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Digitales Endoskop einfach selbst bauen - so geht's

03.09.2016 | 08:55 Uhr |

Wer war nicht schon mal in der Verlegenheit, einen Blick hinter eine Wand, in eine unzugängliche Ecke oder auch in ein potenziell verstopftes Rohr werfen zu müssen? Dank Smartphone und China-Kamera geht das ganz einfach.

Endoskope nennt man die Kameras mit einem langen, beweglichen Schwanenhals oder auch nur einem Kabel, an dem ein sehr schlanker Bildsensor sitzt. In der Hightech-Ausführung finden sie in der Medizin Verwendung, aber es gibt auch extrem günstige USB-Lösungen, die durchaus passable Bilder liefern. Ein nicht ganz zu unterschätzendes Problem ist allerdings das Display. Was erst einmal trivial klingt, entpuppt sich in dem einen oder anderen Fall als echte Herausforderung. Denn wer möchte schon gerne sein Notebook unter den tropfenden Küchenabfluss stellen? Oder statisch fragwürdig auf einem Mauervorsprung? Praktischer ist da schon ein Endoskop mit integriertem Display. Die allerdings sind bei vernünftiger Qualität nicht günstig und anders herum lassen bei den preiswerten Modellen häufiger die Monitore zu wünschen übrig.

Mit dem Endoskop den Abfluss herunter. Ganz einfach.
Vergrößern Mit dem Endoskop den Abfluss herunter. Ganz einfach.

Das Smartphone hilft

Eine sehr einfache Lösung, ein gutes Endoskop für den Hausgebrauch zu realisieren, besteht darin, dass Android-Smartphone zu verwenden. Die zentrale Voraussetzung: Es muss zwingend USB OTG (on the go) unterstützen. Oder anders ausgedrückt: Der USB-Port muss auch im Host-Modus fungieren und Geräte wie Speichersticks oder Webcams ansprechen können. Anders als Apple-Geräte unterstützen nämlich bei Weitem nicht alle Tablets oder Smartphones mit dem Google-Betriebssystem dieses Feature. Es gibt zahlreiche kostenlose Apps, z.B. "OTG Status", mit denen sich feststellen lässt, ob das eigene Telefon dazu in der Lage ist, USB-Geräte anzusprechen. Einige dieser Apps bieten sogar an, den Versuch zu unternehmen, das Feature „nachzurüsten“. Allerdings ist hierfür mindestens Root-Zugriff nötig, weil durch die App einige Systemdateien ergänzt werden. Trotzdem gibt es keine Garantie, dass am Ende das Handy auch wirklich OTG-fähig ist.

Ein OTG-Kabel ist das Verbindungsstück zwischen Kamera und Smartphone.
Vergrößern Ein OTG-Kabel ist das Verbindungsstück zwischen Kamera und Smartphone.
Es wird in den USB-Port des Handys gesteckt. Voraussetzung ist, dass das Gerät OTG unterstützt.
Vergrößern Es wird in den USB-Port des Handys gesteckt. Voraussetzung ist, dass das Gerät OTG unterstützt.

Die richtige Kamera

Ist die erste Hürde genommen, kann man sich an die Beschaffung der Kamera machen. Wir haben gute Erfahrungen mit einem Modell von KKMoon gemacht, ein absolutes Billig-Produkt, das man schon für um die 10 Euro bekommt. Bei anderen Kameras kann es sein, dass man noch eine zusätzliche Stromversorgung benötigt oder dass der Android-eigene Treiber schlichtweg inkompatibel ist. Trotzdem erfüllt auch die günstige Kamera ihren Zweck; sie ist wasserfest und liefert ein brauchbares Bild. Ein dimmbarer LED-Ring um den sehr dünnen Kopf sorgt für ausreichend Licht im Dunkel. Sicherlich ist die mechanische Belastbarkeit nicht übermäßig hoch, aber immerhin gehören sogar ein paar „Werkzeuge“ zum Lieferumfang, mit denen sich kleine Gegenstände bergen oder leichte Hindernisse entfernen lassen.

Gesteuert wird die Kamera über die App CameraFi. Hier ist es auch möglich, Fotos zu machen, etwa wenn man eine schadhafte Stelle findet, beispielsweise bei einer Auspuff-Kontrolle, wie hier zu sehen.
Vergrößern Gesteuert wird die Kamera über die App CameraFi. Hier ist es auch möglich, Fotos zu machen, etwa wenn man eine schadhafte Stelle findet, beispielsweise bei einer Auspuff-Kontrolle, wie hier zu sehen.
Die Kamera selbst wird per USB-A-Stecker angeschlossen, das Rädchen dient der Regelung der Helligkeit der LEDs im Kamera-Kopf.
Vergrößern Die Kamera selbst wird per USB-A-Stecker angeschlossen, das Rädchen dient der Regelung der Helligkeit der LEDs im Kamera-Kopf.

Die passende App

Es existiert eine Reihe von Apps, die USB-Kameras am Smartphone ansprechen können. Welche mit dem jeweiligen Handy-und Kamera-Modell funktionieren, muss man leider ggf. ausprobieren. Grund dafür ist einfach die nicht immer exakt gleiche Ansprache des USB-Ports durch das Betriebssystem und mitunter auch die variierende Stromstärke an eben diesem Anschluss. Eventuell muss man mit einem Y-OTG-Kabel arbeiten und eine kleine Powerbank als zusätzliche Stromquelle verwenden, weil das Smartphone alleine nicht genug Strom liefert. In diesem Zusammenhang nicht zu unterschätzen ist übrigens die Länge des Kamera-Kabels. Die KKMoon gibt es in Ausführungen bis zu zehn Meter, was einen entsprechend höheren Leitungswiderstand im Vergleich zu der von uns verwendeten 2-Meter-Variante mit sich bringt. In unserem Fall funktioniert die App CameraFi sehr gut, auch ohne Zusatzstromversorgung. Sie liefert flüssige Bilder und arbeitet ohne Verbindungsabbrüche, sodass wir hier ein wirklich günstiges Inspektionssystem realisiert werden kann. Der Nachteil im Vergleich zu mancher fertigen Variante besteht im nicht vorhandenen Schwanenhals, was beispielsweise Inspektionen im Motorraum eines Autos erschwert. Denn unsere Kamera lässt sich außerhalb eines Rohres nicht wirklich zielgerichtet führen. Allerdings lässt sich das Problem mit einem kräftigen Draht, je nach Bedarf auch mit einem Besenstiel und etwas Klebeband schnell lösen; die Kamera wird dann einfach temporär fixiert.

Will man die Kamera gezielt irgendwo einsetzen, wo es keine Führung für das Kabel gibt, ist Improvisation gefragt. Hier mit einem Besenstiel.
Vergrößern Will man die Kamera gezielt irgendwo einsetzen, wo es keine Führung für das Kabel gibt, ist Improvisation gefragt. Hier mit einem Besenstiel.
Welche App mit dem vorhandenen Handy gut funktioniert, muss man leider ausprobieren.
Vergrößern Welche App mit dem vorhandenen Handy gut funktioniert, muss man leider ausprobieren.

Fazit

Diese simple USB-Inspektionskamera ist sicher nichts für den täglichen Einsatz in einer KFZ-Werkstatt oder anderen professionellen Umfeldern. Aber wer dreimal im Jahr in ein Abflussrohr, hinter einen Schrank oder unter die Terrassendielen schauen muss, fährt damit gut. Kleiner Tipp: Wenn Sie ein Smartphone haben, mit dem die Kamera zusammenarbeitet, rangieren Sie es nicht komplett aus, auch wenn Sie längst für den Alltag ein neues Modell nutzen.

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