. Die maximale Videoauflösung liegt bei Full-HD - 1080p und 30 Bildern pro Sekunde. Im Fotomodus lassen sich Bilder im Raw-Format, das heißt unkomprimiert, schießen. Der WLAN-Livestream aufs Mobilgerät soll bis zu einer Reichweite von 700 Meter klappen. Besonders praktisch: Die Drohne weiß, wohin sie nicht fliegen darf. Dank GPS und Kartenabgleich kennt die Drohne die Flugverbotszonen auf der Strecke und meidet sie laut Hersteller mit einer Genauigkeit von fünf Metern. Das Fluggerät wiegt gut 1200 Gramm und kostet rund 1100 Dollar.

Wie Sie Ihre Drohne aufbohren können, zeigt der Ratgeber "Tuning für Drohnen".

Amazon Prime Air: schnelle Paketlieferung per Drohne
Vergrößern Amazon Prime Air: schnelle Paketlieferung per Drohne
© Amazon

Ausblick: Das leisten Drohnen in der Zukunft

Abgesehen vom Hobbyfliegen erregen die unbemannten Flugobjekte Aufsehen durch ganz neue Einsatzmöglichkeiten. An die Drohne als Paketlieferant glauben Amazon, die Deutsche Post DHL und UPS. Sie forschen verstärkt an der Paketauslieferung per Drohne. Auf diese Weise sollen entlegene Gegenden erschlossen werden oder eilige Produkte wie Arzneien schnell zum Kunden gelangen. Besonderen Aufwand betreibt Amazon: Laut Firmenchef Jeff Bezos wird gerade die fünfte und sechste Generation der Paketdrohnen getestet. Gleichzeitig läuft die Designphase der siebten und achten Generation. Der Dienst soll Amazon Prime Air heißen und im Idealfall das Paket dreißig Minuten nach der Bestellung schon beim Kunden absetzen. Zum Einsatz kommen sollen Octocopter mit derzeit etwa 16 Kilometer Aktionsradius. Wann der Dienst startet, ist jedoch noch nicht bekannt – das könnte selbst in den USA noch gut fünf Jahre dauern. Auch die Deutsche Post DHL unterhält ein Forschungsprojekt zum Thema Drohnen. Der Paketkopter gehört zu den ersten Ergebnissen. Er ist ein Mini-Helikopter, der Ende 2013 schon einmal eine medienwirksame fünftägige Testphase mit Flügen über den Rhein absolviert hat. Wiederum gibt es keine Anzeichen zum Start des Dienstes in absehbarer Zeit.

Halb Satellit, halb Drohne: Der Strato Bus soll perspektivisch um die Erde kreisen, Grenzen überwachen und Netzengpässe überbrücken helfen
Vergrößern Halb Satellit, halb Drohne: Der Strato Bus soll perspektivisch um die Erde kreisen, Grenzen überwachen und Netzengpässe überbrücken helfen

Eine Mischung aus Satellit und Drohne ist der Strato Bus, der unter der Federführung französischer Unternehmen entwickelt wird. Das Flugobjekt soll in einer Höhe von etwa 20 Kilometern in der Stratosphäre die Erde umrunden und dabei Überwachungsfunktionen – etwa von Grenzen ausführen. Gleichzeitig könnte er GPS-Netzengpässe in Stoßzeiten überbrücken. Der Strato Bus soll 70 bis hundert Meter lang und 20 bis 30 Meter breit sein. Er erzeugt seine Energie aus Solarzellen und ist darauf ausgelegt, fünf Jahre in Betrieb zu bleiben. Bis zum ersten Einsatz sollen noch etwa fünf Jahre vergehen.

Drohnen zum Mieten sind derzeit noch ein Projekt, das unter der Bezeichnung Gofor läuft. Die Macher stellen sich vor, dass für jede Gelegenheit ein Flugobjekt zur Verfügung steht. Wollen Sie wissen, ob der Strand voll ist oder benötigen Sie Begleitung in einem dunklen Teil der Stadt? Dann rufen Sie einfach per Smartphone eine Drohne. Skeptiker sehen schon eine Menge Flugobjekte in der Luft herumschwirren. Fragen nach Genehmigung und Sicherheit sind derzeit noch ungelöst. Dazu ist ein gemeinsames User Interface noch nicht gefunden, das jeder Kunde auch gleich gut bedienen kann. Geht die Entwicklung jedoch so rasant weiter, wird es wohl nicht mehr lange dauern, bis wir Drohnen als fliegende Dienstleister rufen.

Auch die Internetriesen Google und Facebook sind an unbemannten Flugobjekten interessiert. Sie wollen mit ihrer Hilfe das Internet in entlegene Gebiete bringen, für die ein Netzausbau über Land zu teuer wäre. Im Frühjahr dieses Jahres gelingt Google dabei ein Übernahmecoup: Das Unternehmen kauft Titan Aerospace, einen Drohnenhersteller aus New Mexico, an dem auch Facebook interessiert war. Die Drohnen dieses Unternehmens sind so groß wie eine Boing 767 und solarbetrieben. Sie sollen fünf Jahre in einer Höhe von 19 Kilometern unterwegs sein und eine Flügelspannweite von 50 Metern haben. Facebook wiederum hat sich den britischen Drohnenentwickler Ascenta einverleibt, der auch an Drohnen mit Solarbetrieb arbeitet. Beim Netzaufbau über Flugobjekte sind sie beiden Unternehmen Konkurrenten, die eine jeweils eigene Infrastruktur aufbauen wollen. Bis etwas Greifbares dabei herauskommt, werden noch einige Jahre ins Land gehen.

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