Binaural Beats

Digitaler Rausch – Drogen aus dem Kopfhörer

Montag, 02.04.2012 | 11:29 von Friederike Jubel
Im Internet machen digitale Drogen die Runde – doch was können sie wirklich und sieht man tatsächlich bunte Farben nach dem Konsum?
Vergrößern Im Internet machen digitale Drogen die Runde – doch was können sie wirklich und sieht man tatsächlich bunte Farben nach dem Konsum?
High werden ohne Pillen, Spritzen oder Pülverchen, ohne Gesundheitsschäden? Binaural Beats heißt das Verfahren, das hinter den Drogen aus dem Kopfhörer steckt.
Jugendliche, die sich dem Drogenrausch hingeben sieht man immer wieder. I-Dose und ähnliche Plattformen bieten mp3-Dateien, die solche Rauschzustände ohne Einnahme von Drogen erreichen sollen. Kopfhörer auf, Player an und ab geht die Post. Was ist wirklich dran an den angeblichen digitalen Drogen, dem Rausch aus dem Kopfhörer?

Binaural Beats

Alpha-Wellen liegen im Frequenzbereich zwischen 8 und 13
Hz. Sie treten nur bei geschlossenen Augen auf. Der Zustand
entspricht einem entspannten Wachsein.
Vergrößern Alpha-Wellen liegen im Frequenzbereich zwischen 8 und 13 Hz. Sie treten nur bei geschlossenen Augen auf. Der Zustand entspricht einem entspannten Wachsein.

Welche "Musik" da abgespielt wird ist letztendlich unwichtig, denn es geht nicht um das, was das Ohr hört, es geht um das, was im Gehirn entsteht. Doch zuerst zu der zugrunde liegenden Technik: Voraussetzung ist, dass Sie die mp3-Dateien über Stereo-Kopfhörer anhören. Auf dem rechten und linken Kanal hören Sie nun Töne mit leicht unterschiedlicher Tonhöhe. Bis zu einer Differenz von 30 Hz können die meisten Menschen diesen Unterschied nicht hören. Das Gehirn reagiert jedoch und erzeugt eine eigene Welle, die nicht hörbar ist, sich aber berechnen lässt. Sie ist im EEG nachweisbar. Im menschlichen Gehirn entstehen je nach Frequenz der Welle unterschiedliche Reize beziehungsweise Zustände. Man unterscheidet grob fünf Frequenzbereiche:

Die niedrigeren Frequenzbereiche (Delta-, Theta- und Alpha-Wellen) regen Zustände an, die denen der Schlafphasen ähneln und vor allem für Entspannung sorgen. Ab einer Frequenz von 13 Hz spricht man von Beta-Wellen, die für erhöhte geistige Aufmerksamkeit und erhöhte Problemlösungs-Fähigkeit verantwortlich sein sollen. Diese Arten von Wellen werden beim EEG aber auch in Zusammenhang mit der Einnahme von Psychopharmaka oder während des REM-Schlafs gemessen.Erst im ab einer Frequenz von 30 Hz aufwärts kann es zu Aggressivität oder Angstzuständen kommen. Diese Gamma-Wellen, die auf dem EEG mit bloßem Auge kaum erkennbar sind, erscheinen aber ebenfalls bei hoher Konzentration.

Beta-Wellen liegen im Bereich zwischen 13 Hz und 30 Hz und
treten in unterschiedlichsten Zusammenhängen auf. Sie werden sowohl
während des REM-Schlafs als auch bei Einnahme von Psychopharmaka
gemessen. Sie erscheinen aber ebenfalls bei Anspannung.
Vergrößern Beta-Wellen liegen im Bereich zwischen 13 Hz und 30 Hz und treten in unterschiedlichsten Zusammenhängen auf. Sie werden sowohl während des REM-Schlafs als auch bei Einnahme von Psychopharmaka gemessen. Sie erscheinen aber ebenfalls bei Anspannung.
Gamma-Wellen treten im Frequenzbereich über 30 Hz auf. Sie
sind auf dem EEG-Streifen mit bloßem Auge nicht zu erkennen und
treten zumeist in Verbindung mit hoher Hirnaktivität auf. Dadurch
können in diesem Bereich auch Angstzustände oder Aggressivität
auftreten.
Vergrößern Gamma-Wellen treten im Frequenzbereich über 30 Hz auf. Sie sind auf dem EEG-Streifen mit bloßem Auge nicht zu erkennen und treten zumeist in Verbindung mit hoher Hirnaktivität auf. Dadurch können in diesem Bereich auch Angstzustände oder Aggressivität auftreten.

So viel zur Theorie. Entdeckt wurden diese Binaural Beats bereits 1839 von dem Physiker Heinrich Wilhelm Dove. Seither streiten sich die Wissenschaftler über die Auswirkungen dieser unhörbaren Wellen und mittlerweile ist eine ganze Industrie entstanden, die ihre "Musikstücke" zu Preisen bis zu 200 € auf den Markt wirft. Videos auf Youtube sollen die Wirkung einer solchen Dosis Rauschmusik zeigen. In der Praxis ist das Ganze jedoch eher viel Wind um Nichts. Ähnlich wie bei epileptischen Anfällen, erzeugt durch rhythmische Lichtreflexe, kann es auch hier bei Menschen mit entsprechender Veranlagung zu mentalen Auswirkungen kommen, die meisten werden aber nur eine beruhigende Wirkung feststellen, wenn überhaupt. Bei einer "Überdosis", sprich längerem Konsum solcher Ton-Stücke, kann es gegebenenfalls zu Reizentzug – Sensorische Deprivation -  kommen. Dieser Zustand, der auch aus der Folter bekannt ist, tritt dann ein, wenn der Testperson jegliche Reize von außen genommen werden, beispielsweise in einem dunklen, schalldichten Raum. Nach einer gewissen Zeit erzeugt das Gehirn Pseudoreize in Form von Tönen, Lichtreflexen bis hin zu Halluzinationen. Wie lange das dauert hängt von der Veranlagung des Einzelnen ab. Dafür brauchen Sie aber keine Pseudomusik, Ruhe und Entspannung reicht völlig.

Im niedrigsten Frequenzbereich von 0,1 Hz bis 4 Hz finden
sich die Delta-Wellen. Sie sind vor allem mit der Tiefschlaf-Phase
verbunden, treten aber auch im Zusammenhang mit Hirnschäden
beziehungsweise Epilepsie auf.
Vergrößern Im niedrigsten Frequenzbereich von 0,1 Hz bis 4 Hz finden sich die Delta-Wellen. Sie sind vor allem mit der Tiefschlaf-Phase verbunden, treten aber auch im Zusammenhang mit Hirnschäden beziehungsweise Epilepsie auf.

Wer selbst einmal ausprobieren will, welche Wirkung diese Binaural Beats auf ihn haben, kann sich das Hörbeispiel bei Wikipedia anhören.

Dem Bereich Schläfrigkeit und der Einschlaf-
beziehungsweise Aufwachphase zugeordnet sind die Theta-Wellen, die
im Frequenz-Bereich von 4 Hz bis 8 Hz gemessen werden.
Vergrößern Dem Bereich Schläfrigkeit und der Einschlaf- beziehungsweise Aufwachphase zugeordnet sind die Theta-Wellen, die im Frequenz-Bereich von 4 Hz bis 8 Hz gemessen werden.

Praktische Verwendung finden diese Binaural Beats unter anderem in Meditations- und Entspannungs-Musik, wobei die auslösenden Frequenzen in Naturtönen oder anderen Klangfolgen einbettet werden.

Montag, 02.04.2012 | 11:29 von Friederike Jubel
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